2.9.2 Dünen
Wenn man Dünen fährt, so tut man gut daran, alle
nicht übersichtlichen Dünen oder Dünenzüge abzulaufen, um eine möglichst
einfache Passage zu finden. Passen Sie auf, daß Sie nicht aus Versehen in
einen Dünenkrater fahren. Dort dürfen Sie Ihr Auto in Einzelteilen wieder
heraustragen.
Der Weg zu den Mandaraseen ist im Januar 1995
ziemlich zerfahren gewesen und es gab Streckenweise Probleme durch den
zerwühlten Sand eine Dünenauffahrt zu bewältigen. Das selbe kann auch auf
der Piste Idri - Ubari geschehen, da die Piste durch das Dünengebiet des
Idhan Ubaris zieht.
Man muß in den Dünen nicht zwanghaft den
zerwühlten Spuren folgen die irgendwelche Vorgänger gelegt haben.
Meist ist es so, daß nach einem Sandsturm keine
Spuren mehr vorhanden sind. Das erste Fahrzeug das dann fährt sucht sich
irgendwie einen Weg. Manchmal ist es fraglich, ob der Fahrer sinnvoll handelt
oder nur Vollgas gibt.
Oft gibt es bei schwierigen Passagen einige Meter
weiter rechts oder links günstigere Übergänge, die leichter zu bewältigen
sind. Man sollte sich nicht scheuen auch mal einen Kilometer weiter eine
Passage zu suchen. Diese muß man aber zuerst zu Fuß erkunden, um zu sehen ob
man wieder auf die ursprüngliche Piste zurückkommt.
Eine Düne fährt man entweder mit Schwung oder mit
Kraft.
Ersteres soll heißen, Sie fahren mit soviel Schwung
die Düne hoch, daß Sie oben zum Stehen kommen. Dies ist die Methode, die am
meisten praktiziert wird und die in der Regel auch zum Erfolg führt. Aber
Achtung! Ist man zu schnell und kommt man auf dem Dünenkamm nicht zum Stehen,
so wird man mit Wucht über die Düne in den oft steileren Abhang springen und
mit der Autoschnauze in den Sand tauchen. Der lockere Sand bremst heftig, was
einen Überschlag zur Folge hat. Die Reise ist danach meist ganz plötzlich zu
Ende.
Also probiert man es am Anfang erst 2- oder 3- mal,
bis man auf der Düne ist. Das "Dünenfeeling" stellt sich mit
einiger Übung und Ausdauer schon von selber ein.
Die Kraft-Methode wird dann angewandt, wenn die
Dünen zu lang, zu steil, der Sand zu locker ist und man trotzdem an dieser
Stelle hinüber muß. Sie geht folgender maßen: Man läßt den Luftdruck in
den Reifen auf 0,5 bar ab und fährt die Düne im ersten Gang Untersetzung mit
zugeschaltetem Vierradantrieb langsam auf direktem Wege an.
An der Stelle, an der man einsanden würde, sollten
dann schon je zwei Sandbleche hintereinander liegen. Man fährt über das
erste Paar hinweg auf das zweite Paar, dann muß der Beifahrer und die
Mannschaft des Begleitfahrzeuges die hinteren Bleche nach vorne tragen, auf
die man dann wieder hinauffahren kann und so weiter.
Die Kunst liegt darin, das Auto nicht einsanden zu
lassen, sondern immer auf den Blechen zu stehen oder zu fahren und, wenn es
geht, das Fahrzeug in Bewegung zu halten.
Schaufelt man den Dünenkamm etwas ab, so wird der
meist steile, letzte, sehr sandige Meter etwas entschärft.
Steht man nun voller Stolz auf dem Dünenkamm, so hat
man erst die Hälfte geschafft, man muß auch wieder hinunter. Die Abfahrten
sind meist steiler und viel sandiger als die Auffahrten. Man fährt also in
direkter Fallinie im ersten Gang mit Vierrad und Untersetzung bergab. Dabei
muß man leicht bis mittel Gas geben, so daß sich die Vorderräder nicht in
den Sand eingraben. Kuppeln und bremsen Sie um Gottes willen nicht! Das
Ergebnis wäre, daß die Vorderräder einsanden und das Heck seitlich
ausbricht. Was wiederum zur Folge hat, daß man die Düne mit dem Auto
seitlich hinunterkullert. Auch hier ist die schöne Libyenreise dann ganz
schnell zu Ende.
Also behalten Sie die Nerven und geben gekonnt Gas,
die Erdanziehung hilft Ihnen dabei, den Talboden sicher zu erreichen.
Da man immer mit mindestens zwei Autos in den Dünen
fährt, ist folgendes zu beachten: Das erste Auto fährt vor und das zweite
wartet so lange, bis das erste sicher das Hindernis überwunden hat, erst dann
folgt das zweite Fahrzeug. Fährt man hintereinander, so passiert unweigerlich
folgendes: das erste Fahrzeug bleibt hängen und das zweite muß irgendwie
ausweichen, meist die Düne hinunter oder quer in die Düne hinein. Mit etwas
Pech fällt ein Fahrzeug um und das andere steckt gnadenlos fest. Die
Rettungsaktion dauert dann meist etwas länger.
Schnallen Sie sich auf jeden Fall an und achten Sie
darauf, daß das Gepäck festgezurrt ist. Man kann schon einmal umfallen, aber
wenn man dabei aus dem Auto fällt und von ihm erdrückt wird oder bei einen
Sprung einem die Kochkiste gegen den Schädel knallt, kommt jede Rettung zu
spät.
Dünen fahren macht Spaß, wenn man sein Können und
das Auto richtig einschätzt, den gesunden Menschenverstand benützt und die
Nerven behält. Üben Sie sich als Anfänger erst an den kleineren Dünen
(2-10 Meter), bevor Sie sich an die Durchquerung eines Ergs wagen.
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