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vom
15.10.2006 bis 2.11.2006
Mauretanien, wo liegt das denn? Ja, das kenn'
ich - das ist eine Insel. Diese und ähnliche Reaktionen erhielten wir, wenn wir
unser Reiseziel nannten. Nur wenige verbanden das westafrikanische Land mit den
aktuellen (Flüchtlings-)Ereignissen.
Am 6. Oktober ist es dann endlich soweit. Wir
machen uns auf den Weg nach Sete in Südfrankreich. Von da aus bringt uns eine
Fähre nach Tanger in Marokko. Dort fallen uns die vielen Radarkontrollen auf,
bis wir schließlich in Tan-Tan, dem Tor zur Westsahara ankommen. Vor Laayoune
erfolgt dann die erste Kontrolle. Für solche Zwecke haben wir ausreichend
Aufstellungen mit unseren Personalien und den Fahrzeugangaben mitgenommen. Die
Zettel werden dankbar angenommen. Die letzte Kontrolle verlassen wir an der
Abzweigung nach Dakhla. Im weiteren Verlauf gibt es drei Tankstellen, die sehr
günstig sind, weil der Sprit nicht mit Steuern belegt ist. Wir haben aber die
Erfahrung gemacht, dass auch die Qualität des Diesels nicht besonders gut ist.
Am Sonntag, den 15. Oktober stehen wir dann
nach 2279 gefahrenen Kilometern in Guergarat vor der marokkanischen Grenze.
Alles ist noch geschlossen. Um 8.45 Uhr steht Jörgen bei der Gendarmerie Royal
an, der erste Posten, der geöffnet ist. Nach ein paar Minuten kommt er wieder
heraus und geht zu den anderen, die vor dem Zoll warten. Um 9.00 Uhr wird die
Tür zum Zoll geöffnet und alle Wartenden werden zu den im Windschatten eines
Hauses stehenden Polizisten geschickt. Nun werden alle zum Policebüro beordert,
wo sich inzwischen am Fenster eine Traube von ca. 20 Personen gebildet hat. Um
9.05 Uhr wird die Tür geöffnet und alle müssen ihre Pässe abliefern. In dem
Policebüro muss jeder eine Ausreisekarte ausfüllen. Schließlich finden wir auch
noch jemanden vom Zoll, den wir ein grünes Papier, das wir bei der Einreise in
Tanger erhalten haben, in die Hand drücken. Die weiße Kopie erhalten wir zurück.
Noch eine letzte Kontrolle und wir befinden uns auf einer 4,3 km langen
holprigen Piste auf dem Weg nach Mauretanien. Einige Wracks in diesem
Niemandsland zeugen von der Wirksamkeit der Minen in diesem Bereich. Ob diese
allerdings inzwischen entfernt wurden, ist uns nicht bekannt. Sicherheitshalber
bleiben wir auf der Piste. Mitten in diesem Gebiet treffen wir auf einen
liegengebliebenen LKW, dem wir mit 20 Liter Diesel wieder auf die Sprünge
helfen. Außer einem "Allah sei mit dir" bekommen wir nichts dafür. Wir erreichen
den Gendarmerieposten von Mauretanien. Inzwischen hat uns ein Amerikaner
überholt, der dem Posten 50 marokkanische Dirham in die Hand drückt. Wir haben
keine Dirham mehr und bekommen unsere Pässe auch so wieder. Bei der Polizei geht
alles korrekt zu. Unsere Auflistung der Personalien kommt wiederum gut an. Beim
Zoll müssen wir neben der Ehrenerklärung noch 10 Euro berappen. Geldstücke
werden dabei aber nicht angenommen. Der MAN selbst wird gar nicht kontrolliert.
In einem Wohnwagen neben dem Grenzgebäude kann man Geld tauschen. Der Kurs war 1
€ = 300 UM. Weil Sonntag ist tauschen wir sicherheitshalber 50 Euro. An der
Einmündung zur Straße Nouakchott- Nouadhibou erfolgt noch eine Passkontrolle.
Hier steht wieder ein Wohnwagen, in dem wir die Autoversicherung abschließen
sollen. Während wir warten, werden wir immer wieder auf Euro und Dirham zum
Tauschen angesprochen. Der Amerikaner kommt gerade aus dem Wohnwagen heraus und
warnt uns aufzupassen. Deshalb entschließen wir uns kurzfristig, hier keine
Versicherung abzuschließen und nach Nouadhibou weiter zu fahren. Während einer
Pause an den Bahngleisen haben wir unsere erste Begegnung mit der langen
und schweren Erzbahn. Da heute Banken und Versicherungen geschlossen haben,
quartieren wir uns für eine Nacht auf dem Campingplatz ABBA ein. Der Platz
bietet wenig Schatten, die sanitären Anlagen sind aber ganz o.k. Der
Campingplatzbesitzer will uns einen Freund schicken, der angeblich besser
tauscht als die Bank. Erst nach längeren Verhandlungen und treuseligen
Beteuerungen, er hätte jetzt nichts mehr zu essen, bekommen wir 320 UM pro Euro.
Im Nachhinein haben wir auf jeder Bank besser getauscht und warnen daher vor dem
Schwarzmarkt. Gleich um die Ecke vom Campingplatz ist ein Bäcker, den wir um
17.30 Uhr aufsuchen. In dem Backraum ist es sehr warm, während es draußen nur
noch 23° C. sind. Viele Menschen warten auf ihr frisches Brot und diskutieren.
Die fertigen heißen Brote werden auf den Boden geschüttet. Wer jetzt dran ist,
sammelt sie einfach auf. Wir wollen die Szenerie gerne noch ein wenig
beobachten, aber der Bäcker wird auf uns aufmerksam gemacht. Für 6 kleine Baguettes zahlen wir an der gegenüberliegenden Kasse 150 UM (ca. 50 Cent).
Montag, 16.10.2006 -
Nouadhibou und der Parc National Du Banc d'Arguin
Die Agentur der Autoversicherung liegt direkt
gegenüber vom Campingplatz. Alle Formulare werden recht problemlos ausgefüllt.
Für 20 Tage bezahlen wir für unseren MAN 7.727 UM (ca. 24 Euro). Vom
Campingplatzbesitzer erhalten wir noch eine Skizze mit der Lage des Büros vom
Parc National Du Banc d'Arguin. Trotzdem irren wir mit dem MAN durch Nouadhibou.
Ich frage häufiger nach dem Weg. Auch in einer Bank und einem Hotel. Nach
mehrmaligem Drehen hat Jörgen die Nase voll. Ich steige aus und suche zu Fuß
weiter. Dabei spreche ich einen Mann an, der westlich gekleidet ist. So richtig
weiß er es auch nicht. Allerdings will er jemanden fragen, der das weiß. Ich
steige in seinen Hilux ein. An der Tankstelle sitzt eine Gruppe älterer Männer.
Er hupt und die Männer kommen zum Auto. Ich verstehe kein Wort. Aber nun weiß er
Bescheid und setzt mich vor dem Büro ab. Ich bedanke mich herzlich. Es regnet
ein paar Tropfen. Das Büro ist besetzt. Ich höre eine Diskussion. Also hole ich
erst einmal Jörgen. Eine junge Französin, die auch Deutsch spricht, wartet
ebenfalls. Sie will 10-20 Tage im Nationalpark bleiben und der Normalpreis ist
ihr zu teuer. Außerdem ist ein Mann dort, der bruchstückhaft Deutsch spricht. Er
hat eine Empfehlung von unserem Schweizer Kollegen Jürg Sollberger. Nach
längerem Warten kommt der zuständige Mann und verkauft uns unsere
Eintrittskarten für heute und morgen. Für uns ist allerdings der Gezeitenplan
wichtig, da wir die Strandpiste nach Nouakchott fahren wollen. Im Büro gibt es
ein Buch über die Gezeiten. Da es jedoch keinen Fotokopierer gibt, besorgt der
Bekannte von Jürg Sollberger eine Kopie für uns. Mit Tickets und Gezeitentabelle
starten wir zum Parc National du Banc d'Arguin. Der Einstieg in die Piste ist
etwas wirr. Viele Pisten führen in fast alle Richtungen. Mit viel Wellblech und
sehr holperig geht es weiter. Es wird zunehmend wärmer bis auf ca. 35°C. Die
Lichtverhältnisse sind schlecht; die Sonnenbrille ist zu dunkel und ohne
Sonnenbrille ist es zu hell. Nach sehr steinigen Strecken umfahren wir eine Düne
und ... die Piste ist weg. Beim Umherkurven sandet der MAN ein. Während Jörgen
Luft aus den Reifen ablässt, suche ich auf einem Plateau die Piste. Wir folgen
ein paar Spuren, die auf dem Plateau beginnen. Plötzlich stehen wir vor den
ersten Markierungspfählen des Nationalparks. Im weiteren Verlauf wird die Piste
immer sandiger und wir stoßen ab und zu auf einen umgestürzten Markierungspfahl.
Vorbei an mehreren Pkw-Wracks erreichen wir den trockenen Brunnen El Gareb. Dort
merken wir, dass wir den gut ausgefahrenen Spuren Richtung Osten gefolgt sind -
leider nicht unsere Richtung. Jörgen folgt frischen Spuren nach Westen - auch
nicht unsere Richtung. Also bleibt nur eine Querfeldeinfahrt zum nächsten
Markierungspunkt. Dort erreichen wir auch die eigentlich gut sichtbare Piste.
Ca. 8 Kilometer vor dem Capement Arkeiss wird es schnell dunkel und wir
verstecken uns für die Nacht hinter einer Tamariske.
Dienstag, 17.10.2006 - Die Strandpiste nach
Nouakchott
Wir erwarten eigentlich eine Kontrolle, als
wir die Piste nach Arkeiss queren. Aber es passiert nichts. Auch in dem Capement
Ten Aloul stört uns niemand. Erst in Iwik, das auf einer Halbinsel liegt,
treffen wir auf eine Kontrolle PBNA. Wir umfahren die Bucht und begeben uns nach
Tessot. Auf dieser Strecke werden wir von einem alten Mann kontrolliert, der aus
einem entgegenkommenden Auto aussteigt. In Tessot ist unsere Piste plötzlich zu
Ende. Unsere Fragen bei den Einheimischen bekommen wir nur mit "sur Dune"
beantwortet. Schließlich folgt Jörgen frischen Spuren über die Dünen. Die Folgen
waren nicht gerade aufbauend; wir befinden uns mitten in mit Kamelgras
bewachsenen Dünen - eine Piste oder Spuren sind plötzlich nicht mehr zu
erkennen. Querfeldein rumpeln wir über die Grasdünen nach Osten. Jörgen
manövriert so gut es geht. Häufig haben wir Weichsandfelder, die aus
Sandanhäufungen bis hin zu kleinen Dünen reichen. Eben noch nehme ich einen
Koordinatenpunkt mitten im "Nichts", da stehen wir unerwartet auf der Piste.
Stellenweise sehr weichsandig geht es weiter. In einer großen Ebene liegt wieder
ein Autowrack, das Jörgen sehr interessiert. In dieser kleinen Pause steigt das Thermometer
plötzlich auf 40°C. Auf der Weiterfahrt ist so gut wie nichts mehr zu sehen.
Sand weht durch die Luft. So unvermittelt, wie diese Witterung begann, ist alles
wieder vorbei. Wir passieren ein kleines Dorf und eine Lagune und stehen vor dem
Kontrollposten am Ende des Nationalparks. Ein wenig enttäuscht sind wir schon,
denn die erwartete Tiervielfalt haben wir nicht gesehen. Unsere Papiere werden
eingehend geprüft. Irgendwie haben wir den Hinweis auf die Strandpiste falsch
verstanden, zumindest stehen wir nach kurzer Zeit vor einer Düne, die uns den
Weg versperrt. Der Weg zur Strandpiste führt mitten durch den Ort. Die Flut hat
bereits seit einer Stunde eingesetzt. Aber der Strand lässt sich noch gut
befahren. Am Buswrack sanden wir fast ein, trotz unserer 2 bar auf den Reifen.
Mit Mühe wühlt sich der MAN weiter. Zumindest hat die Strecke jetzt unsere
uneingeschränkte Aufmerksamkeit. Nachdem wir ein Fischerdorf durchquert haben,
stehen wir vor dem Felsen, den viele Fahrer spektakulär im Meer umfahren. Für
eine Fahrt durch das Meer ist der Wasserstand jedoch bereits zu hoch. Wider
Erwarten schafft der MAN die Umfahrung im Weichsand recht problemlos. An einem
Tamariskenbusch am Strand wollen wir übernachten, denn die Flut steigt
unaufhörlich. Gegen Abend, als die lästigen Fliegen endlich schlafen gegangen
sind, wird es am Strand richtig schön. Wir entdecken viele kleine und große
Krabben, die sich im Sand eingraben. Die sind irrsinnig schnell, wir brauchen
viel Zeit, bis wir eine Krabbe auf ein Foto gebannt haben. Zunehmend wird es
windiger. Sand wirbelt durch die Luft. Nachts um 2 Uhr wache ich auf. Mein
Schlafsack ist mit Sand bedeckt und unser MAN hat im Wohnbereich eine ziemlich
dicke Sandschicht. Wir schließen die Dachluken und die Fenster. Das kann nur ein
Sandsturm sein, der den feinen Sand so hoch gewirbelt hat.
Mittwoch, 18.10.2006 - Sandsturm in
Nouakchott
Am Morgen brauchen wir drei Stunden, um den
MAN innen vom Sand zu befreien. Hat das eigentlich einen Sinn, denn draußen fegt
immer noch der Sand über den Strand. Meist ist die Sicht ziemlich schlecht; wie
gut, dass wir Zeit haben und auf die Ebbe warten müssen. Um 10 Uhr haben wir
schon 32,4°C. Der Sturm nimmt leider wieder zu. Wir müssen die Fenster
geschlossen halten. Versuchsweise öffnen wir ein Fenster im Windschatten. In
sehr kurzer Zeit sammelt sich eine Sandschicht auf dem Tisch. Es hat also keinen
Zweck. Blöderweise ist die Sicht ausgesprochen schlecht. Tiefststand der Ebbe an
diesem Tag ist um 14 Uhr. Um 11.30 Uhr starten wir trotz des Sandsturms. Wir
hoffen eigentlich, dass das Wetter jeden Moment besser wird. Wir begegnen einer
Gruppe Belgier, die an einer windstilleren Stelle baden wollen. Die Gruppe
befindet sich bereits auf der Rückreise und ist am Morgen vom Campingplatz in
Nouakchott gestartet. Im Fischereihafen von Nouakchott fegt der Sand immer noch
ungebremst über den Strand. Die Ausfahrt aus dem Hafen ist gar nicht so einfach
zu finden. Zumindest für unseren "hohen" MAN. An der Total-Tankstelle in
Nouakchott wird unser MAN für 5000 UM vom Meerwasser befreit. Das aber auch
ausgesprochen gründlich. Unser Fahrzeug passt auf den Zentimeter genau in die
Waschhalle der Tankstelle. Übrigens habe ich in Nouakchott in einer Bank den
besten Wechselkurs unserer Expedition erhalten (1 € = 335 UM). Ein bisschen
Kurverei durch die Kreisel und wir finden die Straße, die uns nach Osten bringt.
Am Rand von Nouakchott findet ein Viehmarkt statt. Kamele, Rinder usw. finden
hier einen neuen Besitzer. Der heiße Wind lässt nicht nach. Wir durchfahren
einen großen Sandkasten Mauretaniens. Roter, gelber und weißer Sand wechseln
sich, zu Dünen aufgehäuft, ab. Dazwischen sichten wir Häuser und Zelte. Einziger
Farbklecks sind die vielen, für Menschen giftigen grünen Sodomsapfelsträucher.
Nur ab und zu gibt es savannenartige Abschnitte. In einem dieser Abschnitte
finden wir schließlich einen der raren Stellplätze. Die Luft ist immer noch
voller Staub. Rinder grasen um unser Auto herum. Nachts regnet es ca. 5 Minuten
lang. Hoffentlich legt sich dadurch der Staub etwas.
Donnerstag, 19.10.2006 - Wo ist Matmata?
Ich glaube, die Luft ist tatsächlich etwas
klarer. Allerdings ist im Wohnbereich des MAN wieder alles versandet. Außerdem
ist es sehr warm. Um 7 Uhr sind es bereits 28,7°C. Die Straße der Hoffnung, wie
der Weg von Nouakchott nach Nema heißt, wird zunehmend schlaglochreicher und es
gibt relativ viele Kontrollen. Einige der Posten fragen sogar nach einem Cadeau
(Geschenk). Erst nach der Abfahrt in den Senegal wird des etwas ruhiger. In
N'Beika suchen wir die Abfahrt nach Matmata. Laut Beschreibung soll die Piste an
der Auberge Matmata beginnen. Die finden wir in N'Beika schnell. Viele Kinder
versuchen uns den richtigen Weg zu zeigen. Da aber auch die Gesten nicht
eindeutig sind, verstehen wir immer nur "Bahnhof". Dann finden wir jemanden, der
jemanden kennt, der Englisch spricht. Endlich haben wir Erfolg. Mohammed Boulla
spricht sogar ein paar Brocken Deutsch, das er in der Schule gelernt hat. Unter
einer großen Akazie genießen wir 3 Gläser Tee. Mit einer Wege-Zeichnung und
einem Führer, der uns den Einstieg zur Piste zeigt, machen wir uns auf den Weg
nach Matmata. Die Beschreibung in unserem Reiseführer beginnt erst in Matmata und
zwar bei der dortigen Auberge Matmata. Bis dahin sind es aber noch ungefähr 20
Kilometer. Und die beginnen gleich am Ortsausgang von N'Beika mal wieder spannend, denn es
geht durch eine Weichsanddüne, in der wir auch prompt stecken bleiben. Das heißt
mal wieder Luft ablassen - gut so, denn es folgt kilometerweit immer wieder
Weichsand. Aus den Ortschaften, die wir passieren, stürzen alle Kinder auf uns
zu und das sind ganz schön viele. Plötzlich befinden wir uns in einer Sackgasse.
Auf der einen Seite der Ort Matmata und auf der anderen Seite Palmen. Wir folgen
einer Piste durch die Palmen und stehen vor einem See. Diesen am Rand zu
überqueren ist uns nicht ganz geheuer. Wir drehen und fahren zurück zum Ort. Mit
Hilfe unserer Zeichnung fragen wir uns durch. Ein älterer Mann will uns zeigen,
wo es lang geht und fährt im MAN mit. Es geht doch am Rand des Sees entlang,
durch kleine Palmen hindurch und wir stehen vor der Auberge Matmata. Von hier
aus führt eine holperige Felspiste den Berg hinauf. Unser Gast macht keine
Anstalten, auszusteigen. Hoffentlich denkt er nicht, dass er unser Guide ist. Er
erinnert mich sehr stark an den Buschmann aus "Die Götter müssen verrückt sein",
denn er spricht schon mit den merkwürdigen "Klick"-Geräuschen wie der Buschmann
in dem Film. Auf der anderen Seite des Hochplateaus geht es noch holpriger
wieder bergab. Schließlich landen wir in einer Sackgasse zwischen dunklen
Felsen. Unser Fahrgast möchte uns unbedingt noch die Krokodile zeigen und so
folgen wir ihm an mehreren Wassertümpeln vorbei zu einem Felsvorsprung, von dem
aus wir die Krokodile sehen können. Er bricht zwischendurch von einem trockenen
Strauch Halme ab, um sich die Zähne zu putzen. Wir starren auf den braunen
Tümpel, der weit unter uns liegt, in der Hoffnung, ein Krokodil zu entdecken.
Aber es wird immer dunkler und so gehen wir erfolglos zum MAN zurück, wo der Mann von
seinem Sohn erwartet wird. Beide gehen zu ihrem Zelt, das nicht so weit entfernt
zu sein scheint. Die schwarzen Felsen speichern die Wärme - es sind 39,1°C.
Leider auch im MAN und nachts kühlt es sich überhaupt nicht ab.
Freitag, 20.10.2006 - Die Sahara-Krokodile
Morgens haben wir schon sehr früh Besuch.
Vater, Sohn, ein weiterer Mann und ein Kind wollen mitfahren. Aber wir wissen
noch gar nicht, wann wir aufbrechen, denn wir wollen wenigstens versuchen, noch
ein Krokodil zu sehen. So ziehen alle vier zu Fuß los runter nach Matmata. Auf
dem Weg zu den Krokodilen werden wir von zwei Kindern begleitet. Flüsternd geben
sie uns zu verstehen, dass wir in der Nähe des Felsvorsprunges unbedingt ganz
still sein müssen. Wir warten und starren wieder auf den braunen Tümpel. Wie
soll man da ein Krokodil ausmachen? "Kroko, Kroko!!" Einer unser flüsternden
Begleiter versucht mir irgendwas zu zeigen. Die kleine braune Hand zeigt auf
einen Baumstamm, der durch die braune Brühe treibt. Ein Baumstamm!...? Nein, ich
kann die Kontur des Krokodils wunderbar erkennen. Den Kopf und den schuppigen
Panzer. Am Ende der Guelta dreht es wieder und schwimmt zurück. Es sind mehrere
Krokodile im Wasser und ein kleines Krokodil an Land. Sie schimmern
grün-glänzend und sind gut zu erkennen, wenn man weiß, wie sie aussehen. Die
ausgewachsenen Tiere sind ca. 3 Meter lang. Ein plötzlicher Krach zeigt mir, was
die Krokodile hier fressen. Ein Vogel am Tümpelrand hat das nicht überlebt. Beim
Warten auf die Beute liegen die Krokodile bewegungslos im Wasser. Nur der Kopf
schaut heraus. Diese Wüstenkrokodile haben sich innerhalb von 10.000 Jahren an
die veränderten Bedingungen und der jetzigen Sahara angepasst. Die Wüstenseen
sind insbesondere durch frühere Wasserfälle entstanden und das Wasser geht bis
tief unter die Felsen. Sollte das Wasser doch mal versiegen, ziehen sich die
Tiere zurück. Unter anderem graben sie sich bis zu 20 Meter in tiefe, feuchte
Erdlöcher ein. In den 20iger Jahren des letzten Jahrhunderts wurden die
Wüsten-Krokodile für ausgestorben erklärt, bis in den 90iger Jahren in
Mauretanien wieder einzelne Gruppen entdeckt wurden. Auf dem Rückweg zum MAN
zeigen uns die Jungs eine Ziege, die gerade ein Junges geboren hat. Es ist immer
noch ausgesprochen heiß. Auf dem Rückweg nach N'Beika treffen wir auf den jungen
Mann, der morgens mit uns mitfahren wollte. Er zeigt uns eine andere Strecke
durch den Sand und steigt in N'Beika am Bushalteplatz aus. In Tidjikja suchen
wir die Strecke nach Atar und folgen einer ausgefahrenen Piste nach Westen.
Hübsch weiß getünchte Steine in regelmäßigen Abständen bestärken uns in der
Meinung, dass wir hier richtig sind. Stutzig werde ich, als wir immer nur nach
Westen fahren und nicht nach Norden abbiegen. Es wird langsam dunkel und wir
schauen uns auf dem PC an, dass wir viel zu weit nach Westen abgedriftet sind.
Morgen müssen wir drehen und die "richtige" Piste suchen. Wir duschen uns eine
Menge Sand vom Körper. Dabei stellen wir fest, dass es rund um unseren
Stellplatz viele Kletten gibt, die wir nicht so leicht los werden.
Samstag, 21.10.2006 - Die Reifenpanne
Zwei Wasser-LKW fahren in Richtung Tidjikja.
Auch wir fahren zurück. Die nach Norden in den Karten eingezeichnete Piste gibt
es leider nicht. Wir suchen rund um die Koordinaten alles ab. Leider bleibt uns
nur der Weg über Rachid. Schon nach kurzer Zeit wird es sehr weichsandig. Kleine
Dünen sind zu überqueren. Wir passieren eine Nomadensiedlung und fahren in
extremen Weichsand an der Siedlung Rachid vorbei. Nicht weit entfernt geht es
die große, steile Hängedüne Taouja hinunter in ein sehr steiniges Tal. In dieser
Oase sitzen wir fest, weil wir nicht wissen, wie es weiter geht. Schwarze
Felsbrocken versperren den Weg. Aber nach ein wenig Suchen finden wir ein paar
Spuren denen wir folgen können. Durch ein mit Akazien bewachsenes hübsches Tal
geht es weiter. Piff....!? Piff....!? Was ist das für ein merkwürdiges Geräusch?
Es hört sich ziemlich regelmäßig an und kommt aus unserem rechten Vorderreifen.
So ein Mist, nach wenigen Kilometern ist der Reifen platt. Die Piste ist sandig
und Jörgen versucht festeren Untergrund zu erreichen. Es ist natürlich Mittag
und wir haben mal locker 42°C. in der Sonne. Und wo befindet sich der rechte
Vorderreifen?- Natürlich in der Sonne. Prima! Zunächst holen wir den neuen
Reifen vom Heckgepäckträger. Dann baut Jörgen den kaputten Reifen ab. Und da
passiert es! Der Untergrund gibt nach und der Wagenheber rutscht mitsamt den
untergelegten Holzstücken zur Seite, knickt weg und die Bremstrommel liegt im Sand.
Die einzige Möglichkeit, den Reifen an den MAN zu bekommen ist, den Wagen
anzuheben. Glücklicherweise hat Jörgen noch einen 2. Wagenheber eingepackt. Den
Wagenheber von Weber mit der breiten Auflagefläche legt er unter das Federblatt.
So geht es Stück für Stück nach oben. Sobald etwas Luft ist, legt Jörgen einen
Holzklotz unter die Bremstrommel. Es geht Zentimeter für Zentimeter weiter, bis ein
klappbarer Unterstellbock unter die Achse gestellt werden kann. So hebt Jörgen
den MAN weiter an, bis der Reifen auf die Felge passt. Ich habe schon bei
leichten Zureichearbeiten echte Probleme und bin sofort kaputt. Wie muss das
dann Jörgen ergehen? Mit ein paar angezogenen Radmuttern fährt er ein Stück vor.
Obwohl wir stehend k.o. sind, müssen wir den alten Reifen noch auf den
Gepäckträger bekommen. Inzwischen werden wir von einem Mann und einem Jungen
beobachtet. Interessiert betrachten sie unser Treiben. Plötzlich sind sie
verschwunden. Leider stellt Jörgen fest, dass er die Seilwinde nicht findet.
Jetzt könnten wir unsere nicht mehr vorhandenen Zuschauer gut gebrauchen. Es ist
furchtbar anstrengend, den Reifen mit Hilfe von Spanngurten, der Leiter und
eines Sandbleches auf den Gepäckträger zu hieven. Ich bin so kaputt, dass ich
mich nur noch im Zeitlupentempo bewegen kann. Aber wir schaffen es. Der
"Reifenwechsel" hat von 15.00 Uhr bis 19.30 Uhr gedauert. Der Salzverlust ist
heftig, Jörgen bekommt Krämpfe, die wir mit einer Hühnersuppe und Salztabletten
bekämpfen. Die Temperatur beträgt immer noch 35°C. Nachts kühlt es dann auf
angenehme 23°C. ab, da ist es aber schon fast Morgen und mit der aufgehenden
Sonne steigt die Temperatur schnell wieder an.
Sonntag, 22.10.2006 - Auf dem Weg nach
Atar (1)
Es wird gerade mal hell und wir haben schon
Besuch. Der Nomade von gestern und ein kleines Mädchen nähern sich langsam
unserem MAN. Sobald sich etwas im Auto bewegt, rücken sie ein wenig näher. Der
kleine Junge von gestern kommt hinzu. Als Jörgen den kaputten Reifen mit
Spanngurten befestigen will, zeigen die drei ihm ihre Schätze, die sie verkaufen
wollen. Becher, Armreif, Kugeln und Pfeilspitzen. Der Becher und der Armreif
sollen zusammen 2000 UM kosten. Für 1500 UM und ein Kuscheltier für das Mädchen
wechseln sie den Besitzer. Vor uns liegt die hohe Düne, die mir bis dahin immer
etwas Kopfzerbrechen gemacht hat. Wider Erwarten schaffen wir diese Düne im
ersten Anlauf. Markierungspfähle zeigen uns den weiteren Weg. Aber Jörgen möchte
gerne zu einem abseits liegenden Rallye-Wrack und wir machen einen kleinen
Abstecher von der Piste. Das von der Rallye Paris-Dakar übrig gebliebene
Fahrzeug ziert nun unser Aufkleber vom 10. AMR-Globetrotter-Treffen. Auf einer
guten Piste folgen wir weiß getünchten Steinen, bis wir merken, dass wir schon
lange nicht mehr auf Kurs sind. Vielleicht können wir ja das berüchtigte
Dünen-Gebiet Lehilim mit seinen tückischen Fech-Fech-Senken (lt. Literatur)
umfahren und auf einer neuen Piste nach Atar gelangen. Die wirklich gute Piste
ist markiert, führt aber immer weiter nach Osten und dann direkt nach Norden.
Eine sehr steile Düne schaffen wir im zweiten Anlauf, doch der Kurs erscheint
uns schließlich zu suspekt. Wir holen den PC raus und sehen nach, wo wir uns
befinden. Leider viel zu weit im Osten. Ich rate allen, die von Süden nach Atar
wollen, sich nicht an weiß getünchten Steinen zu orientieren. Zurück an unserem
Ausgangspunkt können wir keine eindeutige Piste ausmachen, die in Richtung
Norden führt. Deshalb fahren wir den nächsten, uns bekannten Koordinatenpunkt,
cross an. Durch die vielen Grasbüschel auf den Dünen ist das gar nicht so
einfach. Außerdem müssen wir die Fech-Fech-Senken umfahren. Wir nähern uns
unserem Koordinatenpunkt und plötzlich sind sie da, die Spuren. Nach Verlassen
des Dünengebietes haben wir wieder eine eindeutige Piste erreicht. In der
folgenden gut befahrbaren Reg-Wüste tauchen immer wieder kleine hübsche
Sicheldünen auf. Kurz vor einer Abfahrt von einer höheren Ebene bleiben wir auf
dem Plateau stehen. Unten im Tal ist ein See auszumachen (soweit wir das mit
Fernglas erkennen können). Ein Wüstenfuchs, ein Fenek, taucht auf. Aber diese
Tiere sind ausgesprochen schwer zu fotografieren. So löst Jörgens Kamera mal
wieder nicht rechtzeitig aus. Abends schlafen wir zunächst draußen in unseren
Stühlen. Es sind 39°C., aber es weht ein leichter Wind. Nachts kühlt es auf 28°C
ab, was mich veranlasst zu frieren und so verkrieche ich mich als erste in das
Auto.
Montag, 23.10.2006 - Auf dem Weg nach Atar
(2)
Am nächsten Morgen fahren wir hinunter in das
langgestreckte Tal. Die Piste lässt sich durch die vielen dichtstehenden
Sodomsapfelsträucher nicht besonders gut befahren. Hier treffen wir für die
nächsten 90 Kilometer zum letzten Mal auf Menschen. Die Ausfahrt aus dem Tal zu
den Dünen hin ist gar nicht leicht zu finden. Grobes Gestein beendet plötzlich
unsere Piste. Aber der einzige Durchgang durch die Dünen ist schließlich doch
nicht zu übersehen. Von nun an wird die Strecke zunehmend steiniger. Der MAN
rumpelt über Felsen, Geröll usw. auf Strecken, die die Bezeichnung Piste einfach
nicht verdient haben. Wir kurven ständig hin und her. Das geht so weit, dass die
nächste GPS-Koordinate fast 180° hinter uns angezeigt wird. Im Großen und Ganzen
ist die "Piste" aber zu erkennen. In den felsigen Abschnitten, die weit
überwiegen, ist der Verlauf durch aufrecht gestellte Steine markiert. Eine
kleine Dünenauffahrt, die um die Kurve führt, macht dem MAN leichte Probleme.
Richtig spannend ist schließlich eine felsige, sehr, sehr steile Abfahrt von
einem Plateau. Unsere Hoffnung, dass die Piste im Tal besser wird, bewahrheitet
sich nicht. Über Steingeröll rumpeln wir weiter. Es gibt so gut wie keine
entspannenden Fahrabschnitte. Selbst Jörgen, der sonst ausgesprochen gerne
Pisten fährt, meint, dass er diese Strecke nicht noch einmal braucht. Der rechte
Hinterreifen hat durch die scharfkantigen Felsen einen "Ditsch" abbekommen.
Jörgen will ihn evtl. in Atar reparieren lassen. Nachts kühlt es durch den
Nordwind wiederum auf 26°C. ab.
Dienstag, 24.10.2006 - BAB SAHARA in Atar
Jörgen schmiert Vulkanisierungsflüssigkeit an
den Reifen und meint, das reicht. Die Piste kommt mir nicht mehr ganz so
holperig vor. Vielleicht kommt das daher, dass die nächsten GPS-Koordinaten
eigentlich gar nicht in unserer Richtung sondern ganz wo anders liegen? Jörgen
will aber nicht drehen und so fahren wir eine ganze Weile auf einem Hochplateau
immer in der Nähe eines Abbruches entlang. Plötzlich passieren wir ein Schild.
Es ist nur in Gegenrichtung lesbar: "Route barriere". Wir können uns nicht
erklären weshalb die gefahrene Strecke gesperrt sein soll. Wir entdecken einen dieser blaugrauen Agame mit den hellen Querstreifen. Wir würden so ein Tier gerne aus der Nähe
fotografieren, aber die sind einfach zu schnell und zu scheu. Wir erreichen
wieder mal eine holperige, sehr steile Abfahrt von dem Plateau herunter. Unten
angekommen, befinden wir uns wieder auf der eigentlichen Piste. Schließlich
mündet unsere Strecke in eine größere Piste. Zunächst sind wir der Meinung, dass
wir die Strecke Atar-Chinguetti erreicht haben. Doch so weit ist es noch nicht.
Wir müssen erst 300 Meter rechts fahren und befinden uns dann erst auf der
richtigen Piste. Dort treffen wir auch kurz vor der Pass-Abfahrt auf einen
Gendarmerie-Posten. Auf einem asphaltierten Teilstück geht es wieder mal
unglaublich steil bergab. Wir passieren zwei LKW-Wracks. Einer ist gegen die
Felsen gefahren. Der andere hatte weniger Glück und liegt am Fuß des Abhangs. In
Atar ist der Campingplatz BAB SAHARA nicht ausgeschildert. Wir finden ihn
zwischen Wohnhäusern anhand von GPS-Koordinaten. Die sanitären Anlagen sind voll
in Ordnung und laden zum Duschen ein. Gegen Abend kommen immer mehr Fahrzeuge
auf den Campingplatz. Meistens sind es Franzosen, die wohl von hier aus ihre
Ausflüge starten. In Atar ist es schrecklich heiß und es kühlt auch gar nicht
ab. Um 4 Uhr morgens wachen die Tiere in der Umgebung auf. Wie auf einem
Bauernhof. Wegen der Hitze haben wir schlecht geschlafen und Jörgen möchte einen
nervigen Hahn am liebsten killen. Von 5 bis 6 Uhr dröhnen dann die islamischen
Gebete aus allen Lautsprechern. Nein, Campingplätze sind nicht unsere Welt.
Mittwoch, 25.10.2006 - Eine Bibliothek in
Chinguetti
Morgens unterhalten wir uns noch ein wenig
mit Cora, die den Campingplatz zusammen mit ihrem holländischen Mann Justus
betreibt. Wir lassen für sie noch Grillwurst, Bockwurst und Schwarzbrot da.
Fleisch gibt es in Mauretanien ausreichend. Wurst ist jedoch so gut wie gar
nicht zu bekommen. Wir verabschieden uns von Cora und versprechen, den
Campingplatz weiter zu empfehlen ( was wir auch ohne Vorbehalte, allein wegen
der hervorragenden sanitären Anlagen, hiermit tun). Die breite Piste, die wir
zum Teil bereits kennen, bringt uns nach Chinguetti. Es ist mal wieder sehr heiß
und wir parken den MAN im Schatten des Wasserturms. Es ist Mittag und wieder
nicht viel los. Einige Kinder umlagern den MAN. Jörgen gibt ihnen zu verstehen,
dass sie gut auf das Fahrzeug aufpassen sollen. Ein junger Mann lässt sich
überhaupt nicht abwimmeln und zeigt uns sein Chinguetti. Die Moschee mit den
Straußeneiern auf dem Turm ist das Wahrzeichen Mauretaniens. Rund um die Moschee
sind mehrere Bibliotheken angesiedelt, die alle zum Bereich der Moschee gehören.
Ahmed Sherif, unser junger Begleiter, holt einen Bibliothekar. Es weht ein
heftiger Wind und Staub wirbelt durch die Luft als wir durch eine niedrige Tür
in einen Innenhof gelangen. Wir werden gebeten, auf Plastikstühlen Platz zu
nehmen. Die Führung soll 1000 UM pro Person kosten und wir sind einverstanden.
Saif, der Bibliothekar, erläutert uns auf Französisch die Geschichte Chinguettis.
Wir sind des Französischen nicht ausgesprochen mächtig, verstehen aber
Folgendes: Das alte Chinguetti soll so drei bis fünf Kilometer weiter östlich
gelegen haben. Das wurde im Jahr 777 mit Sand bedeckt und die jetzige Altstadt
entstand. Täglich kamen Karawanen mit bis zu 30.000 Kamelen aus allen Richtungen
Afrikas an. Das neue Chinguetti, auf der gegenüberliegenden des Queds, entstand
1960. Mit einem besonderen Schlüssel aus Holz öffnet der alte Mann eine niedrige
Tür. Dahinter verbirgt sich das Museum. Saif erklärt uns die verschiedenen
Gegenstände. Eins davon ist ein Fettmesser (sieht aus wie eine große
Wäscheklammer). Je molliger die Frauen früher waren, umso mehr waren sie wert,
denn dann galten sie als besonders fruchtbar. Dieses Gerät hat das Körperfett
der Frauen gemessen. Dann geht es zu einer weiteren niedrigen Tür am anderen
Ende des Innenhofs. Hier wird Jörgen aufgefordert, mit dem merkwürdigen
Schlüssel die Tür zu öffnen. Alle denken, das schafft er nicht, aber es gelingt
ihm auf Anhieb. Jetzt befinden wir uns in der eigentlichen Bibliothek. Saif
zeigt uns sehr alte Bücher, meist in Arabisch verfasst. Aber auch ein Tintenfass
für mehrere Tintenfarben erweckt unsere Aufmerksamkeit. Saif erklärt uns, dass
das Schreibbrett früher mit wasserlöslicher Tinte beschrieben und diese
anschließend getrunken wurde. Man dachte damals, dass man damit auch das ganze
Wissen in sich aufgenommen hat. Mit diesen Eindrücken reicher gehen wir zum MAN
zurück. Jörgen verteilt noch ein paar Bonbons an die Kinder, weil sie so gut auf
das Auto aufgepasst haben. Dann stellt sich Ahmed Sherif auf das Trittblech vom
MAN und zeigt uns, wo die Sand-Piste nach Quadane beginnt. Sie beginnt direkt an
einem Brunnen in einem sandigen Qued. Ahmed Sherif vergisst durch sein ständiges
Reden fast, rechtzeitig abzusteigen. Da er keine Entlohnung möchte, erhält er
ein AMR-T-Shirt zum Abschied und wir fahren in dem sehr sandigen Qued nach
Osten. Es ist nicht einfach, den richtigen Weg zu finden, denn Spurenbündel
führen in alle Richtungen. Auf unserer Suche fahren wir häufiger mal wieder ein
kleines Stück zurück. "Halt, halt", der Schreck sitzt tief. Wir stehen
unmittelbar vor dem Steilabhang einer kleinen Düne. Jörgen hat gerade nochmal
rechtzeitig gebremst. Wir müssen vorsichtiger sein und vorher nachsehen.
Vielleicht bin ich zu vorsichtig geworden, denn bei der nächsten Dünenquerung
animiere ich Jörgen zu langsamer Fahrt und prompt sanden wir auf dem Dünenkamm
ein. Das sieht nach viel Arbeit aus. So ein Mist - wie gut, dass es nicht mehr
so heiß ist. Jörgen legt unter jedes Rad ein GFK-Sandboard und ich kann es kaum
glauben - der MAN fährt einfach aus dem Sand heraus. Das ganze ohne zu buddeln.
Die Sandboards hätten wir schon auf früheren Reisen haben sollen! Für heute
haben wir keine Lust mehr, weiterzufahren, suchen uns deshalb einen einigermaßen
"staubfreien" Stellplatz an einer Akazie und genießen den Sternenhimmel.
Unglaubliche 22°C. bescheren uns eine angenehme Nacht. Welch ein Unterschied zum
heißen Atar. Und dazu diese himmlische Ruhe.
Donnerstag, 26.10.2006 - Im Guelb er Richat
Von unserem Stellplatz an haben wir auch
plötzlich eindeutige Spuren, denen wir folgen können. Es bleibt allerdings
sandig. Meistens fahren wir durch ein Dünental; ab und zu geht es aber auch
kleinere Dünen hinauf und hinunter. Ca. 10 Kilometer vor Quadane ist alles
ziemlich flach. Kurzfristig verlieren wir die Spuren, kommen aber trotzdem an
unser Ziel. Am Ortsrand von Quadane treffen wir mal wieder auf eine Kontrolle.
Das Häuschen ist gleichzeitig als Touristeninfo eingerichtet. Wir fahren bis zu
dem Hügel, auf dem Quadane liegt, heran, biegen dann aber rechts ab in die
Gärten. Nicht weit dahinter verfahren wir uns in Richtung Norden. In sehr
extremen Weichsand bleiben wir stecken. Nach einem nochmaligen Luftablassen
drehen wir um und folgen anderen Spuren über die Dünen bis hin zur Lehm-Festung
Agouadir. Diese besteht allerdings nur noch aus Ruinen, die eingezäunt sind.
Hier verlieren wir die Piste wieder. Unser nächster Koordinatenpunkt liegt
leider viel zu weit entfernt, um zu erkennen, ob es links oder rechts um den vor
uns liegenden Kraterrand herum geht. Nach einigem Hin und Her entscheiden wir
uns für die westliche Umfahrung und treffen auf eine Auberge. Von der hatte ich
schon mal was gelesen - ich denke, wir sind richtig. Von hier an ist die Piste
wieder eindeutig und führt direkt in den Krater des Guelb er Richat hinein. In
der Satellitenansicht erkennt man einen riesigen Krater, aber wenn man so hinein
fährt... - es könnte auch ganz woanders sein. Die Kraterringe sind zumindest von
Süden her nicht eindeutig auszumachen. Für die Entstehung des Kraters gibt es
mehrere Theorien. Eine davon ist ein Meteoriteneinschlag. Aber bewiesen ist es
nicht. Das macht es für uns nur umso spannender. Gleich zu Anfang in einer
Sebkha erhöht Jörgen wieder den Luftdruck in den Reifen. Das ist eine sinnige
Entscheidung, wie sich zunächst im weiteren Pistenverlauf herausstellt. In der
Mitte des Kraters liegt eine Auberge. Wir fahren daran vorbei, halten dann aber,
damit Jörgen interessante Steine sammeln kann. Etwas Herausragendes fällt uns
aber leider nicht auf. Vor dem 2. Innenring des Kraters richten wir uns in einem
steinigen Gebiet für die Nacht ein. Es weht ein kräftiger Wind. Wir erleben hier
die kühlste Nacht in Mauretanien.
Freitag, 27.10.2006 Ein fieser Dünenriegel
und ein bunter Bazar
Wir fahren auf unserer steinigen Piste um eine
Kurve - da versperrt uns eine eingewehte Düne den Weg. Sie bildet einen
Querriegel zwischen zwei Erhebungen und sieht aus wie ein Staudamm. Trotzdem
kann doch eine Überquerung nicht so schwierig sein. Jörgen versucht es mit der
linken Spur, die am Ende des Dünenriegels durch relativ wenig Sand geht. Aber
der MAN schafft das nicht und rutscht spektakulär nach rechts in dem
Sand-Geröllgemisch ab. Das gleiche passiert dann beim Rückwärtsfahren. Mir wird
ganz mulmig, als ich das sehe. Natürlich bin ich vorher ausgestiegen (nicht nur
um Fotos zu machen). Jörgen versucht die rechte, sehr weichsandige Spur, die
direkt über den Dünenkamm geht. Aber kurz vor dem "Top" bleibt der MAN stehen.
Auch das Unterlegen der Sandboards und Luftablassen auf 2 bar nutzt nichts. Der
MAN zieht die Sandboards unter den Reifen durch und gräbt sich ein. Da bleibt
nichts anderes übrig, als rückwärts die Düne wieder hinunter zu fahren und
anschließend wieder hinauf. Die Sandboards legen wir als Traktionshilfe an die
Stelle, wo sich der MAN eingegraben hatte. Ich drücke die Daumen, als Jörgen mit
viel Schwung die Düne in Angriff nimmt. Diesmal klappt die Überquerung sehr gut,
nicht zuletzt durch die richtig positionierten Sandboards. Auf der anderen Seite
der Düne befinden wir uns sofort in scharfkantigem Geröll. Man kann sehr gut
erkennen, dass der Wind immer von der gleichen Seite bläst. Es ist unumgänglich,
sofort den Reifendruck zu erhöhen. Es folgen ausgesprochen steinige Passagen.
Ein besonderes Erlebnis ist die Auffahrt auf den äußeren Kraterrand. Es geht
steil, sehr steil über viel Geröll bergan. Ein heißer Ritt. Ich klammere mich in
die Haltegriffe und habe keinen Sinn für die grandiose Aussicht zurück in den
Krater. Oben angekommen ist die Piste nicht besser. Es bleibt sehr steinig. Wir
rumpeln langsam voran. Als wir unsere Frühstücks-/Mittagspause machen, kommt ein
Mann vorbei und möchte nach Quadane mitgenommen werden. Das ist nun überhaupt
nicht unsere Richtung und wir wollen ja auch noch ein wenig in der Wüste
bleiben. Er verschwindet wieder und wir rumpeln auf der Geröllpiste weiter. Nach
ein paar Kilometern stehen wir vor einem hohen Abbruch. Der Blick ins Tal ist
einfach toll. Die Abfahrt ist durch ein hohes Steinmännchen markiert und schon
von weitem sichtbar. Wir rumpeln auf einer Geröllpiste bis auf ein
Zwischenplateau. Dort stellen wir den MAN direkt an den Abbruchrand und beschließen
hier zu bleiben. Die Temperatur ist bestimmt angenehmer als unten im Tal. Gegen
Abend kommt ein Hirte vorbei, der eine Ziegenherde nach unten treibt. Er hockt
sich hin, guckt und geht dann mit einer kleinen Ziege unter dem Arm weiter.
Etwas später kommt ein älterer Mann mit einem Kamel vorbei. Jörgen bietet ihm
Wasser an. Die Frage nach einem Foto beantwortet er mit "Cadeau" (Geschenk).
Genau das wollen wir aber nicht und lassen ihn ziehen. Ca. um 18 Uhr bekommen
wir Besuch. Frauen und Kinder sind den Berg hinauf gestiegen und breiten bunte
Tücher vor dem MAN aus. Darauf bieten sie ihre selbst gefertigten oder
gefundenen Utensilien an. Obwohl es schnell dunkel wird, halten sie einen
Privatmarkt für uns ab. Es wird gesungen und getanzt. Einige gehen
zwischenzeitlich zur Seite und beten. Aber nicht alle. Immer wieder fragen sie
auch nach Wasser. Unser Mineralwasser scheint ihnen besonders gut zu schmecken.
Decken, Schmuck und anderes werden uns sehr aktiv angeboten. Das Hilight
allerdings ist, als Jörgen die Sofortbildkamera herausholt. Es entsteht ein
Trubel - nicht zu vergleichen mit dem was vorher war. Jeder will mit jedem aufs
Foto. Ca. um 20 Uhr packen alle dann ihre Sachen ein und ziehen singend den Berg
hinunter. Es wird sehr still.
Samstag, 28.10.2006 - Auf der Suche nach
Felsgravuren
Wir fahren die restliche Geröllabfahrt
hinunter und folgen zunächst der Piste im Tal bis zu einer Strohhüttensiedlung.
Dann biegen wir rechts ab und fahren direkt auf eine Felswand zu. Eine enge
Serpentinenpiste führt auf ein Plateau hinauf. Wir haben Koordinaten erhalten,
wo Felsgravuren zu finden sein sollen. Plötzlich stehen wir vor einem großen
Dünenfeld. Nach den Koordinaten müssten die Gravuren mitten in den Dünen sein.
Das können wir uns aber beide gar nicht vorstellen. Ich entdecke neben der Piste
einen Felsblock. "Guck mal, der Felsen dort, vielleicht ist dort was. Der Felsen
sieht ganz danach aus." Als wir nachsehen, finden wir tatsächlich Gravuren. Die
sind zwar nicht so spektakulär wie in Algerien oder Libyen, aber schon ganz gut.
Und außerdem haben wir sie selbst entdeckt. Der Ort stimmt aber überhaupt nicht
mit der Beschreibung überein, die wir erhalten haben. Wir suchen noch das Umfeld
ab, finden aber weiter nichts. Vielleicht stimmen ja die Koordinaten nicht und
weitere Gravuren befinden sich eine Minute weiter südlich? Die von uns so
abgeänderten Koordinaten liegen direkt an einer Piste. Auch die Beschreibung des
Fundortes stimmt im Großen und Ganzen. Wir vermissen lediglich die "islamischen
Gräber on Top", die hier sein sollten. Aber soviel wir auch suchen, wir finden
nur Darstellungen von Kamelen, Mann und Frau sowie einem Kind. Irgendwann
brechen wir die Suche ab und fahren zurück ins Tal. Bei El Bayyed haben wir die
Piste nach Atar erreicht. Die beiden Brunnen von El Bayyed sind trocken. Einer
ist bis auf 2 Meter mit Sand bedeckt, der andere ist 10 Meter tief und trocken.
Ein Schild weist darauf hin, dass wir uns an einem historischen Ort befinden.
Durch Weichsand geht es weiter, aber Jörgen schafft es, ohne Luftablassen
härteren Untergrund zu erreichen. Kurz nach einem Brunnen verzweigen sich die
Spuren. Wir nehmen die linke und fahren auf einer Reg-Fläche mit vielen
Querrillen. Große Agame haben hier ihre Bauten. Wir sehen auch mehrere der
interessanten Tiere, aber der Fotoapparat ist inzwischen nicht schneller
geworden. Durch eine evtl. verminte Passage zwischen Dünen und einem schwarzen
Tafelberg geht es weiter in ein weites Tal. Wir sehen in diesem Durchgang keine
Spuren abseits der Piste, auch nicht von Kamelen und anderen Tieren. Deshalb
bleiben wir hier auch sicherheitshalber auf der Piste. In dem weiten Tal sind
vereinzelt weiße Nomadenzelte zu sehen. Gegenüber dem einzeln stehenden
Tafelberg Aderg finden wir am Rand des Tales einen Bergeinschnitt. Keine
Nomadenfrauen, die uns etwas verkaufen wollen, keine Nomaden, die mitfahren
wollen. Es ist einfach nur himmlisch ruhig.
Sonntag, 29.10.2006 - Am Brunnen Hassi Ikika
Die Piste lässt sich weiterhin relativ gut
befahren. Reg mit Querrillen. Nach Querung des Queds Neitiri beginnt die Sebkhet
Chemcham. Auf den trockenen Flächen lässt sie sich gut und schnell befahren. Die
noch feuchteren Abschnitte sind sehr rumpelig. Sie sind besonders durch die
weißen Salzflecken gut erkennbar. In der Mitte des ehemaligen Sees überqueren
wir einen schwarzen natürlichen Damm, der in früherer Zeit wohl zwei Seen
voneinander trennte. Am Ende der Sebkha wird es etwas weicher, aber wir brauchen
keine Luft abzulassen. Hinter dem Ort Jarif erwischen wir eine südliche Piste.
Diese endet an einem Qued mit steileren Abhängen, so dass wir gezwungen sind,
nach Norden auszuweichen, bis wir die richtige Piste wieder gefunden haben. Als
es mittags so richtig schön heiß wird, finden wir eine tolle hohe Akazie, unter
die der MAN drunter passt. Aber bereits nach ein paar Minuten nähert sich ein
Mann, der vorher überhaupt nicht zu sehen war (wo kommen die nur immer her?) und
wir fahren weiter. Im Brunnen Hassi Ikika steht in 2 Metern Tiefe klares Wasser.
Jörgen tankt den Brauchwassertank voll. Zwei Esel kommen vorbei, trauen sich
aber nicht, näher zu kommen. Sie stehen eine Weile in einiger Entfernung und
ziehen dann wieder ab. Während wir nach einer Querverbindung zum alten
Amogjar-Pass suchen, brausen 3 einheimische Fahrzeuge mit Touristen an uns
vorbei. Das sind die ersten Fahrzeuge, die wir sehen, seit wir Chinguetti
verlassen haben. Wir folgen älteren Spuren nach Süden und begegnen einem Nomaden auf
einem Kamel. Er zeigt Jörgen ein großes Loch in seinem linken Backenzahn und
signalisiert ihm, dass er diesen ziehen soll. Offensichtlich hat er sehr starke
Zahnschmerzen. Um ihm ein wenig zu helfen geben wir ihm einen Blister Aspirin.
Nicht weit entfernt landen wir tatsächlich auf der alten Passpiste. Dort rumpeln
wir aufwärts. Teilweise hatten wir das Gefühl, durch ein altes Flussbett zu
fahren. Die Piste wird nicht mehr gepflegt und das merken wir sehr. Es ist auf
der Fahrt zunehmend heißer geworden. Das ist wohl die Nähe zu Atar. Ich glaube,
Atar ist der heißeste Ort in ganz Mauretanien. In der Hoffnung auf einen
kühleren Stellplatz nächtigen wir in einem kleinen Taleinschnitt. Um 2 Uhr
nachts haben wir noch 27°C. Es weht kein Wind, deshalb kommen uns auch die 23°C.
am Morgen ein mächtiges Stück wärmer vor als in den letzten Nächten.
Montag, 30.10.2006 - In der Bilderbuchoase
Terjit
Immer am Berg entlang fahren wir weiter
bergan. Die Aussicht zurück ist grandios. Manchmal haben wir ausgewaschene
Kurven zu überbrücken, die gar nicht so einfach zu nehmen sind. Eine
Kamelkarawane kommt uns auf der engen Bergpiste entgegen. Wir warten erst einmal
ab, bis alle Tiere den MAN passiert haben, bevor wir weiterfahren. Schon von
weitem sehen wir die "Filmkulissen" des Forts Sagane auf einem Hügel liegen.
Natürlich fahren wir hin und schauen uns die Überreste an. Schließlich rumpeln
wir ein paar Serpentinen hinauf und stehen vor einem Schild in Gegenrichtung,
dass die Besichtigung des Forts 300 UM pro Person kostet. Wir fahren weiter. Auf
einem Schild sind Felsmalereien groß ausgeschildert. Diese lassen wir aber links
liegen und fahren über Atar auf der guten Straße Richtung Nouakchott ca. 26
Kilometer bis zu einem Kontrollpunkt. Dort biegen wir links ein und fahren noch
einmal links bis zur Oase Terjit, wo die Piste an einem kleinen Parkplatz endet.
Auf dem Weg dorthin bitten uns 3 Jugendliche, ein Eisenrohr mitzunehmen. Da
Jörgen das aber nirgends befestigen kann, müssen die drei hinten auf den
Reserverädern Platz nehmen und das Rohr festhalten. Die Besichtigungsgebühr für
die Oase beträgt 1000 UM. Sie wird uns gleich von den Jugendlichen abgeknöpft.
Dann spazieren wir durch einen Palmenhain in die Schlucht hinein. Es ist schön
kühl. Die Felsen sind aus Kalksandstein, daher wasserdurchlässig und es tropft
auch auf einer Länge von 100m ständig in extra bereitgestellte Behälter. Auch
Pflanzen halten sich an der Felswand. Es sind Zelte aufgebaut und Toiletten gibt
es auch. Es ist sehr sauber in dieser Oase. Eine Quelle oberhalb der Schlucht
bringt Wasser hinunter. Durch Rohre wird es in eine Art "Schwimmbecken"
geleitet. Hier gibt es immer wieder einige Touristen. Es ist wirklich
ausgesprochen angenehm kühl und wir werden auch nicht "angemacht". Auf dem
Parkplatz begegnen wir 4 Norwegern in einem Geländewagen. Sie wollen ein Jahr
unterwegs sein. Sehr auffällig ist das Rentiergeweih vorne am Fahrzeug. Zurück
in Atar begeben wir uns gleich auf die Straße nach Choum. Aber bereits nach
einigen Kilometern endet die Teerstraße. Kurz danach biegt die gute, aber
staubige Piste direkt nach Westen ab. Bald stehen wir vor einem Abbruch. Die
Serpentinen-Abfahrt ist nicht ohne und für ein niedriges Fahrzeug schlecht zu
meistern. Im Tal geht es auf einer nervigen Wellblechpiste weiter. Ein
Geländefahrzeug mit Schweizern begegnet uns. Das Pärchen ist gerade erst in
Mauretanien eingereist. Die Wellblechpiste wird unerträglich. Daher führen weit
verzweigte Spuren neben der Piste her. Diese sind zum Teil noch schlimmer als
die Originalpiste. Zwischen großen runden Steinen, die vielleicht mal einen
Seeboden zierten, finden wir einen Stellplatz. Es ist wieder sehr warm, aber es
weht ein leichter Wind aus Osten.
Dienstag, 31.10.2006 - Ben Amira und die
Erzzüge
Das Thermometer fällt nicht unter 30°C. Wir
schwitzen mächtig und machen die Ventilatoren an. Kilometer um Kilometer
arbeiten wir uns auf der Rumpelpiste an Coum heran. Von nun an sollen die
Bahngleise uns begleiten. Aber schon zu Beginn driften wir auf einer schönen
Piste nach Süden ab. Wir merken schnell, dass die Richtung nicht stimmt und
fahren cross nach Nord-West, bis wir wieder die Gleise erreichen. Die Piste
lässt sich zunächst gut befahren. Nach ca. 20 Kilometern wird sie dann
weichsandig. Genau bei einem Bautrupp müssen wir Luft ablassen. Überall liegt
Schrott herum, kaputte Waggons und Gleise. Gegenüber von Ben Amira, dem
zweitgrößten Monolithen nach Ayers Rock legen wir in den Dünen eine Pause ein
und warten auf den Zug. Die Eisenbahnlinie, die von einer Mine von Zouérate im
Norden Mauretaniens bis nach Nouadhibou führt, ist die wichtigste
Verkehrsverbindung. Der Zug war lange Zeit der längste und schwerste Zug der
Welt. Über 200 Waggons werden von bis zu 4 Lokomotiven gezogen. Die Ladung
besteht aus bis zu 21.000 Tonnen Eisenerz. Durch die Schwere des Zuges splittern
immer kleine spitze Eisenteile von den Gleisen ab. Es ist daher ratsam, nicht
allzu dicht an den Gleisen entlang zu fahren. In regelmäßigen Abständen sind
Entsandungstrupps stationiert, die die Gleise immer wieder vom Sand befreien.
Wir wollen unbedingt ein Foto der Erzbahn vor Ben Amira machen und warten weiter
auf den Zug. Es ist wieder sehr heiß. Plötzlich kommen 2 Personen auf uns zu. Es
sind Gerd und Anette aus Pfaffenhofen, die mit einem normalen VW-Golf vor 3
Tagen in Mauretanien eingereist sind. Sie haben ein paar Mal geschaufelt, sind
aber ansonsten gut durchgekommen. Den Golf wollen sie im Senegal verkaufen und
dann zurück nach Deutschland fliegen. Ein kleiner Smalltalk, dann schwingen sich
die beiden in ihren Golf und brausen ab durch den Sand. Wir warten immer noch
auf den Zug. Die Temperatur steigt auf 40°C, draußen und im MAN. Ein Jeep kommt
auf uns zu. Der Fahrer ist aus dem nächsten Camp und fragt, ob alles in Ordnung
ist. Klar, wir warten ja nur auf den Zug. Es wird dunkel und wir warten immer
noch auf den Zug. Bei der Hitze schlafen wir zunächst draußen in unseren
Stühlen. Es ist sehr dunkel, als um 23 Uhr das weithin hörbare Stampfen der Loks
zu hören ist. Der zweite Zug fährt um 2 Uhr. Um diese Zeit haben wir noch 32°C.
Zwei weitere Züge fahren gegen 5 Uhr. Es dämmert bereits und ich höre wieder
dieses Stampfen. Träume ich? Da sehe ich Licht. "Ein Zug, ein Zug, Jörgen, ein
Zug!" Jörgen springt aus dem Bett. Leider ist es noch ziemlich dunkel, aber wir
haben endlich eine Aufnahme vom Zug vor Ben Amira. Um 7 Uhr hat sich die Luft
auf 23°C. abgekühlt.
Mittwoch, 1.11.2006 - An den Bahngleisen
entlang nach Nouadhibou
Es wird schnell wieder warm. Wir fahren
weiter parallel zur Bahn. Dabei haben wir sehr lange Weichsandfelder zu
bewältigen. Einige sind dabei gar nicht so einfach zu durchqueren. Trotzdem
schaffen wir es ohne zu Schaufeln. Aber es gibt genug Spuren, die zeigen,
dass hier einige mit dem Sand gekämpft haben. Ansonsten wird die Gegend ziemlich
langweilig. Viel Reg-Wüste mit Querrillen. Abwechslung bieten die
Bauarbeiter-Camps, die Bauarbeiter selbst und kleinere Siedlungen. Die größeren
Ort umfahren wir. Die Temperatur ist in kurzer Zeit mal wieder auf 42°C.
angestiegen. In einigem Abstand, auf der anderen Seite der Gleise, begegnen uns
6 Touristen-Geländewagen und 2 Quads. In einem Dünengebiet mit kleinen
Sicheldünen finden wir einen schönen Stellplatz. In der Ferne sehen wir
Fahrzeuge mit mehr als 120 km/h über die Piste brausen. Jörgen ist davon
überzeugt, dass es sich um einen Test von Rallye-Fahrzeugen handelt. In einiger
Entfernung lässt sich eine Reisegruppe nieder, die mit Geländefahrzeugen,
Dachzelten und Zelten unterwegs sind. Abends dreht der Wind und kommt aus
Nordrichtung. Der beschert uns endlich mal wieder eine einigermaßen kühle Nacht.
Morgens sind es 22°C.
Donnerstag, 2.11.2006 - Abschied von
Mauretanien
Die weitere Strecke ist sehr langweilig. Sie
ist schon mit der Gegend in der Westsahara zu vergleichen. Die Franzosen, die in
der Nähe gecampt hatten, überholen uns. Ein Personenzug kommt uns entgegen. Wir
durchqueren den Ort Bou Lanouar und treffen bei einem Gendarmerieposten auf die
Teerstraße. Bald haben wir die Grenze erreicht. Die Ausreise gestaltet sich
einfach. Beim Zoll müssen wir nur das Papier abgeben, das wir bei der Einreise
bekommen haben. Die Polizei bekommt "la fiche", unsere Personalienliste und die
Gendarmerie will gar nichts. Über die bekannte Hoppelpiste erreichen wir die
marokkanische Grenze. Die Temperatur sinkt, aber die Luftfeuchtigkeit nimmt zu.
Das nahe Meer ist zu merken. Um 14.15 Uhr stehen wir vor einer geschlossenen
Schranke. Es ist Mittagspause. Erst um 15 Uhr wird die Schranke geöffnet.
Ablauf: Zuerst müssen wir zur Gendarmerie. Dann die Einreisekarten bei der
Polizei ausfüllen und anschließend einen Zollbeamten suchen, der sich den MAN
ansieht. In der Zwischenzeit kommen aus der Westsahara ca. 15 Fahrzeuge und 50
Motorräder an. Es handelt sich um einen Tross von Niederländern, die
wahrscheinlich eine Rallye veranstalten wollen. Ein Notarztwagen ist auch dabei.
Dann dürfen wir weiter. Die Temperatur sinkt weiter und wir fahren gemütlich
'gen Norden.
Zwei Tage später hupt hinter uns ein Fahrzeug
und uns überholt ein bekannter Golf aus Pfaffenhofen. Gerd und Anette, die
eigentlich ihr Fahrzeug verkaufen wollten, stehen vor unserem MAN. Es war ihnen
in Mauretanien einfach zu heiß und so haben sie sich entschlossen, wieder zu
drehen. Nun wollen sie sich in Spanien Bodegas ansehen und in Frankreich gut
essen. So kann's kommen. Im weiteren Verlauf haben wir zunehmend Schwierigkeiten
mit dem MAN. Er zieht nicht richtig und Jörgen meint, dass die Dieselqualität in
der Westsahara wohl doch nicht ganz ausreichend ist. Jörgen reinigt den
Spritfilter aber nach einiger Zeit geht es wieder los. In Tanger angekommen
bekommt Jörgen plötzlich Zeichen, dass hinten am Auto irgendetwas nicht stimmt
und schaltet die Rückfahrkamera ein. Hinten auf den Reserverädern befinden sich
Jugendliche. Jörgen verscheucht die Jungen. Wir wollen uns gar nicht ausmalen,
was los ist, wenn denen zum Beispiel beim Bremsen was passiert. Immer wieder
versuchen auch andere bei Ampelstopps sich hinten am Fahrzeug festzuhalten und
auf die Reserveräder zu klettern. Sogar an der Tankstelle. Die Polizei
unternimmt nichts, obwohl sie überall präsent ist. Was Jörgen für "Surfen" hält,
stellt sich in der Abfertigungshalle am Hafen als versuchter Einbruch dar. Die
hintere Dachluke ist von außen geöffnet und das Rollo aus der Verankerung gelöst
worden.
Trotz dieser unangenehmen Erfahrung zum
Schluss war es eine wunderbare Expedition. Die anschließende Fährfahrt nach Sete
und auch weiter nach Hause verläuft ohne Probleme.
© by Rita Terjung und Jörgen Hohenstein
2007
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