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im September 2009
Die Vorbereitung für die Einreise nach Tunesien beginnt bereits kurz nach dem
Auslaufen der Cartage aus dem Hafen von Genua. Alles spielt sich auf Deck 6 in
einem heißen, stickigen Raum zwischen den Kabinen ab. An den Wänden hängen
Info-Schilder, welcher Beamte vor uns sitzt. Zunächst stehen wir bei der Polizei
an, dann rechts beim Zoll und zuletzt links vom Zoll wo es einen
Computerausdruck gibt. Damit sind alle Formalitäten erledigt. Eingeschifft wird
in Genua durch das Heck, die Ausschiffung in La Goulette erfolgt über den Bug.
So sind wir mit unserem MAN immer als letzte an der Reihe. Am Rass Sidi Ali El
Mekki finden wir in der Nähe des Hafens am Strand einen schönen Stellplatz. Nach
einem entspannenden Bad im Mittelmeer planen wir einen Abstecher zum
nördlichsten Punkt Afrikas. Durch die wuselige City von Bizerte fahren wir in
Meeresnähe nach Norden und sind auch bald am Cap Blanc angelangt. Es handelt
sich um einen hellen Doppelhügel, der in das Meer hineinreicht. Wir können noch
ein kleines Stück in Richtung des Caps fahren, dann ist die Piste gesperrt.
Wolken ziehen auf und auf der Rückfahrt durch Bizerte regnet es.
Nationalpark Ichkeul und die römische Ruinenstadt Dougga
Unser nächstes Ziel ist der Nationalpark Ichkeul. Wir werden registriert und
sollen 2 Dinar Eintritt bezahlen. Wir haben aber nur 1 Dinar oder 5 Dinar.
Mangels Wechselgeld bleibt es schließlich bei einem Dinar. Der gut 12.600 Hektar
große Nationalpark umfasst den Lac d’Ichkeul samt Zuflusssystem sowie das Massiv
des 511 Meter hohen Djebel Ichkeul. Er ist eines der wichtigsten Feuchtgebiete
Nordafrikas. Der See besteht sowohl aus Süß- als auch aus Salzwasser. In den
extrem trockenen Sommermonaten steigt der Salzwassergehalt, bei starken
Regenfällen nimmt der Süßwasseranteil zu. In der fruchtbaren Sumpfoase wachsen
u.a. verschiedene Binsenarten, Sumpf- und Schwertlilien, Schilfrohr und auch
Seerosen. Tunesiens größte Säugetiere, Wasserbüffel mit einem Gewicht von bis zu
1200 Kilogramm, sowie annähernd 200 Vogelarten, vorwiegend Wasservögel wie Enten
und Blesshühner, haben im Schutzgebiet ihr Refugium. Im Winter ist es das
Quartier Hunderttausender von Zugvögeln aus Europa.
Mit Regenschirm, Fernglas und Rucksack „bewaffnet“ machen wir uns auf den
Weg rund um den Museumshügel, immer in der Hoffnung, irgendwelche besonderen
Tiere zu sehen. Aber wir sehen nichts außer den See. Erst auf der Rückfahrt
entdecken wir schwarze Wasserbüffel im flachen Sumpfwasser. Auch ein paar
Flamingos halten sich dort auf. Unseren Versuch, die Trajansbrücke zu erreichen,
brechen wir nach der Auskunft eines Mopedfahrers und nach eigenem Erkunden der
Piste wegen Modders ab. Da die Brücke bei hohem Wasserstand sowieso im Stausee
Sidi Salem verschwunden sein soll, fällt uns diese Entscheidung nicht sehr
schwer. Die Ruinenstadt Dougga ist unser nächstes Ziel. Die römischen Ruinen von
Dougga gelten als die spektakulärsten und am besten erhaltenen ihrer Art in ganz
Tunesien. Nach dem Eintritt 4 Dinar pro Person und 1 Dinar für die
Fotografiererlaubnis erreichen wir den Parkplatz direkt am beeindruckenden
Theater, das 3500 Personen Platz bieten
soll. Ein reicher Bürger der Stadt ließ es 188 n. Chr. in den Fels hauen. Das
antike Thugga wurde 1997 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Die
Ausgrabungen sind sehr gut erhalten. Sogar mehrstöckige Gebäude kann man
besichtigen. Etwas ganz besonderes ist die tolle Lage auf einem Hügel mit einer
überwältigenden Aussicht. Bei unserem ersten Rundgang im nördlichen Teil fängt
es an zu regnen und wir flüchten in den MAN. Ein mächtiger Schauer mit Sturm und
Gewitter fegt über uns hinweg, ist aber auch bald vorbei. Während unseres
südlichen Rundgangs bis hin zum 21 Meter hohen Mausoleum ist es ausgesprochen
schwül-warm. Abends stehen wir nicht weit von einem Ort entfernt. Ein
Böllerschuss zeigt den Sonnenuntergang an und in der Ferne sind Trommeln zu
hören. Die nächtliche Ramadan Feierei hat begonnen.
Rommelpiste und Mides
Eine defekte überirdischeWasserleitung beschert uns wieder volle
Brauchwassertanks. In Redeyef suchen wir die legendäre sogenannte Rommelpiste.
Rommel soll damals diesen Weg über die Berge für Versorgungsfahrzeuge gebaut
haben. Über einen Müllplatz und eine ehemals asphaltierte Straße erreichen wir
den nördlichen Einstieg in die Rommelpiste. Ein rotes Schild verbietet die
Strecke touristischen Konvois. Der Blick von hier in die Ebene ist phantastisch.
Nach einem kurzen Stück Schotterpiste beginnt eine Betonpiste, die sich den Berg
hinunterschlängelt. Wir haben dabei immer einen supertollen Blick hinunter in
Richtung Chott El Gharsa. In einer Senke folgen wir einer kurzen Piste und
finden einen genialen Stellplatz neben einem Qued. Leider haben wir dort keinen
Schatten. Ein Mann auf einem Moped kommt und verschwindet lange Zeit. Als er
fährt, entdeckt Jörgen dort, wo der Mann herkam, eine Quelle. Dann greifen die
Mücken an und wir flüchten zurück zum MAN. Nachts surren die Mücken um uns
herum. Aber wir sind sowieso schon seit 2 Tagen ziemlich zerstochen. Morgens
erlegen wir im MAN 14 Mücken. Nicht weit von unserem Stellplatz entfernt
erreichen wir die Stelle, an der die Straße unterspült ist. Die eine Seite der
Betonplatten ist schon ganz weggebrochen. Das sieht richtig gefährlich aus. Eine
Umfahrung ist auch nicht möglich, denn es folgt ein Qued mit Brücke. Ich steige
aus. Unter dem Vorwand, dass einer ja fotografieren muss, drücke ich mich
erfolgreich vor der Mitfahrt. Aber Gott sei dank geht alles gut. Etwa 200 m
weiter ist ein Teil der Piste abgebrochen. Meiner Meinung nach schafft der MAN
das nicht. Jörgen sieht das nicht so, packt aber trotzdem nach meinem Rat Steine
in den abgebrochenen Teil der Piste. Und wer hat Recht???.... Das linke
Hinterrad rutscht etwas ab und gerät tatsächlich auf die Steine. Das hätte gut
daneben gehen können. Unten angekommen folgen wir einer Piste an einer Moschee
vorbei nach Westen und stoßen auf einen Brunnen an der Asphaltstraße nach Chbika.
Wir sind erstaunt, als wir knapp einen Kilometer weiter einen Straßenabzweig
nach Redeyef entdecken, der auf keiner Karte eingezeichnet ist – sogar mit
Schild! Da wir noch die Bergoasen besuchen wollen, fahren wir hier wieder den
Abbruch hinauf und stoßen kurz vor Redeyef auf eine große querende Piste, von
der, wenn man ihr nach rechts folgt, auch die Zufahrt zur Rommelpiste abgeht.
Wir fahren weiter zum alten Mides. An dem kleinen Parkplatz bieten sich gleich
Führer an, aber hier kann man eigentlich nichts verfehlen. Wir bewundern die bis
zu 60 m tiefe Schlucht, in der Jörgen auch ein Stück entlang läuft, schauen uns
die zerfallenen Häuser der Altstadt an und schwitzen in der Mittagshitze. Einer
der Führer vom Parkplatz will uns die 20 Kilometer entfernte „Rommelpiste“
zeigen, von der man ein tolles Panorama hat – aber da waren wir ja schon. Auf
dem Weg nach Tozeur halten wir noch am Grande Cascade. Ein 15 m hoher
Wasserfall, der um diese Jahreszeit tatsächlich Wasser herunterschüttet. Es gibt
einige Verkaufsbuden dort, aber man lässt uns in Ruhe. Jugendliche springen von
dem Wasserfall in das Wasserbecken.
Star
Wars Kulissen
Kurz hinter Tozeur suchen wir den Einstieg zu den Star Wars Kulissen. Wir stoßen
auf eine große Wellblechpiste. Über sehr unangenehmes starkes Wellblech ruckeln
wir ´gen Westen. An einem Salzsee bietet sich ein Abstecher zum Kamelfelsen an.
Es ist schon sehr spät und wir wollen hier übernachten. Das Massaker am
Kamelfelsen beginnt. Hunderte von Fliegen sind irgendwie in den MAN eingedrungen
und wollen scheinbar getötet werden, denn keine geht freiwillig durch das
Fenster wieder raus. Mit Fliegenklatsche bewaffnet beginnt das Gemetzel. Es
dauert schon einige Zeit, bis wir den Großteil erwischt haben. Am nächsten
Morgen hängen dunkle Wolken über uns. Deswegen und natürlich auch der Fliegen
wegen fahren wir bereits um 7 Uhr aus dem Salzsee heraus. Auf der Wellblechpiste
fahren Touri-Geländewagen an uns vorbei. Weitere Geländewagenkolonnen befinden
sich bei den „versteinerten Dünen“. Aufgereiht stehen die Fahrzeuge auf einer
Düne. Vor den Kulissen von Krieg der Sterne Episode I ist ein Parkplatz
ausgewiesen da es nicht erlaubt ist, in die Filmkulissen oder auf die
angrenzenden Dünen zu fahren. Zwischen Sand und
brennender Sonne beginnt hier in „Die dunkel Bedrohung“ der Krieg. Doch zuerst
strandet in Tatooine das Raumschiff mit der Königin Amidala, Obi Wan Kenobi und
Qui-Gonn an Board auf dem Wüstenplaneten. Hier begegnen sie auch dem jungen
Anakin Skywalker, dem späteren Lord Vader.
Das Parken kostet 1 Dinar. In den Kulissen selbst werden wir zunächst
ständig von Händlern angesprochen, die auch ihre Stände dort aufgebaut haben.
Als alle Touri-Geländewagen verschwunden sind, beginnen wir in Ruhe mit der
Besichtigung. Die Gebäude sind recht einfach aus Holz und Gips gefertigt. Die
futuristischen Gebilde sind aus Plastik und/oder Gips gefertigt. Kurz vor
unserem Aufbruch kommt ein Fahrzeug der Garde Nationale an und fährt tatsächlich
hinein. Diesmal nehmen wir die Piste nach Nefta. Die hat nicht ganz soviel
Wellblech wie die von Tozeur aus.
Chott el
Djerid und die Marabuts von Dghoumes
Die Sonne kommt heute nicht richtig durch. Wir planen auf einer Piste durch den
Chott el Djerid zu fahren, die am Ende auf die Westumfahrung des Chotts trifft.
Den Einstieg finden wir ziemlich schnell und fahren durch eine enge Gasse im
Palmenhain nach Süden. An einer Moschee mit Kuppel, die am Rand des Chotts
steht, beginnt die Piste. Aber schon kurz danach treffen wir auf tiefe
Spurrillen von eingebrochenen Fahrzeugen, die eigentliche Piste ist kaum mehr zu
erkennen. Sicherheitshalber drehen wir hier um, da wir alleine unterwegs sind
und das Risiko nicht auf uns nehmen können, hier im Salzsee zu stranden. Na,
dann fahren wir auf der Westumgehung nach Süden, die kurz vor der algerischen
Grenze in Hazoua beginnt. Aber schon wenige Kilometer außerhalb Neftas werden
wir von der Garde Nationale gestoppt und zurückgeschickt. Die Straße soll kaputt
oder zu gefährlich sein, da sie direkt an der algerischen Grenze verläuft. Na,
dann eben Plan C. Im Reiseführer wird ein Abstecher zu den Marabuts bei Dghoumes
empfohlen. Aber die Strecke ist nicht ganz richtig beschrieben. Wenn man von
Tozeur aus auf eine von Nordwest nach Südost verlaufende Straße trifft, die über
den Chott-Damm führt, muss man zunächst ein Stück links in den Ort hinein fahren
und dann rechts nach Dghoumes abbiegen. Nach ca. 2 Kilometern geht dann links
eine Straße ab, die an einem großen Parkplatz vor den Marabuts endet. Dort
befindet sich auf eine sehr heiße Quelle. Jörgen probiert es aus. „Es dampft ja
gar nicht, deshalb kann es auch nicht so heiß sein“. Er wird eines besseren
belehrt. Unser Thermometer hat bei 70° C. aufgegeben. Ich gehe derweil zu dem
oberen Marabut hinauf. In der Schlucht zwischen den beiden Marabuts sind auch
Szenen des Krieg der Sterne Episode IV gedreht worden. Und zwar die Szene, in
der Luke Skywalker zum ersten mal auf Obi Wan Kenobi trifft. Es ist zwar noch
sehr früh, aber es ist so schön hier, dass wir beschließen, hier zu bleiben. Auf
einem der Hügel finden wir ein luftiges Plätzchen und es ist sehr ruhig.
Wenn wir schon die Westumgehung des Chotts nicht fahren dürfen, dann wenigstens
die Nord-Umgehung auf einer Piste. Die Piste beginnt am Ortsausgang von Dghoumes.
Bis zum Ende des eingezäunten Nationalparks ist die Piste gut (ca. 30
Kilometer), wenn auch manchmal etwas modderig. Dann beginnt ein Abschnitt von
ungefähr 20 Kilometern, der orientierungsmäßig und fahrtechnisch nicht ganz
einfach ist. Teilweise geht es auch in Wasserabläufen entlang, die sich tief
eingegraben haben. Viele Spuren führen auch zu Schaf- und Ziegenhütern. Die
letzten 30 Kilometer sind dagegen wieder gut zu erkennen und zu befahren. Nach
gut 3 Stunden treffen wir auf die Straße nach Kebili, die über den Chott El
Fejaj führt. Von Kebili aus fahren wir nach Douz, nicht ohne in Jemna noch
heißes Wasser nachzutanken. Wir unternehmen einen Abstecher nach Sabriya. Alle
Leute sind an diesem Tag besonders gut gekleidet. Es kann der 1. Tag nach
Ramadan sein. Und hier gibt es besonders viele Kinder. Sonst gibt es nicht viel
zu sehen.
Tembain
und Ksar Ghilane
Zurück in Douz hofft Jörgen, in der Touristen-Info eine genauere Karte zu
bekommen, als die, die wir haben. Aber es gibt nichts, was wir gebrauchen
können. Wir haben keine genaue Beschreibung, wo die Piste nach Ksar Ghilane
beginnt. Nach einigem Herumirren verlassen wir Douz in südwestlicher Richtung
und durchfahren auf der Asphaltstraße einige kleine Orte. Dann folgt links ein
großer Pisteneinstieg, der sogar mit „Nationalpark Djebil“ ausgeschildert ist.
Auch eine große Karawanenstation ist dort. Warum schreibt das keiner? Wir folgen
der Piste und halten uns bei einer Verzweigung nicht weit nach dem Einstieg
links. Dort treffen wir wieder auf ein Schild, das zum Nationalpark weist. Dann
ist die Piste bis zum Nationalpark eindeutig, allerdings auch öfter sehr sandig.
Beim Nationalpark und kurz vor der Abzweigung nach Ksar Ghilane beginnt eine
Asphaltstraße, die zum Haupteingang des Parks führt. Wir wollen noch zum Tembain,
aber durch den Park dürfen wir nicht fahren. Also weiter, immer am Zaun entlang.
An der Südspitze kann man schon erkennen, wo die Piste in das Dünengebiet führt.
Es geht über flache Dünen und Dünentäler. Wir genießen endlich wieder einen
Sonnenuntergang in der Wüste. Nachts kühlt es sogar auf 20°C ab.
Gestern hatten wir noch schöne frische Spuren, denen wir folgen konnten. Da
Nachts aber ein starker Wind wehte, sind diese nun völlig verschwunden. Wir
fahren auf die nächste Koordinate zu und stehen bald vor einem Dünengürtel.
Jörgen reduziert den Luftdruck auf 2,5 bar. Derweil suche ich schon mal den
besten Einstieg. Dann gehe ich meistens die 2,2 km Luftlinie zu Fuß, um die
beste Strecke zu finden. Der Wind ist sehr unangenehm. Er bläst mir den Sand
ständig ins Gesicht. Kurz bevor wir den Dünengürtel verlassen, überholt uns ein
6x6-Fahrzeug mit Einheimischen. Wir nehmen an, dass sie Vorräte zu einem Camp
bringen oder eine Rallye vorbereiten. Das Wetter wird immer eigenartiger. Wir
befürchten einen Sandsturm. Am Tafelberg Tembain angekommen, ist der Wind
richtig stark und wir hören Donner. Der einzige einigermaßen sandfreie Platz ist
direkt am Fuße des Tembain. Zwei französische Motorradfahrer, mit Yamaha und
Suzuki, kommen vorbei. Eine kleine Pause, ein kleiner Plausch, dann fängt es an
zu regnen. Nachts regnet es weiter.
Wir
bleiben zwei Tage am Tembain. Den erklettern und besteigen wir mehrmals. Von dem
Hochplateau genießen wir die Ruhe und den Ausblick auf die umgebenen Dünen. Auch
kleine Spritztouren rund um den Tembain unternehmen wir. Es kommen nur sehr
wenig Leute vorbei. Ein paar Mal sehen wir den orangefarbenen 6x6. Am zweiten
Tag haben wir einen Sandsturm. Raus gehen ist gar nicht, wenn man nicht
gesandstrahlt werden will. Erst gegen Abend legt sich der Sturm. Am nächsten
Morgen fahren wir wieder zurück. Die Dünen im Dünenriegel sind von dieser Seite
her sehr weichsandig. Jörgen reduziert den Luftdruck auf 2,3 bar. Ich suche
wieder die besten Passagen. An einer weichsandigen Düne fährt Jörgen anders als
ich es ihm vorgeschlagen habe. Prompt sitzt der MAN auf dem Dünenkamm im Sand
fest. Jörgen hatte nicht genug Schwung. Wir holen die Sandboards raus und
schaufeln, schaufeln, schaufeln. Der Sand lässt sich gut schaufeln, er ist
extrem weich. Und von der Temperatur her ist es auch noch erträglich. Hinten
Sandboards und vorne Sandboards unter die Reifen. Ein Fahrzeug mit Einheimischen
kommt vorbei. Die Leute schauen zu und geben schlaue Ratschläge; am besten ist,
rückwärts raus. Aber Jörgen möchte lieber vorwärts, um die Düne nicht noch mal
angehen zu müssen. Gleich beim ersten Versuch klappt es. Der MAN ist frei. Bis
zum Dünental in der Mitte des Riegels suche ich noch den besten Weg. Beim
zweiten Dünengürtel brauche ich gar nicht auszusteigen. Jörgen fährt wunderbar
über die Dünen. Am Zaun des Nationalparks angekommen entdeckt Jörgen weiße
Gazellen. Die Tiere kommen immer näher, bis sie von einem Parkwächter auf einem
Quad verscheucht werden. Die Piste nach Ksar Ghilane ist teilweise auch
versandet. Kleine Dünen müssen überwunden werden. Es geht aber noch ohne den
Luftdruck zu reduzieren. Die Landschaft ist ziemlich platt. Wir kommen an zwei
Cafés vorbei. Das erste hat geschlossen, Cafè Grand Erg ist jedoch geöffnet. Ich
denke, der Betreiber wartet auf Touris, da er auch einen Grill vor der Hütte
stehen hat. Kurze Zeit später beginnen die Dünen. Es ist ein kleines Dünenfeld,
aber das Durchfahren mit dem MAN ist nicht „ohne“. Meistens suchen wir zu zweit
die beste Passage. Leider ist es schon wieder Mittag und der Sand ist sehr
pulverig weich. Trotzdem kommen wir mit der Reifendruckreduzierung auf 2,3 bar
gut durch. Die weitere Strecke bis zum Ksar ist kein Problem. Immer nur der
Piste folgen und bei einer Gabelung links. Das Ksar liegt gut sichtbar in
Sandverwehungen auf einem Hügel. Anschließend fahren wir hinab zum Ort Ksar
Ghilane. Im Dorf folgen wir den Schildern zum Camp Ghilane und landen am
Quellbecken. Wir baden herrlich im ca. 27°C warmen Thermalwasser. Mit uns baden
noch zwei Schweizer und wir unterhalten uns ein wenig. Nach ca. einer Stunde
beenden wir das Bad. Es ist sehr ruhig in Ksar Ghilane. Aber die Schweizer
erzählen, dass Samstags immer An- und Abfahrtwechsel der Touristen ist. Es ist
Samstag und es sind zurzeit nur wenige Touristen anwesend. In einem Restaurant
kauft Jörgen noch drei dicke, heiße Fladenbrote zum stolzen Preis von je 1 Euro,
dann geht’s raus aus Ksar Ghilane.
Guermassa und die Ksour rund um Tataouine
Auf
der Pipelinepiste, die inzwischen asphaltiert ist, soll nach 2,2 Kilometern nach
der Einmündung von Ksar Ghilane eine Piste nach Tataouine abgehen. Wir suchen
und suchen. Die Kilometerangabe stimmt nicht. Es sind sicherlich 3,5 Kilometer,
bis wir die Abfahrt auf die Piste entdecken. Wir übernachten neben der Piste. Am
nächsten Morgen kommt ein Touri-Geländewagen auf uns zu. Eine Frau steigt aus.
Sie ist mit ihrem Sohn unterwegs und träumt schon seit zwanzig Jahren von der
Wüste. Endlich wollte sie diese mal sehen. Sie ist sichtlich begeistert und
erzählt, dass sie unser Fahrzeug hier in Tunesien auch schon vorher mal gesehen
hat. Unser nächstes Ziel ist Guermassa. Nach ca. 48 Kilometern etwas holperige,
aber gut zu befahrende Piste erreichen wir eine asphaltierte Straße, von der
eine Piste nach „Guermassa antike“ abzweigt. Es ist wieder mal ganz schön heiß,
als wir das alte Berberdorf mit den Höhlenwohnungen besichtigen. Wir sind ganz
alleine. Auch eine kleine Moschee mit Inschriften und Verzierungen entdecken wir
hoch oben auf dem Berg. Auf dem Berg kommen uns zwei Bauern mit einem Esel
entgegen. Und jetzt passiert ein Novum für Afrika. Der ältere Mann schenkt
uns Bonbons. Jedenfalls findet er alles lustig und lacht viel. Nach einer
Pause auf einem Tafelberg fahren wir nach Tataouine und werden auch endlich
unseren ganzen Müll los, den wir schon seit Tagen spazieren fahren. Wir schauen
uns die Ksour El Anoidit, El Kadim, Ouled Soltane und Zahra an. Ein Ksar (
Plural: Ksour) ist ein rechteckiger Bau, der sich aus mehreren übereinander
angeordneten Nischen, den Ghorfas, zusammensetzt - häufig über drei oder vier
Etagen. Die Bewohner dieser Gegend versteckten hier in unsicheren Zeiten ihre
Ernte; der Ksar dient aber auch als Zufluchtsort, um sich vor Hitze, Kälte und
Sandstürmen zu schützen und eventuelle Angriffe besser abwehren zu können.
Gebaut wurde an strategischen Punkten mit schwierigem Zugang. Die Ksour waren
dadurch für Eindringlinge nur schwer zugänglich und gleichzeitig ein idealer Ort
zur Aufbewahrung von Vorräten unter klimatisch günstigen Bedingungen.
Auf kleiner Straße fahren wir nach Beni Kheddache. Auf halber Strecke zwischen
Beni Kheddache und Ksar El Hallouf stehen links oben auf einem Berg ein
Baby-Dino (ca. 1,80 m hoch aber ohne Schwanz) und ein ausgewachsener
Pflanzenfresser (ca. 4 m hoch und 12 m lang) aus GFK. Die Strecke durch die
Berge ist wunderschön. Zum Ksar El Hallouf führt eine sehr steile Auffahrt. Oben
angekommen, erreichen wir den Innenhof des Komplexes. Der Chef kommt auf uns
zugeeilt und zeigt uns die Moschee und eine Ghorfa neben der Moschee mit einer
Olivenöl-Mühle, die von einem Esel angetrieben wurde sowie zwei Ölpressen.
Zusammen mit zwei leicht bekleideten Französinnen und ihrem Führer trinken wir
lecker Tee.
Mareth-Linie und Abschied von Tunesien
Unsere erhoffte nächste Pistenfahrt entpuppt sich als Asphaltstraße. Trotzdem
ist die Fahrt durch das Dahar-Bergland wunderschön. Besonders die Durchfahrt
durch das am Hang liegende Toujane und die Weiterfahrt auf einer sehr schmalen
Straße am Berghang entlang nach Ain Tounine. Kurz vor Mareth folgt Jörgen einer
Piste in die flachen Hügel. Das sind übrigens die letzten Hügel vor der Ebene am
Mittelmeer. Wir stoßen auf einen im Fels befestigten Mannschaftsbunker aus dem
zweiten Weltkrieg mit Küche, Gemeinschaftsraum, Sanitär, Dusche und Toilette und
Quellen. Räumlichkeiten für 2x6 Betten und 2x2 Betten. Auch Schützengräben
befinden sich vor dem Gebäude. Zudem ist das hier ein wunderbarer Stellplatz.
Wir besuchen das Militär-Museum der Mareth-Linie und bezahlen pro Person 1 Dinar
Eintritt und 2 Dinar für die Fotoerlaubnis. Ein Offizier erklärt uns in
gebrochenem Deutsch die Kämpfe in Nordafrika. Die Marethlinie spielte während
der Kampfhandlungen im tunesischen Feldzug von November 1942 bis Mai 1943 eine
bedeutende Rolle. Ursprünglich von den Franzosen gebaut, wurde die Linie von den
Deutschen 1942 wiederbewaffnet und verstärkt, damit die Streitkräfte unter dem
Befehl Rommels den Vorstoß der 8. britischen Armee dort aufhalten konnten.
Siebentausend Soldaten und Zivilisten wurden für diese Operation mobilisiert;
sie hoben 25 km Panzerabwehrgräben aus, verstärkten Flusstäler und Berghänge im
Wadi Zigzaou und legten 100 km Stacheldraht, 100.000 Panzerabwehrminen und
70.000 Tretminen aus. Die Schlacht von Mareth begann am 16.03.1943, als die 8.
britische Armee die Verteidigungslinie von Mareth über zwei Achsen angriff,
einmal zwischen Mareth und der Küste und einmal über eine Umgehungsoperation
durch die Hochebene von Dahar. Am 28.03.1943 fanden die Kämpfe dank der
erfolgreichen Umgehungsoperation der britischen Truppen ein Ende. Die
Verteidigungsanlagen an der Marethlinie mussten aufgegeben werden.
Anhand einer Nachbildung des Hauptquartiers von Rommel erkennen wir, wo wir
gestern übernachtet haben. Die Beschreibung dorthin weicht jedoch von unserer
Route ab, deshalb will Jörgen dahin. Kann ja was anderes sein. Aber wir landen
wieder vor unserem Stellplatz. Welch ein Zufall. Wir wollen „unseren“
Strand-Stellplatz besuchen, den wir auf unseren Libyen-Fahrten immer zum
Abschluss genutzt haben. Die Strandbreite ist sehr viel kürzer und sehr viel
vermüllter, als wir ihn in Erinnerung haben. Morgens kommt ein Mann von der
Küstenwache auf einem Quad vorbei und will unsere Pässe sehen. Zunächst will er
uns woanders hinschicken, telefoniert kurz und wir können bleiben. Kurz darauf
erscheint die Garde Nationale in einem klapprigen Pajero. Sie winken uns sogar
aus dem Wasser und verlangen ebenfalls unsere Pässe. Wiederum dürfen wir
bleiben. Das haben wir vor acht und mehr Jahren nicht erlebt. Da haben wir
einmal sogar 5 Nächte hier gestanden, ohne dass irgendwer Offizielles
aufgetaucht ist. Am nächsten Tag wollen wir in die Nähe von Tunis, da morgen
unsere Fähre ablegt. Es regnet. Südwestlich von Tunis sehen wir uns die
beeindruckenden Reste eines römischen Aquadukts an. Die Wasserleitung war
ursprünglich 90 km lang und hatte über die gesamte Länge ein gleichmäßiges
Gefälle. Ist schon beeindruckend, wie das so genau gebaut werden konnte. Es
gewittert. Wir suchen wieder unseren Stellplatz am Strand auf, den wir in der
ersten Nacht in Tunesien genutzt hatten. Das Gewitter wird immer schlimmer. Als
die Blitze und der Donner ganz schlimm werden, so um 4 Uhr, fahren wir
sicherheitshalber vom Strand weg in den Hafen, wo wir nicht mehr der höchste
Punkt sind. Aber mit dem Umsetzen des MAN hört auch das Gewitter auf. In der
Nähe des Hafens von La Goulette gibt es keine Tankstelle, bei der man mit Karte
zahlen kann. Wir kurven deshalb wieder in der Gegend herum und fahren
schließlich nach Carthage, wo es an einer Kreuzung eine Tankstelle gibt, die wir
schon von der Hinfahrt her kennen und die Kartenzahlung akzeptiert. Die Fahrerei
bei dem hohen Verkehrsaufkommen ist schon nervig.
Zurück im Hafen sollen wir mal auf die Fähre, dann wieder doch nicht (als sie
feststellen, dass der MAN für den vorderen Bereich doch hoch ist). Also fährt
Jörgen wieder mal als letzter auf die Carthage. Obwohl die Fähre nicht
ausgelastet ist, legt sie statt um 15 Uhr erst um 16 Uhr in Richtung Genua ab.
© by Rita Terjung und Jörgen Hohenstein
2010
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