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Algerien |
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Reisetagebuch
Algerien 1991
von
Rita Terjung und Jörgen Hohenstein mit einem Hanomag AL 28
-
Anfahrt über Genua, Tunesien -
Mittwoch 3. Juli 1991
Um 0.20 Uhr fuhren wir aus Lüneburg ab. Die Autobahn
war sehr voll. Morgens, als wir in einem kleinen Ort Brötchen kauften, blinkte
uns ein Lkw an. Hanos Bremsleuchten funktionierten nicht. Jörgen konnte den
Fehler nicht auf Anhieb finden. Deshalb werkelte er zunächst auf einem
Rastplatz bei Baden-Baden an der elektrischen Anlage herum. Außerdem verlor
unser Hano auch noch Getriebeöl. Ohne diese Probleme hätten wir einen
Super-Urlaubsstart gehabt. Schließlich hatten wir 30° C und die Sonne schien.
Jörgen konnte den Fehler nicht finden. Plötzlich ging auch die Zündung nicht
mehr aus. In einer Bosch-Werkstatt in Baden-Baden hatte man keine Zeit für uns
und verwies uns an eine Mercedes-Werkstatt mit Hanomag-Vertretung. Auch dort
hatte angeblich niemand Zeit für uns. Jörgen packte sich wieder selbst unter
den Wagen und legte ein extra Kabel für die Bremsleuchten. Außerdem setzte er
einen neuen Fahrschalter ein. Alles funktionierte wieder wunderbar. Bei Weil haben wir eine sehr günstige
Tankstelle gefunden. Fast 10 Pf. pro Liter billiger als bei uns. An der Grenze
in der Schweiz erlebten wir dann die erste Überraschung. Die Schwerlastabgabe
war nicht zusätzlich, sondern anstelle der Autobahnvignette zu erbringen. Sie
war sogar ca. 6 DM billiger und kostete somit nur ca. 30 DM. Langsam wurde es
dunkel aber Jörgen wollte noch den Gotthard-Tunnel hinter sich bringen und
damit 17 km nur Tunnel, Tunnel, Tunnel. Es war schon ein bedrückendes Gefühl;
hinter jeder Kurve erwartete man ein kleines Licht. Bei einer
Höchstgeschwindigkeit von ca. 78 km/h kam er uns natürlich noch länger vor.
Da, da war er zu Ende, jetzt noch einen schönen Parkplatz finden und dann
herrlich schlafen. Denkste, weit und breit kein Parkplatz. Erst ca. 30 km hinter
dem Tunnel fanden wir einen annehmbaren Übernachtungsparkplatz.
Donnerstag, 4. Juli 1991
Wir haben morgens ziemlich lange geschlafen. Weiter gings direkten Wegs nach Genua.
Auf dem letzten Teilstück haben die Italiener wahrscheinlich eine Landstraße
zur Autobahn umfunktioniert. Jedenfalls empfand ich diese eher als
Rallye-Strecke denn als Autobahn. In Genua angekommen hatten wir nach einer
relativ kurzen Irrfahrt auch die Tirrenia-Agentur gefunden. An den
Buchungsschalter nach Tunis wurde immer nur eine Person vorgelassen; bereits ca.
10 m vorher wurde die Einlassreihenfolge von einem Ordner festgelegt. Es war
16.00 Uhr und sehr warm. Um 16.30 Uhr hatte Jörgen unsere Tickets besorgt für
20.00 Uhr am gleichen Tag!!!!! Ich konnte es gar nicht glauben. Die Einschiffung
begann um 18.00 Uhr. Es ging auf 20.00 Uhr zu und endlich waren auch wir dran.
Da ging der Hano aus und sprang nicht mehr an. Panik! An Schieben ist gar nicht
zu denken. Wir dachten an einen verstopften Tank. aber nach dem Entlüften
sprang der Hanomag wieder an. Dann
mussten wir doch noch warten, weil der Wagen sehr hoch ist. So kamen wir als
letzte an Bord. So`n Mist! Hoffentlich bekommen wir noch eine annehmbare Kabine.
Unsere Überraschung war groß, als wir eine relativ große Kabine mit Fenster
zugewiesen bekamen. Nach einem wunderbaren Essen gingen wir früh schlafen.
Freitag, 5. Juli 1991
An Bord haben wir gegammelt und gegessen. Es waren kaum Touristen an Bord. Nur
Einheimische, die in Urlaub fuhren. Bereits an Bord bekamen wir am Bureau Karten
für die Polizei und den Zoll. Es gab auch große Bögen für den Import. Aber
uns wurde gesagt, dass wir diese als Touristen nicht auszufüllen brauchten. Die
Polizei und der Zoll kontrollierte die Papiere bereits an Bord. In Tunis
angekommen, mussten wir doch noch den großen Bogen für den Import ausfüllen.
Der erste Zöllner checkte den Wagen - Unterschrift -. Der Inspekteur checkte
den Wagen - Unterschrift -. Dann folgte noch die Endkontrolle. Es war bereits
20.15 Uhr, angenehm warm und deshalb alles nur halb so schlimm. Nach
ungewöhnlich kurzer Zeit waren wir fertig und fuhren zur Kathedrale zum
Übernachten. Hier war es etwas heißer.
Samstag, 6. Juli 1991
Wir haben ziemlich geschwitzt. Und gestochen hatte uns
auch was. Vielleicht Flöhe vom Schiff? Jörgen checkt den Tank durch. Weshalb
wollte der Hano in Genua nicht weiter? Die Rückfahrt wollten wir auch noch in
Tunis buchen. Weil Samstag war, hatte ich so meine Bedenken. Zunächst jedoch
fanden wir ohne Probleme einen Parkplatz in der Rue Yugoslavie. Die
Tirrenia-Agentur hatte geöffnet und es wider Erwarten sehr leer. Ein
Angestellter erkannte Jörgen sofort wieder. "Eine Fährverbindung für den
2. August? Kein Problem." Doch zunächst brauchten wir wieder die
wohlbekannte Bankbestätigung. Bei der Bank (derselbe Sonderschalter wie im
letzten Jahr) herrschte wieder viel Andrang. Dieses Mal haben wir unser Geld
allerdings korrekt erhalten. Noch schnell die Tickets abgeholt und dann ging es
ab zu unserem Mückenstrand bei Hammamet. Endlich baden, das wurde aber auch
Zeit. So ein Mist! In der
ganzen Hektik habe ich doch glatt vergessen in Lüneburg anzurufen und Bettina
zum Geburtstag zu gratulieren. Hier ist es leider nicht möglich. Na gut, dann
eben in Tozeur. Wir gammelten und lasen Zeitschriften. Die gegrillten Würstchen
am Abend waren super. Und wir hatten natürlich auch wieder lange Besuch.
Sonntag, 7. Juli 1991
Es ist uns noch immer unklar, welche Tiere hier
zuschlagen. Obwohl es verhältnismäßig kühl war und wir im Wagen geschlafen
haben, waren wir morgens wieder zerstochen. Hanos linkes Vorderrad ist ganz
heiß. Offensichtlich sitzt die Bremse fest. Außerdem ging gestern die
Blinkanlage nicht. Jörgen reparierte den ganzen Vormittag, konnte aber den
Fehler an der Blinkanlage nicht finden. Na ja, auf diesen Straßen ist es nicht
allzu schlimm, ohne Blinklicht zu fahren. Es
wurde schwül. Gewitterwolken verfolgten uns. An der Stelle, wo wir im letzten
Jahr Wasser getankt hatten, verkaufte ein Mann offiziell gegen Quittung das
begehrte Nass. Wir fuhren weiter. 16 km vor Metlaoui übernachteten wir an einem
Oued (Wadi). Unser Stellplatz lag zwar in Nähe der Straße und der Eisenbahn,
war aber ganz schön. Es war sehr windig und roch, bedingt durch den Bergbau,
nach Phosphat.
Montag, 8. Juli 1991
Wir machten uns hübsch, weil wir in Tozeur noch zur
Post und einkaufen wollten. Es zogen wieder Wolken auf. Dass es sehr schwül war
entdeckten wir erst in Tozeur. Beim Kartenschreiben waren wir wie aus dem Wasser
gezogen. Mit dem Telefonieren klappte es auch nicht. Man konnte nur von einer
Zelle aus ins Ausland telefonieren. Zum Schluss gaben wir auf und fuhren weiter
Richtung Grenze. Ca. 10 km hinter Nefta pausierten wir am Salzsee. Hier wäre
auch ein idealer Übernachtungsplatz; keine Tiere und angenehmer Wind. Um 12.30
Uhr regnete es ein paar Tropfen. 5 km weiter "überfielen" uns
Gendarmen in Straßenräubermanier. Die Pässe waren total unwichtig. Sie
wollten lediglich ein "Souvenir Allemagne". Leider haben sie die
Stange Zigaretten gefunden und gleich ein paar Schachteln für sich abgezweigt. An der Grenze war es ziemlich voll. Mit
uns nach Algerien wollten um diese Zeit (13.20 Uhr) noch 10 Fahrzeuge,
überwiegend Taxen. Zuerst zur Polizei, dann zum Zoll. Wir wurden vorgezogen -
wieder 2 Schachteln Zigaretten weniger. An der algerischen Grenze erwartete uns
ein sehr selbstherrlicher Polizist. Wir mussten einzeln vorsprechen und wurden
ausgefragt. Er notierte sogar unsere Reiseroute. Jörgen musste seinen
Fotokoffer holen. Es war schwierig den Mann zu überzeugen, dass wir keine
Reporter sind. Den Inhalt meiner Handtasche musste ich auch vor ihm ausbreiten. Endlich konnten wir weiter zum Zoll. Es
folgte eine 3-fache Devisenerklärung (aber im Gegensatz zum letzten Jahr für
beide zusammen). Außerdem bekamen wir einen algerischen Fahrzeugschein. Bei der
obligatorischen Fahrzeugdurchsuchung wurden wir wieder eine Schachtel Zigaretten
los. Diesmal konnten wir den Zwangsumtausch von 1000 Dinar pro Person direkt am
Zoll erledigen, mussten also nicht zur Bank wie im letzten Jahr. Der Abschluss
der "assurance frontiere", der sogenannten Grenzversicherung (über 30
Tage), erfolgte auch diesmal wieder in dem "Wohnwagen" neben dem
Zollgebäude. Die ersten
Palmenspitzen der Soufregion kamen in Sicht. Wir befanden uns auf der Straße
nach El Oued. Im ersten Ort dieser Oasengruppe hoben wir plötzlich an und
setzten krachend wieder auf der Straße auf. Was war das? Wir hatten uns
mächtig erschrocken. Seit unserem letztjährigen Besuch wurden in fast allen
Orten "Hoppel" auf die Straße gebaut, die zum Langsamfahren zwingen.
Jörgen suchte nach optischen Schäden, aber es war gottlob nichts zu finden.
Die Dünen wälzen sich in diesem Gebiet immer mehr über die Straße. Irgendwie
ist es schon interessant, wie die Menschen im täglichen Kampf mit dem Sand
fertig werden. 10 km vor
Touggourt bogen wir wieder links ab in die flachen Dünen und fanden einen
annehmbaren Stellplatz. Es folgte die erste Nacht auf dem Dach. Leider habe ich
nicht so gut geschlafen und schlecht geträumt. Zudem verlor die Thermomatte
Luft.
Dienstag, 9. Juli 1991
Wir standen bereits um 6.15 Uhr auf und haben Wäsche
gewaschen. Schnell wurde es immer heißer. Die Straße hinter Touggourt wird
ständig ausgebaut. Das war im letzten Jahr schon so. An dieser Strecke könnte
man auch übernachten, wenn man dem festen Sand bis hin zu den flachen Dünen
folgt. Von der Abzweigung nach Hassi Messaoud an in Richtung Ouargla befindet
man sich plötzlich in einer vollkommen ebenen, langweiligen Steppenlandschaft. Kurz vor Ouargla begegnete uns ein MAN
aus Bad Segeberg mit einem aufgesetzten Caravan. Sie waren mit 4 Personen (2
Erwachsene, 2 Kinder) über Spanien und Marokko angereist. Für die Fähre von
Malaga herüber nach Afrika mussten sie 2.700 DM hinblättern (ohne Buchung).
Der Wagen ist allerdings wesentlich länger und auch 11 Tonnen schwer. Jetzt
waren sie auf dem Weg nach Sfax, wo sie sich mit einem Herrn Neumann aus
Lüneburg treffen wollen und evtl. ein Visum für Libyen erhalten. Hinter Ouargla lagen verstreut tote
Hühner am Straßenrand (mind. 100 Stück). Wir rätselten: Panik oder
Verdursten? Ständig wurde es heißer. Das Thermometer zeigt konstant 42° C.
Ca. 80 km vor El Golea schlugen wir uns links in die Zeugenberge. Hoch oben auf
einem Berg schwitzten wir weiter. Aber es war wenigstens windig. Nachts "windete"
es so stark, dass ich mich vom Dach ins Innere des Hano zurückzog.
Mittwoch 10. Juli 1991
Beim Sonnenaufgang morgens um 6.00 Uhr präsentierte
das Thermometer herrliche 26,7° C; um 7.30 Uhr aber bereits locker 39,3° C.
Wir hatten an sich vor, die sehenswerte Burgruine "Ksar" in El Golea
zu erklimmen. Aber nach der Fahrerei in El Golea wurde es immer heißer und wir
hatten einfach keine Lust. Bis zur Abzweigung nach Timimoun begleitete uns eine
hübsche Dünenlandschaft. Dann folgten verschiedene Plateauebenen. Ein kleines
Schild mit "Eau potable" wies uns den ersten Brunnen. Jörgen
förderte mit Seil und Eimer das Wasser zutage. Das machte richtig Spaß und wir
beschlossen, zur Abwechslung eine Brunnentour zu unternehmen. Jeden Brunnen
fuhren wir an, ob ausgeschildert oder nicht und testeten die Wasserqualität in
Bezug auf Klarheit und Geruch. Schließlich kamen wir zu einem Brunnen in einem
Häuschen. Der Wasserspiegel lag nicht sehr tief und das Nass war relativ kühl.
Bei 52° C eine richtige Wohltat. Wir stellten die Stühle und den Tisch ins
Häuschen, tranken Bier und übergossen uns regelmäßig mit dem kühlen Wasser.
Plötzlich standen zwei Militärpolizisten in der Tür. Aber wie bereits
gewohnt, wollten die sich zur Abwechslung mal wieder mit Touristen unterhalten
und evtl. auch was abstauben. Der eine war längere Zeit im Konsulat in England
und schwärmte für Guinness. Wir unterhielten uns beim Biertrinken u.a. auch
über Fernsehprogramme. Sie wollten wissen, welcher Sender den bunten Ball hat.
(über Satellit kann man hier viele Programme empfangen). Im nahe gelegenen Ort
soll es viele gelbe und schwarze Skorpione geben, aber hier nicht. Wenn wir
Schwierigkeiten haben sollten, könnten jederzeit zu ihnen kommen. Die beiden
Gendarmen fuhren ab, standen aber plötzlich wieder da. Ob wir nicht eine
Flasche Whisky verkaufen könnten. Na klar konnten wir. Danach zogen sie
endgültig ab. Auch bei
Sonnenuntergang blieb der Wind sehr heiß. Obwohl es hier keine Skorpione geben
soll, war mir doch recht mulmig zumute. Bei der Hitze wird man sehr träge. Wir
aßen Salat und tranken einen Whisky. Danach war ich krank. Auf dem Dach unseres
Hano blies ein sehr heißer Wind. Sogar das Wasser in den Kanistern war
unerträglich heiß, wie alles andere was man anfasste. Ich hatte
Schwierigkeiten beim Atmen und legte mir ein feuchtes Trockentuch um den Kopf.
So konnte ich relativ gut schlafen. Jörgen hatte größere Probleme. Er musste
dauernd auf die Toilette und schlief nicht so gut.
Donnerstag, 11. Juli 1991
Auf dem Weg nach Timimoun wurden wir von einem
Militär-Gendarmerie-Fahrzeug überholt. Einer unserer gestrigen Besucher lenkte
den Wagen. Am Aeroport von Timimoun hielten uns andere Militärpolizisten an.
Nach der Passüberprüfung und einem Blick in den Hano durften wir weiter. In
Timimoun, der Hauptstadt der Region Gourara, war es schon sehr heiß. Wir
landeten am Hotel Ghara. Von hier aus hat man eine beeindruckende Aussicht in
die Sebkha von Timimoun. Leider durften wir wegen der nahegelegenen
Militärstation nicht fotografieren. Sebkhas sind Senken, in denen das
überschüssige salzige Bewässerungswasser versickert und verdunstet, wobei an
der Oberfläche eine weiße salzige Kruste zurückbleibt. Am Rande fast jeder
algerischen Oase wird man eine Sebkha finden, denn zum Problem der Bewässerung
kommt in den Oasen noch das Problem der Entwässerung, vor allem dort, wo das
verwandte Nass viel Salz enthält. Lässt man das Wasser einfach in den Gärten
verdunsten, so setzt sich das gelöste Salz auf dem Boden ab. Die Versalzung
wird, besonders in der heißen Jahreszeit, außerdem dadurch gefördert, dass
durch aufsteigendes Grundwasser Salze an die Oberfläche gelangen und sich dort
absetzen. Da aber ein versalzter Boden unfruchtbar ist, muss für ausreichende
Entsalzung gesorgt werden. Dies geschieht am wirksamsten dadurch, dass man das
verbrauchte und überschüssige Bewässerungswasser zusammen mit den Salzen
über Entwässerungsgräben und -kanäle in tieferliegende Verdunstungsbecken
ableitet. Auch Brunnen, die längere Zeit nicht benutzt werden, versalzen oder
verbracken durch die Verdunstung und werden so unbrauchbar. Wir
überlegten, evtl. in dem hübschen Timimoun zu übernachten und beschlossen
daher, zunächst die große Sebkha-Rundfahrt zu unternehmen. Eine Route, die
einige der interessantesten Oasen des Gourara berührt. Diese fruchtbare Region,
in der Datteln, Getreide und Gemüse wachsen, wird im Norden von den Sandmassen
des Grand Erg Occidental, im Süden vom unendlichen Tademait-Plateau und im
Westen von der Sebkha (Salzsee) begrenzt. Während der Fahrt boten sich
herrliche Ausblicke auf die rötlichen Steilabfälle am Rande der Sebkha, die
gleichfarbigen Ruinen der Ksour, das satte Grün der Palmen und, als leuchtende
Tupfer in der Landschaft, die weißgetünchten Marabuts. Kurz vor der mächtigen
Festungsruine und dem Dorf Tindjillat versperrte eine Düne die Piste, die somit
unpassierbar wurde. Wir mussten wieder zurück und machten vor der anstehenden
Talfahrt erst einmal Mittagspause. Auf der Abfahrt blieben wir in der
Mittagshitze unglücklicherweise im Weichsand stecken. Alle Versuche, einen
anderen Weg zu finden oder mit Schwung diesen Sandberg zu überwinden schlugen
fehl. Zum ersten Mal auf unseren beiden Algerienreisen mussten wir die
Sandbleche einsetzen. Die Arbeit war ganz schön anstrengend in der Sonne. Der
Sand war so heiß, dass man aufpassen musste, sich nicht die Füße zu
verbrennen. Mit den Sandblechen kamen wir allerdings problemlos durch das
Sandfeld. Aber nun hatte Jörgen den kleinen Schlüssel zum Anschließen der
Sandbleche verloren. Ich ging die Strecke vorsichtig ab, damit der Schlüssel
nicht einsackt, und hatte ihn nach kurzer Zeit gefunden. Wir passierten noch
einige Weichsandfelder und fuhren quer durch die Sebkha nach Timimoun zurück.
Es war sehr heiß. In Timimoun fuhren wir noch ein wenig umher. Menschenleere
Straßen lagen vor uns. Besonders beeindruckend ist vor allem die sudanesische
Lehmarchitektur der Bauten. Der Farbe dieses Lehms verdankt Timimoun (wie
übrigens auch In Salah und Adrar) den Beinamen "Rote Stadt". Timimoun
ist zweifellos die schönste unter diesen dreien. Der "gespickte"
Marabut ist schon was besonderes. Wenn es bloß nicht so heiß wäre! Wir
schwitzten ganz schrecklich. Nein, hier bleiben wir nicht bis zum Abend. Die
Hitze ist kaum auszuhalten. An der Tankstelle verkaufte Jörgen Jeans und seinen
schönen selbstgestrickten Pullover, den er nie anhatte, weil er kratzte und
jetzt einen Algerier in den Wintermonaten wärmt. Das kann man sich jetzt kaum
vorstellen. Außerhalb Timimouns wollten wir noch eine Pause einlegen und
stellten uns in den Schatten einer Palmengruppe. Schon auf der Fahrt dorthin
beschlich uns das merkwürdige Gefühl, ein Sandsturm könnte kommen; der Himmel
sah so eigenartig aus. Und es ging wirklich los! Bloß weg von hier. Vielleicht
haben wir Glück? Jörgen fuhr und fuhr, alles was Hano hergab. Aber immer
wieder holte uns das Randgebiet des Sturmes ein. Die Temperatur betrug konstant
53° C. Erst auf der Straße nach Adrar war alles frei. Ca. 70 km vor Adrar
entdeckten wir wieder einen Brunnen. Hinter einer kleinen Düne konnten wir dort
auch relativ sichtgeschützt stehen. Es war eine Wohltat, sich das Wasser
kübelweise über den Kopf zu schütten. Endlich auch mal wieder Haarewaschen.
Hier wollten wir übernachten. Um 20.00 Uhr waren es noch 41° C und
stockfinstere Nacht.
Freitag, 12. Juli 1991
Es ist sehr diesig. Das hatten wir hier in Algerien
noch nie. Aber auch das hielt uns nicht vom Duschen am Brunnen. ab. Es war
einfach toll und wir nutzten diese Gelegenheit ausgiebig aus . Um 9.00 Uhr
hatten wir 36,5° C. Die Sicht betrug ca. 800 m in alle Richtungen.
Wahrscheinlich ist dies alles eine Auswirkung des gestrigen Sandsturmes. Mit
jedem Atemzug atmen wir Staub mit ein. Plötzlich sprachen wir beide unser so
bedrückendes Gefühl an, nichts sehen zu können. Es ist schon sehr
merkwürdig. Durch diese
extreme Hitze hatten wir die Feldflaschen, die ständig gefüllt am Fenster
hingen ruck-zuck leer. In Adrar empfahl uns das Reisebuch den Gemüsemarkt. Aber
durch den Staub in der Luft und die schwüle Hitze hatten wir beileibe keine
Lust dazu. Kurz vor Reggane konnte Jörgen nicht mehr weiterfahren. Die
Monotonie der Gegend und dieser "Nebel" machte ihn müde. An unserem
Rastplatz entdeckten wir ein Tiergerippe. Die Strecke von Reggane nach Aoulef el
Arab war nicht besser. Tanken wollten wir auch. Leider bekam der Tankwart in
Aoulef nur einen Liter Diesel aus seiner Zapfsäule, dann war fini. Ich hatte
einen Hanomag entdeckt, zu dem wir fuhren. Zwei Jungen aus Berchtesgaden wollten
mit dem Fahrzeug in den Niger runter, evtl. auch weiter. Sie kamen über Marokko
und hatten bereits 6 Ersatzreifen zerschlissen; leichtsinnigerweise waren sie
mit Straßenreifen unterwegs. Jetzt warteten sie bei Mohammed und hofften, dass
Aigner aus München ihnen 4 neue Pneus per Luftfracht liefert, die sie per Telex
angefordert haben. Bislang hatten sie jedoch noch nicht einmal eine Bestätigung
ihres Telex erhalten. Wir wurden von Mohammed zum Kaffee eingeladen. Im
Fernsehen lief "Tanz der Vampire". Der Film spielte mitten im Winter,
während wir hier bei 53° C schwitzten. Mohammed wollte unseren Hano unbedingt
gegen Kamele eintauschen. Er war enttäuscht, dass wir seine Einladung zum
Cous-Cous ausschlugen. Aber wir wollten unbedingt weiter; möglichst bald raus
aus diesem Hitzegürtel. Kurz
hinter Aoulef sahen wir plötzlich links und rechts der Straße dicke Brocken
versteinerten Holzes. Beim Bau der Straße wurden ganze Baumstämme ans
Tageslicht befördert. Wir sammelten einige kleine Stücke ein. Es ist einfach
unglaublich, dass in dieser platten, pflanzenlosen Sandlandschaft vor
Jahrmillionen riesige Wälder gestanden haben. Hinter der Abzweigung nach Tin
endet die Straße abrupt und wir befanden uns auf einer Piste mit einigen
Weichsandstellen. Als es dunkel wurde, stellten wir uns in dieser sonst ziemlich
platten Gegend an einen Hügel. Der Durst ist unvorstellbar. Wir hatten mal
wieder vor, auf dem Dach schlafen, aber der Wind ist einfach zu stark. Im Hano
dagegen ist es mächtig heiß. Ich raste fast aus. Ein nasses Tuch über den
Kopf gestülpt und ein nasses Handtuch auf dem Körper; immer noch zu heiß. Ich
stapfe im Hano umher. Irgendwann, mitten in der Nacht schaue ich aufs
Thermometer: 35,7° C. Endlich schlafe ich ein.
Samstag, 13. Juli 1991
Um 6.00 Uhr wache ich auf. Es sind 27,6° C. Ach, wie
angenehm. Der Wind dagegen hat nicht nachgelassen, ist aber im Moment schön
kühl. 1 1/2 Stunden später zeigt das Thermometer schon wieder 34°C. Nach
unserem Müsli-Frühstück fahren wir weiter. Kurz vor In Ghar entdeckten wir
noch einen versteinerten Baumstamm und kleinere Stücke versteinerten Holzes.
Wir bekamen schon wieder diesen irren Durst. In
In Salah mussten wir unbedingt tanken. Leider war die Tankstelle sehr stark
belagert. Die Tanklastzüge tankten selbst und der Diesel plätscherte nur
tröpfchenweise aus den Zapfsäulen. Ein sehr gut angezogener Mann wollte von
uns französische Franc in Dinar gewechselt haben. Angeblich hatte er kein Geld
zum Tanken. Gerade in diesem Ort mit einem guten Hotel als Touristenanlaufstelle
kam uns dieser Umstand sehr merkwürdig vor. Trotzdem wollten wir helfen und
boten ihm einige Dinar zum offiziellen Umtauschkurs an. Anscheinend war der Kurs
nicht gut genug. Der Mann verschwand und ließ uns in Ruhe. Wir wollten von der
folgenden, ätzend langweiligen Strecke auf eine in der Michelin-Karte
verzeichnete Piste ausweichen. Obwohl wir wie die Luchse aufpassten, haben wir
die Pistenabzweigung nicht gefunden. Der heiße starke Wind wirbelte den Sand
über die Straße. Staub lag in der Luft. Und dazu nichts als Hitze, Hitze,
Hitze. Nichts wie weg von hier; eine Pause ist nicht drin, wir würden viel
zuviel Staub schlucken. Erst am Rande der Arak-Schlucht wurde es etwas besser
und ein Baum lud zum Rasten ein. Dann fuhren wir hinein in die Schlucht. In
dieser Fahrtrichtung sehen die Steilhänge beeindruckender aus als in der
Gegenrichtung. Langsam brauchten wir einen Stellplatz. In der Schlucht selbst
war uns das Übernachten zu gefährlich. Wie häufig schon hatten plötzliche
Wassermassen alles mitgerissen, was sich ihnen in den Weg stellte. Kurz hinter
der Schlucht bogen wir rechts ab in die Berge und waren mächtig erstaunt, uns
plötzlich auf einem riesigen Plateau zu befinden. Große Felsenstücke in den
bizarrsten Formen lagen verstreut herum. Als wenn ein Riese Murmeln gespielt
hätte. Den Stellplatz konnten wir uns aussuchen. Leider wehte mal wieder ein
sehr starker Wind. Jörgen hat eine tolle Sternschnuppe gesehen. Mit Schlafen
auf dem Dach war wieder nichts. Mitten in der Nacht hörte der Wind plötzlich
auf. Jetzt wollten wir aber auch nicht mehr auf's Dach. Außerdem war es im Hano
nicht übermäßig heiß.
Sonntag, 14. Juli 1991
Kein Mensch störte uns in dieser Einsamkeit. Ein
Spitzenübernachtungsplatz. Jörgen hat bis mindestens 7.30 Uhr geschlafen. Wenn
er das mal zu Hause machen würde. Im Schatten war es äußerst angenehm. Bevor
wir weiterfuhren, haben wir erst einmal ausgiebig geduscht. Wir wussten ja, dass
wir unsere Wasservorräte in In Ecker ergänzen können. Dort musste der Hano
auch wieder vollgetankt werden, da die Spritversorgung in Tamanrasset unsicher
ist. Jörgen hat mal wieder verkauft. Viele Klamotten, die er mitgenommen hatte,
ist er an LKW-Fahrer und den Tankwart losgeworden. Ab In Amguel wurde die
Straße sehr schlecht. Der Belag war aufgeweicht und riesige Schlaglöcher
zwangen uns immer wieder auf die Piste. Hier wurde doch vor einem Jahr gebaut;
haben die einfach aufgehört? Erst in Deutschland erfuhren wir später, das die
Straße im November 1990 absolut in Ordnung war. Ca. 30 km vor Tamanrasset zogen
wir uns in die Berge zurück zum Übernachten. Zunächst war das Schlafen auf
dem Dach sehr angenehm, bis irgendwann die Mücken kamen. Da hielt uns nichts
mehr dort oben. Um 5.00 Uhr hatten wir 23,2° C und der Himmel färbte sich
langsam orange-rot. Schade, dass ich keine Lust hatte aufzustehen und zu
fotografieren. Um 6.00 Uhr ging dann wie üblich die Sonne auf.
Montag 15. Juli 1991
Auch auf den restlichen Kilometern sind immer wieder
große Teile der Straße durch Wasser weggespült. Zudem kommt man durch die
vielen Schlaglöcher nur langsam vorwärts. In Tam sind die Leute im Gegensatz
zu den anderen Orten sehr farbenfoh gekleidet. Grün und Türkis, nicht nur
dieses montone Weiß; zum Teil auch sehr europäisch. Jörgen hat eine ganze
Zeit lang den Bäcker gesucht bis er erfuhr, dass der Bäcker bereits aus
Brotmangel geschlossen hatte. Beim Konditor erstand er dann doch noch ein Brot,
das allerdings gezuckert war. Wir hatten in diesem Jahr die volle
Assekrem-Rundfahrt geplant, da wir 1990 aus Zeitmangel nur die normale
Assekrem-Strecke kennengelernt hatten, und freuten uns schon auf die
Übernachtung auf dem Assekrem. Zunächst besuchten wir jedoch die Guelta von
Imeleoulaouene, die besonders hübsch in einer kleinen Schlucht liegt, aber von
Touristen durch Felsmalereien außerordentlich verhunzt wurde. Schade! In diesem Jahr fiel uns die für eine
Wüste doch üppige Vegetation und die vielen bunten Schmetterlinge besonders
auf. Auch eine riesige Echse kreuzte unseren Weg - knallgelb. Die Piste wurde
extrem schlecht. Mir wurde es um Hano Angst und Bange. Auf dem Weg zur Guelta
Afilal fing es plötzlich auch noch an zu regnen!! An einem um diese Jahreszeit
offensichtlich nicht besetzten Café erreichten wir die malerisch zwischen
Felsen gelegenen und von Oleanderbüschen umsäumten Wasserbecken der Guelta.
Leider war es etwas regnerisch und schwül. Wir spazierten auf den Felsen umher
und beobachteten die Fische. 9
Kilometer unterhalb des Assekrem-Parkplatzes trafen wir zwei Franzosen mit ihrem
Land-Rover. Sie hatten den Geländewagen falsch beladen (zu dachlastig) und
waren umgekippt. Dabei lief das Motoröl aus. Sie starteten den Wagen, bevor sie
das Malheur bemerkten und hatten jetzt wahrscheinlich einen Kolbenfresser. Ein
dritter war bereits unterwegs nach Tam. Auf
dem Assekrem war sehr wenig los. Nur noch ein spanisches Fahrzeug stand vor
einer Hütte. Wir wollten einen tollen Sonnenuntergang erleben, und erklammen
bereits frühzeitig den Gipfel. Jörgen hatte für die Patres diverse
Lebensmittel und Wein eingepackt. In der Klause des Pater Foucauld war niemand
zu sehen und wir stellten die Tüte unter eine Bank. Leider war kein schöner
Sonnenuntergang, da es diesig war und der Himmel sich voller Wolken
präsentierte. Aber die faszinierende Sicht vom Assekremgipfel über das gesamte
Hoggargebirge beeindruckte uns wiederum sehr. Alle, denen wir bislang begegnet
sind rieten uns von einer Weiterfahrt nach Ilamane (2. Teil der
Assekrem-Rundfahrt) ab.
Dienstag, 16. Juli 1991
Morgens um 6.00 Uhr hatten wir ungewohnte 16,3° C.
Jörgen checkte den Hano durch. Die Motorhaube ist aus einer Halterung gerissen.
Außerdem mussten wir einen Kabelbrand gehabt haben, den wir bislang nicht
bemerkten haben. Im Kabel für den Bremslichtschalter war ein Kurzschluss. Ein Padre kam vom Gipfel des Assekrem
herunter. Wir waren ganz überrascht, als er uns auf deutsch ansprach. "Wie
lange sind Sie denn schon hier?" Auf Jörgens Frage folgte die
verblüffende Antwort: "Noch nicht lange, erst 9 Jahre." Jährlich
kommen ca. 20.000 bis 25.000 Leute auf den Assekrem. Der Padre überreichte uns
einen selbstgedrehten Strick aus Ziegenhaar als Dank für die Lebensmittel und
riet uns ebenfalls davon ab, über Ilamane nach Tam zurückzufahren. Es hätte
in den letzten Wochen stark geregnet und große Teile der Strecke seien durch
die Wassermassen weggespült. Wir gaben ihm noch Orangensaft und Wein mit auf
den Weg. Selbst in dieser Höhe ist es sehr schwül. Das
spanische Fahrzeug fuhr Richtung Hirhafok weiter. Jörgen erhandelte beim
Platzwart noch einige Souvenirs; dann schrieben wir in aller Ruhe noch unsere
Postkarten. Wir waren
enttäuscht, dass eine Vollendung der Rundfahrt nicht möglich war; bei mehr
Zeit hätten wir es gewagt. Die anschließende Abfahrt kam uns einfacher vor als
der Anstieg. Auch die jungen Männer mit dem Land-Rover waren noch da. Aber in
dem Moment kam auch schon ein Hilfefahrzeug mit Mechanikern. Abschleppen kann
man hier ein Fahrzeug nur mit starrer Abschleppstange. Nach einem Bier fuhren
wir weiter. Da uns die Strecke in dieser Richtung bereits aus dem letzten Jahr
in Erinnerung war, erschien sie uns langweilig und anstrengend. Auf dem Plateau
machten wir erst einmal Pause. Während Jörgen schlief ging ich auf
Entdeckungsreise. Ein brütender Vogel unter einem Stein und eine Menge
Blumenbilder waren meine Foto-Ausbeute. Der Hilfewagen mit den Mechanikern fuhr
an uns vorbei. Wahrscheinlich doch ein Kolbenfresser. Der Campingplatz in Tam
soll der große Treff aller Saharafahrer sein. Hier kann man an Informationen
kommen, die sonst nur schwer zu erhalten sind. Dies hatten wir in Büchern
gelesen und von anderen Algerienreisenden gehört. Als wir gegen Abend dort
ankamen, war nicht viel los. Es gab viel Staub, herumstreunende Hunde und der
Platz war nicht der leiseste. Es war zumindest äußerst ungewohnt, da wir in
der Regel sehr ruhige Stellplätze wählen. Gleich bei der Ankunft haben wir
für 30 DA geduscht. Riesige schnelle Ameisen umzingelten unseren Hano. Jörgen
sprang beim Abwaschen immer wie angestochen hin und her. Dies
war mit Abstand die schlechteste Nacht, die wir in Algerien verbracht haben.
Kaum war es mal 5 Minuten ruhig, fingen die Hähne an zu krähen, knatterten die
Mopeds und summten die Mücken. Jörgen erschlug, verteilt auf die ganze Nacht,
mindestens 10 riesige Mücken.
Mittwoch, 17. Juli 1991
Wir waren schrecklich müde. Etwas Gutes jedoch hatte
der Campingplatz. Wir konnten in aller Ruhe Wäsche waschen. Bei dem
Wassermangel hier in dieser Gegend war der Campingplatz auch die einzige
Möglichkeit, die Wassertanks wieder aufzufüllen. In Tam stand in einer
Seitenstraße der gelbe Hano der beiden Berchtesgadener. Wir stellten unseren
daneben und suchten die Post. Nach mehrmaligem Fragen fanden wir Sie auch. Dort
herrschte ein ganz schönes Gedränge. Aber schließlich bekam ich doch
Briefmarken für unsere Postkarten. Auf dem Weg hinaus entdeckten wir plötzlich
zwei bekannte Gesichter. Die beiden Berchtesgadener warteten schon ein paar
Stunden auf ihr Telefongespräch. Sie waren ansonsten ziemlich bedrückt und
nicht sehr gesprächig. Immer noch keine Nachricht aus Deutschland wegen der
Reifen. Nach einem Besuch
des großen Marktes, auf dem Jörgen noch Brot besorgte, fuhren wir Richtung
Niger ab. Ein Polizist hielt uns an. Da wir jedoch nicht in den Niger wollten,
durften wir weiter. Nach ca. 6 Kilometer gings dann wieder auf eine Piste. Diese
führte teilweise sandig durch das Randgebiet des Hoggar. Nach den
Kilometerangaben im Buch mussten wir doch schon die Abzweigung zum Wasserfall
erreicht haben? Wir fuhren gerade in einem ausgetrockneten Flussbett entlang und
drehten mehrmals um, um die Abzweigung zu suchen. Schließlich gaben wir auf.
Aber da! Einige Zeit später folgten wir vielen Spuren, die die Piste nach links
verließen. Wir landeten an einer Zeriba und einem Mann, der noch nicht einmal
eine kalte Cola wollte. Offensichtlich war dies ein Kontrollposten des
Nationalparks. Nur verständigen konnten wir uns nicht. Ich ging hinunter zum
Flussbett. Eine Fahrt in dem sehr sandigen Oued wäre nicht besonders witzig.
Wir versuchten es noch auf einem anderen Weg. Wieder Sackgasse. Na, ja, so ein
ausgetrockneter Wasserfall ist auch nicht so wichtig. Deshalb fuhren wir weiter.
In einem sehr sandigen Oued folgten wir leider mal wieder den vielen Spuren und
nicht dem Kompass. Für diesen Bereich hatten wir auch kein sehr genaues
Kartenmaterial. Eine Piste kann ja mal kurzfristig in eine andere Richtung
führen. Aber bereits so lange Zeit nach SSW. "Ich glaube, wir sind falsch,
wir fahren in der falschen Richtung. Auch die Markierungspfähle fehlen".
Auf meine Bedenken hörte ich nur: "Weißt du das, oder glaubst du nur?
Hier sind doch so viele langgefahren. Eine andere Piste war doch nicht zu
sehen." Und so fuhr Jörgen weiter, bis auch er die Richtung nicht mehr
für richtig hielt. "Die ganze blöde Sandstrecke wieder zurück, so`n
Mist!" Wir hielten uns an den Kompass und fuhren strikt NNO. Trotzdem
hatten wir ein ungutes Gefühl. Was ist, wenn die Piste ein paar Kilometer links
genau in unserer Fahrtrichtung verläuft. Dann hatten wir keine Chance die Piste
zu finden. Wir befanden uns schon lange nicht mehr auf dem bereits gefahrenen
Weg. Nur NNO, wie auf der Karte verzeichnet. Plötzlich knallte etwas. Jörgen
hielt an und bemerkte, dass wir einen Kotflügel verloren hatten; eine Halterung
war gerissen. Unsere Erleichterung war groß, als wir nach mehr als 16
Kilometern vom Wendepunkt an gerechnet die Piste nach Tahifet wiederfanden. Am Ortseingang stürzten einige
Militärs auf uns zu und zogen mit einer Schachtel Zigaretten und 2 Cola
glücklich wieder ab. Jörgen durfte den Einheimischen beim Bau einer Zeriba
zusehen. Hier wachsen viele dieser Schilfpflanzen, aus denen die Zeribas
hergestellt werden. Fotografieren durfte er allerdings nur gegen die
"Gebühr" von einer Schachtel Zigaretten und Bonbons für die Kinder.
Auf der Fahrt durch den langezogenen Ort wurden wir immer wieder nach Zigaretten
gefragt. 20 Kilometer hinter Tahifet fuhren wir in einem Oued entlang. Es war
sehr schwierig, in diesem Gelände einen nicht einsehbaren Stellplatz zu finden.
Zuletzt fuhren wir in ein Seitental und dort einen Hügel hinauf. Endlich
konnten wir nicht von der Piste aus gesehen werden. Allerdings kamen abends
Mücken. Aber dagegen konnten wir uns ja mit Dschungel-Oil schützen.
Donnerstag, 18. Juli 1991
Es herrschte ein angenehmes Klima. Hier wollten wir
einen Tag bleiben. Ich bin wieder mal auf Entdeckungsreise gegangen, weil ich
unbedingt Echsen fotografieren wollte. Leider hatte ich nach langer Zeit nur
eine kleine Echse und eine kleine Schlange entdeckt, die irrsinnig schnell unter
den nächsten Steinen verschwanden. Aber ein paar Blumen habe ich auf das
Zelluloid gebannt. Ansonsten gab es nur Schmetterlinge und viele Fliegen.
Jörgen sollte den Hano durchchecken. Hat aber den ganzen Tag vergammelt. Am
Abend legte er sich doch noch unter den Wagen und siehe da, der Ölfilter war
abgerissen. Ein echtes Problem! An diesem Abend haben wir uns schweren Herzens
entschlossen, von In Ecker aus doch die ätzend langweilige Teerstraße
zurückzufahren, da wir möglichst heil nach Hause kommen wollten.
Freitag, 19. Juli 1991
Jörgen befestigte den Ölfilter notdürftig.
Hoffentlich hält er auf den nächsten Pistenkilometern. Die
Piste schlängelte sich einen Berg hinauf. Von nun an durchquerten wir eine
recht eindrucksvolle Landschaft. Leider haben wir die direkte Strecke nach
Ideles verpasst und landeten schließlich 6 km vor Tazrouk, einer Bergoase. Auf
den letzten Kilometern waren wir etwas zu weit nach rechts abgedriftet.
Plötzlich befanden wir uns in einer Landschaftsform, die wir so noch nie
gesehen hatten. Riesige abgeschliffene Felskugeln, die teilweise zu Bergen
aufeinandergetürmt sind oder scheinbar wackelig aufeinander balancieren. Hier
hatte wieder mal ein Riese Murmeln gespielt. Dann entdeckten wir die Echsen.
Zwischen den Steinen musste es von ihnen wimmeln. Wir beschlossen, hier eine
Pause einzulegen. Leider zeigte sich nur eine türkisfarbene Echse mit rotem
Kopf. Die nahm Jörgen dann aber auch ausgiebig vor die Linse. Auf den weiteren
Kilometern sahen wir noch die unterschiedlichsten Exemplare. Eine
gelbe Echse mit blauem Kopf und blauem Schwanz und eine ganz weiße. Die Piste
war zunächst noch sehr gut, wurde aber ungefähr 20 km vor der Abzweigung nach
Hirhafok ausgesprochen schlecht. Dafür entschädigte uns jedoch eine
unglaubliche Fernsicht. Auf dieser ganzen Tour ist uns nur ein einziges Fahrzeug
begegnet. Im völligen
Gegensatz zu der nun folgenden Strecke, wo wir einen Bus haben müssten, um die
vielen Menschen mitnehmen zu können, die mitfahren wollten. Unsere
Stellplatzsuche erwies sich als äußerst problematisch. Hinter Hirhafok bestand
die Landschaft nur aus groben Geröll und Bergen. Keine Chance, von der Piste
abzuweichen. Am Rande eines Oueds fanden wir schließlich einen annehmbaren
Platz ein paar hundert Meter von der Piste entfernt. Es war schon ziemlich spät
und die Sonne ging bald unter. Abends um 20.30 Uhr war der Himmel im Westen
knallrot. Ein Ölfiltercheck erwies sich als unnötig. Bis hierher hatte die
provisorische Halterung glänzend gehalten.
Samstag, 20. Juli 1991
Unser Samstagmorgen-Trip war bereits nach wenigen 100
Metern zu Ende. Hano blieb stehen. Das Kupplungsseil war ab. "Wir haben
eine dicke Schraube verloren". Ich suchte den Weg ab. Jörgen überlegte
sich derweil eine andere Lösung. Bereits nach kurzer Zeit hatte ich die
Schraube am Wegesrand entdeckt. Glücksstrahlend lief ich zurück. "Das
nutzt nicht viel, die Schraube hatte eine spezielle Mutter, die auch
fehlt". Schon war das Erfolgserlebnis wieder kaputt. Wieder taperte ich den
Weg entlang. Nichts zu
sehen. Etwa einen Kilometer weiter, da! da ist doch etwas zu sehen. Eine
merkwürdig verdrehte Mutter lag halb verdeckt im Sand. Das mußte sie sein!
Nach einem Kilometer Jogging zurück doch noch das Erfolgserlebnis. Nach kurzer
Zeit hatte Jörgen den Hano wieder startklar. Dann trafen wir auf einen
Geländewagen, der scheinbar eine Panne hatte. Aber die erste Frage war wieder
"Cigarettes"? Dann richteten die beiden Männer eine Frage an uns, die
ich trotz Wörterbuch nicht lösen konnte. Sie gaben auf und fuhren plötzlich
weiter. Bereits nach kurzer Zeit standen sie wieder am Rand der Piste und
gestikulierten. Es erschien uns sehr suspekt und da es nur noch ca. 2 km bis zur
Teerstraße sein konnten, fuhren wir weiter. Wir passierten wieder einen
"Poste de Controll", an dem wir ohne Probleme vorbeifuhren. Plötzlich
standen wir vor der Teerstraße. Hoffentlich fuhren wir auch in der richtigen
Richtung! Aber bereits nach relativ kurzer Zeit erreichten wir In Ecker. Eine
Kamelkarawane erreichte kurz nach uns das Café auf der anderen Seite der
Straße. Solche Karawanen sieht man in der heutigen Zeit nicht oft. 14 Kilometer hinter In Ecker bogen wir
an einem zerstörten Kilometerstein auf die Piste nach Amguid ab. Ein
merkwürdiges Gefühl beschlich mich. Vor uns lagen 600 Kilometer Piste
-hoffentlich geht mit Hano alles gut-. Die Spuren, die wir zu Beginn der Piste
entdeckten, waren schon sehr alt. War wohl nichts mit den vielen Lastkraftwagen,
die hier verkehren sollten. Aber nach ein paar Kilometern sichteten wir eine
frische Spur, höchstens 1-2 Tage alt. Es handelte sich offensichtlich nur um
ein Geländefahrzeug. Auf der plattebenen breitgefächerten Piste war kein
Fahrzeug zu entdecken. Sehr vereinzelt standen Bäume in der Gegend herum; man
musste schon suchen, um ein schattiges Plätzchen für die wohlverdiente Pause
zu finden. Als Orientierungspunkt sollten 2 Schilder dienen, die in englischer
und arabischer Sprache das Ende des einstigen militärischen Versuchsgeländes
der Franzosen kennzeichnen, wo in den sechziger Jahren auch mehrere
unterirdische Atombombenversuche stattfanden. Wir guckten und guckten uns die
Augen aus dem Kopf, aber auch mit Fernglas war nichts zu entdecken. Nach der
Beschreibung im Buch hätten wir den Punkt schon lange passieren sollen.
Vielleicht waren wir doch zu weit von der Hauptpiste abgekommen. Also drehten
wir um und gingen auf Schildersuche. Nach etwa 10 Kilometern entdeckten wir
etwas, das nicht wie ein Baum aussah. Wir hatten die Schilder gefunden. Kurze
Zeit später tauchte auch die Berggruppe Tidikmar (1462 m) auf, die mit ihren
markanten Felskegeln schon von weitem erkennbar ist. Ca. 20 Kilometer weiter
liegt in der Nähe des Berges Tazoune (1057m) eine Tuaregsiedlung, die wir
durchqueren mussten. Hier stießen wir letztmalig auf einen Poste de Controll.
Da das Schild aber in umgedrehter Richtung aufgestellt war, hielten wir nicht
an. Es war schon ziemlich spät, die Sonne geht bald unter. Obwohl wir auf der
Piste keinem Fahrzeug begegnet waren, hatten wir Stellplatzprobleme. Zuletzt
fuhren an einen Hügel heran und waren zumindest ein wenig sichtgeschützt.
Endlich erlebten wir auch wieder mal einen dieser phantastischen
Sonnenuntergänge.
Sonntag, 21. Juli 1991
Eine Genehmigung, die zum Befahren dieser Strecke
vorgeschrieben ist, hatten wir nicht eingeholt. Auch bei der
Nationalpark-Behörde haben wir uns nicht gemeldet. Da in Amguid aber eine
Meldepflicht besteht, mussten wir diesen Ort meiden. Als Alternativroute bot
sich die westliche Piste um die Dünen des Erg Amguid an. Wir folgten morgens
der Piste nur noch kurze Zeit, dann durchquerten wir das Oued und verließen uns
fortan nur auf Kompass und Karte. Wir mussten zunächst das mächtige Massiv des
Edjeleh (1359m) rechts liegen lassen. Markierungen oder eindeutige Reifenspuren
waren nicht zu entdecken. Aber mit Kompass kann ja nichts schiefgehen. Wir kamen
auch tatsächlich westlich des Erg Amguid an. Hier mussten wir durch das
Wellblech einen Tankdeckel verloren haben. Leider war der auch nicht mehr
aufzufinden. Glücklicherweise hatte Jörgen einen Ersatzdeckel eingepackt. In
der Ferne entdeckten wir erstmalig Lastwagen, die mit hoher Geschwindigkeit in
der Nähe der Dünen den feinen Sand aufwirbelten. Es folgte ein Weichsandfeld,
welches wir jedoch ohne Schwierigkeiten passierten. Die Piste führt jetzt durch
den landschaftlich schönen Engpass des Adrar Telremt. Das Oued Igharghar ist
hier üppig mit Bäumen und Büschen bewachsen. Ein Schild weist uns darauf hin,
dass wir den Naturschutzpark um Amguid verlassen. Hier baten uns zwei LKW-Fahrer
um Streichhölzer für ihren Kocher. Einer der wenigen Augenblicke, in denen wir
nicht nach Zigaretten gefragt wurden. Die Vegetation wird kümmerlicher, die
Gegend platt wie eine Flunder und die Hitze nimmt zu. Abends stellte sich uns
dann ein noch nie da gewesenes Stellplatzproblem. Nach Norden, Süden, Westen
und Osten nur plattes Land. Sehr weit weg waren Dünen zu erkennen. Auf dieser
breitgefächerten Piste fuhr jeder wo er wollte. Es gab hier keine Bäume,
Büsche oder Hügel. Man musste also damit rechnen, dass man nachts einfach
übergemangelt wird. Wir stellten uns in eine kleine Senke, wo relativ wenig
Spuren zu sehen waren. Ein ungutes Gefühl blieb trotzdem.
Montag, 22. Juli 1991
Glücklicherweise ist nichts passiert. Wir hatten aber
auch kein Fahrzeug gehört. Weiter ging es nach Kompass Richtung NNO. Als
verlustig hatten wir den Stecker vom Blinklicht zu beklagen. Aber was sollen wir
auch mit dem Stecker, wenn das Blinklicht sowieso nicht funktioniert. Nach
einiger Zeit führten die Spuren der Lkw's nach Norden. Laut Karte mussten wir
jedoch mehr nach Osten und folgten plötzlich einer äußerst selten befahrenen
Piste. Mit einem Mal standen wir vor der Hauptpiste nach Amguid. Hier treffen
die neue und die alte Piste wieder aufeinander. Der Markierungspfahl war
umgefallen und Steine wiesen die Richtung nach Amguid. Jörgen stellte den Pfahl
wieder auf. Nach einigen Kilometern in Richtung Nordosten waren wir völlig
verwirrt. Gemäß Karte waren wir richtig, aber es waren keine Spuren zu sehen.
Plötzlich befanden wir uns in einer holprigen Kalk- und Schotterwüste. Wir
wurden auch im Schritttempo arg durchgeschüttelt. Armer Hano, musste doch ganz
schön leiden. Nirgends entdeckten wir eine Piste. Auf einmal standen wir vor
einem Abbruch. Wir befanden uns auf einem Hochplateau. Unten sah die Gegend
besser aus und so nutzten wir die erstbeste Gelegenheit, auf einer Sandzunge
hinunter ins Tal zu fahren. Die Kreuzung "Les 4 chemins" mussten wir
doch schon lange erreicht haben. Wo waren wir? Wenn wir weiter Richtung Osten
fahren, mussten wir zumindest theoretisch irgendwann auf eine Teerstraße
treffen. Plötzlich standen wir vor der geteerten Kreuzung "Les 4 chemins".
Mit vielen Kilometern Verspätung aber doch ganz zufrieden, dass auch die
Orientierung ausschließlich nach Kompass wunderbar funktionierte. Jörgen hatte
sich in den Kopf gesetzt, die Teerstraße von Deb-Deb nach Hassi Messaoud zu
fahren. Die Warnungen im Reisebuch bezüglich der Sandverwehungen hätte ich
auch einem Baum oder Sandhügel vorlesen können. Die Reaktion war gleich null.
Da wir jedoch nach Deb-Deb die elendig langweilige Teerstraße so weit wie
möglich meiden wollten, wählten wir zunächst die Alternativstrecke über
Bordj Omar Driss und das Djoua-Tal nach Tin Fouye. Diese führte zunächst steil
den Abbruch des Tinrhert-Plateaus in die ca. 100 m tiefergelegene Ebene hinab.
Über die Müllhalde von Bordj Omar Driss führte eine Piste nach Osten. Bereits
nach wenigen Minuten befanden wir uns inmitten der bizarrsten Hügel, die
teilweise mit Sand bedeckt oder mit Tamarisken bewachsen sind. In dieser total
unwirklichen Landschaft legten wir erst einmal eine Pause ein. In
unregelmäßigen Abständen fegte ein kleiner Sandwind über die Ebene. Hier
fand ich einige kleine Muscheln. Über mehrere Schwemmtonebenen brausten wir
weiter Richtung Osten. Eine kurvenreiche Piste windet sich schließlich hinauf
auf das Tinrhert-Plateau und nach weiteren 14 km holpriger Fahrt erreichten wir
die Teerstraße nach Ohanet. Abends stellten wir uns an den Rand des
Plateau-Abbruchs. Die Kühlbox und die Druckwasserpumpe funktionieren nicht
mehr. Außerdem ist der Öldruckschalter gebrochen und Öl tritt aus. Das
hintere Fenster scheint auch nicht ganz dicht zu sein. Zumindest ist die
Rückbank doch ziemlich verstaubt. Kurioserweise
übernachteten wir in diesem großen Land nur 150 km von einem Stellplatz
entfernt, den wir taggenau vor einem Jahr gewählt hatten.
Dienstag, 23. Juli 1991
Jörgen musste den Hanomag reparieren, während ich auf
Fossiliensuche ging. Nachdem ich wirklich einige versteinerte Muscheln
entdeckte, kletterte ich häufiger im Abbruch herum. An der Teerstraße
angekommen, ließen wir einen riesigen Lastzug vorbei, den wir jedoch kurz
darauf wieder überholten. Der Tankwart in Ohanet erinnerte sich, unseren Hano
bereits im letzten Jahr gesehen zu haben. Jörgen verkaufte wieder einige
Sachen. Inzwischen traf auch der große Lastzug ein und Jedidi, der Fahrer, lud
uns zum Tee ein. In dem kleinen Café tranken wir Tee, Cafe, und kalten
Orangensaft aus der Dose. Jörgen unterhielt sich angeregt mit Jedidi und
zuletzt tauschten Sie Adressen aus. Jedidi ist wieder einer der wenigen Leute,
die nicht rauchen. Aber auf dieser Strecke mit den vielen Ölfeldern und
Erdgasfackeln haben wir sehr wenig rauchende Menschen angetroffen. Jedidi
erhielt von uns einige Süßigkeiten; als Gegenleistung bekamen wir eine riesige
Dose Ölsardinen und einen arabischen Kalender von 1991 geschenkt. Wir fuhren weiter durch diese triste,
langweilige Gegend, die uns nur durch die vielen Schlaglöcher in der Straße
Abwechslung bot. Es wurde heißer und heißer. In Deb-Deb standen wir plötzlich
vor der Grenze nach Libyen. Aber das Missverständnis klärte sich schnell; wir
hätten ca. 200 m vorher nach links abbiegen müssen. Die Straße wurde etwas
besser. Dann erreichten wir den Militärposten von Bordj Messaouda. Hier wollte
man zum ersten Mal außer den Pässen noch den algerischen Fahrzeugschein und
den internationalen Führerschein sehen. Der Posten verschwand mit unseren
Papieren im Häuschen und ließ sich zunächst nicht mehr sehen. Wahrscheinlich
wurden die Pässe eingehend geprüft. Dann erreichten wir die ersten
Dünenausläufer. Bereits nach 200 Metern standen wir vor einer Sandverwehung.
Wir mussten darüber oder einen anderen Weg finden. Jörgen wollte unbedingt
noch weiter; aber es war bereits 19.00 Uhr und ich trat in den Streik. Er gab
nach und wir suchten uns einen Stellplatz im Schutz einer Düne. Da es
ungewöhnlich windstill war, schliefen wir mal wieder auf dem Dach.
Mittwoch 24. Juli 1991
Morgens nervten uns ätzende Fliegen. Aber wir mussten
sowieso früh aufstehen, da der Kampf mit dem Sand am besten in den frühen
Morgenstunden zu ertragen ist. Vor uns lagen mindestens 200 Kilometer lang
Sanddünen, die uns das Fortkommen schwer machen können. Schaufeln haben wir
schon bereit gestellt. Die Straße muss seit Jahren nicht mehr geräumt worden
sein. Auf den Sandzungen wachsen bereits Pflanzen. Und wieder standen wir vor
der gestrigen Sandverwehung. Ein paar Spuren führten rechts herunter auf die
Piste und anschließend wieder auf die Straße. Das war unsere einzige Chance.
Jörgen brauste mit viel Speed über die Piste und erreichte ohne
Schwierigkeiten die Straße. Aber 10 Kilometer weiter wurden wir bereits
gefordert. Jörgen wollte eine Düne frontal nehmen und wir saßen auf dem Grat
auf. Zunächst machte das Schaufeln ja noch Spaß. Wenn nicht diese ätzenden
Wespen um uns herumschwirren würden. Wir schaufelten und schaufelten. Legten
Sandbleche unter und schaufelten weiter. 3 Stunden arbeiteten wir ununterbrochen
und schwitzten. Endlich fassten die Reifen wieder und wir hatten es geschafft.
Nach weiteren 7 Kilometern dann das nächste Hindernis. Wieder eine ziemlich
hohe Sandverwehung auf der Straße. Ich fand, dass der Weg links herauf zur
Piste ganz gut aussah. Das war ein großer Fehler, denn der Hanomag rutschte mit
dem rechten Hinterrad an dem Dünenhang weg und stand ganz schief vor einem
Grasbusch. Wir schaufelten wieder 2 1/2 Stunden lang und gaben dann auf. Das
Grasbüschel war einfach nicht zu überwinden. Schließlich entschied Jörgen
sich dafür, den Hano rückwärts den Abhang hinunter zu fahren. Mir war zwar
recht mulmig zumute, aber eine andere Chance sah ich auch nicht. Zumindest
freute ich mich, als das Unternehmen erfolgreich verlief und wir die Sandbleche
wieder einpacken konnten. Das Erreichen der Piste von hier unten war relativ
einfach. Kurze Zeit später fuhren wir auf einer Sandverwehung, die sich auf der
Piste gebildet hatte, einen Hügel herunter. Solange man bergab fahren kann ist
ja alles in Ordnung. Aber ca. 3 Kilometer nach unserer letzten Einsandung ging
es schon wieder weiter. Diesmal waren jedoch die Straße und die Piste durch den
Sand unpassierbar. Jörgen suchte einen Weg. Die einzige Möglichkeit war, einer
Düne herab in den Talkessel zu folgen und an der anderen Seite im Sand wieder
hochzufahren. An diesem Punkt streikte ich. Was ist, wenn wir in diesem Krater
festsitzen; schließlich ging es nur über Dünenhänge wieder heraus. Und wir
waren bislang außer den Fliegen und Wespen keinen Lebewesen begegnet. Jörgen
gab zu bedenken, dass wir bei der Rückfahrt auch den Hügel von vorhin wieder
vor uns hätten. Meiner Meinung nach war jedoch dieser Abhang nicht so schlimm
wie weitere 180 km schaufeln, schaufeln und nochmals schaufeln. Wer sollte das
in dieser Hitze aushalten. Außerdem würden wir dann vielleicht nicht
rechtzeitig wieder nach Hause kommen. Jörgen ließ sich überzeugen und wir
drehten um 12.30 Uhr schweren Herzens wieder um. Schließlich lag vor uns ja
auch wieder diese fürchterliche Teerstraße zurück; außerdem hatte uns dieser
Abstecher fast genau 1000 umsonst gefahrene Kilometer gekostet. Am
besagten Abhang kam der Hano nur halb hoch. Im ziemlich puderigen Sand blieb er
trotz Allrad und viel Schwung stecken. Ich war schon drauf und dran, die
Sandbleche unterzulegen, aber Jörgen wollte es noch einmal versuchen. Beim
Rückwärtsfahren rutschte das rechte Hinterrad in dem Kalkschotter am
unbefestigten Steilabhang zur Seite weg. Alle Versuche, einigermaßen vorwärts
wieder herauszukommen schlugen fehl. Dann rutschte auch noch das rechte
Vorderrad weg und der Hano stand mächtig schief. Wir schaufelten, legten
Sandbleche unter und schaufelten weiter. Das Ergebnis war jedesmal
niederschmetternd. Hano rutschte weiter und zog alle Spurrillen, die wir in der
Mittagshitze mühselig gegraben hatten, mit sich. Jörgen blieb nichts anderes
übrig, als den Wagen durch den Highlift zu stützen. Mit Hilfe der
Unterlegkeile und der Bleche sah das auch gar nicht so schlecht aus. Der
Wüstensand war so heiß, dass wir uns die Füße verbrannten, als wir unsere
Trekkingschuhe kurzfristig auszogen. Jörgen wollte einen Weg aus Steinen bauen.
In der irrsinnigen Hitze holte er jeden Stein einzeln und musste sich
anschließend erst einmal 5 Minuten ausruhen. In dem Moment rutschte der
Highlift weg und Hano riss noch einen ganzen Teil der Bauten mit sich. Mir war
ganz übel. Mein Gott, stand der Wagen schief. Er drohte jeden Moment
umzukippen. Mittlerweile war es schon 16.00 Uhr und die Hitze kaum zu ertragen.
Da es keiner von uns wagte, den Hano zu betreten, blieb uns nichts anderes
übrig, als von außen das heiße Wasser in die Feldflaschen zu füllen. Es war
ja schon ganz gut, dass wir so an den Wasserhahn kamen, denn wir hatten ständig
einen mächtigen Durst. Jörgen schaufelte und arbeitete, während ich mich beim
besten Willen nicht mehr bewegen konnte. Ich hockte in dem spärlichen Schatten,
war fix und foxi und trank laufend dieses heiße Wasser. Da war der Punkt
erreicht, an dem ich zum ca. 15 km entfernten Militärlager gehen wollte.
Jörgen bezweifelte, dass uns einer der Geländewagen herausziehen könnte und
überredete mich, zumindest zu warten, bis es dunkel würde. Dann muss man auch
nicht mehr soviel trinken. Er traute sich auch einmal in den Wagen, um ein
kühles Bier zu holen, damit wir nicht nur immer dieses heiße Wasser trinken
müssen. Leider war es uns nicht möglich, dieses Bier herunterzubekommen.
Wahrscheinlich war der Salzverlust zu groß. Alle unsere Bemühungen, den Hano
wieder flott zu bekommen waren umsonst und so beschlossen wir schließlich, in
dieser gefährlichen Situation den Hano rückwärts den Hügel hinab zu fahren.
Wir gruben mächtige Rillen, die den Hano in der Spur halten sollten. Jörgen
kletterte in das Fahrerhaus. Ihm war dort oben auch nicht wohl. Ach du meine
Güte, jetzt springt der Motor nicht an; muss schon wieder entlüftet werden.
Und wo ist in diesem Chaos der 10ner Schlüssel? Nichts zu finden. Er kann
überall hingerutscht sein. Da hörten wir ein Motorengeräusch. Ein
Geländewagen kam. Die Leute hatten aber auch keinen passenden Schlüssel dabei
und konnten uns nicht helfen. Die Versuche mit einer Zange waren auch nicht von
Erfolg gekrönt. Plötzlich fand sich der 10ner wieder an und ich begann die
Daumen zu drücken. Da, der Motor springt wenigstens schon mal an. Und dann
folgte dieses riskante Manöver. Ich sprang vor Freude im Sand umher, als der
Hano glücklich unten ankam. Wir waren völlig erschöpft und mächtig kaputt.
Einen der Unterlegkeile haben wir in dem Sand nicht mehr wiedergefunden. Wir
zwangen uns zum Duschen. Nach dieser einzigartigen physischen und psychischen
Anstrengung, die uns unsere körperlichen Grenzen doch recht deutlich aufzeigte,
wollten wir uns doch erst einmal ausruhen. Wir mochten immer noch kein Bier, nur
Wasser, Wasser, Wasser. Durch den totalen Mineralverlust haben wir am ganzen
Körper Krämpfe, sogar im Rücken. Sand ist doch nichts für uns und Hano. Und
jetzt schlafen. Denkste! Krämpfe, Krämpfe, Krämpfe. Gegen Mitternacht machte
ich uns noch eine Brühe. Danach ging es etwas besser. Morgen schaffen wir dich,
du blöder Hügel!
Donnerstag, 25. Juli 1991
Wir standen morgens sehr früh auf, um den etwas
feuchten Sand zu nutzen. Um 6.30 Uhr gings los. Jörgen verringerte den
Reifendruck, holte viel Schwung und fuhr ohne Allrad den Hügel hinauf.
Jedenfalls kam er so wesentlich weiter als gestern. Nach 30 Minuten Schaufeln
und mit Hilfe der Sandbleche schafften wir es ziemlich problemlos. Die
schwierigste Passage an diesem Tag war jedoch die Düne, auf der wir am Tag
zuvor aufsetzt waren. Aber auch dieses Stück schafften wir mit viel schaufeln
und Sandblechen. Und dann war der Sand vorbei und wir schon wieder völlig
kaputt. Kurz hinter Deb-Deb ging nichts mehr. Wir
mussten eine Pause machen und schlafen. Im Cafe von Ohanet kaufte Jörgen noch
kaltes jus d'orange. Die Zapfsäulen an der Tankstelle funktionierten aus
irgendwelchen Gründen nicht. Na, unser Sprit reicht zumindest bis Hassi bel
Guebbour. Es war wieder mächtig heiß, und der Wind noch heißer.
Wahrscheinlich ist bei dem Empfinden auch die langweilige Strecke mit Schuld. Es
war immer noch nichts mit Bier, Fanta oder Cola. Außer bereits uraltem
Elektrolyt (aus meinen Handball-Zeiten), welches wir mit Wasser mixten, konnten
wir nichts trinken. Obwohl es schon recht spät war, fuhren wir in Hassi bel
Guebbour zunächst zur heißen Quelle. Waschen, Wasser auffüllen, Wäsche
waschen, alles ging mächtig schnell vonstatten. Noch schnell tanken und dann ab
in die Dünen. Es war schon fast dunkel, als wir einen ganz netten Stellplatz
fanden. Jörgen konnte schon wieder Cevapcici essen, während ich mich mit einer
Suppe abquälte. Der Wind war wieder mal sehr heiß. Trotzdem beschlossen wir
auf dem Dach zu schlafen. Um 2.00 Uhr wurde es dann angenehm kühl.
Freitag, 26. Juli 1991
Heute hieß es mal wieder nur fahren, fahren, fahren.
Die Strecke bis Touggourt ist schrecklich heiß. Und immer nur trinken, trinken,
trinken. Morgen müssen wir unbedingt wieder Trinkwasser tanken. Hinter
Touggourt schlugen wir uns wieder zum Übernachten in die wohlbekannten flachen
Dünen. Um 17.15 Uhr hatten wir noch 50,1°C bei etwas Sonne. Wir mochten immer
noch kein Bier und Wein. Kaum war es abends etwas angenehmer, drehte der Wind
und wehte heiß von der Müllhalde her. Dementsprechend stank es auch. Dann
folgte ein kleiner Sturm von der anderen Seite. Das war mir zuviel und ich zog
mich ins Auto zurück.
Samstag, 27. Juli 1991
In El Oued waren an einem Platz Dämme aus Sandsäcken
aufgebaut, hinter denen Panzer bereitstanden. Ansonsten war alles ruhig. Im Souk
erstand Jörgen mehrere Dosen jus d'orange und eine Werkzeugkiste. Außerdem
nahmen wir für das restliche algerische Geld Trommeln mit. An der algerischen
Grenze hatten wir keine Schwierigkeiten und konnten bereits nach einer halben
Stunde weiter. Dafür dauerte es an der tunesischen Grenze um so länger. Einige
Taxen wurden abgefertigt. Zudem tauschten die Algerier an der Grenze Geld um.
Das Warten in der Hitze fiel uns schwer. Aber nach 1 Stunde und 10 Minuten waren
wir durch und konnten weiter. Die Zöllner waren ein wenig säuerlich, weil sie
kaum etwas zum Mitnehmen fanden. Nächstes Mal werden wir glitzernde
Kugelschreiber, billige Solarrechner u.s.w. für jeden Zöllner gut dosiert
verstecken. Hinter Nefta
wurden wir angehalten. Angeblich waren wir zu schnell gefahren. Bei Hano ist das
kaum möglich. Aber nach einem kurzen Blick in den Aufbau durften wir weiter.
Die Fahrt über den Schott el Djerid war schon vergnüglicher, weil es bedeutend
kühler wurde. In Kebili fanden wir die Straße nach Douz nur zufällig. Dann
ging es auch schon wieder auf eine relativ selten befahrene Piste. Bei einer
Palmengruppe, der oben die Wedel fehlten fanden wir einen schönen Stellplatz.
Bier und Wein schmecken wieder. Jörgen aß Bratfisch mit Bratkartoffeln und
bekam später Bauchweh und Durchfall. Ich hatte mit den Tortellini weniger
Schwierigkeiten. Aber es grummelte auch im Bauch. War vielleicht zu wenig
Mikropur im Trinkwasser?
Sonntag, 28. Juli 1991
Wir standen relativ spät auf, schütteten Mikropur
nach und fuhren auf der Piste Richtung Matmata weiter. Nach einiger Zeit
erreichten wir eine große Piste und folgten dieser Richtung Süden. Unser
genauer Standort war nicht zu bestimmen. Aber irgendwo musste doch die Piste
nach Matmata abgehen. Ging sie aber nicht. Also wieder zurück nach Norden. Wir
nutzten die 1. Möglichkeit um weiter nach Osten zu fahren. Die Pisten waren
denkbar schlecht, was uns aber noch nicht sonderlich störte. Die Fahrt ging
über einen Hügel, über den nächsten Hügel und noch einen Hügel, dann war
Sackgasse. Wieder zurück und querfeldein Richtung Osten. Irgendwo musste doch
die richtige Piste sein? Eine relativ gute Piste führte wiederum nach Osten,
endete aber in einer kleinen Bergsiedlung, in der wir keinen Weg fanden. Also
wieder zurück durch ausgetrocknete Wasserrinnen, ausgewaschene Flussbetten
u.s.w. bis wir wieder die große Piste erreichten. Diesmal wandten wir uns
weiter nach Norden. Und plötzlich standen wir vor der beschilderten Abzweigung
nach Matmata. Wir waren viel zu weit südlich abgedriftet. Aber an sich hätten
wir uns in Tunesien beschilderte Pisten denken sollen. Auf jeden Fall stellte
sich hier die Frage Matamata oder nicht? - Es war schon sehr spät. Aber nun
hatten wir schon den ganzen Tag nach der richtigen Piste gesucht, da wäre es
doch schlimm, wenn wir die Piste jetzt nicht nehmen würden. Die Strecke ist
wunderschön, windet sich kurvenreich an den Bergen empor, durchquert das
malerisch an einem Berghang gelegene Tamezret und erreicht schließlich die
Wohnhöhlen von Matmata. Sofort wurden wir auf deutsch angesprochen. Auch die
Kinder versuchten, uns zum Halten zu bewegen. Doch wir mussten weiter, da es
sehr spät war und wir einen Stellplatz brauchten. Die folgende Piste über
Toujane ist auf der Karte als schlechte Piste gekennzeichnet. Aber die ersten 10
km sind geteert. Sie führt durch eine eindrucksvolle Mondlandschaft, die etwas
an Geröme in der Türkei erinnert. Wir sahen relativ viele Murmeltiere. Als es
schon sehr dunkel war, stellten wir uns 3 km hinter der Abzweigung nach Toujane
in einen Flusseinschnitt.
Montag, 29.07.1991
Früh am Morgen folgten wir der einmalig schönen
Hochpiste über Toujane, der malerisch an einem Berg klebenden Berbersiedlung,
bis nach Ain Touine. Ein Mann auf einem Esel schenkte uns Feigen und zog mit
einer angebotenen Zigarette glücklich ab. In Mareth hielten wir an dem ersten
Laden. Jörgen kaufte ein Brot. Der Verkäufer war so begeistert, dass wir
ausgerechnet bei ihm hielten und spendierte eine große Flasche eiskalte Cola.
Über Medénine ging's weiter nach Zarzis. Auf dieser Strecke wurden wegen der
Nähe zur libyschen Grenze häufige Polizeikontrollen durchgeführt. Vom Strand
bei Zarzis bis Djerba bietet sich keine Stellmöglichkeit. Tang, Algen und viele
Leute. Auf Djerba wird ein Hotel neben dem anderen gebaut - zumindest an der
Ostküste. Außerhalb der Hotels ist die Insel sehr dreckig, besonders in
Hotelnähe liegt viel Müll und Plastik herum. Wir versuchten in Bordj Djillidj
an der Westküste einen geeigneten Stellplatz zu finden. Leider ist diese Gegend
reines Fischereigebiet mit viel Tang und zudem die Müllkippe der Insel. Zum
Baden herzlich wenig geeignet. Wir fuhren zurück und stellten uns auf eine
zukünftige Baustelle zwischen 2 Hotels, ca. 50 m vom Meer entfernt. In unserem
Umfeld zählten wir 19 Baukräne. Das Wasser war sehr sauber, nur ab und zu ein
paar Felsen. Abends besuchte uns ein 23-jähriger Maurer, der unbedingt in
Europa arbeiten will.
Dienstag, 30. Juli 1991
Wir haben uns im Meer geaalt. Es war einfach herrlich
und warm wie in der Badewanne (29°C). Genau so warm war die Luft. Echt
angenehm. Gegammelt und gelesen. Abends kam wieder der Maurer. Da es sehr windig
war, zogen wir sicherheitshalber die Markise ein.
Mittwoch, 31. Juli 1991
Morgens erwartete uns ein etwas ungewohntes Wetter. Es
war schwül. Auf unserem Campingtisch fanden wir 2 Brote, Kekse und eine Flasche
Milch. So hatten wir das wieder nicht gemeint, als wir den Maurer nach dem
nächsten Bäcker fragten. Es war sehr windig. Beim Schnorcheln sahen wir
Fischschwärme, ansonsten war es nicht so doll unter Wasser. Unser ständiger
Besucher, der Maurer, erzählte, das hier auf Djerba Einheimischen das
Ansprechen von Hotel-Touristen verboten ist. Desgleichen in der Disco.
Donnerstag, 1. August 1991
Nachts war es sehr stürmisch. Wir fuhren ein Stück
vom Strand zurück. Sicher ist sicher. Von
Adjim nach Jorf setzten wir mit der Fähre über und fuhren Richtung Kairouan.
Plötzlich hatten wir kein Diesel mehr. Also schnell zurück zum letzten Ort.
Dort haben wir auch gegessen; Jörgen Cous-Cous und ich gegrilltes Fleisch. Dazu
gab's Brot und je einen Salat sowie 1 Flasche Wasser. Bezahlt haben wir 4,8
Dinar (DM 9,60). In Tunis-La Goulette stellten wir uns vor der Polizei in
Hafennähe und gingen bummeln. Essen kann man hier an allen Ecken und Enden. Ein
Restaurant folgt dem nächsten. Die Wahl fällt außerordentlich schwer. Abends
sind auch fast alle Lokalitäten gut gefüllt. Ab 20.00 Uhr ist Trubel angesagt.
Wir aßen: Jörgen 1x vom Spieß, 1 x Würstchen und ich 2 x Würstchen
(natürlich auf tunesische -scharfe- Art mit Pommes. Dazu gab es 4x Salat, Brot
und 2 Flaschen Wasser. Bezahlt haben wir für diese Mästung 10 Dinar (20,00
DM). Du lieber Himmel, waren wir satt! Wir gingen noch zum Hafen, auf die
Fußgängerbrücke, von der alle Leute dem Zoll zusehen. Das wollte ich auch
mal. Die HABIB ist schon da. Zu unserem Stellplatz gesellte sich noch ein Rudel
Geländewagen aus Heilbronn, mit Pinzgauer als Rudelführer. Die fuhren abends
nach dem Essen gleich zum Hafen. Wir blieben bei der Polizei stehen.
Freitag, 2. August 1991
Um ca. 6.20 Uhr waren wir am Hafen. Zunächst erfolgte
die Registrierung, dann füllten wir eine Ausfahrkarte nur für den Hano aus. 1
x für die Polizei und ein anderes Formular für den Zoll. Anschließend folgte
der Stempel von der Polizei. Zöllner sahen sich den Hano an; 1. Unterschrift.
Anstellen zum Stempelholen. Dann ging's endlich bis vors Schiff. Der Pinzgauer
stand auch dort. Er kam genau wie wir wegen der Höhe erst zuletzt an Bord. Die
HABIB ist ein riesiges Fährschiff, viel größer als die Carlo R. Als wir an
Bord kamen, waren wir schrecklich enttäuscht. Wir fanden ein strenges
2-Klassen-Schiff vor. Die Leute der 2. Klasse (Platz ca. 1/3 des Schiffes)
kommen nicht auf die für die 1. Klasse reservierten Teile (2/3) der Fähre. In
der 2. Klasse gab es im Gegensatz zur Carlo R nur 4-Bett-Kabinen, die zudem nur
durch Stellwände voneinander getrennt sind. Die Toiletten (1xMänner;1xFrauen)
waren zunächst abgeschlossen und wurden erst mit Ablegen der Fähre geöffnet.
1 x Toiletten gab es noch oben. Man wollte uns zu 2 Männern stecken, die
anscheinend Kettenraucher waren. Jörgen protestierte und verlangte eine
rauchfreie "Zelle" beim Steward. Wir erhielten eine andere
"Kabine", die genau wie die anderen 2.Klasse-Kabinen nicht
abzuschließen waren. Vom Schiff war nicht sehr viel zu erforschen. Als wir
zurück in unsere Kabine kamen, lag dort eine fremde Tasche. Also zog hier doch
noch jemand ein. Auf den Frust tranken wir erst einmal Whisky-Cola. Aber
plötzlich wurde die Tasche abgeholt. Der Mann hatte offensichtlich noch einen
Platz in der 1. Klasse bekommen. Mittags gingen wir in der Cafeteria essen. Das
war sehr gut. Nachmittags sonnten wir uns in den Liegestühlen. Beim Abendessen
lernten wir Motorradfahrer aus Stuttgart kennen, die auf einer Querfeldeintour
auf dem Schott el Djerid eingesackt waren und auch dort übernachten mussten.
Samstag, 3. August 1991
Wir haben wunderschönes Wetter. Leider leide ich sehr
unter Durchfall. Ca. 1 3/4 Stunden nach dem Anlegen der Fähre waren wir durch
mit den Prozeduren von Polizei und Zoll. Unsere Papiere hat sich niemand
angesehen. Die Autobahn von Genua nach Mailand ist in dieser Richtung nicht ganz
so kurvenreich wie die andere Spur, die getrennt geführt wird. In einem Ort
wollten wir Pizza essen gehen. Alles war geschlossen und wurde frühestens um
17.30 Uhr geöffnet. Deshalb gingen wir Eis essen. Es war sehr heiß und mir
ging es mächtig schlecht. Vielleicht hatte ich einen Sonnenstich. Die
Anzeichen, Erbrechen, Durchfall, Übelkeit und Hitzeanfälle sprachen dafür.
Auf einem Parkplatz in der Schweiz unterbrach Jörgen deshalb unsere Reise
relativ früh. Trotzdem haben wir gut geschlafen.
Sonntag, 4. August 1991
Morgens an einer Raststätte kauften wir frisches
Baguette. Alles war ziemlich teuer. Das Wetter ist diesig. Die Sonne kommt nicht
richtig durch. Mir geht es etwas besser. Allerdings ist da noch der Durchfall.
Abends fuhren wir von der Autobahn nach Bayern ab. In einer Gaststätte aßen
wir sehr gut und stellten uns nach vergeblicher Stellplatzsuche auf einen
Rastplatz zum Übernachten. Deutschland, du hast uns wieder. Algerien liegt weit
zurück. Hitze, Abenteuer, Wüste - wie weit seit ihr schon weg. Es war einfach
toll!
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