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Wir stehen an einem versandeten Flusslauf.
Für unseren, zum Reise-/Expeditionsfahrzeug umgebauten Allrad-MAN geht es
nicht weiter. Die Bäume stehen zu dicht beieinander. Nach ca. 4800
Kilometern durch Europa, Marokko und Westsahara sind wir hier in
Südmauretanien mal wieder auf der Suche nach Sahara-Krokodilen. Morgens um
7:30 Uhr starten wir zu Fuß, immer am Flussbett entlang. Es wird immer
heißer und von Krokodilen keine Spur. Wir beschließen, nur noch bis zu der
Felsenenge zu gehen und dann umzudrehen. Plötzlich stehen wir vor einer
wunderschönen Guelta mit reichlich Wasser. Hier könnten Krokodile leben,
also müssen wir ganz leise sein, sonst verstecken sie sich. Die
Sahara-Krokodile wurden erst in den Zwanzigerjahren des letzten
Jahrhunderts entdeckt und galten eigentlich seit 1930 als ausgestorben. Es
war eine kleine Sensation, als Zoologen 1999 in einem Wasserbecken in
Mauretanien Krokodile entdeckten. Die Sahara war nicht immer eine Wüste
und den Überlebenskünstlern gelang es innerhalb von 10 000 Jahren, sich
den veränderten Lebensumständen anzupassen. Während der Trockenzeit graben
sich die Reptilien in bis 20 Meter tiefen, feuchten Erdlöchern ein. Wir
machen 8 große Krokodile aus. Diese hier müssen sich ums Überleben wohl
keine Sorgen machen, denn es gibt hier eine Quelle und viel Grün. Die
Sonne brennt unbarmherzig auf uns herab und so entschließen wir uns
bereits um 10:00 Uhr wieder zur Rückkehr. Unser eigentliches Ziel auf
dieser Expedition ist Mali und natürlich das sagenumwobene Timbuktu. Jeder
Sahara-Reisende sollte einmal dort gewesen sein – das haben wir auf
unseren vielen Fahrten immer wieder gehört. In diesem Jahr soll es also
soweit sein. Bereits südlich von Nema wandelt sich die Landschaft. Sie
wird steppenartiger und die Nomadenzelte weichen festen Gebäuden. Aber die
Piste, der wir folgen, ähnelt immer mehr einem Feldweg, als einem Fahrweg.
Wir besitzen kaum GPS-Koordinaten aus dieser Region und so haben wir
einige „Verfahrer“ bevor wir Fassala, den südöstlichsten Ort in
Mauretanien erreichen. Die Ausreiseformalitäten sind rasch erledigt und da
der Zollbeamte nicht im Ort ist, werden wir ohne Zollstempel nach Mali
geschickt. Der Polizeichef persönlich lotst uns auf die richtige Piste.
Laut Karte beginnt Mali kurz nach Fassala. Aber Einreiseformalitäten
können wir erst in Léré erledigen, das wir nach 70 Kilometern und von
vielen hohen Termitenhügeln begleitet erreichen. Auch hier geht alles sehr
gemütlich ohne Hektik zu. Lt. einem Fernsehbericht über Mali soll die
Strecke nach Timbuktu nur in der Trockenzeit (Oktober bis Mai) befahrbar
sein. Vielleicht hat es auch damit zu tun, dass die 300 Kilometer lange
Piste nicht direkt nach Nord-Ost, sondern in alle Himmelsrichtungen
wechselnd über Dämme, tote Palmenhaine und sandige Abschnitte führt. Und
dass die ausgefahrenen Spuren fast immer nur in Orte führen, macht die
Orientierung nicht einfacher. Ab Niafounke befinden wir uns jedoch auf
einer großen roten Wellblech-Piste und fahren direkt nach Timbuktu. Kaum
eine andere afrikanische Stadt gab den Europäern seit dem ausgehenden
Mittelalter Anlass zu so vielen phantastischen Spekulationen wie Timbuktu
am Südrand der Sahara. Ursprünglich war der Ort ein Stützpunkt der
Kamelkarawanen der Tuareg. Händler tauschten hier Gold, Elfenbein und
Sklaven gegen Salz aus der Sahara. Ein Höhepunkt des gesellschaftlichen
Lebens in Timbuktu ist auch heute noch die Ankunft einer Salzkarawane. Mit
dem Fahrzeug sind der Ort und die Sehenswürdigkeiten schnell erkundet,
zumal man in Mali als „Andersgläubiger“ keine Moscheen mehr besichtigen
darf. Wir verlassen den Ort aber nicht ohne Sand aus Timbuktus Dünen
mitzunehmen. Im Hafen Korioumé handelt Jörgen mit dem Kapitän der
Autofähre den Preis aus und schon befinden wir uns mitten auf dem Niger.
Es ist Mittag und sehr schwül-heiß. Das Wasser reizt zum Baden. Aber der
Niger ist ebenso wie der Senegal bilharzioseverseucht. Ein Bad kann daher
schlimme Folgen haben. Auf der anderen Seite des Nigers angekommen ziert
von nun an ein großer AMR-Outdoorwelt-Aufkleber die Fähre. Hier begegnen
wir auch wieder Touristen; die letzten hatten wir in Tan-Tan, in Marokko
gesehen. Am Ende des Fähranlegers erweckt ein großes Schild unsere
Aufmerksamkeit. „Route de l’Espoir Douenzta“ steht dort in großen Lettern
geschrieben. Diese „Straße der Hoffnung“ erweist sich jedoch auf den
nächsten rund 200 Kilometern als „Piste des Leidens“. Brutales Wellblech
und große, tiefe Löcher zwingen uns zu einer ausgesprochen langsamen
Fahrt. Erst am frühen Nachmittag des nächsten Tages erreichen wir Douentza
und damit auch seit Nema mal wieder eine Asphaltstraße. Unser nächstes
Ziel sind die Hombori Berge. Dort befindet sich die „Hand der Fatima“, ein
Felsmassiv an der Straße nach Gao.
Bizarr ragt diese Felsformation wie eine ausgestreckte Hand mehrere
hundert Meter steil in den Himmel. Die Felsnadeln aus Sandstein heißen
entsprechend dem Symbol der Hand der Fatima,
das im islamischen Volksglauben als Abwehrzauber dient. Wir genießen den
Sonnenuntergang an diesem Felsmassiv. Nun wartet das Dogonland auf uns.
Dazu benutzen wir von Douentza aus wieder eine Piste, die uns zur Falaise
de Bandiagara (Klippe von Bandiagara) und damit ins Dogonland führen soll.
Die Koordinaten der Route entnehmen wir einer Karte. Zunächst ist auch
alles gut erkennbar. Die Strecke führt am Elefantengebiet vorbei. Da die
Elefanten jedoch zyklisch wandern, müssten sie sich jetzt in der Nähe der
Grenze nach Burkina Faso aufhalten. Wir sehen jedenfalls keinen Elefanten.
Irgendwann, ich weiß wirklich nicht mehr wo, folgen wir einer falschen
Piste und fahren in großem Abstand parallel zur Falaise. Es gibt keine
Querpiste. Wir entnehmen der Karte weitere Koordinaten, die uns auf
einigen Umwegen querfeldein in die Nähe eines Ortes an der Falaise bringt.
Wir stehen auf einem Hügel und schauen auf ein Dorf hinunter. Wie kommen
wir dahin? Aber in Mali ist man fast nie alleine. So sind auch bald Leute
da, die wir fragen können. Auf dem Weg hinunter muss Jörgen mit dem MAN
einem Baum ausweichen und fährt mit dem linken Vorderreifen über einen
Baumstumpf, der im hohen Gras versteckt ist. Das Lenkrad wird ihm aus der
Hand gerissen, er verletzt sich die linke Hand und staucht sich den
rechten Arm. Zum Glück ist nichts gebrochen. Tja, hier fahren
normalerweise nur Eselskarren, vielleicht ab und zu mal ein kleines
Geländefahrzeug. Der MAN ist für diese Pisten eigentlich zu hoch und zu
breit. Wir landen auf einer sehr schmalen Piste am Fuße der Klippe. Über
kleine Dörfer rumpeln wir weiter an der Falaise entlang und wissen
eigentlich nie, ob wir weiter durchkommen, denn die Bäume sind sehr
niedrig. Die Klippe von Bandiagara erstreckt sich über 140 km. Das Massiv
aus rotem, eisenhaltigem Sandstein erhebt sich bis zu 300 m über die
vorgelagerten Sandebenen und –dünen. In den zahlreichen durch Erosion
entstandenen Höhlen und Grotten fanden zuerst die Tellem (pygmäenähnliche
Menschen) und später die Dogon
Zuflucht. Die Dogon benutzen die Felswohnungen der Tellem als Grabstätten
sowie als Aufbewahrungsort für ihre Kultgegenstände. Das traditionelle
Leben der Dogon (zurzeit ca. 300.000) steht in engem Zusammenhang mit
ihren Mythen und der Natur. Es lohnt sich, eins der vielen Dogondörfer zu
Fuß zu erkunden. An einem schattigen Platz begegnen wir kurz vor Verlassen
der Klippe einem französischen Paar mit einem Unimog und unterhalten uns
ein wenig, vor allem über Mali. Ein paar Kilometer weiter fahren wir uns
im Sand fest. Aber das ist für Saharafahrer etwas völlig normales. Luft
aus den Reifen ablassen und mit den breiten Latschen die weichsandige
Auffahrt auf einen Hügel schaffen. Der einzige Unterschied zur Sahara, in
der man auch in solchen Situationen völlig allein ist, sind die vielen
Zuschauer. Wie gesagt, man ist eigentlich selten allein in Mali.
Bandiagara erreichen wir über eine Straße, die die Klippe hinaufführt. Für
Fußgänger (das sind in Mali sehr viele) gibt es eine Passerelle, einen mit
Stufen versehenen Baumstamm, über den man die Klippen hoch- und
runtersteigen kann. Weiter geht es nach Mopti, dem „Venedig von Mali“. Der
Ort liegt am Zusammenfluss von Niger und Bani. Mopti ist ein großer,
bunter Marktplatz, vor allem am Hafen. In einem Abschnitt des Fischmarktes
(dort wo der Frischfisch angeliefert wird), machen Frauen diesen haltbar,
damit er z.B. nach Burkina Faso transportiert werden kann. Ein wichtiges
Handelsprodukt neben Fisch und vielen anderen Sachen ist das Sahara-Salz.
Von Timbuktu wird es mit Pinassen nach Mopti transportiert. Hier hängt
sich auch gleich ein „Führer“ an uns ran, aber sehr dezent und höflich, so
dass wir ihn gerne als Guide annehmen. Er zeigt uns auch verschiedene
Plätze, die wir alleine sicherlich nicht besucht hätten. Am Ende bekommt
er 1000 CFA (ca. 1,50 €) für die Führung. Djenné, den Ort mit der
berühmten großen Lehmmoschee erreichen wir nur über eine Fähre. Es ist
eine ziemlich kleine, nicht unbedingt vertrauenserweckende Fähre, die uns
mit dem MAN über den Bani bringt. Aber wir kommen heil am anderen Ufer an.
Djenné ist nicht weit entfernt. Die große, im sudanesischen Stil erbaute
Lehmmoschee befindet sich direkt am Marktplatz. Auch hier drängen sich die
selbsternannten Führer auf. Wir parken unseren MAN im Schatten eines
Hauses. Es ist fast Mittag und sehr heiß – vielleicht ist das der Grund,
weshalb die „Anmache“ nach einiger Zeit aufhört. Jedes Jahr wird die
Moschee von 2 konkurrierenden Gruppen junger Männer neu verputzt. Es ist
der Höhepunkt des Jahres und ein Heiden-Spektakel in Djenné. Zahlreiche
alte Bürgerhäuser sind ebenfalls ein Meisterwerk sudanischer
Lehmarchitektur. Ein Spaziergang durch die älteste Handwerksmetropole
Westafrikas lohnt sich auf jeden Fall. Von Djenné aus fahren wir über
Bamako nach Kita, wo unser großes Mali-Abenteuer erst richtig beginnt.
Ursprünglich wollten wir von Segou aus
zurück nach Mauretanien fahren, zumal die Druckluft vom MAN nicht in
Ordnung ist und deshalb die Untersetzung nur eingeschränkt nutzbar ist.
Aber die Wasserfälle bei Kayes sollen wunderschön sein. So zumindest ist
es uns von 2 Seiten aus zugetragen worden. Besonders die Wasserfälle von
Gouina sollen fantastisch sein. Natürlich wollen wir die auch sehen, wenn
wir schon mal hier sind. Wir entscheiden uns daher für die Strecke Bamako
– Kita – Kayes. Von Segou bis Bamako herrscht sehr viel Verkehr auf der
Straße. Die Busfahrer fahren mit einem irren Tempo. Die
Geschwindigkeitsreduzierschwellen fangen an zu nerven, sind aber offenbar
notwendig. Kurz vor San stehen wir vor einer Straßensperre. Sie entpuppt
sich als Mautstelle und wir müssen 500 CFA für die Instandhaltung der
Straße berappen. In der Nähe von Bamako übernachten wir nicht weit von der
Straße versteckt unter einem Baum. Abends sieht Jörgen mehrere
Ohrenkneifer im Lichtschein des Radios. Die Invasion dieser Krabbeltiere
beginnt. Hunderte dieser Käfer sitzen an der Seitenscheibe des
Fahrerhauses. Es bleibt nichts weiter übrig, als ein Stück vom Baum
wegzufahren. Obwohl es sehr schwül ist, beginnt Jörgen mit der Jagd.
Selbst im Staubbehälter des Zyklonfilters bewegen sich eine Menge Tiere.
Sind wohl beim Umsetzen mit angesaugt worden.
Nach unserer Erfahrung mit der Bank in
Timbuktu suche ich diesmal in Bamako die Ecobank auf. Auch dort muss ich
mich wieder anstellen und wieder sind Sitzbänke für die Wartenden
aufgebaut. Hinter den Schaltern sitzen jeweils ein Mann und eine Frau.
Aber nur an einem Schalter wird „gearbeitet“. Mit einer erstaunlichen
Langsamkeit werden vor mir 8 Personen abgefertigt. Nach ca. einer Stunde
bin ich dran. 50–Euro- und 20–Euro-Scheine müssen getrennt gewechselt
werden. Natürlich werden auch jeweils die entsprechenden Gebühren
genommen, so dass ich im Endeffekt auf einen Kurs von ca. 627 CFA pro
Euro komme. Irgendwie fühle ich mich betrogen. Auf dem Schwarzmarkt hätten
wir ca. 640 CFA bekommen. Fazit: Auf jeden Fall sollte man versuchen, in
Mali nur einmal Geld zu tauschen. Die Wartezeiten in den Banken sind
einfach zu lang.
Bamako, die Stadt der Mopedfahrer. Sobald
es an einer Ampel grün wird, setzt ein Massenstart ein. In dem
entstehenden Chaos wurschteln sich die Mopeds zwischen den Autos durch.
Auch die Straßenführung ist irgendwie irritierend. Am Ortsausgang von
Bamako steckt Jörgen an einer Tankstelle noch einen Beutel Müll in einen
Behälter. Ein paar Minuten später holt ein Mann den Sack wieder heraus und
zieht freudestrahlend und winkend damit ab. Hinter Kati werden wir wieder
an einer modernen Mautstation abkassiert und dürfen erst dann auf der
neuen, sehr guten, von der EU finanzierten Asphaltstraße bis Kita fahren.
Am Ortseingang von Kita müssen wir schon wieder eine Straßennutzungsgebühr
berappen. Ob das so richtig ist? Wir wissen es nicht. Anschließend
diskutieren wir noch kurz, ob wir von Kita aus nicht über Manantali fahren
sollten, dort kann man Affenhorden bestaunen. Aber wir entscheiden uns für
die direkte Strecke nach Kayes, die in der Michelin-Karte auch als
besonders sehenswert eingezeichnet ist. Wir haben zwar keinerlei
GPS-Koordinaten, verfahren sollten wir uns eigentlich kaum, da die Piste
immer mehr oder weniger an der Bahnstrecke entlang führen soll. Am
Ortsende will man uns schon wieder abzocken, aber nach Toukoto kommt man
nur über eine Piste. Wir bezahlen nicht und der Abzocker gibt sich mit
einem Kugelschreiber zufrieden. Wir fahren eine sehr staubige, aber gute
Piste entlang. Das Gras ist teilweise 2 Meter hoch. Zusammen mit den hohen
Palmen und den anderen Bäumen und Büschen wirkt die Landschaft schon ein
wenig wie Urwald. In Toukoto wissen wir eigentlich nicht so recht wohin
und fragen einen jungen Mann wie wir zum nächsten Ort, nach Fangala
kommen. Er läuft vor uns her und wir folgen ihm auf einem sehr schmalen
„Fahr“weg, der mir den Angstschweiß in mein Trägershirt treibt, bis zur
Eisenbahnbrücke. Wir rumpeln über die Brücke und auf der anderen Seite den
Damm wieder herunter. Dann sehen wir vor einer „Mopedpiste“. Wir schauen
uns ungläubig an, aber der junge Mann zeigt uns noch den Abzweig, dann
geht es los. Die Piste kann man nicht beschreiben, Sie ist schwierig,
nicht zuletzt durch engstehende Akazienbüsche, 2 Meter hohes Gras,
Auswaschungen durch Wasser und Überquerungen von Bächen. Eins ist
jedenfalls sicher - hier ist jedenfalls schon lange kein Auto mehr
gefahren. Irgendwann erreichen wir Fangala. Hier gibt es kein Auto. Alles
wird mit der Eisenbahn erledigt. Aber die Strecke muss doch mal besser
werden. Der Orts-Vorsteher selbst zeigt uns den „richtigen“ Weg weiter
nach Badoumbe. Dazu müssen wir den breiten Fluss Bakoye durchqueren. Der
„Bürgermeister“ fährt mit und weist uns die Furt. Trotzdem ist mir ganz
unwohl, als der MAN ins Wasser taucht. Mit viel Schwung nimmt Jörgen die
gegenüberliegende steile Uferböschung. Wir bedanken uns beim
Orts-Vorsteher mit Schulheften und Kugelschreibern. Über einige Klippen im
Wasser geht er in seinen Ort zurück. Für uns geht es weiter durch hohes
Gras. Die Gesamtpiste verlangt von Jörgen viel fahrerisches Können und
ständige Konzentration, damit wir in dem hohen Gras nicht auf kleine
Termitenhügel auffahren, die es hier zur Genüge gibt. In einem kleinen
Tümpel sichten wir ein größeres Tier. Jörgen meint, ein kleines Krokodil
oder Waran erkannt zu haben. Eine Gazelle springt vor uns über die
„Piste“. Die Einwohner von Badoumbe müssen uns erst mal wieder den
richtigen Weg weisen. An einer Pistengabelung (wohlgemerkt, es ist immer
noch eine Mopedpiste) fahren wir geradeaus und stehen vor einem Fluss. Die
Durchfahrt sieht nicht vertrauen erweckend aus und so wollen wir eine
andere Strecke wählen. Im hohen Gras sehe ich einige Köpfe und auch
wegweisende Gesten. Wir sollen an der Gabelung die andere Piste nehmen.
Durch den Fluss müssen wir aber trotzdem. Auf der anderen Ufer-Seite des
Flusses passiert es dann – der Wagen rutscht weg und steht gefährlich
schief. Ein Einheimischer kommt mit seiner Hacke und hackt die steileren
Abschnitte der Auswaschungen weg. Jörgen fährt etwas rückwärts und dann
aus der Flussauffahrt hinaus. Ist noch mal gut gegangen. Wir fahren noch
ein Stück auf dieser merkwürdigen Piste und stehen dann wieder vor einem
Tümpel. Die Einheimischen fahren normalerweise mit Mopeds, Fahrrädern und
Eselskarren rechts unter einem Baum durch. Das können wir nicht, der Baum
ist viel zu niedrig. Also mitten durch. Plötzlich rutscht der MAN weg und
das rechte Hinterrad steckt in der Böschung fest. Da bekommen wir auch
schon Besuch. Die Männer schauen sich das an und beginnen, die Böschung
mit dem hohen Gras mit Spitzhacken zu bearbeiten. Das bringt bloß nichts,
das Rad dreht immer durch. Sie wollen, dass Jörgen ein Stück rückwärts
fährt und dann mit Schwung die Böschung hoch. Fatalerweise versucht er es
schließlich und das Unglück nimmt seinen Lauf. Der rechte Hinterreifen
sinkt in dem Modder des Tümpels ein. Beim letzten Befreiungsversuch noch
tiefer. Jetzt sitzen wir richtig drin. Mit 17° Schräglage. Es wird dunkel.
Jörgen handelt noch einen Preis für die morgige Hilfe aus und die Männer
verschwinden – bis morgen. Einen haben wir so verstanden, dass er einen
LKW oder einen Traktor besorgt, der morgens um 6 Uhr losfährt und so ca.
gegen 10 Uhr da ist. Mal sehen. Es ist schwierig, in der Schräglage zu
schlafen, aber es geht irgendwie. Ob wir hier wieder rauskommen? Ein
Zurück gibt es jedenfalls nicht mehr.
Bereits um 6.30 Uhr stehen die Leute vor
unserem MAN. Die Gesten sind eindeutig – ein LKW wird nicht kommen. Im
Umkreis von 120 Kilometern gibt es keinen LKW oder Traktor. Jörgen schaut
sich das Malheur an. Gestern hat er es noch gar nicht richtig gesehen. Der
rechte Hinterreifen des MAN ist in dem Morast nicht mehr zu sehen. Das
kann ja heiter werden. Die Männer schuften wie verrückt. Sie hacken einen
halben Baum ab um den Wagen zu stützen. Ab und zu wirken sie etwas ratlos
und fragen, ob wir denn keinen Handseilzug haben. Haben wir nicht, da wir
in diese Gegend ja ursprünglich auch nicht fahren wollten. Mit Hilfe einer
Stockwinde heben sie das Fahrzeug am Aufbau
an. Der Hydraulik-Wagenheber wird in die Felge gesetzt und der Reifen
Stück für Stück angehoben. Schließlich ist er frei und kann unterfüttert
werden. Unvermittelt bricht ein Holz – die ganze Konstruktion bricht
zusammen. Also auf ein Neues. Ich bin ziemlich frustriert. Die Kinder um
mich herum wollen mich mit frischen Erdnüssen aufheitern. Klappt aber
nicht, ich habe einfach keinen Hunger. Die Männer schaffen es, das Rad
erneut freizulegen. Mit Ästen, Baumstämmen, Steinen und den Sandblechen
versuchen sie, den Reifen im Wasser zu unterfüttern bis der Auffahrwinkel
nicht mehr so steil ist. Ich bin immer noch pessimistisch. Es wird immer
heißer und schwüler. Nach etlichen Stunden harter Arbeit soll Jörgen
fahren. Es klappt! Der MAN ist wieder frei. Ein Jubel bricht los. Unsere
Zigaretten, die wir als Belohnung mitgenommen hatten, sind wir los. Und
auch viele Cadeaus (Geschenke). Sehr erleichtert fahren wir weiter. Es
muss doch mal besser werden, aber die Piste bleibt so schmal wie bisher.
Es geht durch Auswaschungen hinab und wieder hinauf. Jeder Kilometer
bringt mich ins Schwitzen. In einem Dorf wissen wir wieder mal nicht
weiter und werden durch freundliche Einheimische zur richtigen Piste
geleitet. Bei den schmalen Pfaden durch die Häuser hindurch „ditschen“ wir
ab und zu mal ein Runddach an. Aber das ist den Leuten ziemlich egal. Es
soll durch ein trockenes Flussbett gehen. Die Auffahrt auf der anderen
Seite ist jedoch ausgesprochen steil. Ich suche einen anderen Weg und
meine, diesen auch gefunden zu haben. Ein Stück durchs Flussbett und dann
eine sandige Auffahrt hinauf und durch Gebüsch auf die Piste. Jörgen fährt
vorsichtig in das steinige Flussbett. Beim Versuch, die sandige Auffahrt
zu erreichen, sackt der rechte Hinterreifen wieder in versteckten,
feuchten Untergrund. Jörgen lässt Luft aus den Reifen ab, aber selbst das
hilft nicht. Die herumstehenden Männer wollen helfen – aber nur gegen
Geld. Jörgen handelt einen angemessenen Preis aus. Sie schaufeln die Räder
frei und unterfüttern sie mit Steinen. Der voraussichtliche Fahrweg wird
mit den Sandblechen und Sandboards verlängert. Nach einem vergeblichen
Versuch und nochmaligem Graben klappt es. Der MAN steht wieder auf
steinigem Flussgrund. Mit Hilfe der Sandbleche und –boards wird eine Rampe
gelegt und Jörgen fährt mit Schwung in den Sand und über die Büsche auf
die Piste. Natürlich werden wir wieder Parfüm und Shampoo los bevor es
weiter geht. Ein großer Baum steht uns im Weg, aber ein Ast ist so hoch,
dass der MAN eigentlich drunter passen sollte. Geht auch, aber knapp. In
einer kleinen Lichtung will Jörgen den Reifendruck wieder erhöhen. Da
entdecke ich das Malheur. Die ganze hintere Reling an der Kabine ist
weggebrochen und hängt zum Teil in der Luft. Die Solarpanelen laden nicht
mehr – zumindest zeigt die Anzeige nichts mehr an. Es sind noch ca. 40
Kilometer bis Bafoulabé. Von dort aus ist eine richtig große Straße in der
Michelin-Karte eingezeichnet. Wir freuen uns, dass wir wieder vernünftig
schlafen können.
Am nächsten Morgen macht Jörgen sich
daran, die Dachreling provisorisch zu reparieren und die Rückfahrkamera
wieder anzubringen. Die defekte Solaranlage will aber so gar keine
Funktionszeichen von sich geben. Nach wenigen Kilometern führt die schmale
Spur in einen dichten Wald. Direkt rechts daneben verläuft die Bahn. Die
Bäume stehen sehr eng beieinander und wir müssen immer wieder Hindernissen
ausweichen. Plötzlich gibt es einen fürchterlichen Knall. Wir sind über
ein im Gras verstecktes Metallteil der Bahn gefahren, das beim Bau
zurückgeblieben ist. Unser rechter Vorderreifen ist platt und der
Hinterreifen ist Gott sei Dank nur etwas in Mitleidenschaft gezogen
worden. Jörgen beginnt mit dem Reifenwechsel und bekommt auch gleich Hilfe
von einem jungen Mann, der zu Fuß den Weg entlang kommt. Zusammen wechseln
sie den Reifen. Den großen kaputten LKW-Reifen hinten auf den Gepäckträger
zu bekommen ist gar nicht einfach. Zumal es auch schon wieder sehr heiß
und ausgesprochen schwül ist. Da taucht ein Rinderhirte auf und hilft den
Reifen hoch zu wuchten. Der junge Mann bestätigt uns, dass wir auf dem
richtigen Weg sind, warnt uns aber vor Wasser, das in ca. 10 Kilometern
auftreten soll. Da sollten wir besser Einheimische fragen, die sich dort
auskennen. Wir fahren sehr vorsichtig weiter durch den Wald. Immer wieder
begegnen uns die Metallteile der Bahn. In einem Dorf werden wir gebeten,
einen Einheimischen mitzunehmen. Das machen wir gerne, zumal wir bald mit
dem Wasser rechnen müssen. Auf einem schmalen Weg mit dichten Bäumen
kracht es mächtig. Wir haben unseren Unterfahrschutz und damit auch die
Einstiegsleiter verloren. Von den Sachen findet Jörgen nur Einzelteile.
Auch die Dachreling hat sich wieder gelöst und die Rückfahrkamera hängt
nur noch an den Kabeln. Es bleibt uns nichts weiter übrig, als die Kamera
und die Reling abzubauen. Wir fahren noch ein Stück weiter. Da hinten, was
ist das? „Wasser“, rufe ich und Jörgen hält sofort an. Zu spät. Beide
rechte Reifen sacken in dem Schwemmsand ein. Die Strecke hat bis dahin
ganz trocken ausgesehen. Unser Mitfahrer sieht genauso erschrocken aus wie
wir. Wir schicken ihn ins nächste Dorf um Hilfe zu holen und fangen schon
mal an zu graben. Aber bei 40° C und einer enorm hohen Luftfeuchtigkeit
schaffen wir recht wenig. Nach einiger Zeit kommen 5 junge Männer um uns
zu helfen. Wieder wird ein Preis ausgehandelt. Nun kennen wir das ja
schon. Wieder schlagen sie Bäume um die Reifen in dem Morast zu
unterfüttern. Ein erster und ein zweiter Befreiungsversuch scheitern
kläglich. Die Reifen sacken nur noch mehr ein. Peu a peu müssen die Reifen
mit dem Wagenheber und der Stockwinde hochgestemmt werden, um ganze
Baumstämme darunter legen zu können. Das dauert sehr lange und es wird
auch schon dunkel. Nach zwei Versuchen, es vorwärts raus zu schaffen,
versuchen wir es rückwärts. Die hintere Fahrspur wird mit Sandblechen und
Sandboards ausgelegt um ein erneutes Einsinken zu vermeiden. Jörgen
versucht es und es klappt. Alle jubeln. Einer der Männer zeigt Jörgen, wie
weit er zurück fahren soll und dann drehen kann. Oh nein, beim Drehen
sacken wieder beide Hinterreifen ein. Da unsere Helfer morgen keine Zeit
haben, weil sie bei der Bahn arbeiten, geht es im Dunkeln wieder von vorne
los. Jörgen leuchtet den Männern mit dem Arbeitsscheinwerfer. Der erste
Befreiungsversuch scheitert schon wieder. Also werden die ganzen
Baumstämme geholt und die Reifen werden wieder erneut unterfüttert. Nach
langer Zeit kann Jörgen einen Versuch vorwärts unternehmen und es klappt.
Durch den großen Wendekreis sacken wir erneut mit dem rechten Hinterreifen
ein. Auch hier geht das Unterfüttern wieder los, dauert aber nur noch ca.
1,5 Stunden. Beim ersten Versuch sind wir draußen und bleiben gegen 23.30
Uhr auf sicherem Untergrund auf der Piste stehen. Satte 10 Kilometer haben
wir heute geschafft. Uns wurde geraten, die 10 Kilometer zurück und über
Manantali nach Bafoulabé zu fahren. Was erwartet uns noch? Wir haben
wieder mal keinen Hunger.
Morgens schauen wir uns die vielen
Einsack-Löcher noch mal an. Einige unserer Holz-Klötze sind auch in den
Untiefen verschwunden. Zumindest finden wir sie nicht wieder. Unsere Uhr
im MAN zeigt den 1.11.2008 an. Das kann nicht sein! Immer wieder rechne
ich anhand des Fahrtverlaufes das Datum nach. Ich komme auf den 31.10.
Auch das ist hier mitten im Nichts eine Katastrophe. Unser Zeitplan ist
völlig durcheinander. Vielleicht muss ich ja von Nouakchott oder aus
Marokko zurück nach Deutschland fliegen? Die Gedanken sind nahe liegend.
Zwei von unseren Helfern kommen noch mal vorbei. Der Bruder des einen kann
uns eine Umfahrung des Feuchtgebietes zeigen. Ich bin sehr skeptisch,
möchte aber eine Rückfahrt und Mehrkilometer über Manantali auch gerne
sparen. Also gehe ich mit ihm den Weg ab. Es geht querfeldein durch 2,50 m
hohes Gras. Manchmal muss ich rufen, denn ich kann den jungen Mann nicht
sehen. Aber es könnte gehen, wenn noch einige Äste von den Bäumen entfernt
werden. Er geht mit der Machete vor und ebnet uns den Weg; wir fahren mit
dem MAN langsam hinterher durch das hohe Gras. Es zischt etwas – ist evtl.
ein Ventil nach dem Aufblasen der Reifen nicht richtig zu? Plötzlich
stehen wir vor der anderen Piste. Die ist leider auch nicht breiter als
eine Mopedspur. Und was soll ich sagen, nun ist der linke Hinterreifen
auch noch platt. Ein Holzsplitter war der Verursacher. Jetzt kommt unser
letztes Reserverad zum Einsatz. Das ist kein schöner Gedanke in dieser
Wildnis. Der junge Mann hilft uns noch beim Reifenwechsel, dann fahren wir
weiter. Schon nach 300 Metern stehen wir wieder vor Wasser. Nein, da
fahren wir jetzt nicht durch. Ich frage einen Mann, der auf seinem
Erdnussfeld arbeitet. Der meint, wir können das Wasser links umfahren.
Aber da kommt doch noch mal unser Helfer und sagt uns, dass wir mitten
durch müssen. Rechts und links des Weges gibt es tiefe Wasserlöcher.
Unsere Nerven liegen blank. Er nimmt wieder unsere Machete und hackt Äste
ab, um den Tümpel abzudecken. Ich bin trotzdem skeptisch. Aber Jörgen
möchte es versuchen und so fährt er tatsächlich mit etwas Speed über die
Zweige und Äste ohne bedeutend einzusacken. Der junge Mann verspricht uns,
dass es bis Bafoulabé kein Wasser mehr gibt. Trotzdem bitten wir ihn,
mitzufahren. Er weist auf sein Fahrrad. Das nehmen wir auch mit. Auch
einen Freund und dessen Rad. Es geht eben alles. Der Freund steigt schon
nach 4 Kilometern wieder aus. Unser Guide liefert sein Velo ein paar
Kilometer weiter ab. Ohne die Ortskenntnis unseres Guids hätten wir uns
noch ein paar Mal verfahren, da es sehr viele Gabelungen gibt. Aber
schließlich erreichen wir Mahina und die lange Eisenbahnbrücke, die den
Fluss Bafing überspannt. Kurz vor der Brücke steigt unser Guide aus und
verschwindet in einem der Häuschen. Nicht lange darauf kommt er wieder
heraus und sagt uns, dass wir über die Brücke fahren können, aber langsam.
Am anderen Ende angekommen, werden wir schrecklich beschimpft. Angeblich
dürfen nur Fahrzeuge bis zu einer Tonne darüber fahren. Der Chef des
Bahnhofes wird geholt und Jörgen fährt mit ihm auf dem Motorrad über die
Brücke zurück nach Mahina. Im dortigen Gendarmerie-Büro wird über den
Vorfall diskutiert und entschieden, dass ja kein Schild die Begrenzung
anzeigt. Aber abschließend soll im Gendarmerie-Büro von Bafoulabé darüber
entschieden werden. Also müssen wir mit dem Chef zu dem 5 Kilometer
entfernten Büro fahren. Er fährt mit dem Motorrad voraus. Wir parken unter
einem Baum. Jörgen muss seine Papiere abgeben und mit dem Chef auf dessen
Motorrad noch mal zur Brücke um evtl. Schäden anzusehen. Schäden an der
Brücke sind nicht zu erkennen. Nach der Besichtigung geht die Verhandlung
in dem Gebäude weiter. Alle sitzen auf einer Bank. Rechts der Chef des
Bahnhofes, links daneben Jörgen, dann der Junge, der in Mahina aufpassen
sollte, aber nicht da war und unser Guide. Unser Guide sollte festgenommen
werden, weil er uns über die Brücke geschickt hat. Letztlich hat aber der
Junge, der das „Warnschild“ oder „Plakat“ ist wie sie es nennen, die
Schuld bekommen, weil er nicht da gewesen ist. Trotzdem müssen wir für das
viele Hin- und Hergefahre 10.000 CFA für angebliches Spritgeld abdrücken.
Trotzdem verlassen wir die Gendarmerie in Freunschaft. Unseren Guide
bringen wir noch zurück zum Bahnhof, damit er mit dem nächsten Zug
zurückfahren kann. Wir stehen wieder vor einer winzigen Piste. Das kann
doch nicht sein? Doch Einheimische bestätigen uns, dass das die Piste nach
Kayes ist. Am nächsten Morgen entdeckt Jörgen, dass eines unserer neuen
Solarpanelen völlig zersplittert ist. Das kann eigentlich nur beim Parken
an der Gendarmerie passiert sein. Der Piste wird nicht breiter und auch
nur von Mopeds und Eselskarren befahren. Wir sind enttäuscht und fragen
häufiger mal nach, ob wir noch richtig sind. Wieder stehen wir vor einer
Weggabelung. Kein Mensch ist da, den wir fragen können. Zunächst
entscheiden wir uns für die linke Piste und stehen bald vor einer steilen,
steinigen Abfahrt. Wir drehen und nehmen die rechte Piste. Sie führt sehr
schmal an einem Berg entlang; rechts unter uns fährt die Eisenbahn. Und
wie es dann kommen muss, mündet die kleine Piste wieder mal in eine
Eisenbahnbrücke um einen Fluss zu überqueren. Anschließend stehen wir vor
einem kleinen Bahnhof. „Wir wollen nach Kayes.“ Alle schauen ziemlich
ratlos drein. Aber einige Jugendliche zeigen uns einen Weg durch die
engstehenden Häuser und hohen Holzzäune entlang zu der richtigen Piste.
Diese führt eine felsige Steigung hinauf, mit der der MAN einige
Schwierigkeiten hat. Es stinkt nach Gummi. Laut den Jugendlichen soll die
Strecke nach Kayes nicht einfach sein. Na danke, wo wir doch so unter
Zeitdruck stehen. Ein junger Mann bietet sich an, mitzufahren. Es geht
weitere Auswaschungen hinunter, kurze gute Pistenteile wechseln mit extrem
schlechten Strecken. Tiefhängende Äste, die nicht umfahren werden können,
hackt der junge Mann für uns ab. Auch die Sucharbeit nach einer
befahrbaren Umgehung schwieriger Pistenteile übernimmt er. Ohne ihn wären
wir sogar an den Wasserfällen von Gouina, die am Fluss Senegal liegen,
vorbeigefahren, obwohl die ja unser eigentliches Ziel waren. Sie sind
wirklich außerordentlich beeindruckend und es ist in ihrer Nähe so
wunderbar kühl. Aber wir haben leider überhaupt keine Zeit und so müssen
wir nach kurzer Zeit weiter. Beim Wasserfall waren kleinere
Touristen-Geländefahrzeuge und so haben wir gedacht, wir haben es
geschafft. Pustekuchen, die weitere Strecke ist für unser hohes und
breites Fahrzeug immer noch problematisch. An einer Auswaschung der Piste
rutscht das rechte Hinterrad ab und der Aufbau hängt wieder mal ganz
schief. Jetzt heißt es Steine schleppen und einen Fahrweg bauen. Weiter
geht es eine sehr steile Abfahrt hinunter, über ein Felsplateau im Fluss
und auf der anderen Seite im Zickzack-Kurs zwischen tief hängenden Ästen
hindurch. Die Ausweichmanöver sind wegen der hohen Steine und kleinen
Termitenhügel, die im Gras versteckt sind, nicht unproblematisch. Aber
irgendwann gegen Abend erreichen wir den Ort Diamou. Hier steigt unser
Helfer aus um mit dem Zug wieder zurückzufahren. Natürlich nicht, ohne
neben dem vereinbarten Preis weitere Cadeaus zu verlangen. Die folgende
Piste soll gut und schnell zu befahren sein. Wir sind erleichtert und
können sogar mal wieder was Richtiges essen.
Diese „bon Route“ ist vielleicht für
malische Verhältnisse eine gute Strecke, aber durch die Schäden kommen wir
auch nur recht langsam weiter. Hinter einem Ort kommt plötzlich ein Unimog
auf uns zu. Es sind die Franzosen, die wir schon im Dogonland getroffen
hatten. Sie hatten sich mit dem Unimog auch schon einmal so tief
eingegraben, so dass der Mann einen ganzen Tag gebraucht hat, um ihn
wieder frei zu bekommen. Als er nun hört, dass die Strecke zu den
Wasserfällen für größere und breitere Fahrzeuge sehr problematisch ist,
dreht er gleich wieder um. Am kleinen Wasserfall von Felou, an dem man uns
fürs Fotografieren der Gegend Geld abluchsen will, machen wir zusammen
eine kleine Pause. Von hier an ist die Piste bis Kayes dann wirklich kein
Problem mehr. Die Asphaltstraße hat uns bald wieder. Wir fressen von dort
an Kilometer. Erwähnenswert ist vielleicht noch die Tatsache, dass wir
keine Probleme bei der Einreise nach Mauretanien haben, obwohl wir in bei
der Ausreise in Fassala keinen Zollstempel bekommen haben. Das wurde bei
der jetzigen Einreise einfach nachgeholt. Tja, und dann hat uns doch eine
Radarpistole erwischt. Angeblich sollen wir in einer Baustellenausfahrt in
der Westsahara 69 km/h statt der erlaubten 60 km/h gefahren sein. So waren
wir für nichts und wieder nichts 40 Euro los. Während einer Mittagspause
entdeckt Jörgen einen metallischen Gegenstand im rechten Vorderreifen. Es
entpuppt sich als langer Nagel, der sich schon tief eingearbeitet hatte,
aber Gott sei Dank noch nicht durch ist. Diese Tatsache nehmen wir zum
Anlass, doch noch den einen Reifen reparieren zu lassen. Dann fangen noch
andere Probleme mit dem MAN an. Zum Beispiel lösen sich die Bremsen
morgens nur sehr schwer. Jörgen fährt im ersten Gang, bis sie frei sind.
Das haben wir nun jeden Morgen vor uns. In Tanger treffen wir wieder auf
die jugendlichen Auto-Surfer, die sich unter die größeren LKWs hängen und
zum Teil auch daran heraufklettern. Wir erreichen unsere Fähre doch noch
glücklicherweise pünktlich, jedoch ist unser Abenteuer Mali auch
gesundheitlich nicht spurlos an uns vorbeigegangen. Zudem haben wir Teile
dieser wenigen schlimmen Tage in unseren Träumen aufzuarbeiten versucht.
Allerdings würden wir trotzdem immer wieder nach Mali fahren – natürlich
besser ausgerüstet und vorbereitet. Trotz Stress, Pannen und Anstrengung
ist Mali wegen seiner netten, freundlichen und hilfsbereiten Menschen ein
immer lohnendes Ziel. |