Reisetagebuch
Algerien 1990
von
Rita Terjung und Jörgen Hohenstein mit einem Hanomag AL 28
-
Anfahrt über Sizilien, Tunesien -
Do.12.7. Morgens um 6.00 Uhr
hatten wir 6°C Außentemperatur. Aber das wird sich wohl recht bald ändern. Ab
Garching herrschte mal wieder der all morgendliche Stau Richtung München. Aber
diesmal waren wir schlau; fuhren in Garching-Süd ab und über Ismaning zur
Anschlussstelle Aschheim/Ismaning auf die Ost-Umgehung. Klappte prima. Im Radio
hörten wir jetzt laufend Meldungen über die kaputte Inn-Autobahnbrücke bei
Kufstein. Wir waren unschlüssig. "LKWs werden nicht abgefertigt!"
dröhnte es wieder mal über die Lautsprecher. Sind wir nun ein LKW? Oder ein
Wohnmobil? Ist ein Wohnmobil, das vorher LKW war, weiterhin ein LKW? Was ist ein
LKW? Ein 7,5-Tonner?
Wir
ließen es nicht darauf ankommen und wollten über den Achenpass. Plötzlich
ging es in Gmund ohne Vorwarnung steil bergab. Die Bremsen quietschten. Jörgen
war sich sofort sicher, dass eine Bremse fest saß. Aber vielleicht konnten wir
noch weiterfahren. Die kleinen Straßen am Tegernsee waren sehr unübersichtlich
und unangenehm zu befahren. In Scharling, am Ende des Tegernsees tankten wir
noch mal voll. Das linke Vorderrad war heiß. So konnten wir doch nicht weiter,
drehten um und fuhren diese schreckliche Straße zurück nach Gmund zur
Mercedes-Werkstatt. "Wir müssen eine Fähre erreichen, es eilt!"
Jörgen drängelte. Der Meister ging mit seinen Leuten sofort an die Arbeit. Es
war 11.00 Uhr. Rad abgenommen, geprüft, nichts zu finden. Mittagspause. Nach
ca. 45 Minuten wurde weitergeprüft. Um 14.30 Uhr machten Jörgen und der
Meister die erste Probefahrt. Das Rad wurde immer noch heiß. Also Bremsschlauch
ausgetauscht und Bremse neu eingestellt. Probefahrt - o.k. Mittlerweile war es
16.30 Uhr. 5 1/2 Stunden verloren. "Dös is a guat Streck' übern Pass,
zwoa Stund' bis Innsbruck", gab der Meister uns mit auf den Weg. Eine halbe
Stunde später stießen wir auf eine Menge LKWs und stellten uns auf der
zweispurigen Straße dahinter. Es ging sehr, sehr schleppend vorwärts.
Merkwürdig war, dass uns kein Auto entgegen kam. Höchstens mal ein
Motorradfahrer. Leider hatten wir keinen guten Radioempfang und wussten daher
nicht was los war. Wo war die Grenze? Auf der linken Spur überholten uns Pkw's,
Wohnmobile und Wohnwagen. Nachdem wir im hinteren Radio die Schreckensmeldung
hörten, dass am Achenpass LKWs mit Gefahrengut nicht abgefertigt würden,
gesellten wir uns zu den Pkws auf der linken Fahrspur und fuhren an den vielen
LKWs vorbei über die Grenze nach Österreich. Wir hatten für sechs Kilometer
drei Stunden gebraucht. Nun mussten wir uns aber ranhalten und noch ein Stück
fahren. Vorbei am wunderschön gelegenen Achensee gings nach Innsbruck und über
den Brenner nach Italien. Um 0.15 Uhr stellten wir uns zum Übernachten auf den
Autobahn-Parkplatz vor Trient.
Fr.13.7. In Verona fuhren wir von
der Autobahn ab und besorgten uns in Villafranca di Verona Lire und Brot.
Über Mantova erreichten wir wieder eine Anschlussstelle der Autobahn. Eine
wunderschöne Strecke erwartete uns zwischen Bologna (24°C) und Florenz
(33°C). Sie führte hoch oben am Berg entlang über viele Brücken und
durch Tunnel. Eine grandiose Aussicht. In Florenz auf einem Parkplatz
stellten wir fest, dass die Hälfte der Strecke nach Trapani bereits
hinter uns lag. Der heißeste Ort auf der weiteren Fahrt war Orte mit
35°C. Auf der Höhe von Rom war es bedeckt und schwül, aber kein Regen.
In der Nähe von Frosinone haben wir an einer Autobahnraststätte
übernachtet.
Sa.14.7. 8.00 Uhr. Die Sonne
scheint, 22,7°C im Schatten. In San Vittore fuhren wir wieder mal von der
Autobahn ab um Brot zu kaufen. Die Straße führte parallel zur Autobahn
entlang. An einem Bahnübergang bretterte Jörgen mit 60 km/h über die Gleise
und demonstrierte damit Hanos ersten Flugversuch. Unsere technischen
Geräte haben dieses Durcheinandergewirbele wider Erwarten gut
überstanden. An der Anschlussstelle Caianello erreichten wir wieder
die Autobahn. Bis Neapel passierten wir viele Baustellen auf der A2. In
Salerno endete die Autobahn plötzlich und nach einer unklaren
Straßenführung "fanden" wir die Autobahn 'gen
Süden. Dann Stau! Für 34 Kilometer brauchten wir 2 1/4 Stunden.
"Nie wieder am Wochenende durch Italien/Süd!" wir stöhnten
gelangweilt. Die Autobahn ist mautfrei. Es folgten mehrere kleine Staus
vor Tunnel. Ein Krankenwagen quälte sich durch die Mitte. Dahinter eine
Kette italienischer PKW, die so auf ein schnelleres Vorankommen hofften.
Durch dieses viele "stop and go" konnte man die wunderschöne
Gegend gar nicht richtig genießen. Abends haben wir dann einen, für
Italien außergewöhnlichen Parkplatz gefunden. Riesengroß und
menschenleer; eine Fehlplanung. Für uns jedoch zum Übernachten ideal.
Wir aßen Tomatensalat, Schafskäse, Oliven, Brot und tranken dazu
Weißwein. Endlich konnten wir auch duschen. Keiner störte
uns.
So.15.7. Die Nacht war sehr
ruhig. Bei soviel Ruhe konnten wir schon fast nicht mehr richtig schlafen.
Um 7.15 Uhr hatten wir bereits 21 °C Außentemperatur. Die Überfahrt von Villa
S.Giovanni nach Messina (Sizilien) lief problemlos und war gar nicht teuer
(s. Anhang). Von Messina bis Barcellona Pozzo di Gotto fuhren wir fast
ausschließlich durch Tunnel. In S. Agata di Militello endete die Autobahn
plötzlich. Die folgenden 60 Kilometer waren ein Horrortrip. Hinzu kam, dass
Jörgen unbedingt wissen wollte, wie weit der Hanomag mit dem großen Tank
fährt. Und prompt blieben wir auf der kleinen Straße vor einer Kurve
stehen. Natürlich zu einer Zeit, wo die Leute vom Strand zurück
nach Palermo fahren. Das war der erste Stau, den wir verursacht
hatten. Hano sprang wieder an als Diesel nachgekippt wurde, fuhr ein
wenig und blieb mitten auf einer Kreuzung stehen. Verkehrschaos! Nach einiger
Zeit konnte Jörgen wenigstens zur Seite fahren. Der Tank musste
entlüftet werden. Hano sprang wieder an. In Cefalu hatten wir uns kurz
verfahren und als es zur Autobahn bergan ging, blieb Hano wieder stehen.
Nochmal entlüften. Hano sprang wieder an, fuhr auf die Autobahn und im
ersten Tunnel ging er wieder aus. Glücklicherweise ging es bergab und so
konnten wir in eine Bucht zwischen zwei Tunnel gelangen. Jörgen tauschte
einen Dieselhauptfilter aus und nach einiger Zeit sprang der Wagen
an. "'ne Stunde war der Hano krank, jetzt läuft er wieder, Gott sei
Dank!" ein erlöster Stoßseufzer von mir. Der krönende Abschluß
dieses Tages war die Durchfahrt durch Palermo, abends um 21.45 Uhr. Wir
fanden keine Hinweisschilder und sind deshalb immer der Straße nach
gefahren. Es waren viele Leute unterwegs. Wir wollten tanken. Tankstellen
fanden wir aber nur in der Gegenrichtung; dort kamen wir nicht hin. Na ja,
dann erst mal auf die Autobahn. Und dann das !! Ein Schild "keine
Tankstelle". Uns wurde doch etwas mulmig und so fuhren wir nach
Terrasini. "An der Autobahn kann man mit Scheinen tanken", mit
diesen Worten schickten uns die Leute wieder zurück. Zunächst übernachteten
wir jedoch auf einem verdreckten Autobahn-Parkplatz.
Mo.16.7. Zu unserem Schrecken war
weit und breit keine Tankstelle zu sehen. Bergab hat Jörgen schon immer
den Gang rausgenommen. So fuhren wir nach Castellammare de Golfo, wo wir
gerade noch rechtzeitig eine Tankstelle erreichten und auch Brot kaufen
konnten. Nach einem ausgiebigen Frühstück kamen wir um 9.15 Uhr in
der Hafenstadt Trapani an. Auf der gesamten Autobahnstrecke von Palermo
bis Trapani (120 km) gibt es keine Tankstelle. In Trapani suchten wir
zuerst ein Reisebüro auf. Die Dame im Büro gab bereitwillig Auskunft:
"Die Fähre am Dienstag ist voll. Aber Mittwoch ist noch was frei.
Gehen Sie zur Agentur gegenüber". Mit einigen Sprachschwierigkeiten
war die Buchung perfekt und der Preis o.k. Einen Teil der Fährkosten
bezahlten wir in bar, den Rest per Euro-Card. Seit wir unterwegs
waren, funktionierte die Versorgungsbatterie nicht richtig. Ein
Spannungsumwandler war defekt. Während ich auf der Suche nach einer
Telefonmöglichkeit war, beschäftigte Jörgen drei Polizisten mit der
Suche nach einem neuen Spannungswandler. Er wurde in Rallye-Manier im
Polizeiwagen durch Trapani kutschiert. Die Polizisten wollten ihm zeigen, wie
toll sie Autofahren können. Ich hatte trotz mehrmaligen Fragens keine Post
gefunden und auch die Vorwahl nach Deutschland nicht erfahren
können. Schließlich fuhren wir mit Hano hinter dem Polizeiwagen
her zu einer Bosch-Werkstatt. Dort stellten wir uns unter einen Baum
und schwitzten, denn es war schon sehr heiß. Die Polizisten bekamen für
ihre Mühe kaltes Bier, Cola und eine Sportzeitung mit Berichten von der
Fußballweltmeisterschaft. Glücklich zogen sie ab. Da auch die Mechaniker
keinen neuen Wandler auftrieben, waren wir froh, dass sie wenigstens den
alten reparieren konnten. Um 17.50 Uhr wollten wir dann endlich an den
Strand und baden. Wir fuhren in nördlicher Richtung bis zu einem kleinen
Fischerdorf. Dort stellten wir uns an den felsigen Strand und gingen erst
einmal baden. Das Wasser war sehr warm und nicht gerade sauber.
Abends saßen wir noch lange draußen und genossen die
Ruhe.
Di.17.7. Traumhafter Sonnenaufgang
um 6.20 Uhr. Um 6.45 Uhr hatten wir bereits 23°C im Schatten. Das
Schnorcheln lohnte sich nicht, alles war voller Tang, keine Fische. Nachmittags
ist Jörgen mit seinem neuen Klappstuhl zusammengekracht. "Eine
Fehlkonstruktion" sagt er. Hoffentlich bekommen wir in Trapani einen
neuen. Den ganzen Tag haben wir uns unter der Markise im Schatten
aufgehalten. Abends sind wir in einem Restaurant essen gegangen. Lt.
Speisekarte gab es nur Fisch. Wir bestellten uns aber Fleisch und vorweg
Spaghetti. Jörgen mit Meeresfrüchten, ich dagegen nur mit Tomatensoße.
Als wir zu unserem Stellplatz zurückkamen, besuchte uns eine
sizilianische Familie, die nebenan wohnte. Die Verständigung war etwas
schwierig, da unsere Italienischkenntnisse so ziemlich bei "Buona sera"
endeten und eine Unterhaltung in einer anderen Sprache nicht möglich war.
Ich bekam noch eine selbstgefundene Perle geschenkt, dann gingen wir
schlafen. Nachts war es sehr warm.
Mi.18.7. Heute um 23.00 Uhr geht
unser Schiff nach Tunis. Aber vorher wollten wir uns noch Erice ansehen,
die mittelalterliche Stadt auf einem Berg bei Trapani. Um 8.10 Uhr zeigt
unser Außenthermometer bereits 28,5°C an. Nach einer kurvenreichen Anfahrt
erreichten wir um 9.55 Uhr das 752 m hochgelegene Erice und stellten uns am
Ortseingang auf einen sehr schrägen Parkplatz. In der Hitze war der
Spaziergang durch Erice sehr anstrengend und wir fanden nirgends einen
schönen Aussichtspunkt. So haben wir uns bereits nach kurzer Zeit mit
Hano einen schattigen Stellplatz gesucht und den Nachmittag vergammelt. Um
ca. 18.00 Uhr sind wir wieder nach Trapani gefahren. Da gerade eine Fähre
nach Sardinien beladen wurde, kamen wir nicht in den Hafen, konnten aber
an der belebten Hafenstraße einen Parkplatz finden und das Treiben der
Händler und flanierenden Leute beobachten. Um 22.00 Uhr fuhren wir
in den Hafen. "Die Fähre geht erst um 2.00 Uhr", erzählte uns
ein "afrikaerfahrender" Österreicher. Andere Leute behaupteten,
sie legt erst um 3.00 Uhr ab. Auf jeden Fall brauchten wir noch
Stempel von der Police und die Verlade-Nummer von der
Agentur.
Do.19.7. Um 1.00 Uhr legte die
Fähre in Trapani ab. Jörgen inspizierte die Pullmann-Schlafsessel und
befand sie für fürchterlich. Mit Schlafsäcken, Kopfkissen,
Thermo-Unterlage und allen sonstigen wichtigen "Unterlagen"
bewaffnet suchten wir auf dem Deck nach einem Schlafplatz. Die besten
Plätze waren natürlich schon belegt. Ein annehmbares Plätzchen bot sich
noch an einer Schiffseite, aber es war ziemlich windig. Trotzdem haben wir ganz
gut geschlafen. Die Karten für die Police in Tunesien waren bereits
an Bord zu haben. Wir hatten genug Zeit sie auszufüllen. Um 10.00 Uhr
erreichten wir La Goulette, den Hafen von Tunis. 50 Minuten Später
fuhren wir von Schiff und man leitete uns in die erste Halle zur
Polizeikontrolle. Bei der Ausschiffung wurde eine Halterung des rechten
Außenspiegels abgerissen. Jörgen war sauer über die mangelnde
Einweisung. Die Polizeikontrolle verlief problemlos, beim Zoll fing
dagegen alles erst richtig an. Zunächst musste man sich in den kleinen Büros 3
Formulare besorgen. Die waren auszufüllen. Trotz aller Vorsicht hatte ich
plötzlich einen der blauberockten Helfer am Hals. Andererseits war ich
ganz froh, denn so ging alles schneller. Der Österreicher hing auch an
mir dran. Als "erfahrener" Afrikafahrer hätte er an und für
sich doch wissen müssen was hier abläuft. Mit den ausgefüllten
Formularen, Pässen und Autopapieren musste ich mich wieder anstellen,
wurde von einem Büro ins andere gejagt und schwitzte vor mich hin.
Wenn alles mit den begehrten Stempeln versehen ist, muss man einen
Oberzollbeamten finden und ihm die Papiere unter die Nase halten. Einer
bequemte sich dann, Hano anzusehen und flüchtig zu durchsuchen. Die
Fahrgenehmigung aber musste er scheinbar bei einem Hauptzollbeamten
einholen. Schließlich durften wir zwischen den wartenden Fahrzeugen
vorbei zur anderen Seite der Halle fahren. Nach weiterer zweimaliger
Kontrolle verließen wir bereits nach 1 3/4 Stunden den Hafen. Gekostet
hat uns das lediglich DM 20,-- für den Helfer. Da der Preis vorher nicht
ausgehandelt war, musste er nehmen, was er bekam. Zufrieden war er
anscheinend nicht. Glücklich über die schnelle Zollabfertigung
fuhren wir über den Damm nach Tunis, da die geplante Strecke über Rades
auf 3,5 t begrenzt ist. In Tunis fanden wir die Autobahnauffahrt nicht und
sind schließlich Nationalstraße gefahren. 21 km von Tunis entfernt haben
wir in einem kleinen Wäldchen ausgiebig gefrühstückt. Eine richtige
Autobahnanschlussstelle haben wir nicht gefunden und sind einfach "cross"
auf die Autobahn gefahren. Kurz hinter Hammamet badeten wir an einem fast
menschenleeren Strand herrlich und duschten anschließend ausgiebig. Jetzt
konnte die Wüste kommen! Wir nahmen die direkte Strecke nach Tozeur
und stellten uns hinter Kairouan kurz vor Hajeb el Ayoun auf einen Berg.
Ein anderer Stellplatz war nicht zu finden. Schon nach kurzer Zeit
bekamen wir Besuch von zwei jungen Männern. Sie ließen uns in Ruhe
essen, waren dann aber neugierig. Nach dem üblichen "woher" und
"wohin" war plötzlich die Fußballweltmeisterschaft das Thema.
Nach dem Adressenaustausch um 21.30 Uhr war es
stockfinster.
Fr.20.7. Nachts war es sehr
windig und es hatte sich doch sehr abgekühlt. Morgens war es dann mit
einem Mal windstill. Aber nicht lange und da ich bereits unter
Augenproblemen litt, dichtete ich meine Sonnenbrille zusätzlich mit
Leukotape ab. Um uns herum natürlich wieder Kinder, die den Wagen ganz
genau beobachteten. 30 km vor Gafsa haben wir an einer Wasserstelle
Wäsche gewaschen und die Wassertanks aufgefüllt. Kurz nach Mittag zeigte
uns das Grün am Horizont, dass wir das Bled el-Djerid, das Land der
Dattelpalmen erreicht hatten. Der größte Ort ist Tozeur; die 1050 ha
großen Oasen umgeben ihn im Süden und Osten. In Tozeur wollten wir im
Magazin Generale, im Supermarkt, noch einiges einkaufen. Leider
hatte er geschlossen. Also erst einmal telefonieren. Auch das ging
erst ab 15.00 Uhr. Zum Zeitvertreib fuhren wir durch den Oasenweiler Abès
zum Marabut des Sidi Ali Bou Lifa. Den ganzen Vorplatz nimmt ein riesiger
gespaltener Brustbeerenbaum (auch Judasdorn;frz. jujubier) ein. Der Baum
ist sogar auf der Michelin-Karte verzeichnet. Zurück gings auf der schmalen
Straße durch den Palmenhain nach Tozeur. Unser nächstes Ziel war der
Aussichtsfelsen Belvèdère. Von dort hatten wir einen schönen
Ausblick auf die Palmen und Tozeur. Auf staubiger, enger Piste kamen
wir kurz nach 15.00 Uhr wieder in Tozeur an. Nach etlichen Versuchen kam
auch ein Telefongespräch nach Deutschland zustande. Schließlich waren
wir noch auf dem Markt und im Supermarkt (Wein), dann gings ab Richtung
Grenze. Hinter Nefta trafen wir kaum noch Menschen an. Um 17.40 Uhr
erreichten wir Hazoua und damit die tunesische Grenze. An jeder Grenze
getrennt war immer Polizei und Zoll. Und jedes mal das gleiche, Formulare
ausfüllen und warten. Der tunesische Zoll war ziemlich unverschämt. Steckten
alles ein, was sie fanden. Sogar Jörgens Zweituhr. Aber das war immer
noch besser, als wenn sie in der Hitze den Wagen auseinandergenommen
hätten. Erst als Jörgen ärgerlich "C'est fini" sagte, hörten
sie auf. Das Ganze dauerte lediglich eine 3/4 Stunde. Dann durften wir
weiter nach Bouaroua, der algerischen Grenze. Bei der Polizei warteten wir
eine Stunde auf unsere Pässe, dann gings zum Zoll. Vor uns war ein
Deutscher, der anscheinend ein Auto überführte. Wieder Formulare
ausfüllen. Für jeden eine getrennte Devisendeklaration und die Fotoapparate
wurden auch eingetragen. Ein Zollbeamter stieg in den Hanomag, sah sich
flüchtig um und fragte, ob wir seinen Freund zum nächsten Ort mitnehmen
könnten. Jörgen sagte zu und die Kontrolle war damit beendet. In
Algerien muss man bei der Einreise eine Autohaftpflichtversicherung
abschließen. Nach allen Auskünften sollte eine "assurance frontiere",
eine sogenannte Grenzversicherung, die günstigste sein. Da wir jedoch
kein Geld hatten, fuhren wir zunächst zur Bank. Diese war jedoch
verschlossen. Wir also wieder zurück zur Grenze. Dort sagte man uns, wir
müssten gegen die Tür schlagen. Also nochmals zur Bank. Auf unser
Rütteln hin wurde sogar geöffnet. Der Zwangsumtausch in Algerien beträgt für
Erwachsene 1000 Dinar pro Person (z.Z. ca. DM 200,--), wird auf der
jeweiligen Devisendeklaration eingetragen und mit Stempel und Unterschrift
bescheinigt. Nach dieser Prozedur fuhren wir wieder zur Grenze,
schlossen die Versicherung ab, luden den Freund vom Zöllner ein und
fuhren nach ca. 2 1/2 Stunden Gesamtaufenthalt an der algerischen Grenze
Richtung El Oued. Wir mussten unsere Uhren eine Stunde zurückstellen,
denn Algerien nimmt nicht an der Sommerzeit teil. Es dämmerte und
während der Fahrt wurde es schnell dunkel. Mehrere Sandverwehungen
erschienen im Scheinwerferlicht. In El Oued wollte uns unser Mitfahrer
noch einen Stellplatz zeigen, prompt saßen wir im Sand fest und hatten
Mühe, wieder auf die Straße zu kommen. Da wollten wir uns doch lieber an
eine Tankstelle stellen. So fuhren wir nach El Oued zurück, luden den
Zöllner zu Hause ab und fragten an der Tankstelle nach einer
Übernachtungsmöglichkeit. "No Problem!" Wir machten es uns
hinten auf dem Gelände bequem. Die Männer von der Tankstelle brachten
uns noch Tee. Aber wir waren mächtig kaputt und die Unterhaltung
verlief schleppend. Zudem war es sehr windig und der feine Sand
wehte zum offenen Fenster herein.
Sa.21.7. Um 6.55 Uhr zeigte das
Außenthermometer schon 26°C an. Um 7.50 Uhr tankten wir an der
Tankstelle und fuhren weiter. El Oued, die Stadt der tausend Kuppeln,
wollten wir auf der Rückfahrt besuchen. In der Souf-Region rings um El Oued
haben die Oasenbauern keine Probleme mit dem Be- und Entwässern ihrer
Palmengärten. Da der Grundwasserspiegel dort nicht allzu tief liegt,
werden per Menschenhand tiefe Trichter ausgehoben, deren Durchmesser oben
mehrere hundert Meter betragen kann. Auf den Grund werden die
Dattel-Palmen gepflanzt und die Wurzeln reichen so von selbst bis an
die wasserführenden Schichten heran. Gegen den ständigen Wind werden die
Trichter an ihren Rändern mit Palmwedeln geschützt. Dennoch müssen die
Gärten ständig mühsam vom hereinwehenden Sand befreit werden. Die
Straße zwischen El Oued und Touggourt ist zum Teil sehr stark versandet.
Die Dünen schieben sich mit der Windrichtung (Ost) auf die Straße und
können manchmal nur durch Sandräumer die freie Durchfahrt sichern. Ab
und zu erspäht man die grünen Spitzen der tief in den Trichtern
stehenden Palmen. Auch Sandrosen werden angeboten. Ich hatte aber den
Ehrgeiz, auf der Rückfahrt selbst welche zu finden. Vereinzelt bieten
Kinder am Straßenrand Tiere an (Fenek, Echse). Diese Tiere darf man auf
keinen Fall kaufen; auch nicht um sie später freizulassen. Mit
jedem Erfolgserlebnis stürzen sich die Kinder mit doppeltem Eifer auf die
Jagd. In Touggourt haben wir um 9.30 Uhr beim Bäcker kein Brot mehr
bekommen. Aber wir waren nicht alleine, es gab noch viele einheimische
Leidensgenossen. Hinter Touggourt wurde die Straße erneuert. Wir fuhren
ab und frühstückten aus unseren Beständen. Danach gings weiter Richtung
Hassi Messaout. Die Landschaft wurde flacher und eintöniger. Uns
begegneten immer weniger Pkw und LKW's. Die Luft flimmerte vor Hitze. Den
Straßenrand säumten jede Menge kaputte LKW-Reifen. In Hassi Messaout
hatten alle Läden geschlossen. Es war 13.30 Uhr. Der Ort ist eines
der wichtigsten algerischen Erdöl- und Erdgaszentren. Hassi Messaout ist
beileibe nicht schön und sehr unübersichtlich. Auf der Weiterfahrt wurde
der Wind wesentlich heißer als die Luft im Hano. Um 15.00 Uhr hatten wir
eine Außentemperatur von 45°C. Wir durchfuhren das Gassi Touil, ein bis
zu 20 Kilometer breites Tal zwischen den Dünenketten des Grand Erg
Oriental. Die Dünen hier zählen zu den größten Algeriens. Inmitten
dieser Einöde stürzte plötzlich ein Mann auf uns zu mit zwei Kanistern
in der Hand. Da wir immer reichlich Wasser mitführten, gaben wir ihm das
Gewünschte. Er war der Inhaber der Hütte "Cafe du Triangel" und lud
uns zum Cafe ein. Ich hatte gar nicht gemerkt, dass zwischenzeitlich auch
ein Gendarmerie-Wagen (grün-weiß wie unsere Polizeiwagen) dort hielt. Erst als
mir eine eiskalte Original-Mineralwasserflasche gereicht wurde, bemerkte ich die
beiden Militärbeamten. Eine nette Unterhaltung begann. Einer der beiden
Militärangehörigen spielte Handball (Linksaußen) und Basketball.
Hauptgesprächsthema war aber wiederum die Fußball-Weltmeisterschaft. Auf
ein Foto waren sie jedoch nicht zu bekommen. "No foto -
Militär" das war ihre Antwort. Um 18.00 Uhr fuhren wir weiter, nicht
ohne vorher Batterien für das Radio, den "Stern" sowie die
"Auto-Bild" dort zu lassen. Nicht sehr weit von der Hütte
entfernt fuhren wir an die Dünen heran (3 km). Wir hatten einen schönen
Übernachtungsplatz gefunden. Um 19.00 Uhr waren es noch 38,6° C im
Schatten und sehr, sehr windig. Jörgen hat auf dem Dach geschlafen. Mir
war es dafür zu windig. Um 2.00 Uhr hörte der Wind plötzlich auf. Gegen
Morgen setzte dann wieder ein leichter kühler Wind ein.
So.22.7. Um 6.00 Uhr ging die
Sonne auf. Ein wunderbarer, toller Anblick, wie er uns in der Wüste noch
häufiger begegnen sollte. Man wird dazu animiert, filmeweise Sonnenauf-
und Untergänge zu fotografieren. Wir haben uns schon zurückgehalten, diese
einmaligen Farben aufs Bild zu bannen, aber es sind dennoch genug Fotos
geworden. Um 7.00 Uhr stürmten wir die Dünen. In allen Büchern
steht, dass man das einmalige Erlebnis, mutterseelenallein auf dem
Kamm einer Düne zu sitzen, unbedingt mitmachen muss. Nun gut, es
war schon beeindruckend aber anstrengend und wenn ich versuchte mich
hinzusetzen, wehte mir der Wind den Sand in Mund und Augen. Nicht besonders
angenehm. Auf dieses einmalige Erlebnis kann ich jedenfalls verzichten und
so war ich froh, endlich unter der Dusche zu stehen. Sand liegt mir nicht
besonders. Immer muss man fegen und alle staubt voll. Hassi bel
Guebbour, der nächste Ort, besteht nur aus einer Tankstelle, einem Cafe
und noch einem Haus. Wir tankten und fuhren dann zur 2 km entfernten
artesischen Quelle. Dort sprudelt inmitten eines Schilfdickichts heißes
schwefelhaltiges Wasser aus dem Boden. Es bot sich direkt an zum
Wäschewaschen. Um 12.00 Uhr fuhren wir weiter. Die Landschaft ab Hassi bel
Guebbour wirkt wie Bauland, wo Bagger und Planierraupe gerade gewütet
haben. 120 km weiter war die Ausbaustrecke zuende und eine Schlaglochgrube. Das
Umfahren der Löcher war für Jörgen ziemlich schwierig und zum Teil
unmöglich. Die Verspannungen im Nacken wurden stärker. Lange Zeit führt
die Straße parallel am Abbruch des Tinrhert-Plateaus entlang. Der Abbruch
selbst ist jedoch nur an 2-3 Stellen zu erkennen. Wir fuhren an den
Abbruch heran und genossen die tolle Aussicht über die Djoua-Senke. Die
Gesteinsmassen forderten zum Steinesammeln auf, auch wir konnten nicht
widerstehen. In Nähe der Bohrfelder wurden wir öfter nach Whisky oder
Männerkleidung gefragt. Leider hatten wir auf der Fähre weder Spirituosen noch
Zigaretten bekommen können und die Kleidung brauchte Jörgen noch selbst.
Die Enttäuschung der Algerier war nicht zu übersehen. Kurz vor der
Abzweigung nach In Amenas stellten wir uns zum Übernachten auf ein
verlassenes Bohrfeld. Es war angenehm warm, nur 34° C und mäßiger Wind.
Zuerst war das Schlafen auf dem Dach urgemütlich. Mitten in der Nacht
jedoch kam Wind auf und es wurde sehr kalt; wir kuschelten uns in unsere
dicken Schlafsäcke.
Mo.23.7. Das Thermometer zeigte
20° C. Es war sehr stürmisch und ich hatte, wahrscheinlich bedingt durch
den Temperaturunterschied, zum erstenmal starke Kreislaufprobleme. Über
den "Saut du Moufflon", den Muffonsprung, an dem die Straße den
Abbruch des Tinrhert überwindet, holperten wir auf ständig schlechter
werdender "Straße" dem Ort In Amenas entgegen. Dort suchten wir
die Daira auf (Richtung Hospital). Bis heute wissen wir nicht, ob die
Daira in In Amenas identisch ist mit der Police. Jedenfalls hat der
hilfsbreite Polizist unsere Personalien aufgenommen. Mehr ging heute nicht. Die
Erlaubnis zum Befahren der Strecke nach Djanet sollten wir morgen in
Illizi erhalten. Wir hatten das Gefühl, dass dieser 23. Juli in Algerien
ein Feiertag ist. Auch die Post hatte geschlossen. So bunkerten wir
noch Wasser (direkt an der Polizei), kauften ein Baguette, drei
Ansichtskarten und fuhren zunächst auf einer Straßenbaustelle Richtung Illizi.
Nach ein paar Kilometern wurde die Straße sehr gut (neu). Die Temperatur
stieg rapide. Besonders der sehr heiße Wind machte uns zu schaffen. In
Illizi meldeten wir uns bei der Polizei (Hospital, dann rechts). Der nette
Polizist, er stammt aus Djanet, nahm unsere Personalien auf. "Djanet
ist schön, hier ist es zu heiß". Angesichts der Hitze hatten wir
unsere Zweifel, dass es weiter südlicher kühler sein sollte. Wir
fragten nach der Wilaya (Präfektur) zwecks Fahrerlaubnis. "Warum
wollen Sie zur Wilaya, brauchen Sie Diesel?" Wir bejahten. Er
zeigte uns den Weg; leider hatte die Behörde geschlossen. Ist wohl
doch ein Feiertag, obwohl hier in Illizi die Post geöffnet
hatte. Uns blieb nichts weiter übrig, als wieder aus Illizi hinaus
zurück auf die Teerstraße zu fahren und uns einen Übernachtungsplatz zu
suchen. Etwas abseits der Straße stellten wir uns unter einen Baum. Der
Wind war weiterhin sehr heiß. Wie gut, dass wir auf dem Dach schlafen
können; im Wagen war es kaum auszuhalten. Nach einer ausgiebigen Dusche
speisten wir gemütlich. Salat, Brot, Käse und dazu Wein. mh,
lecker!
Di.24.7. Trotz der großen Hitze
am Abend haben wir nachts gefroren und uns in unsere dicken Schlafsäcke
eingedreht. Der ständige Wind zieht die Wärme aus dem Körper; unsere
dünnen Baumwollschlafsäcke haben wir auf der ganzen Fahrt nicht
gebraucht. Der erste Weg führte uns wieder zur Wilaya. Von dort schickte
man uns zum Büro des Park nationale. Das Tassili n'Ajjer Gebirge
ist seit ca. 3 Jahren ein Nationalpark. Für die Besuchs- und
Fotografiererlaubnis (gilt bis Tamanrasset) haben wir 100 Dinare
(ca. 20,-- DM) pro Person bezahlt. Wiederum in der Wilaya verlangte man
von uns die Fahrerlaubnis aus In Amenas. Die hatten wir natürlich nicht. Damit
wurden wir zur "Sache des Chefs". Erst nach dessen Unterschrift
waren die Formalitäten erledigt (auf der gesamten späteren Pistenstrecke
wurden wir nicht ein einziges Mal kontrolliert). Auch an der Tankstelle
verlangte niemand nach der Fahrerlaubnis. Na, jedenfalls konnten wir
endlich um 9.40 Uhr direkt an der Wilaya vorbei auf die Piste und damit
gleich aufs Wellblech. Temperatur: 42,6° C. Durch ein kleines
Weichsandfeld hindurch erreichten wir die Felsenpiste des Plateau Fadnoun.
Die nächsten 1 1/2 Tage bewegten wir uns mit einer Geschwindigkeit von 10
- 20 km/h durch diese eintönige Hammada aus schwarzem, groben Geröll.
Verfahren kann man sich nicht, es gibt nur eine Piste. Parallel zur
Piste wird eine Straße nach Djanet gebaut (einige Kilometer sind bereits
planiert), mit deren Fertigstellung in diesem unwegsamen Gelände in den
nächsten Jahrzehnten wohl nicht zu rechnen ist. Nach wenigen Kilometern
überholte uns ein Kleinlastwagen, auf der Ladefläche vollgestopft mit
Menschen, Schafen und Ziegen. Ziel: Djanet. Der Fahrer fuhr sehr zügig,
wir wollten dagegen Hanomag und Reifen schonen. Etwa 50 km hinter Illizi
bat uns ein Mann um Wasser. Er wartete hier bereits seit sieben Tagen
mitsamt LKW und zwei kaputten Reifen auf Hilfe. Von den wenigen
Passanten erhielt er Wasser; von uns zusätzlich Bier. Hier im
Süden steigt die Nachfrage nach Bier. "Bleibt hier, es ist zu
heiß zum Fahren, ab 16.00 Uhr ist es besser", er versuchte
mehrmals uns zum Bleiben zu bewegen. Ohne Erfolg. Wir fuhren gerne
in der Hitze, so war sie für uns besser zu ertragen. Im weiteren Verlauf
führte die Piste kurvenreich durch diese menschenleere Mondlandschaft in
der nur ab und zu mal ein Bäumchen oder Grashalme auftauchten. Es war aber
nicht mehr so heiß wie in Illizi. Eindrucksvoll war gegen Abend die Fahrt
auf das Hochplateau. Man hatte eine tolle Aussicht auf die doch sehr
triste Landschaft. An einem Felsen schlugen wir unser Nachtlager
auf. Die Temperatur war angenehm. Einfach überwältigend ist jedoch
die Sternenpracht, wenn man so auf dem Dach des Hanomag liegt und den
Himmel betrachtet. Jörgen hat einen Satelliten, der immer zur gleichen
Zeit erschien, zu "unserem" Satelliten erkoren.
Mi.25.7. Pünktlich um 6.00 Uhr
war ich wach, um wieder einmal einen dieser phantastischen Sonnenaufgänge
zu erleben. Die Strecke führte über den steilen Plateau-Abbruch hinunter
in eine Ebene. Wir entschlossen kurzfristig uns für einen kleinen
Abstecher zum Oued Tadjeradjeri. Dem Hinweisschild Afri/Ifri folgend
bogen wir rechts auf eine Piste ein. Nach 7,5 und 10 Kilometern soll die
Piste ziemlich nahe am Oued vorbeiführen. "Warum soll ich anhalten,
ich sehe nichts?!" brummte Jörgen und fuhr weiter. Es war wirklich
nichts zu sehen. "Wir müssen anhalten und zu Fuß rübergehen" war
meine Antwort nach einem Blick ins Buch. "Sag das doch gleich"
Jörgen drehte um und fuhr 2 km zurück. Nach etwa 500 m Fußmarsch über
die steinige Ebene standen wir am gewaltigen, canonartigen Abbruch des
Oued Tadjeradjeri und sahen in die Tiefe. Faszinierend war auch, dass
dieser gewaltige Oued erst zu erkennen ist, wenn man unmittelbar davor
steht. Eine Wanderung in der Hitze ist jedoch ziemlich anstrengend und so
gingen wir, von Rieseninsekten (Wespen?) umschwärmt, bald zurück
zum Hanomag in den Schatten. Auf der weiteren Fahrt folgten wir
einer zum Teil schauerlichen Piste; durch ausgewaschene Flussbetten und
sogar durch wasserführende Oueds (Wadis). Teilweise hatte man das
Gefühl, steile Treppen hinabzufahren. Oueds sind Flussbetten, die die meiste
Zeit des Jahres trocken liegen und sich nur nach Regenfällen mit Wasser
füllen. In einigen Oueds ist seit ewigen Zeiten kein Wasser mehr
geflossen. Trotzdem haben wir es uns zur Regel gemacht, niemals in einem
Oued zu übernachten. Es kann durchaus passieren, dass in weit entfernten
Bergregionen Regen fällt. Dieser Regen ist häufig kurz aber heftig. Die
Berge sind sehr felsig und so fließt das Wasser in die Täler ab,
sammelt sich und spült als reißender Fluss alle Hindernisse weg,
obwohl in der näheren Umgebung kein Tropfen Regen gefallen ist. Es
wird behauptet, dass in der Sahara mehr Menschen ertrunken als verdurstet
sind. Wir besuchten die etwas abseits der Piste in einem Felseinschnitt
versteckte Guelta, die von Oleanderbüschen umsäumt wird. Leider
kamen wir von oben nicht direkt heran. Gueltas findet man verstreut in den
Gebirgsregionen. Diese Becken, die normalerweise das ganze Jahr über
einen gewissen Vorrat an Wasser speichern, werden meist durch Regenwasser
gespeist, das durch günstige Umstände in natürliche Felsbecken
abfließt. Da die Gueltas oft in schattigen Felseinschnitten liegen,
bleibt bis zum nächsten Regenfall ein Wasservorrat erhalten. Sie können
aber auch durch Quellen oder Grundwasser gespeist werden. In der Umgebung
einer Guelta trifft man häufig auf üppige Vegetation und Tiere. In
einigen Gueltas (z.B. auf er Strecke von Hirhafork zum Assekrem)
leben sogar Fische. Kurz nach Verlassen der Guelta erblickte eine
Gazelle und ging auf Fotojagd. Es war schwierig, die scheuen Tiere näher
vor die Kamera zu bekommen. 18 km hinter der Abzweigung nach Iherir folgten
wir der schlecht zu erkennenden Piste nach Tinterhert. Dort befinden sich
die berühmten Felsgravuren, die zweifellos zu den schönsten in der
Sahara zählen. Wir waren nicht sicher, ob dort Wächter waren, denn
offiziell ist der Besuch der Felsgravuren nur noch mit Bewilligung und
Führer erlaubt, die man im 40 km weit entfernten Fort Gardel oder in
Djanet erhält. Wir ließen es darauf ankommen, zumal es schon fast 18.00
Uhr war und die Gravuren im Abendlicht besonders schön zu sehen und zu
fotografieren sein sollten. Auf halber Strecke wies uns ein Schild noch
mal eindringlich auf das Verbot und die Bewilligung aus Fort Gardel hin.
Kurz danach erreichten wir die flache Felsplatte mit den wunderschönen,
kunstvollen Gravuren. Die berühmte Kuh von Tinterhert, die
schlafenden Antilopen, Giraffen, Strauße und menschliche Gestalten
konnten wir ungestört bewundern. Natürlich traten wir auf keines dieser
wundervollen Kunstwerke, denn wir wollten ja nichts zerstören. Einige
gedankenlose und unvernünftige Besucher haben bereits großen Schaden
angerichtet. Dann wurde es Zeit, einen Stellplatz zu suchen, zumal Jörgen
durch die viele Kurverei doch starke Verspannungen und ständige Schmerzen
im Nacken verspürte. Auf halber Strecke zurück (hinter dem
Verbotsschild) fuhren wir an Gueltas vorbei. Hier wollten wir
übernachten. Es herrschte wiederum eine angenehme Wärme. Den ganzen Tag
über war uns nur ein Fahrzeug begegnet.
Do.26.7. Jörgen wunderte sich,
dass es keine Mücken gab. Morgens, auf unserem Erkundungsausflug, bekamen
wir dann Gewissheit. Nach einer anstrengenden Kletterei stellten wir fest,
dass die großen ausgewaschenen Becken alle ausgetrocknet waren. Den Spuren nach
waren Nomaden hier gewesen. Wenn Menschen und Tiere trinken, trocknen
die Gueltas häufig aus. Dafür haben wir ein Murmeltier gesehen und
fotografiert. Als wir zur Hauptpiste zurückfuhren, standen an der
Abzweigung zwei Autos. Sobald wir in Sichtweite waren, brausten sie Richtung
Illizi davon. Wir vermuteten, dass die Insassen auch ohne Führer nach
Tinterhert wollten und durch uns daran gehindert wurden. Aus der Ferne
sieht der Hano auch aus wie ein Militärfahrzeug. Unsere Piste führte nun
in eine phantastische Felslandschaft. Riesige Felsen thronen auf den Kuppen
großer Gesteinsmassen und wirken wie Bergschlösser oder wie eine Festung
hoch oben auf den Hügeln. Sechs Kilometer weiter ging links eine Piste
ab, die nicht weit entfernt zu einem langgezogenen Felsen mit
Felsmalereien aus der Rinderepoche führte. Wir haben auf unserer weiteren
Reise lediglich Gravuren gefunden; dieses hier waren die einzigen
Malereien. Unter dem Felsvorsprung findet man Hinweise auf früheres
Wohnen. Weiter hinten auf der kleinen Piste gibt es tolle
Übernachtungsmöglichkeiten. Leider war es erst 10.00 Uhr früh. In der
folgenden, wundervoll bizarr geformten Felsenwelt des Tassili n'Ajjer begegneten
uns noch vier Geländefahrzeuge (Ausflügler aus Djanet) bevor wir über
den 1200 m hoch gelegenen Tin-Taradjeli-Paß hinab ins Tal fuhren. Einige
Kilometer begleitete uns noch die einzigartige Landschaft, dann standen
wir plötzlich vor einem Schild. "200 km gefährliche Piste"
wies dieses Richtung Illizi aus. In Illizi stand aber keins! "Wir
haben es geschafft!" Jörgen schrieb diese Worte auf die Rückseite
des Schildes. Er hatte es geschafft, denn ich bin nicht gefahren, sonst
lägen wir vielleicht irgendwo hilflos in einer Schlucht. Aber
Kartenlesen, das kann ich. Ist doch auch was, oder? Weiter gings auf
breit gefächerter Piste nach Fort Gardel. Von da aus führte eine irre
Wellblechpiste nach Djanet. Man hatte das Gefühl, über einen
quergepflügten Acker zu fahren. Fürchterlich! Jörgen blieb nichts
weiter übrig, als möglichst oft in die Weichsandfelder auszuweichen um
dieses entnervende Wellblech zu umgehen. Teilweise war das nur mit
Allrad-Antrieb möglich. Der Gedanke, dass wir auf dieser Strecke wieder
zurück mussten, erfüllte uns mit Grausen. Kurz vor Djanet bat uns ein Mann um
einen Kanister Wasser. Er wohnte, wie noch ein paar weitere Leute unter
einem Baum. Für uns kaum vorstellbar. Dann folgte die Abfahrt nach
Djanet. Auf einer guten Teerstraße begann in der Dämmerung die
Stellplatzsuche. Jörgen war genervt. Und dann fanden wir keinen guten
Platz. Auf meinen Vorschlag hin, sich unter einen Baum neben eine Piste zu
stellen, reagierte er sauer. "Ich stell' mich doch nicht direkt neben eine
vielbefahrene Piste und schlucke dann den Staub!" Aber schließlich blieb
ihm nichts anderes übrig; es wurde schnell dunkel. Kein Fahrzeug kam und
wir haben auf dem Dach wunderbar geschlafen. Es war kaum windig.
Fr.27.7. Morgens hatten wir noch
lange Schatten, dadurch war es nicht sehr warm. Schon früh fuhren wir
nach Djanet zur Polizei um die vorgeschriebene Genehmigung für die
Weiterfahrt nach Tam zu erhalten. Leider hatten die Polizei und die Daira
geschlossen. "Demain - morgen", das meistgebrauchteste Wort in
Algerien. Jörgen war das ganz recht; er wollte den Hanomag durchchecken.
Ölwechsel u.s.w. An der Tankstelle war kein Ölwechsel möglich und
so beschlossen wir, erst einmal die Umgebung von Djanet zu erkunden.
Nach einem Blick ins Buch stellte ich fest, dass wir letzte Nacht direkt
neben Felsgravuren übernachtet haben. Ansonsten ist die Erkundung auf eigene
Faust in die Umgebung von Djanet ziemlich beschränkt. Zu den Tausenden
von Felszeichnungen, die in den 50iger Jahren von Henry Lhote entdeckt
wurden, sind nur geführte Ausflüge erlaubt, die allerdings mehrere Tage
dauern. Dazu fehlte uns die Zeit. Also suchten wir das beschriebene
steinzeitliche Rundgrab. Dabei passierten wir das ausgeschlachtete Wrack eines
Flugzeuges, das zu spät zur Landung angesetzt hatte und so die Kuppe einer
Hügelkette streifte, abstürzte und ausbrannte. Dann folgte eine kleine
Irrfahrt, da das Grab doch ziemlich versteckt liegt und es erst zu
erkennen ist, wenn man davor steht. Das Rundgrab ist ein großer
Steinhaufen, der von zwei konzentrischen Steinkreisen umrahmt wird, deren
äußerer einen Durchmesser von ca. 25 m aufweist. Vom Zentrum aus
laufen zwei parallele Steinreihen durch die Kreise nach außen.
Dieses auch sogenannte "Schlüssellochgrab" ist in der Größe
und Vollkommenheit sehr selten. Beerdigt wurden auf diese Art frühere
Stammesfürsten. Außerdem gibt es durch die vielen Hügelketten ein
tolles Echo. Wir suchten wieder unseren gestrigen Stellplatz auf.
Jörgen wechselte das Öl und ich versuchte weitere Gravuren oder
Versteinerungen zu finden. Leider vergeblich. In der Sonne war es sehr
heiß. Abends tranken wir tunesischen Wein und Jörgen fotografierte einen
moula-moula (Weißbürzelsteinschmätzer). Diese recht neugierigen Vögel
begegneten uns auf unserer Fahrt neben einigen Lerchenarten immer wieder.
Geschlafen haben wir wieder sehr gut, da während der ganzen Zeit, die wir
dort verbracht haben, nur ein Mopedfahrer die Piste entlang
kam.
Sa.28.7. Wir sind morgens um 8.00
Uhr zur Polizei gefahren. Auf unsere Frage, wo die Daira ist, hörten wir
nur ein "pourquoi - warum?" Na, wegen der Erlaubnis. Der Polizist
schüttelte den Kopf. Uns war das natürlich sehr recht. Wir füllten
unsere Wasservorräte am Polizeigebäude auf und fuhren zur Tankstelle. Auch
dort wollte man keine Erlaubnis sehen. Anschließend bummelten wir durch
Djanet. Djanet, das aus den drei Ortsteilen El Mihane, Adjahil und Azelouaz
besteht, wird auch "Perle der Oasen" genannt. Egal aus welcher
Richtung man kommt, ob wie wir von Norden über Illizi, von Süden aus dem
Niger, von Westen aus Richtung Tamanrasset oder von Osten aus Libyen, immer hat
man einen langen, beschwerlichen Weg hinter sich, denn Djanet ist noch
nicht auf einer Teerstraße zu erreichen. 1911 bauten die Franzosen im
heutigen Djanet ihr Fort Charlet als Verteidigungsstützpunkt gegen die
Senoussi, eine fanatische islamische Sekte aus Libyen, die sich mit Waffengewalt
und teilweise mit Unterstützung von Tuareg-Stämmen gegen ausländische
Eindringlinge erhob. Die Franzosen wollten ein Vordringen der Senoussi zum
Hoggar-Gebirge verhindern, konnten aber Attacken auf Tamanrasset dennoch
nicht unterbinden. Auf unserem Spaziergang trafen wir ein Pärchen aus
Holland, die sich auf dem Rückweg von Ghana befanden. Sie waren in der
Daira und sollten die Gebühr für die Durchfahrt des Nationalparkes
bezahlen. Darüber waren sie sehr empört. Wir verließen Djanet auf
der gleichen fürchterlichen Wellblechpiste, auf der wir gekommen waren. Sie kam
uns diesmal allerdings nicht so lang vor. In Fort Gardel hatten wir schließlich
die Piste nach Tam verloren. Nach einigem Hin und Her folgten wir der
Beschreibung im Buch und fuhren gemäß Kompass genau Richtung
Süden. Die Piste erschien uns sehr klein, wir fanden keine genauen
Spuren. Zu unserer Erleichterung tauchte jedoch nach einiger Zeit ein
Markierungspfahl auf, auf dem mit weißer Farbe "TAM" stand. Wir
waren also auf dem richtigen Weg. Diese Pfähle sollten in Abständen von
5 Kilometern die Piste markieren; man sieht sie allerdings nur, wenn man
auf dem Wellblech bleibt. Jetzt befanden wir uns aber in der
"Reg", einem weiten, flachen Wüstengebiet, das mit kleinen
Steinen oder tragfähigem Sand bedeckt ist. Diese Art von Wüste kann man
überall zügig befahren und es besteht die Gefahr, die Orientierung zu
verlieren, wenn man die Hauptpiste nicht im Auge behält. Wir sind häufig
weit neben der Hauptpiste hergefahren. In solchen flachen Wüstengebieten
findet man auch nur schwer einen Stellplatz und so waren wir froh, uns
hinter einen Steinhügel, außerhalb der Piste, stellen zu können. Es war
ziemlich heiß. Nachts wurde es wieder sehr kühl, aber in den
Schlafsäcken war es angenehm. Leider haben wir unseren Satelliten nicht
mehr gesehen, Jörgen war darüber traurig.
So.29.7. Auf ziemlich guter Piste
ging es weiter. Trotz großer Wachsamkeit haben wir die Abzweigung nach
Tam verpaßt und befanden uns auf der Piste nach Amguid. Erst ein
ungläubiger Blick auf den Kompass zeigte die gefahrene Nordrichtung an.
Die Piste nach Tam hat aber die Himmelsrichtung SSW. Also wieder zurück.
Eine kleine, kaum erkennbare, aber genau die richtige Piste führte durch
ein Sandfeld hindurch in eine Hügellandschaft bis zum verlassenen Fort
Serenout. Das französische Fort ist durch Touristenunrat ziemlich
verdreckt. Trotzdem wollten wir Pause machen. Aber als fünf einheimische
Fahrzeuge, zwei LKW und drei Allrad-Geländefahrzeuge kamen, sind wir
geflüchtet. Sonst wäre es mit der Ruhe vorbei gewesen. Wir passierten
den Berg Telertheba (2420 m) und damit ein 17 km langes unangenehmes
Weichsandfeld, das der Hanomag jedoch im Allradgang mit Bravour meisterte.
30 Kilometer weiter begegneten uns Franzosen in einem ganz normalen Pkw.
Das Paar fragte nach dem Zustand der Piste bis Djanet und weiter nach
Illizi. "Da werden Sie aber viel Zeit brauchen und viel schaufeln
müssen," Jörgens Bedenken waren berechtigt. Nach Illizi zu
fahren wäre mit dem Auto Wahnsinn. Die beiden wollten es trotzdem
versuchen. Viel Glück. Bald erreichten wir die ersten Ausläufer
des Hoggar-Gebirges. Wir stellten uns auf einen Hügel hinter einen
Felsen. Ein Adler-Pärchen umkreiste den Hanomag. Wahrscheinlich befanden wir
uns in der Nähe des Horstes. Der Ausblick war toll. Leider zwang uns der
starke Wind dazu, im Hanomag zu schlafen. Dort war es sehr
heiß.
Mo.30.7. "Hirhafork -
Assekrem! Diese Gebirgspiste mit einem Höhenunterschied von ca. 1000 m war mit
ihren brutalen Gräben und Auswaschungen seit je her der Schrecken der
Saharafahrer. Nach einem großzügigen Ausbau in den Jahren 1984/85 war
sie vorübergehend wieder von praktisch allen Fahrzeugen problemlos zu
bewältigen, wenngleich vorauszusehen war, dass sich bald wieder eine
Wellblechoberfläche bilden und Regenfälle der Bergstrecke stark zusetzen
würden. Neben enormen Gefällen bzw. Steigungen sind es vor allem tiefe,
ausgewaschene Gräben und große Geröllbrocken, die Schwierigkeiten
bereiten und gefahrlos nur von allradgetriebenen Fahrzeugen mit großer
Bodenfreiheit und im Kriechgang bewältigt werden können. Hin und wieder
müssen weggespülte Pistenabschnitte umfahren werden." Mindestens
zweimal las ich Jörgen diesen Abschnitt des Buches vor. Zur Sicherheit
gab ich ihm die Seite auch noch zum Selbstlesen. Die Beschreibung
erschreckte ihn keineswegs. "Du siehst doch, die Piste ist wieder
hergerichtet worden. Das ist doch kein Problem". Dabei haben wir
diese Strecke auf meinen Vorschlag hin gewählt. Die ursprünglich
vorgesehene Route über Tazrouk nach Tam und die vollständige Assekrem-Rundfahrt
mussten wir aus Zeitmangel streichen, da die Zeitangaben im Buch leider
größtenteils stimmten. Da wir aber auf den Assekrem keinesfalls
verzichten wollten, blieb nur diese Alternativstrecke. Zunächst jedoch
fuhren tief unten die schwerbeladenen LKW's, die uns schon in Fort Gardel
und Serenout begegnet waren, an uns vorbei. Wir hatten sehr lange
geschlafen. In Ideles an der Tankstelle haben wir kein Diesel bekommen, da
man den Tankwart offensichtlich erst einmal im Dorf suchen muss.
Kinder umlagerten den Hanomag und Jörgen versorgte Wunden. Kurz vor
Hirhafork lag neben der Piste ein riesiger Felsen, der über und über mit
Gravuren von Rindern und Giraffen übersät war. In Hirhafork haben wir
fast sofort die Direktpiste zum Assekrem gefunden. Sie ging links mitten durch
das Dorf, zwischen den Lehmbauten hindurch zu einer guten Piste, die in
das Gebirge führte. Nach 25 Kilometern erreichten wir die Guelta von
Edjif Mellene, wo neben Oleanderbüschen auch Palmen gedeihen, was in
dieser Höhenlage höchst ungewöhnlich ist. Weiter ging es auf
relativ guter Strecke bis zur Guelta Issakkarassene, die auf halber
Strecke zum Assekrem rechts versteckt liegt. In einem Gueltabecken
entdeckten wir sogar Fische. Das Wasser war ganz klar. Trotzdem kam es uns
niemals in den Sinn, uns in dem Wasser zu waschen oder womöglich zu
baden; die Warnungen vor Bilharziose-Erregern in stehenden Gewässern nehmen wir
sehr ernst. Bis hierher war alles ein "Kinderspiel". Aber nun
kam es ganz dicke. Abbrüche, weggespülte Piste, steile Auf- und
Abfahrten, eben alles, was das Off-Road-Herz begehrt. Dieses Teilstück
zum Assekrem war die schönste und aufregenste Piste, die wir in
Algerien gefahren waren. Dazu kam noch eine extreme Paßüberfahrt.
Die Serpentinen waren weggespült, die Piste führte steil bergan, direkt
über den Pass. Uns bot sich ein toller Blick auf den Berg Imadouzene,
dessen einzelne Türmchen an ein Fort aus dem Wilden Westen erinnern. 300 m vor
der Piste Tam - Assekrem blieb Hano plötzlich auf einer steilen Auffahrt
stehen. Der Tank war leer und der Ersatztank hatte sich nicht
zugeschaltet. Also begann wieder mal die ganze Prozedur mit dem Entlüften
u.s.w. Leider wurde es immer später und die Sonne stand schon sehr tief.
Auf dem Assekrem-Parkplatz (2585 m) angekommen, hat Jörgen doch noch
schnell den Gipfel (2726 m) gestürmt. Zum Sonnenuntergang musste er
an der Klause des Paters Foucauld vorbei auf die andere Seite. Ich habe
gefroren, während ich das Abendessen vorbereitete; schließlich hatten
wir bereits unter 20°C. Wir schliefen nicht auf dem Dach. Dafür war es
zu kalt und zu windig.
Di.31.7. Eine Saharafahrt, ohne
die überwältigenden Sonnenauf- oder -untergänge auf dem Assekrem wäre
nur ein halbes Erlebnis. Da ich bereits den gestrigen Sonnenuntergang
verpaßt hatte, wollte ich morgens unbedingt früh aufstehen. Ich wusste,
dass die Sonne ein paar Minuten nach 6 Uhr aufgehen würde. Jörgen war maulig,
als ich ihn um 5.30 Uhr weckte. Aber er kam doch mit. Mir fiel der
Aufstieg zum Gipfel ganz schön schwer, kriegte kaum Luft. Oben an
der Klause warteten schon ca. 20 frierende Touristen, größtenteils
Franzosen. Wir hatten 14,6°C und es wehte ein starker, kalter Wind. Der
Sonnenaufgang selbst jedoch war ein grandioses Schauspiel. Eben noch
wirkten die schwarzgrauen Gipfel des Atakor bedrohlich und unnahbar; da
tauchte ein roter Fleck am Himmel auf, der sich rasch vergrößerte. Über
ein kurzes Orange nahm die Sonne ihre gelbe Farbe an und tauchte das
Hoggar-Gebirge in ein warmes Licht. Es war einfach unbeschreiblich.
Auch die Klause des Paters Foucauld war einen Besuch wert. Der
Franzose Charles de Foucauld kam 1905 erstmals in das Hoggar-Gebirge. Er
war so fasziniert von dieser Gegend und den Bewohnern, dass er sich fest
in Tamanrasset niederließ. Er widmete sich der Erforschung von Sprache
und Kultur der Tuareg. Da er ihnen eher beratend und helfend zur Seite
stand, gewann er schnell ihr Vertrauen. Er vermittelte häufig zwischen
den Franzosen und den freiheitliebenden Tuareg. Mit der Zeit erlangte er
den Ruf eines weißen Marabut, eines "Heiligen". 1911 zog er
sich fünf Monate in die Klause auf dem Assekrem zurück, wo er in
großer Einsamkeit wohnte. Charles de Foucauld wurde 1916 durch eine
libysche Senoussi-Patrouille erschossen. Die Klause des Paters steht immer
noch als bleibendes Denkmal hoch oben auf dem Assekrem. Französische
Patres leben bis heute in dieser Einsiedelei und setzen das Werk Foucaulds
fort. Ziemlich durchgefroren stapften wir wieder bergab, bezahlten die
Übernachtung (50 Din.) und begaben uns auf den Weg Richtung Tam.
Wir wählten die normale Strecke, aber die war auch nicht ohne. Für
Pkw's jedenfalls ziemlich riskant. Plötzlich entdeckte Jörgen wieder
Adler und war nicht mehr zu halten. Es dauerte einige Zeit, bis er die
besten Aufnahmen "im Kasten" hatte. Gueltas wollten wir nicht mehr
sehen, aber direkt am Berg Akar-Akar wollten wir uns Felsblöcke mit schönen
Gravuren ansehen und auch viele Schlangen sollte es dort geben. Leider
erwies sich dieser Hinweis als Reinfall. Nur das Abbild eines
französischen Soldaten, sonst nur Kritzeleien und auch keine einzige
Schlange. Dafür haben wir aber an der Piste nach Ezernene viele schöne
Gravuren von Menschen und Tieren gefunden. Zum Abschluss unserer Hoggar-Fahrt
passierten wir noch den markanten Berg Iharen und erreichten nach 1200
Kilometern Piste die Teerstraße nach Tam. Die Oase wirkte sehr sauber.
Rote Lehmziegel und breite Straßen empfangen den Besucher. Rings um Tam
wird der Versuch unternommen, Bäume und Sträucher anzupflanzen. Tam ist
die Hauptstadt des Hoggar . Ca. 40000 Menschen leben hier und seit
Tamanrasset (auch Fort Laperrine) Sitz einer Wilaya (Präfektur) ist,
schreitet das Wachstum rasch voran. Durch die Höhenlage (1400 m) herrscht
im Winter kühles und im Sommer ein angenehm mildes Klima. Obwohl wir
genau zur Mittagszeit dort ankamen, war es nicht unangenehm heiß. Auf dem
versteckten Markt erstand Jörgen noch ein paar Tomaten (sehr teuer und
geschmacklich etwas fad) dann ging es weiter zur Tankstelle nach In Ecker.
Über dem Hoggar-Gebirge hingen dunkle Regenwolken. Unterwegs wurden
wir angehalten. "Hallo, wie gehts, Freund" Mohammed bat uns um
einen 13ner Schlüssel. Jörgen half mit einer Zange weiter. Außerdem
wurde er ein rotes T-Shirt los. An der Tankstelle in In Ecker (mehr Häuser gibt
es auch nicht) füllten wir unsere Wasservorräte auf. Jörgen wurde
bedrängt, Kleidung zu verkaufen. Schließlich gab er nach und verkaufte
Jacke und T-Shirt für 25 Din. Ein T-Shirt und Kugelschreiber verschenkte
er. Gefragt wurden wir nach Decken und Schlafsäcken. Doch die
benötigten wir selbst. Ca. 10 km hinter In Ecker haben wir links
zwischen den Felsen einen schönen Schlafplatz gefunden. Es war noch
sehr warm, 34°C. Aber endlich konnten wir wieder auf dem Dach
schlafen.
Mi. 1.8. Bei angenehmer
Temperatur wachten wir auf. Nicht weit hinter unserem Stellplatz war es
mit der Teerstraße plötzlich vorbei. Wir fuhren auf eine breit
gefächerte Piste. Jörgen orientierte sich in angemessener Entfernung an
einem LKW. Mitten auf der Piste begegnete uns ein Hanomag aus Holland. Die
Besatzung, drei Männer und eine Frau, sind über Frankreich, Spanien und
Marokko angereist. Sie befinden sich auf einer 6-monatigen Reise nach
Kenia. Den Hanomag hatten sie erst 3 Monate vorher erstanden und
behelfsmäßig ausgebaut. Zur Zeit waren sie auf der Suche nach
einem Reifen, denn eine Panne hatten sie schon hinter sich. Über
unser kaltes Bier haben sie sich sehr gefreut. Leichtsinnigerweise
hatten sie kein Wasserentkeimungsmittel mit. Wir verkauften unser Mikropur.
Ach ja, die Sehnsucht war schon da. Am liebsten wären wir mitgefahren.
Über Niger, Nigeria, Zentralafrika, Zaire, Uganda nach Kenia, das ist
schon reizvoll. Unser Weg dagegen führte uns in die andere Richtung zum
Marabut des Sidi Moulay Hassan. Dieses berühmte Grabmal lag früher
unmittelbar an der Hoggarpiste. Doch mit der Teerstraße hat sich einiges
geändert, sogar der Name des Marabut. Dieser Abstecher zum früheren
"Marabut Moulay Lahcene" ist Pflicht für jeden Saharafahrer,
denn nur wer dreimal das Grabmal umfährt, hat Aussicht, gesund und
unfallfrei durch die Wüste zu kommen. Auch die dicksten algerischen LKWs
drehen hier ihre obligatorischen Runden. Jörgen hat zur Sicherheit gleich
vier Runden gedreht. Auf der Teerstraße gings dann weiter durch eine öde
Landschaft zur Arak-Schlucht. Dann folgte "die" Wüstenstrecke
an sich. Das Thermometer zeigte konstant 45,8°C, was unseren
Getränkekonsum enorm in die Höhe trieb. Wenn man das Fenster
hinunterdrehte oder aus der Dachluke schaute, war es, als wenn einem ein
Fön auf höchster Heizstufe direkt in das Gesicht gehalten wird. Um 19.45
Uhr hatten wir immer noch 40,4°C. Wir passierten In Salah, die als
die heißeste Sahara-Oase gilt (Rekordtemperatur 56°C im Schatten).
Außerdem gehört In Salah zu den Orten, die besonders häufig von
Sandstürmen heimgesucht werden. Schon auf der Durchfahrt bemerkten wir, dass
der Ort langsam versandet. Der Sand türmte sich zu beiden Seiten der
Straße an den Mauern und Zäunen. Ein staubiger Ort. Jörgen wollte
weiterfahren, bis das Thermometer unter 35°C gefallen ist. Er fuhr und
fuhr und fuhr. Als es stockfinster war, hielt er nahe der Straße zum
Übernachten an, es waren aber immer noch 39°C; um 2.00 Uhr noch 33°C
und um 6.00 Uhr noch 30°C.
Do. 2.8. Am Freitag wollten wir
in Ghardaia sein, um den großen Markt zu erleben. Die Haupttage sind
Donnerstag und Freitag. Da wir noch eine große Strecke zu bewältigen
hatten, machten wir uns bereits um 7.00 Uhr auf den Weg. Die Strecke
führte zunächst auf 200 km durch die "Wüste der Wüsten" oder auch
"Garten des Satans" genannt. Das Tademait-Hochplateau ist
völlig eben, vegetationslos und über und über mit schwarzen Kieseln
bedeckt. Wohin man sieht, nur schwarze Kiesel. Die Straße befand sich
wieder mal im Bau und wir mussten auf die Nebenpisten ausweichen. An einer
Base hielten wir; dort stand hinter einem Zaun ein defekter Hanomag aus
Braunschweig. Man hat Jörgen nicht hineingelassen. Kaum hatten wir die
Plateau-Abfahrt hinter uns, tauchten die ersten roten Sanddünen auf.
Unser Weg führte uns zum Brunnen Hassi Marroket. Dort sollte es
reichliches und kaltes Wasser geben. Zum Brunnen geht es rechts an den
Wohnhäusern vorbei ein Stück nach hinten. Kinder haben uns den Weg
gezeigt. Das Wasser war war eher warm. Jörgen verschenkte Seife an einen
Mann, der sich im Schutz der Bäume wusch und handelte sich dafür eine
Einladung zum Tee ein. Da es sich immer um eine langwierige Prozedur
handelte, konnten wir das Angebot aus Zeitmangel nicht
wahrnehmen. Vor El Golea sollten versteinerte Meerestiere zu finden
sein. Trotz intensiver Suche in der Mittagshitze haben wir nichts
entdeckt. Dafür schaufelten wir den roten Wüstensand als Souvenir
in Plastiktüten. Es war sehr, sehr heiß. Wir tranken, tranken und
tranken. El Golea ist ein interessanter Ort. Doch die große Hitze
und Zeitmangel trieben uns weiter. Jörgen entdeckte Kamele an der
Straße, die nicht flüchteten. Er meinte, ein Kamel wäre verendet und
die anderen nagten an dessen Knochen. Ca. 80 km vor Ghardaia stellten wir
und ein wenig abseits der Straße in den Schutz eines Hügels. Plötzlich
setzte ein kleiner Sandsturm ein, der durch sämtliche Ritzen drang. Der
Sand wehte sogar aufs Dach. Ohne den Wind wäre das ein angenehmer
Stellplatz gewesen.
Fr. 3.8. Nach einem ausgiebigen
herrlichen Duschbad machten wir uns auf den Weg. Knapp vor Erreichen
Ghardaias hat man von einer Hügelgruppe aus einen wundervollen Blick auf die
Heilige Stadt Beni Izguen und die gesamte Oasengruppe (Mzab genannt). In
Ghardaia haben wir sogar ein schattiges Plätzchen für Hano gefunden;
dann suchten wir den Markt. Ghardaia und die anderen Städte des Mzab
wurden im 11. Jahrhundert von den Mozabiten, einer strenggläubigen Sekte des
Islam gegründet. Ihre Sitten und Gebräuche unterliegen jahrhundertealten
Vorschriften . Trotz der fortschreitenden Technisierung und
Industrialisierung sowie dem Einfluß des Fremdenverkehrs geht die
Strenggläubigkeit der Bewohner so tief, dass ihnen das moderne
Leben nichts anhaben kann. Noch immer schreiten die Frauen tief
verschleiert, scheu und unansprechbar durch die engen Gassen. Ihr
Gesicht ist so stark verhüllt, dass gerade noch eine winzige Öffnung
für ein Auge frei bleibt. Ghardaia ist noch die modernste,
fremdenfreundlichste aller Städte des Mzab. Man kann sich in ihr
noch relativ frei bewegen. Das Treiben auf dem dem arkardengesäumten
Marktplatz war groß und bunt. Genauso vielfältig war das Angebot. Von
Gemüse, Fleisch bis hin zu Ziegen und Teppichen, alles war zu haben. Wir
spazierten ein Stück Richtung Moschee, um ein Foto von oben zu machen.
Bereits ein kleines Stück vom Markt entfernt bewegten wir uns durch
menschenleere kleine verwinkelte Gässchen. Die Häuser waren fest
verschlossen und kleine vergitterte Fenster ließen in uns das Gefühl des
Eindringlings aufkeimen. Nirgends war auch nur ein Blick auf die Stadt zu
erhaschen. In der Nähe der Moschee schickte uns ein Mann zurück zum
Markt und untersagte das Fotografieren. Die Hitze wurde bereits um
11.00 Uhr unerträglich. Noch ein letzter kurzer Besuch auf dem
Markt, dann fuhren wir über Berriane weiter Richtung Touggourt.
"Hast du Lust zu duschen?" Jörgens Stimme schreckte mich auf.
In der Hitze war ich fast eingeschlafen. "Guck mal, da vorn!" Aus
einer defekten Wasserstelle spritze das Wasser in alle Richtungen. Es war
zu verführerisch, zudem kein Mensch zu sehen war. Ich sprang aus dem
Wagen und stellte mich in den Wasserschwall. "Iiih, das ist ja
heiß!" Mit einem Satz sprang ich zur Seite. Wir standen vor einem in
dieser Gegend recht "häufigen" artesischen Brunnen. Die
Wassertemperatur betrug mindestens 60°C. Durch den ständigen Wind war
die Naturdusche am Rand noch zu ertragen. Wir holten die kleinen Stühle,
die schmutzige Wäsche, Bier und setzten uns für eine Stunde ins Wasser
und in den Wind. Nach diesem ausgiebigen Bad, ca. 2 km vor El-Hadjira,
fuhren wir weiter. In dieser Gegend sollen Sandrosen zu finden sein.
Diese aus siliziumhaltigem (kieselsäurehaltigem) Quarzsand und Gips
entstandenen Kristalle wollte ich unbedingt finden. Leider verlief die
Suche ergebnislos. Hinter Touggourt fuhren wir zum Übernachten in die Dünen.
Eine dunkle Wolke zog auf. Dann begann ein wundervolles, einmaliges
Wetterleuchten. Im Norden musste ein gewaltiges Gewitter herrschen; die
Donnerschläge waren von Zeit zu Zeit zu hören.
Sa. 4.8. In der Umgebung haben
wir doch noch einige kleine Kristalle gefunden, die den Sandrosen aber
nicht sehr ähnlich sehen. Auf der Weiterfahrt nach El Oued fanden wir
dann wider Erwarten noch schöne Wüstenrosen. El Oued, die Hauptstadt der
Souf-Region, sie wird zu Recht "die Stadt der tausend Kuppeln"
genannt. Die Häuser tragen keine Flachdächer, sondern Kuppeln oder
Tonnengewölbe. Auch im Souk (Markt) zieren Kuppeln die vielen Stände.
Dieser Markt gefiel uns besser, als der in Ghardaia; nur dass man
bei den interessanten Dingen nicht handeln konnte, hat Jörgen
enttäuscht. Dafür wollte er noch in einem algerischen Restaurant
essen gehen, das auf der Strecke El Oued - Grenze lag. Der Zöllner
hatte es ihm nachts auf der Hinfahrt gezeigt. Allerdings fanden wir es
nicht mehr. Die Zöllner an der Grenze erkannten uns wieder und
begrüßten uns herzlich. Die Abfertigung war eine Sache von 10 Minuten.
Auch bei der Polizei brachten wir nur 30 Minuten zu. Mit uns fuhr ein
Unimog Richtung Tunesien, der uns schon auf er Strecke Illizi - In Amenas
begegnet war. Die Leute aus der Nähe von Kassel haben nach 20 km
Pistenfahrt von Illizi nach Djanet aufgegeben und waren
zurückgefahren. Die tunesische Polizei ließ sich mehr Zeit und die
Zöllner durchwühlten unseren Wagen gründlich. Jörgen
"verteilte" die Reste: Kugelschreiber, Blöcke, Bonbons, die
hässliche italienische Tasche, Lebensmittel. Nur Champignons
verschmähten sie, die kannten sie nicht. Auch kalte Cola-light wurden wir
los. Wichtig war dabei, dass sie ohne Zucker war. Nicht ein Zöllner hatte
bislang in die Seitenklappen des Hanomag geschaut. Die Unimog-Fahrer
hatten mehr Probleme als wir. Sie wollten algerische Lebensmittel in
Tunesien einführen. Der Ärger war vorprogrammiert. Durch das festlich
geschmückte Nefta fuhren wir wieder nach Tozeur. Dort säumten viele
Menschen die Straße. Alle 50 m hielt ein Polizist die Bevölkerung
zurück. Den Plakaten und Fähnchen nach erwartete man jeden Moment den
tunesischen Präsidenten. Dann folgte kurz vor dem Chott-el-Djerid die
erste Polizeikontrolle auf offener Straße. Auf einem Damm überquerten
wir den 7700 qkm großen, durch Karl May bekannt gewordenen Salzsee. Auch dort
werden an Ständen Sandrosen angeboten, die man in den Tiefen des Salzsees
findet. Hinter Kebili haben wir abseits der Straße unser Nachtlager
aufgeschlagen. Es wurde kühl. Nachts fing ein sehr helles Wetterleuchten
an und es regnete kurz.
So. 5.8. Der Tag fing ziemlich
stürmisch und kalt (um 10 Uhr 24,6°C) an. Wir hörten wieder
Gewittergrollen, das langsam näher kam. Nach ausgiebigem Frühstück fuhren wir
Richtung Gabes weiter. Es war bedeckt und das Gewitter verfolgte uns. An
der Abzweigung nach Kairouan kehrten wir im Restaurant "poisson bleu"
ein. Jörgen bestellte sich ein Cous-Cous, für mich Mouton-Fleisch.
Zunächst erhielten wir jedoch Oliven, viel Brot, jeder einen Salat und 1x
Pommes extra. Dazu eine Flasche Wasser. Jörgen ließ sich sein Cous-Cous
schmecken. Meine 2 Fleischspieße, 1 Kotelett und Pommes waren sehr gut.
Zusammen mit den abschließenden 2 Cafè bezahlten wir 10 Dinar (20
DM). Kairouan, unser nächstes Ziel, ist eines der meistbesuchtesten Orte
Tunesiens. Nach Mekka, Medina und Jerusalem gehört Kairouan zu den vier
heiligen Orten des Islam. Sieben Pilgerfahrten nach Kairouan ersetzen den
Besuch Mekkas. Der Ort war einst die islamische Hauptstadt Afrikas. Jetzt
wird er von deutschen Urlaubern überschwemmt. Wir parkten auf einem
Parkplatz an der Medina. Sofort waren wir von Kindern umringt. "Was
ist das?" Man hielt uns ein 5-Markstück unter die Nase. Natürlich
kannten die Kinder den Wert des Geldstücks genau. Für die Bewachung des
Hano wollten sie Geld im Wert von 5 DM. Zunächst durchquerten wir die
Medina auf der Touristenstraße mit vielen Souvenirläden. In den
Seitengassen war nichts los, wir fühlten uns wohl. Ein angeblicher
Lehrer, der Fremden die tunesische Lebensart und Kultur näher bringen
wollte, schleppte uns in ein Teppichgeschäft. Wir wiesen mehrmals auf
unseren Zeitmangel hin und man ließ uns freundlich ziehen. Zumindest in
dieser Beziehung gestaltete sich der Besuch angenehmer als in Marokko. Nun
zog es uns jedoch mit Macht an das Meer. Kurz vor Hammamet stellten wir
uns wieder an den Strand. Eine Frau kam auf uns zu; eine Deutsche, die
bereits seit 16 Jahren in Tunesien lebt. Sie gab uns den Tipp, unsere
Fähre bei der CTN in der Rue Yugoslavie in Tunis zu buchen. Parken
könnten wir am Hotel Afrika, ein weithin sichtbares Hochhaus. Um 19.00
Uhr waren wir endlich im Wasser. Was für ein wundervolles Gefühl nach 2 1/2
Wochen Wüste.
Mo. 6.8. Vollkommen zerstochen
von Insekten wachten wir mitten in der Nacht auf und zogen uns vom Dach in
den Hano zurück. Natürlich badeten wir noch einmal bevor wir uns auf den Weg
nach Tunis machten. Auf der Autobahn blieb Hano wieder mal stehen. Der
Tank war leer und der Ersatztank wollte wieder nicht. Wahrscheinlich
war eine Leitung verstopft. In der Rue Yugoslavie ergatterten wir
einen bewachten Parkplatz und suchten das Büro der CTN auf. Es war
schrecklich, eingekeilt zwischen vielen schwitzenden Menschen drängten
wir uns an den Schalter. Das riesige Büro war restlos überfüllt. Dieser
Schweißgeruch, gleich werde ich ohnmächtig. Tapfer versuchte ich, bei
all den drängelnden Menschen meinen mittlerweile erkämpften Platz nahe
dem Tresen zu halten. Jörgen probierte auf andere Weise an Informationen
zu kommen. "Rita komm weg hier, die wollen alle heute noch
fahren", er zog mich an die Luft, "wir sollen um 17.00 Uhr noch
mal wiederkommen". Jörgen hat mich vor dem Erstickungstod bewahrt.
Erleichtert sog ich die schwüle, feuchte Luft der Großstadt in mich ein.
Zunächst brauchten wir Geld. Aber auch in der Avenue Habib Bourguiba standen
wir vor verschlossenen Türen. Die Banken haben täglich von 8.00 Uhr
bis 12.00 Uhr geöffnet. "Mist, 10 Minuten zu spät!"
"Change? Hotel Afrika!" Wir waren dankbar für diese Auskunft.
Ich drehte mich um und spazierte los. "Wo willst du hin? Das
"Afrika" liegt an der ganz anderen Seite. Wir gehen erst einmal
in den Souk". Jörgen hatte recht; ich war total aufgeregt. Diese
Hektik nach der vielen Ruhe, das war einfach zu viel. "Wir können
doch die Perle, die dir der Sizilianer geschenkt hat, fassen lassen". Die
Idee war gut. Ich wühlte in der Tasche. Ich wußte ganz genau, ich
hatte das gute Stück irgendwo hingesteckt, wo ich es ganz bestimmt nicht
verliere. Nur wo das war, das fiel mir nicht ein. "Ich zeige Ihnen die
Straße der Handwerker, aber wir müssen uns beeilen, gleich ist
Mittag." Der Mann war mir nicht geheuer, er hatte Jörgens Bemerkung
gehört. "Mein Auto steht auf der anderen Seite vom Souk, ich muss
sowieso dort vorbei. Ich bin Koch und arbeite in Deutschland".
Jörgens Bedenken hatte er zerstreut, meine nicht. Ich bin sehr
mißtrauisch geworden seit Marokko. Sehr schnell führte er uns durch die
Seitengassen. Er ging wie ein typischer Führer. Jörgen wurde auch schon
nachdenklich. Dann standen wir vor dem Souk der Handwerker. Leider hatte
ich die Perle nicht gefunden und hier im Souk wagte ich nicht, in der
Tasche zu wühlen. Kurz darauf standen wir vor einem
Teppich-Souvenir-Laden. "Auf dem Dach hat man einen tollen Blick über die
Souks, kommen Sie". Ich wollte nicht; Jörgen ging allein. Der
Mann führte ihn tatsächlich aufs Dach. Aber er wollte natürlich
auch Teppiche verkaufen. Jörgen lehnte sofort ab und er gab sich
damit zufrieden. Endlich konnten wir in Ruhe durch den Souk
spazieren. Wir machten auch Abstecher in die Medina und hatten zum
Schluss Orientierungsprobleme. Schließlich fanden wir aber die Avenue
Habib Bourguiba und auch eine offene Bank (eher eine Art Spätschalter),
wo schon mehrere Touristen anstanden. Wir tauschten DM 800,-- und sollten
dafür Ca. 429 Dinare erhalten. Nach Überprüfung hatten wir aber nur 424
Din. bekommen. Jörgens Verlangen nach der Quittung bescherte uns
die restlichen 5 Din. (immerhin 10 DM). Vor uns hatte schon ein
Engländer reklamiert. Langsam kommt uns ganz Tunesien korrupt vor.
Ziemlich ratlos, gerade wegen der offenen Art dieser Unterschlagung, gingen wir
zum Parkplatz und schwitzten bei 32,4°C bis es 17.00 Uhr war. In der
Agentur war es immer noch sehr voll. Jörgen geriet jedoch an einen Mann,
der ziemlich gut Deutsch sprach. Freitag zu fahren, wäre sehr wage, nur
wenn einer abspringt. Sonntag ist noch was frei. Zuerst müssten wir
jedoch eine Bankbestätigung einholen, bei der Bank wo wir gewechselt
hatten. Jörgen holte die Bestätigung, ich aus dem Hano ein ein
Mitbringsel. Die Überfahrt nach Genua kostete genau 360,300 Din. (ca. 720
DM). Und das mit Kabine. Die Buchung läuft hier nur über
Bankbestätigung, Eurocard, Euroscheck u.a. werden nicht
akzeptiert. Nach diesem Staatsakt mit den Tickets fuhren wir aus Tunis raus
Richtung La Marsa. Hinter La Marsa gibt einen tollen Sandstrand,
aber das Wasser war nicht sehr sauber (Bucht von Tunis). Trotzdem
waren wir happy über die Buchung, haben Lagerfeuer gemacht und
Würste gegrillt. Unser Stellplatz lag genau in der Einflugschneise
von Tunis. "Halt, halt, wir sind nicht die Landebahn!" riefen wir
den tieffliegenden, beleuchteten Jumbos zu. Man konnte fast in die
Kabine sehen. Die Motoren waren sehr leise. Ein paar Regentropfen
fielen vom Himmel.
Di. 7.8. Man hätte wunderbar
schlafen können, wenn diese Hunderte von Insektenstichen aus der Nacht
vorher nicht gewesen wären. Bei bedecktem Himmel sind wir um 12.00 Uhr nach
Carthago gefahren. Nach einer kleinen Irrfahrt in La Marsa (es gab
natürlich kein Hinweisschild) landeten wir zunächst in einem Supermarkt, wo
wir uns Wein besorgten. Carthage ist ein mondäner Villenvorort von
Tunis; zwischen den einzelnen Häusern verstecken sich die Reste der alten
Hauptstadt des karthagischen Reiches. Zuerst fanden wir die
punisch-römische Hafenanlage; natürlich hatten wir kein Ticket und keine
Fotografiererlaubnis. Der Wärter führte uns herum. Hier werden offensichtlich
immer noch Ausgrabungen getätigt, um die Anlage publikumswirksamer darstellen
zu können. Außer uns war niemand hier. "Ich hab was Feines," der
Wärter flüsterte und führte uns in ein Dickichtgestrüpp, wo er nach
längerem Suchen eine Öllampe zutage förderte. "Roman!" Ich
war skeptisch, Jörgen fand sie toll. Eine Amphore wurde ans Tageslicht
geholt. Die laufenden Ausgrabungen, die abgelegenen Stellen, Jörgen ließ
sich überzeugen. Endlich konnte er um etwas handeln. Die Sachen waren
hübsch und nach zähen Verhandlungen auch nicht mehr teuer. Wir wurden
noch 2 Dinare los - dafür, dass wir kein Ticket hatten und irrten weiter
durch Carthago. Dann fanden(!) wir direkt neben dem Sommersitz des
Präsidenten den archäologischen Park. Dort gab es die Tickets für
gesamt Carthago (1,500 Din. incl. Besuch des Museums) und die
Fotografiererlaubnis (1 Din.). Die Art der Ruinen war uns von
früheren Reisen her bekannt,römische Thermen, römische Villen und
einige schöne Mosaiken. Jörgen hatte etwas entdeckt, was ihn sehr
nachdenklich stimmte. In einer abgelegenen Ecke wurden Vasen, Öllampen
u.s.w. im Feuer geschwärzt, damit sie antik wirkten. Zuletzt fuhren
wir den Byrsa-Hügel hinauf zur Kathedrale St. Louis, benannt nach Ludwig
IX. Die Kathedrale verfällt langsam, man kommt nicht mehr hinein (aber
Echsen!). Nebenan findet man das Museum von Carthago mit weiteren Ruinen.
Nach diesem Besuch zog es uns nach Cap Bon, einer Halbinsel südöstlich
von Tunis. Wir wollten unbedingt zur Spitze von Cap Bon. Zunächst
landeten wir jedoch an den punischen Grotten von El Haouaria. Die
interessierten uns nicht, wir wollten zum Felsen. Auf einer Bergpiste, die
zunehmend schlechter wurde, hielt man uns hoch oben auf dem Berg an.
Militär! Es war sehr spät und wir wollten außerhalb des Sperrgebietes
auf dem Berg übernachten. Schon nach kurzer Zeit kam ein Soldat. "Votre
passport, sil vous plait" er war höflich, aber bestimmt. Er notierte
sich unsere Personalien. Wenn es nach ihm ginge, könnten wir ruhig hier
übernachten. Aber nach ihm ging es hier nicht. Cap Bon? Ja, das hier ist
Cap Bon, eine Straße hinüber zum Felsen gibt es nicht mehr. Schlafen könnten
wir ein Stück weiter unten im Steinbruch. Zähneknirschend mussten wir
uns fügen und die steile Piste zurückfahren. Kurz vor Einbruch der
Dunkelheit erreichten wir den Steinbruch. "SSSSRRR", ach du
lieber Himmel, von Mücken hatten wir genug. Es blieb uns nichts
weiter übrig, als bei der Schwüle im Hano zu schlafen.
Mi. 8.8. Morgens umringten uns
Ziegen. Ein Hirte war nicht zu sehen. Wir wollten zum Strand. Nach einer
kleinen Irrfahrt hatten wir auch einen tollen Strand (sauberes Wasser,
schöne Wellen) gefunden. Von Kelibia aus: Piste rechts hinter dem Schild
(die Abfahrt) "Compagnie Del Haouaria - Statione Transtunesia".
Bei unserem Versuch, weiter an den Strand zu fahren, blieben wir stecken.
Hanos Räder saßen halb im Sand fest. Trotzdem sind wir ohne
Sandbleche, nur mit Schaufeln wieder herausgekommen. Das Wasser war
sehr sauber, dort wollten wir bleiben. Außerdem schien wieder die Sonne.
Da die Gegend bebaut war und der Hanomag auch gut sichtbar am Strand
stand, waren wir auch gar nicht erstaunt, als drei Jugendliche
auftauchten. "Wollen Sie Tomaten? Wir wohnen in dem Haus dort drüben
und haben viel Gemüse im Garten." Wir wurden neugierig betrachtet.
Jörgen gab ihnen ein Bier aus und den Auftrag, Tomaten und Baguette zu
bringen. "Wir kommen in vier Stunden wieder" versprachen sie und
gingen. Nach drei bis vier Stunden war natürlich keiner zu sehen und wir
aßen Chili con Carne. Gegen 20.00 Uhr standen plötzlich vier Kinder vor
uns und schenkten uns ein frisches Fladenbrot. Mit unserem Dankeschön,
Bonbons und Stylo zogen sie wieder ab. Um 21.00 Uhr, als wir rundrum
satt waren, kamen die drei Jugendlichen mit einer Tüte voll Tomaten und
einem Baguette. Bezahlung lehnten sie rigoros ab. Morgen wollten sie uns
Grotten zeigen, die hier in der Nähe sein sollten.
Do. 9.8. Ach, so ein Ritt auf der
Luftmatratze im Meer ist doch was Tolles. Leider waren die Wellen nicht
mehr so hoch wie am Vortag. Letzte Nacht hatten wir einige Zeit gebraucht, um im
Hano alle Mücken, die sich eingeschlichen hatten, zu erschlagen. Um
12.00 Mittags kamen dann die drei: Karim, Mourad und Hatem, der
Schüchterne. Der Weg führte ein ganzes Stück Richtung Cap Bon, den Berg
hoch und runter. Die wißbegierigen jungen Leute stellten einen Haufen
Fragen, in Französisch und Englisch. Schließlich landeten wir in einer
sehr schönen Bucht. Mit etwas Herzklopfen schwamm ich in die Grotten und
tauchte durch die schmalen Verbindungen. Ohne Schnorchelsachen ist die
Dunkelheit in den Grotten ein bißchen unheimlich, weil man nicht sehen
kann, was einem im Wasser erwartet. Beim Versuch, auf einen Felsen zu
kommen, bin ich auch prompt in einen "Rietza" (Seeigel)
getreten. Da das doch ziemlich schmerzhaft war, wollte ich
zurück. Beim Hano angekommen, habe ich den Dreien die Luftmatratze zum
Spielen gegeben. Ich wollte ein bißchen Ruhe haben um die Stacheln zu
entfernen. Leider saßen die meisten tief im Fuß -Ende September habe ich
noch große Stacheln entfernt, die sich entzündet hatten-. Mourad wollte
Jörgen abends noch Cous-Cous vorbeibringen. Leider hat sich aber keiner
mehr sehen lassen. An diesem Abend haben wir zum ersten Mal in diesem
Urlaub gespielt -Kniffel-. Bisher hatten wir immer unheimlich viele
Eindrücke zu verarbeiten und daher keine Lust. Jörgen stellte fest, dass
auch er Rietza-Stacheln im Fuß hatte.
Fr.10.8. Wieder um ein paar
Mückenstiche reicher packten wir unsere Sachen und fuhren nach Kelibia.
In einer Bank versuchte ich, DM 100,-- zu wechseln. Ich stand mindestens
10 Minuten an. Dann war plötzlich fermè -zu-. Punkt 12.00 Uhr wurden die
Schalter geschlossen. Außer mir muckte keiner auf. Aber auch meine
Empörung war vergeblich. Kelibia war ein hektischer Ort; wir fuhren weiter nach
Menzel Temine. Dort fanden wir auf Anhieb einen Bäcker. Nach einem
Besuch auf dem Markt, wo wir u.a. ein Kilo schwarze Oliven erstanden, sind
wir in einem kleinen Restaurant essen gegangen. Gegrilltes Fleisch,
darüber sternförmig angeordnete Pommes frites (aus frischen Kartoffeln)
und Tomaten. Dazu gehörte noch ein sehr klein geschnittener Salat und
eine Flasche Wasser. Es hat uns sehr gut geschmeckt, am Fleisch war kein
Gramm Fett. Und mit den bezahlten 5,300 Dinar (ca. 10,-- DM) hatten wir
auch noch preiswert gegessen. Nach Auskunft eines Mannes öffnet der
französische Supermarkt um 15.00 Uhr. Da wir noch Wein haben wollten,
machten wir es uns solange im Hano bequem. Einige Supermärkte in Tunesien
verkaufen Wein. Aber nicht am Freitag. Freitags ist der Weinhahn fermè
-zu-. Wir hatten Hoffnung, dass wenigstens ein großer Supermarkt
wie "Monoprix" freitags Wein verkauft. Leider stellte sich
heraus, dass Monoprix erst um 16.30 Uhr öffnet. Da es sehr heiß
war, wollten wir nicht mehr warten und fuhren ca. 1/2 Stunde von
Menzel Temine entfernt in Lebna an den Strand. Es blieb uns nichts
weiter übrig, als zum Salat Bier zu trinken. Zumindest haben wir im
sauberen Wasser herrlich gebadet. Allerdings war es sehr windig. An diesem
Strand steht man ruhiger, weil die Häuser ca. 1 km entfernt
sind.
Sa.11.8. Wieder um ein paar
Mückenstiche reicher fuhren wir morgens wieder nach Menzel Temine um Geld
zu wechseln und Wein zu kaufen. Aber alle Banken hatten dicht. Jörgen
tauschte im Hotel DM 100,-- zum Kurs von 1:2. Im Monoprix erstanden wir
dann noch 2 Flaschen Wein. Wir wollten uns einen neuen Stellplatz suchen
und fuhren die Strandstraße entlang bis Korba ab. Es war jedoch nichts
Schönes zu finden. So kehrten wir zurück nach Lebna. Hano hatte am
rechten Vorderreifen fast einen Plattfuß und ein Fuß der Markise ist im
starken Wind abgerissen. Ansonsten haben wir gebadet, gespielt und Holz
gesammelt. Abends haben wir ein Lagerfeuer gemacht. Ein Mann kam mit einem
riesigen Ast und gesellte sich dazu. Er sprach fast ausschließlich
arabisch und hatte einen Kurzwellenempfänger dabei. Wir tranken Wein, er
Cola. Mit Händen und Füßen machte er uns klar, dass er Pflücker im
Weinbau sei. Mit einem Bier zog er schließlich ab.
So.12.8. Heute geht unsere
Fähre. Zunächst haben wir jedoch schön gebadet. Jörgen ist vor einem
riesigen Fisch geflüchtet, der ihn "anknabbern" wollte. Dann haben
wir ausgiebig geduscht und sind Richtung Tunis abgefahren. In die Stadt
hinein ist die Beschilderung gut, man verfährt sich kaum. In La Goulette
warteten bereits einige am Hafen. Als wir in die Abfertigungshalle
mussten, wusste keiner so recht, was man machen sollte. Welche Karten
mussten wir ausfüllen? Nur für uns als Personen oder auch für Hano? Am
besten geht man dorthin, wo die meisten Leute stehen. In der Halle war es
ziemlich warm. Es folgte die obligatorische Untersuchung vom Zoll.
anschließend musste man die Karten an einem Schalter abstempeln
lassen. Das Selbstbedienungs-Restaurant an Bord öffnete erst gegen
19.30 Uhr. Auf dem Schiff konnte man nur in französischen Franc
bezahlen, obwohl die Reise von Tunesien nach Italien ging. Das
Tagesgericht kostete pro Person 30 FF (ohne Salat usw). Im Duty Free
Shop erstanden wir eine 2-Liter Flasche Ballantines. Mit unserer warmen
Cola-Light machten wir uns Longdrinks die schnell zu Kopf stiegen.
Ansonsten war die See
ruhig.
Mo.13.8. In der Cafeteria tranken
wir Cafè au lait (5 FF pro Tasse). Ein halber Liter Wasser in der Flasche
kostete ebenfalls 5 FF. Dann gingen wir wieder essen; eine Art Cous-Cous mit
scharfem Reis (wieder 30 FF pro Person). An der Information erhielt
Jörgen Karten, die wir für die Polizei in Italien ausfüllen mussten. Um
17.00 Uhr legte die Carlo R in Genua an. Dann folgte der Run auf die
Polizei. Irgendwie gings nicht weiter. Dabei haben die sich unsere Pässe
gar nicht richtig angesehen, sondern nur blind einen Stempel
hineingehauen. Um 18.15 Uhr waren wir auf dem Autodeck, vom Schiff um
18.30 Uhr und durch den Zoll um 18.40 Uhr. Die Heimreise von hier aus verlief
problemlos. Schade, dass diese herrliche, einmalige Urlaubsreise zu Ende war.
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