Die Wüste mit ihrer grenzenlosen Leere und ihrem für
manche unwiderstehlichen Ruf gehört zu den extremsten Regionen dieser Welt.
Sie stellt eine Herausforderung an die Persönlichkeit
des Menschen dar, der sich in sie hineinwagt. Sie läßt einen den hektischen
Alltag und die Enge der Zivilisation für einige Zeit vergessen.
Die absolute Stille, die einen umgibt, das Abhandensein
eines jeglichen Geräusches, die grenzenlose Weite und das Gefühl, der Einzige
in einem unermeßlich großen Raum zu sein, die absolute Zeitlosigkeit, die
Gleichförmigkeit der Tage sind der Grundtenor einer Wüstenreise.
Wer sich in die Wüste wagt, die Strapazen und
Einschränkungen einer solchen Reise auf sich nimmt, seine Seele und seine Sinne
der Wüste öffnet, wird durch eine in ihrer Bizarrheit großartige und
majestätische Landschaft belohnt, die einem für einen kurzen Moment ein
Stückchen Ewigkeit schenken kann.
Die dominierenden Grundelemente der Wüste, die Sonne,
der Sand, die Steine, der Wind und der Himmel, legen in ihrem Zusammenspiel die
unterschiedlichen Stimmungen und Farben der Landschaft fest.
Je nach Sonneneinstrahlung können geschwungene,
sinnliche Formen enstehen, dieselbe Landschaft kann aber auch durch ihre
unerbittlichen, messerscharfen Formen das Auge des Betrachters begeistern. Aber
welcher Wüstenfahrer kennt nicht die Stimmung, wenn die Sonne diesig am Himmel
steht, eine hohe Elektrizität und viel Staub in der Luft liegt und die Umgebung
durch Hitzeflimmern vollkommen verfremdet wird. Hier werden hüfthohe Steine zu
Türmen, kleine Felsen zu Gebirgen, die sich bei Annäherung in scheinbar
bedeutungslose Steine zurückverwandeln. Die Landschaft nimmt einen bedrohlichen
abweisenden Charakter an.
Der Wind, der am Tage immer da ist, kann, wenn er um
das Gesicht weht und die Gewänder flattern läßt, dem Wüstenreisenden das
Gefühl der absoluten Freiheit geben. Er kann aber auch zum erbitterten Feind
werden, wenn er nur ein bißchen an Heftigkeit zunimmt und Sand mit sich führt,
der auf der ungeschützten Haut wie Nadelstiche schmerzt und überall eindringt.
Gegen einen Sandsturm gibt es kein Mittel, hier sucht jeder Schutz, verhält
sich ruhig und hofft, daß es bald vorbei ist.
Die Nacht in der Wüste gibt einem Ruhe, man hat Zeit,
sich bei einem Tee zu entspannen, die Stille zu genießen, den Tag noch einmal
passieren zu lassen und in einem klaren Himmel die Sterne zu bewundern, die zum
Greifen nah erscheinen, mit neuen Abenteuern und Wüsten locken und doch so
unerreichbar sind.
Die Nacht in der Wüste vermittelt ein Gefühl des
Friedens und des Heimischseins. Angst kommt trotz der Fremdheit und
Lebensfeindlichkeit der Umgebung nicht auf. Wo keine Menschen sind, braucht man
keine Angst zu haben.
Die Wüste läßt einen alle Probleme auf die zwei
Grundprobleme reduzieren: Wo bin ich und wieviel Sprit habe ich um hier wieder
heraus zu kommen?
Von einer Wüstenfahrt kommt man ruhiger,
selbstgefestigter und gelassener zurück; man kann hier der Seele Erholung
gönnen.
Um in die Wüste zu fahren, braucht man ein gewisses
Maß an Verrücktheit, um aus der Wüste wieder heil hinauszukommen, braucht man
eine gehörige Portion gesunden Menschenverstand.
Für Schludrigkeit, Ignoranz, Selbstüberschätzung und
Desinteresse (Null-Bock) ist hier kein Platz. Wehe dem, der seine Reise
ungenügend vorbereitet hat und versucht, mit unüberlegtem Draufgängertum
dieses Manko wieder wett zu machen.
Viele Fehler darf man sich in der Wüste nicht leisten.
Ein an sich kleines Unglück kann größeres Übel nach sich ziehen und aus
Spaß wird hier sehr schnell tödlicher Ernst, bei dem es um das reine
Überleben geht. Ein Mißgeschick kommt selten allein und eine alte Regel
besagt, der Hammer fällt immer dahin, wo er am meisten Schaden anrichtet.
Zu einem tollen Wüstenurlaub gehört auch immer, daß
man ohne größeren Schaden wieder nach Hause kommt. Möge Allah geben, daß wir
alle wieder gesund und heil unser Zuhause erreichen.