Das Problem war wohl,
daß ich sein arabisch nicht verstand.
km 68 20-36-87 N 16-15-22 E felsiges Wadi
An dieser Stelle queren wir ein felsiges Wadi. Wir
rumpeln mit viel Gefühl und im ersten Gang der Untersetzung in das Bachbett
hinein. An den Ufern stehen Steinhäuser. Diese stark zergliederte Siedlung
macht jedoch einen verlassenen Eindruck.
Nach dem felsigen Wadi gibt es scheinbar keine Minen
mehr. Wir fahren entlang einer großen Felsgruppe nach Norden.
Vier Kilometer später ist die alte Piste durch eine
Steinreihe gesperrt.
20-39-06 N 16-15-20 E Steinreihe - Minen ?
Unser Weg führt auf die Felsgruppe zu und biegt vor
den Felsen nach links ab.
Der Weg wird immer felsiger und wir kriechen im ersten
Gang der Untersetzung über Felsstufen in Richtung Norden. Es hat keinen Sinn,
sich etwas vorzumachen, dieses grauenhafte Geschaukel begleitet uns, bis wir das
Gebirgsmassiv des Pic Toussid in Richtung Nordosten verlassen haben. Nur
kurzzeitig wird die Piste besser und der Uneingeweihte schöpft unsinngerweise
Hoffnung, die kurz darauf wieder in tiefe Verzweiflung umschlägt, ob den diese
Quälerei nie aufhört.
km 90 20-45-61 N 16-19-88 E Pistenkreuz
Wir sind hier an einer Pistenkreuzung, die in keiner
Karte verzeichnet ist. Es ist auch rätselhaft, wohin die anderen Pisten
führen.
Auf jeden Fall biegen wir bei der ersten Kreuzung nach
links ab und 1,7 km später bei der zweiten Kreuzung nach rechts.
km 91,7 20-45-60 N 16-20-72 E
Auf dem Weg nach oben werden wir immer wieder mit
tollen Ausblicken nach Westen belohnt, wo wir in der Ferne die riesigen
Felsnadeln im Tal von Akiafera sehen können.
Kurz nach der Pistenkreuzung fahren wir auf leicht
kiesigem Untergrund durch ein enges flaches Tal. Die Felsen des Tales bestehen
aus Bimsstein. Besonders fällt die Lokalität bei km 96 auf, wo wir auf einen
Felsabschnitt stoßen, der scheinbar aus lauter Kugeln zusammengesetzt ist.
Bimsstein entsteht bei sogenannten
Glutwolkenausbrüchen. Die zähe Lava tritt aus dem Vulkan aus und fließt wegen
ihrer Zähigkeit nicht auseinander. Sie bildet über dem Krater einen großen
Lavadom, der wie ein Pfropfen den Vulkanschlund verschließt.
Irgendwann wird der Innendruck der nachdrückenden Lava
so groß, daß es zu einer riesigen Explosion kommt. Die zähe Lava wird
zerfetzt. Sie bildet dabei eine Glutwolke mit sehr viel heißer Luft. Dieses
glühende Substrat aus Luft und feiner Lava stürzt sich als Lawine mit mehr als 200 km/h den Hang hinunter
und reißt alles mit. Es gibt keine Augenzeugenberichte, was alles passiert,
wenn solch eine Glutwolke entsteht, die möglichen Berichterstatter haben es
nicht überlebt.
Das Natronloch ist solch ein Explosionskrater. Das Loch
hat 7 km Durchmesser und eine Tiefe zwischen 700 und 1000 m. Stellt man sich die
Gewalt vor, die es braucht um solch einen Krater aus der Erde heraus zu
sprengen, so kann man ermessen, welche Katastrophe an diesem Tag geschah.
Wenn sie später in das Natronloch hinein schauen,
fällt Ihnen auf dem höchsten Vulkan im Loch eine kleine phalische Spitze auf;
dies ist solch ein Lavadom, der jedoch vor der Explosion erkaltet ist.
Bei km 101 haben wir das Ende des Tales erreicht. Wir
fahren weiter über eine wellige Hochebene. Die Piste ist für einen kurzen
Abschnitt gut zu befahren aber schon bald geht das entnervende Gewackel weiter.
Links vor uns sehen wir immer wieder den Pic Tousside und rechts von uns ein
Felsmassiv, das an das Matterhorn erinnert. Es handelt sich hierbei um den Pic
Botoum.
km 127 20-56-48 N 16-34-00 E Trou au Natron
Nun sind wir endlich am Loch. Die Piste führt direkt
daran vorbei. Es ist ein großartiger Ausblick, der einem die Sprache
verschlägt. Mit unvorstellbarer Gewalt wurde ein riesiges, fast kreisrundes
Loch aus dem Felsen herausgesprengt. Nahezu ohne Übergang liegt in dem
Gebirgsplateau ein 800 m tiefer Krater, der so groß ist, daß die Augen sein
ganzes Ausmaß nicht erfassen können. Majestätisch, Ehrfurcht einflößend und
wild ist die Ausstrahlung dieser grandiosen Landschaft, die keine Kompromisse
kennt. So gewaltvoll der Schaffungsakt dieses Naturmonumentes ist, so viel
Frieden strahlen die kleinen Vulkane und der weiße Natronsumpf im Verbund mit
dem leuchtenden tiefblauen Himmel aus. Im ersten Moment wirkt der Mensch klein
und
unbedeutend angesichts dieser gewaltigen Größe. Einer
Macht (die Natur), die zu so einer gewaltigen Schöpfung fähig ist, hat man
nicht viel entgegenzusetzen. Doch strahlt dieser Ort den Frieden der Sahara aus
und der Mutige fühlt bald, daß er als gleichwertige Größe in dieser
Landschaft steht.
Ich höre jetzt auf von dem Loch zu schwärmen, denn
meine literarische Ausdrucksweise ist zu arm, um die Gigantomachie der
Eindrücke zu beschreiben (laut Duden - Gigantomachie = Kampf der Giganten gegen
Zeus-).
Sie stehen am Rand des Loches und zu Ihren Füßen geht
es übergangslos 800 m senkrecht in die Tiefe. Unten sehen sie einen größeren
Vulkankegel und einen symmetrischen kleinen Kegel. Der Grund des Loches wird im
Osten von einer weißen Schicht gebildet. Es handelt sich hierbei um einen
Natronsumpf. Im Westen besteht der Boden aus Geröllen. Hier sind auch kleinere
Büsche und Bäume zu erkennen.
Am Boden des Kraters lebt eine kleine Population
Wildesel. Auch sind immer wieder Spuren von Gazellen zu finden.
Am westlichen Rand des Kraters führt eine Piste
entlang, die jedoch bald sehr schlecht wird. Man kommt hier an einem Hügel
vorbei, von dessen Spitze man eine tolle Aussicht nach Westen hat.
Abstieg in den Krater
Bevor ich den Weg in den Krater beschreibe, möchte ich
noch einige Vorbemerkungen machen.
Die Wanderung sieht von oben kürzer aus als sie ist.
Wir haben auch gedacht, 1 Stunde hinunter und 1 ½ Stunden wieder hoch. Denkste!
Obwohl wir zwei hinreichend gut trainierte Männer und flotte Bergwanderer sind
(wir kommen aus Rosenheim) haben wir bis zu dem kleinen Vulkan und wieder
zurück 7 Stunden gebraucht. Von den 7 Stunden haben wir ½ Stunde gerastet.
Die Salztonebene auf dem Boden des Vulkans sieht von
oben glatt und problemlos aus. Ist man unten, so muss man feststellen, dass die
weiße Fläche ein Salzsumpf ist. Ca. 5 cm unter der Oberfläche trifft man auf
nassen, lehmigen Sandboden. Die braun gefärbten Areale in der Umgebung der
Vulkane sehen von weitem wie fester Boden aus. Es sind jedoch Salzausblühungen,
die bis zu 30 cm hoch werden und mit ihren scharfen Kanten die Bergschuhe
ruinieren. Wir haben uns so gut es geht an die Eselspfade gehalten, um nicht in
den Sumpf einzubrechen.
Wenn Sie hinunter wollen, nehmen Sie genügend Zeit,
Wasser, Proviant und vor allem anständiges Schuhwerk mit. Sandalen oder
Halbschuhe sind ungeeignet.
Daß Sie ihr Butterbrotpapier wieder mit nach oben
nehmen und ihr Toilettenpapier nach Gebrauch anzünden, ist inzwischen
hoffentlich selbstverständlich. Es ist äußerst unschön, wenn man
überwältigt von der Gewalt dieser Landschaft in Ruhe verharrt und einem dabei
gebrauchtes Toilettenpapier um den Kopf herum flattert.
Der Weg nimmt seinen Anfang am Kraterrand, ca. 150 m
westlich der Abzweigung der Hauptpiste nach Bardai zur westlichen Kraterpiste.
Die oben angegebenen Koordinaten sind der Einstieg in den Krater. Wenn Sie
direkt unterhalb des Kraterrandes einen Felsen sehen, in den die Erosion ein
Loch hineingefräst hat, haben Sie den Zugang gefunden.
Auf dem ersten Abschnitt verläuft der Weg in steilen
Serpentinen bergab. Unterwegs treffen Sie auf zwei kleine Höhlen. Hier können
Sie einen schwarz glänzenden, glasartigen Stein finden. Es handelt sich hierbei
um vulkanisches Glas, den sogenannten Obsidian. Ich bitte alle wilden
Gesteinssammler, diese Lokalität nicht im großen Maßstab abzubauen. Sie
müssen das Zeug tragen und das Auto ist eh schon überladen. Lassen Sie den
Nachkommenden die Freude, auch noch etwas zu finden.
Etwa auf halber Höhe geht der Weg in einen Ziehweg
über, der meist auf selber Höhe am westlichen Kraterrand entlang läuft. Sie
gehen bis zum nordwestlichen Ende des Kraters, wo sie auf ein Schotterfeld
treffen, das Ihnen erlaubt, in den Krater abzusteigen. Auf dem Weg zu dem
Schotterfeld treffen Sie auf eine kleine Schlucht. Wenn sie glauben, Sie können
der Schlucht folgen und direkt in den Krater absteigen, haben sie Pech gehabt.
Sie kommen zwar ziemlich weit hinunter, stehen aber dann oberhalb einer steilen
Felswand die Sie ohne Hilfsmittel nicht mehr überwinden können. Wir haben es
ausprobiert.
Der Weg in den Krater ist weder übermäßig steil noch
gefährlich, man kann sich nicht verlaufen, er ist nur verdammt anstrengend,
aber der Mühe wert.
Geht man am Rand des Kraters nach Osten entlang, so
trifft man auf Felsplatten, auf denen kleine Felsgravuren eingemeißelt sind. Es
handelt sich hierbei um Kamele aber auch runde Spiralen, die stärker
ausgearbeitet sind. An einer Stelle findet man 12 kleine Mulden in einer
doppelten Reihe zu je 6 nebeneinander. Es handelt sich hierbei um ein
Brettspiel, das heute noch in Westafrika gespielt wird. Über das Alter der
Gravuren kann ich nichts sagen.
Weiterfahrt
Um die Kilometrierung wieder auf einen einheitlichen
Stand zu bringen, stellen wir an der Abzweigung der Kraterpiste von der
Hauptpiste den Kilometerzähler auf 0,0 km.
Von hier aus folgen wir der Piste nach Nordosten. Wir
fahren auf einem Plateau. Die Piste wird besser, aber nicht gut. Nach ca. 7
Kilometern führt eine Piste nach links. In der russischen Karte M 1: 500 000
ist solch ein Pfad eingezeichnet. Wir fahren jedoch geradeaus bzw. auf der
rechten Piste weiter.
km 12 21-01-48 N 16-38-95 E Ende des Plateaus
Hier endet das Plateau, wir fahren in ein Tal hinein.
Kurz darauf verzweigt sich die Piste, läuft aber 2 Kilometer später wieder
zusammen. Die Piste ist in diesem Abschnitt noch gut, aber bald treffen wir auf
Wellblech und wenig später auf Felsstufen.
Bei Kilometer 30 sind wir wieder voll in unserem
Element. Die Piste hat grundsätzlich Wellblech und führt über üble
Felsrippen und durch große Löcher, wobei das ganze mit faustgroßen Geröllen
garniert ist. Wir fahren durch ein Gebiet wilder Blocksturzmassen aus Lava. Ein
Verlassen der Piste ist nicht möglich.
Das ganze ist jedoch halb so schlimm, denn nach
Nordosten haben wir eine schöne Aussicht auf einen wild geklüfteten
Gebirgsstock.
km 38 21-11-61 N 16-50-16 E Einfahrt in eine Schlucht
Gorges del´Oudingueur
Auf einer steilen Piste klettern wir in die imposante
Schlucht hinunter. Hohe, massive Felswände bilden die senkrechten
Schluchtwände. Der Boden - ein Wadi mit Bäumen und Büschen - ist sandig und
gut zu befahren. Hier findet man auch wieder tolle Übernachtungsplätze.
Aufsehenerregend ist das Echo, welches an manchen Stellen der Schlucht einen
volltönenden Wiederhall bildet.
km 42 21-12-57 N 16-50-13 E Felsgravuren
Kurz vor dem Ende der Schlucht finden sich auf der
linken Seite einige Felsgravuren. Es handelt sich hierbei um Rinderdarstellungen
und neuere Kritzeleien. Die Anziehung dieses Platzes zur Darstellung und
Verewigung ist seit der prähistorischen Zeit ungebrochen. Ansonsten ist es
nicht zu erklären, daß sich Schriftzüge finden die kundtun, daß sich hier
Maria und Giovannie 1995 geliebt haben. (Sex in der Wüste !)
Einen Kilometer später verlassen wir die Schlucht und
fahren auf guter Piste in einigem Abstand am Rand des Gebirges entlang. Die
Fahrtrichtung ist Nordosten. Die Landschaft ist aus hügeligen Schotterfelder
gebildet und eintönig. Nach 10 Kilometern durchqueren wir eine kleine Schlucht
und kurz darauf ein Wadi.
km 56 21-18-44 N 16-53-60 E Gonoa - Felsgravuren
Nach dem Wadi sehen wir links eine Piste abbiegen, die
in einem kurzen Kreis endet. Es ist der "Parkplatz", an dem ein
kleiner Pfad nach links in das Wadi, zu den weltberühmten Felsgravuren von
Gonoa, führt. Entlang des Flußlaufes finden sich immer wieder Felsplatten, auf
denen Rinder und wilde Tiere wie Elefanten und Antilopen dargestellt sind.
Leider haben Vandalen die Zeichnungen zerstört. Es muß eine große Genugtuung
sein, mit Kanonen und Gewehre auf Felsgravuren zu ballern. Weidmanns heil.
In der Literatur werden diese Gravuren in die Jäger
Phase gestellt, etwa vor 8000 Jahre.
Von hier aus sind es nur noch wenige Kilometer bis
Bardai. Bei km 68 passieren wir eine kleine Polizeikontrolle, die Torhüter (arab.
Bouaba) von Bardai.
Danach fahren wir durch den Palmenhain und vorbei an
verlassenen Häusern.
km 72 21-21-28 N 16-59-94 E Präfektur von Bardai
Hier muß man wieder die Pässe abgegeben und einen
neuen Führer nehmen.
Auf die Frage, wo die Genehmigung sei, verwiesen wir
auf unsere Visa und daß wir aus Libyen ausgereist sind, was das Problem
erledigte.
Bardai
In Bardai gibt es einen Markt (Souk), in dem man viele
Waren aus Libyen findet. Ansonsten bekommt man frisches Gemüse und Brot.
Treibstoff erhält man in 200 Literfässern. Für das
Fass Benzin haben wir im Januar 1997 650 FF bezahlt. Tankstellen gibt es keine.
wenn Sie durch den Souk schlendern, fallen Ihnen jedoch ab und an Fasslager auf.
Hier können Sie den Treibstoff kaufen.
Den Kraftstoff sollten Sie unbedingt daraufhin prüfen,
ob er mit Wasser gepanscht ist. Wir haben das natürlich versäumt und das
Ergebnis war, daß die Einspritzanlage des Fahrzeugs durch das Wasser zerstört
wurde. Das Auto steht jetzt in Gouro.
Wasser ist schwerer als Benzin oder Diesel und
vermischt sich mit diesen beiden Flüssigkeiten nicht. Es setzt sich am Boden
des Fasses ab. Nehmen sie also einen Schlauch, stecken Ihn bis zum Fassboden
hinein und saugen eine kleine Menge in eine Schüssel ab. Lassen sie dann das
Gefäß etwas ruhen. Ist dem Treibstoff Wasser beigemischt, so bilden sich schon
bald zwei unterschiedliche Phasen aus. Am Boden Wasser und weiter oben der
leichtere Kraftstoff. Lassen Sie sich auf keine Diskussionen ein und testen Sie
das nächste Fass.
Übernachten in Bardai ist etwas schwierig.
Gegebenenfalls kann man die Fremdenlegionäre fragen, die dort stationiert sind.
Man sollte sich jedoch darüber im klaren sein, dass die Legion keinen
Campingplatz betreibt sondern da ist, um gegenüber Libyen die Interessen
Frankreichs am Tschad zu demonstrieren.
Außerhalb der Oase stehen schöne Felstürme, bei
denen sich bestimmt großartige Plätze finden lassen. Erkundigen Sie
sich jedoch wegen Minen und nehmen Sie gegebenenfalls einen Führer
mit.
Eine andere Möglichkeit sind die bemalten Felsen.
Klaus Därr gibt die Koordinaten dieses " Kunstobjekts???" wie folgt
an:
21°18`59" N 16°59`37" E – in Minuten und
Sekunden!
Über Kunst lässt sich streiten und mir gefällt es
nicht.
Der Preis für einen Führer beträgt
Von Bardai nach Zoumri 200 FF
Von Zoumri nach Jebbi Bou 350 FF
Für die gesamte Strecke Bardai – Fada haben wir für
einen Führer 1800 FF ausgehandelt. Das ist jedoch mit Schwierigkeiten
verbunden, da jedes Dorf auf seine Einnahmen durch die Vermittlung eines
Führers besteht. Der Führer muss dazu fähig sein, die Dorfoberhäupter zu
überzeugen, daß keine neuen Gebühren anfallen. Finden sie einen Konsenz in
der Art, dass der Führer einen Teilbetrag der Summe immer erst bei Abfahrt aus
der jeweiligen Oase bekommt.