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Jordanien 2004

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 Jordanien 2004

  Flagge Fahne Jordanien
 

vom 13.10.2004 bis 29.11.2004

 

Anreise über die Türkei

Syrien 1. Teil

Jordanien

Syrien 2. Teil

Abfahrt über die Türkei

 

Donnerstag, 14.10.

 

Wir fahren in Lindau von der A96 nach Bregenz. Diese Strecke ist für Lkw's im grenzüberschreitenden Verkehr verboten. Hier haben wir günstiger getankt als in Deutschland oder in Italien. Am Grenzübergang "Au" musste die Schwerlastabgabe für die Schweiz in Höhe von 32,50 SFR (22,51 €) entrichtet werden. Es werden nur Euro-Scheine angenommen. In der Schweiz werden überall die Straßen erneuert. Auch am San Bernadino-Tunnel wird gearbeitet und deshalb Wartezeiten angekündigt. Es fängt an zu regnen. Wir fahren die Passstraße in steilen Serpentinen hinauf. Hinter einer Kehre finden wir einen schönen Stellplatz mit Blick in das Tal und die wartenden Fahrzeuge vor dem Tunnel. Es wird dämmerig und wieder fängt es an zu regnen - nein! Es schneit! Zuerst ist das noch ganz witzig, aber es hört gar nicht auf zu schneien. Wir schauen noch mal nach draußen - alles ist schon weiß. Nachts hängen wir beide unseren Gedanken nach: Kommen wir eigentlich weiter? Wie sieht es auf der anderen Seite aus? Geht es da auch so steil bergab? Wie reagiert der MAN im Schnee? Wir haben kaum diesbezügliche Erfahrungen. Es bleibt ein ungutes Gefühl - und Samstag geht unsere Fähre.

 

Freitag, 15.10.

 

Es ist immer noch alles weiß. Ca. 10 Zentimeter Schnee. Es fängt wieder an zu schneien und es zieht Nebel auf. Wir machen uns auf die Socken und den restlichen Berg hinauf. Jörgen fährt vorsichtig, denn die Strecke ist nur durch Markierungsstangen zu erkennen. An einer Serpentine kommt der MAN ins Rutschen - es ist Eis unter dem Schnee. Da komme ich wieder ins Grübeln. Schaffen wir es wieder hinunter? - dabei sind wir noch nicht einmal ganz oben. Das Restaurant auf dem Pass ist geschlossen. Alles ist weiß und durch den Nebel haben wir nur 5 m Sicht. Wir tasten uns voran; an einem See vorbei - wieder bergab. Jörgen fährt im Schritttempo die Serpentinen hinab. Gottseidank ist es hier nicht ganz so steil wie auf der Nordseite. Aber spannend ist es doch. Wir kommen an einem Haus vorbei, zu dem bereits jemand gefahren war (allerdings mit Schneeketten). Von hier an haben wir wenigstens eine Spur, der wir folgen können. Unten angekommen, ist die Schranke unten - der Pass ist gesperrt. Aber wir können links an der Schranke vorbei fahren. So erreichen wir am Ende des Tunnels wieder die normale Strecke. Im Laufe der Fahrt taut der Schnee auf dem MAN auf. Leider ist die hintere Dachluke auf Zwangsbelüftung eingestellt und nicht ganz zu. Das kommt dem Schmelzwasser ganz recht und es schwappt lustig herein. So ein Mist. Bei eher regnerischem Wetter erreichen wir den Grenzübergang Chiasso. In Como bunkern wir noch Aqua minerale frizzante und Tomaten. Weiter geht’s Richtung Bologna. Die Autobahn ist bis hinter Mailand sehr voll. Danach wird die Strecke langweilig. Um Bologna herum ist die Fahrerei plötzlich wieder sehr abenteuerlich. Die Italiener fahren, wie sie wollen und dabei oft sehr halsbrecherisch. Wir nehmen die Abfahrt San Giovanni und suchen einen Stellplatz für die Nacht. Es ist regnerisch und wie uns aus Italien bereits bekannt, alles zersiedelt. An einer befestigten Piste finden wir endlich am Feldrand (Lehm mit Gras) einen Stellplatz, der an einer Stelle sogar eben ist. Mit weitem Blick über die Hügel mit ihren Gehöften, die Felsen von San Marino und das Mittelmeer genießen wir die Abenddämmerung und eine ruhige Nacht.

 

Samstag, 16.10.

 

Autotüren klappen, Stimmen und kurzes Hundegebell. So fängt der Samstagmorgen an. Es sind Jäger, die auf irgendwelche kleinen Tiere schießen (Vögel?). Es ist sonnig, aber sehr windig. Urplötzlich fängt es an zu stürmen und zu regnen. Nach einer halben Stunde ist ebenso plötzlich alles wieder vorbei. Bei Coop in der Nähe von Pescara kaufen wir noch einige fehlende Sachen ein, u.a. Grillkohle für unseren kleinen Grill. Von der Hauptstraße nach Ancona gehen immer wieder Unterführungen unterschiedlichster Maximalhöhe unter der Bahn hindurch Richtung Strand. Wir nehmen eine davon und landen auf einer Parallelstraße auf der anderen Seite der Bahn. Von dieser Straße gehen immer wieder Wege zu Strandpromenaden ab. Wir finden einen schönen Pausenplatz mit Blick auf das Meer. Bei der Vorbereitung des Mittagessens stelle ich fest, dass wir keinen Dosenöffner an Bord haben. Das ist umso ärgerlicher, weil nämlich 2-3 Öffner zu Hause in der Schublade herumliegen. Jörgen hält an dem riesigen Supermarkt Ipercoop. Ich fühle mich in diesem Komplex ein wenig verloren. Es gibt kleine Läden und den Markt, der ähnlich wie Metro ist. So ist es irgendwie Zufall, dass ich relativ schnell die Haushaltswaren finde und damit auch einen Dosenöffner. Fünf Stunden vor Abfahrt der Fähre kommen wir im Hafen von Ancona an. Drei Stunden vorher ist vorgeschrieben. Dann beginnt das Warten. Nur wenige Fahrzeuge stehen zum Verladen an. Darunter ein paar alte Busse. Die Kabine, die wir zugewiesen bekommen, ist sehr warm, aber o.k. Die "Cesme" ist eher ein kleines Fährschiff, das früher unter der Scandinavien Seaways gelaufen ist. Um 21.45 Uhr werden die Motoren angelassen. Es dröhnt und scheppert. Um 22.10 Uhr nimmt das Dröhnen nochmal zu. Das Schiff vibriert mächtig und tuckert um 22.30 Uhr MESZ aus dem Hafen von Ancona. Jörgen ist entsetzt. Wie soll man bei dem Lärm schlafen. Meiner Meinung nach müssten bei dem Geschüttel auch schon alle Nieten locker sitzen. Aber kaum sind wir aus dem Hafen raus, werden die Motoren leise und Jörgen schläft prompt ein. Wahrscheinlich hatte die Fähre nur zusätzlich Wasser gebunkert. Nachts schaukelt das Schiff ganz gut.

 

Sonntag, 17.10.

 

Das türkische Frühstück ist ganz ordentlich. Wurst, Käse, Gurke, Tomate, Oliven, Eier, Marmelade und Honig. Dazu Kaffee oder Tee. Wir machen es uns an Deck bequem und lesen die Reiseführer der Türkei, Syrien und Jordanien. Die Sonne scheint, aber es ist sehr windig. An Bord kann man nur mit Chip(Geld-)karte bezahlen, d.h., man kauft bei der Bank eine geladene Geldkarte und kauft damit ein. Das gilt sowohl für die Speiseräume und die Bar wie auch für den Duty-Free-Shop. Eine Stange Malbouro kostet 13 €.

 

Montag, 18.10.

    

Um 9 Uhr OESZ (osteuropäische Sommerzeit) ist es bereits schön warm und wir begeben uns auf das Sonnendeck. Die Crew ist darauf noch gar nicht vorbereitet und noch am Reinigen. Gegen Mittag können die Pässe abgeholt werden. Dabei ist auch ein Einfuhrbeleg für den MAN (Triptik) für den Jörgen 8 € bezahlen muss. Es ist sehr warm, sonnig und es ist einfach schön, an Deck im Liegestuhl zu liegen und zu lesen. Wir gehen früh schlafen, da die Fähre morgen um 6.30 Uhr in Cesme anlegen soll. Was dann folgt, ist kaum zu beschreiben. Das Schiff ist laut und vibriert überall. Ich befürchte, dass man uns auf Grund setzen will. Es ist wirklich schlimm. So geht das die ganze Nacht.

 

Dienstag, 19.10.

 

Mit heftigen Schiffsmotorengeräuschen rumpeln wir erst um 7.30 Uhr in Cesme ein. Ausgeschifft haben wir so gegen 8.30 Uhr. Bei der Polizei stehe ich zunächst am linken Häuschen an, bis mir ein Mann zu verstehen gibt, dass diese nur für Türken ist und ich am rechten Häuschen anstehen muss. Beim Zoll sind die Leute vom MAN ganz begeistert. Dann fahren wir auf die Autobahn. Die ist im Maut günstig und spart eine Menge Zeit. Diesel ist dagegen sehr teuer. Soll um die 1,8 Mio. TL pro Liter kosten, also 1 €. Auf den Angebotstafeln der Tankstellen sind häufig noch niedrigere Preise angegeben. Wenn man aber die Zapfsäule anfährt, ist der hohe Preis hinterlegt. Es ist noch sehr warm und die Sonne sticht. Bei Denizli sehen wir in der Ferne die Sinterterassen von Pamukkale. Wir fahren weiter durch die Berge Richtung Antalya. Um 17 Uhr fangen wir an, einen Stellplatz für die Nacht zu suchen, was gar nicht so einfach ist, denn in den abgelegenen Hügeln waren immer wieder Hirtenbehausungen. Schließlich haben wir doch noch Glück und fahren auf einem kleinen Weg auf einen einsamen Hügel. Hier ist es die ungewohnte Stille, die uns schlecht schlafen lässt. Was für ein Unterschied zum Krach auf der Fähre.

 

Mittwoch, 20.10.

 

Auf der Weiterfahrt nach Antalya geht es noch über einen Pass, dann nur noch bergab. Eine nicht ungefährliche Straße. In Antalya ist der Verkehr wie in den Städten der Türkei wuselig. Die Strecke bis Alanya ist meist 4-spurig ausgebaut und an den Straßenrändern touristisch genutzt. Ein Hinweisschild führt uns nach Alaraban und Alarakale. Eine Karawanserei aus dem 12. Jahrhundert und die bewachende Burg. Die Burg sieht von unten toll aus, aber wir haben nach unserem leckeren Frühstück keine Lust, auf den Berg zu steigen. Zudem sind in der Karawanserei nur Souvenirshops untergebracht. Auf dem weiteren Weg nach Alanya stehe lauter Hotels, oft direkt an der vielbefahrenen Straße. Wir haben gute Sicht auf die sich sonnenden und badenden Touristen. Nein, das ist nicht mehr "unser" Alanya, wie wir es 1984 kennen gelernt hatten. Gleich nach Alanya geht es auf die kurvenreiche Küstenstraße. Auf eine Besichtigung verzichten wir. Tolle Aussichten, aber auch nach stundenlanger Fahrt ist kein Stellplatz in Sicht. Obwohl sie überhaupt nichts sehen können, brettern die LKW-Fahrer in einem halsbrecherischen Tempo über die Straße. An einem Berghang finden wir dann kurz vor Einbruch der Dunkelheit (18:30 Uhr ist es stockdunkel) auf einer ehemaligen Straßenbaubasis einen Stellplatz mit Blick auf das Meer. Es ist schwül-warm.

 

Donnerstag, 21.10.

 

Die Sonne scheint. Es wird wohl ein schöner Tag. Im nächsten Ort, wo wir Ekmek (Brot) kaufen wollen, haben noch viele Läden geschlossen. Im ersten geöffneten Laden gibt es sehr weiches Ekmek. Das im 2. Laden war dagegen annehmbar. Wir haben uns vorgenommen, unseren alten idyllischen Stellplatz in einer Bucht am Meer, an dem wir vor 17 Jahren mehrere Tage verbracht hatten, zu finden. Es stellte sich als problematisch heraus, da wir uns nur an Kleinigkeiten erinnern. Die einzige Möglichkeit, die wir in Betracht ziehen, ist am Strand mit Häusern bebaut. Deshalb fahren wir weiter. In einem Vorort von Sifilke soll ein Weg zu einem Strand mit Vogelschutz-Gebiet gehen. Aber die Beschreibung im Reiseführer war echt doof. So fahren wir erst einmal am Abbiegepunkt vorbei. Gottseidank wendet Jörgen, obwohl er stinksauer ist. Wir haben einen langen Sandstrand ganz für uns alleine. Zuerst fahren wir auf einer Piste weiter. Wir durchqueren eine Sebhka-ähnliche Gegend. An den eingesackten Spuren können wir den sensiblen Untergrund feststellen. Besser, wir bleiben auf der Piste. Direkt an den Strand kommt man aber nur am Anfang der Piste. Anschließend wird die Distanz größer. Landeinwärts schließt ein Vogelschutzgebiet an. Da wir baden wollen, drehen wir um und fahren wieder zurück. Das Mittelmeer hat hier noch ca. 25°C. Wir sind ungestört.

 

Freitag, 22.10.

 

Wir frühstücken am Kizkalesi, der Burg im Meer. Die Durchfahrt durch Mersin ist wieder mal ein Abenteuer. In Anbetracht der wenigen Zeit, die wir haben, fahren wir bei Tarsus dann doch auf die Autobahn. Es ist sehr warm. Wir wollten eigentlich an einer Raststätte Wasser tanken, aber es ist nur salzhaltiges Wasser vorhanden. Die weiteren ausgewiesenen Raststätten bis Iskenderun sind durch Vandalen zerstört worden. In Iskenderun ist die Autobahn zu Ende. Wir fahren mit vielen LKW's Richtung Antakya. In Antakya verfahren wir uns mangels Hinweisschilder. Erst im Fahrzeuggewühl finden wir die richtige Strecke zur Grenze. Es geht über Berge; Stellplätze sind nicht in Sicht. Auf einem steinigen, ehemaligen Feld (mit vielen Dornensträuchern) finden wir schließlich einen Platz. Es wird auch schon dunkel.

 

Samstag, 23.10.

 

Morgens treffen wir Vorbereitungen für die Einreise nach Syrien. An der türkischen Grenze ist Jörgen zunächst in die Passkontrolle, dann in dem Polizeigebäude und zuletzt in der Emigration verschwunden. Im Letzeren wird das Fahrzeug ausgetragen. Die ganze Zeit begleitet ihn ein Mann. Ich habe inzwischen einen Wasserhahn entdeckt. Wir wollten mit der Gießkanne Wasser nehmen. Aber der Mann zeigt Jörgen einen Schlauch zum Wasser tanken. Unser Brauchwasser ist damit wieder aufgefüllt. Der Schlauch reißt, aber es war nur eine Verbindung. "No Problem", dafür bekommt der Mann eine Schachtel Zigaretten, über die er sich mega freut. An der syrischen Grenze müssen wir zunächst in der Polizeikontrolle eine weiße Karte mit englischen Angaben ausfüllen. Der Polizist pocht mit einer ernsten Mine immer auf sein Recht. Lächeln kann er scheinbar nicht; die anderen Reisenden schon. Nach Eintragung in das große Buch müssen wir in die Bank. Dort müssen wir 165 € für die Dieselsteuer und die Versicherung hinlegen. Nach einer Weile ist alles ausgefüllt, auch der Computer hat den Beleg für die Dieselsteuer ausgedruckt. Nach der Bank müssen wir in ein Office. Dort füllt ein Mann wiederum Belege aus und trägt uns wieder mal ins große Buch ein. Für ein Billet, das wir nicht zuordnen können, wollte er noch 100 SP haben. Aber der Mann in Bank hatte gesagt, dass wir alles bezahlt haben. Schließlich gibt sich der Mann nach und lässt uns gehen. Der Zoll geht einmal ums Fahrzeug, das wars. Insgesamt verbrachten wir ca. 1 1/4 Stunden an den Grenzen. Im ersten Ort kaufe ich noch leckeres Brot (und das erste Fladenbrot) und weiter geht es Richtung Lattakia. Nach der Beschreibung im Reiseführer ist Ugarit einen Abstecher wert. Aber die Ausgrabung macht keinen großen Eindruck auf uns. Besonders in der Mittagshitze. Wir frühstücken und ersparen uns eine Besichtigung. Am Meer entlang geht’s nach Lattakia. Die Orientierung in Latakkia ist etwas schwierig. Auch die Weiterfahrt zur Saladinburg ist nicht leicht. Als wir die Abfahrt von der Autobahn finden, fahren wir nur nach Kompass (GPS). Aber wir kommen an. Fast haben wir die Abfahrt nach Saladin verpasst. Mir ist schon ganz schwummerig. Steht am Schild: 2,5 km. Das ist die PKW-Strecke, zumindest nach dem Reiseführer. Die soll mit vielen Haarnadelkurven gespickt sein. Ich habe es geahnt. Jörgen fährt trotzdem. Er muss den MAN manchmal in den Kurven zurück setzen, weil er nicht beim ersten Mal herum kommt, aber wir schaffen es. Schließlich stehen wir vor der Felsnadel, die die Burgschlucht in zwei Zufahrten teilt. An der einen Seite sind Bauarbeiten, an der anderen kommen wir nicht durch. Der Bauarbeiter räumt mit Hilfe des Seils und der oben auf dem Gerüst stehenden Arbeitern die Tonnen unten beiseite und wir können durchfahren. Am Ende der Zufahrt stellt Jörgen den MAN in den Schatten der Burgwand. Eine Syrerin fragt, ob sie sich den MAN ansehen kann und ist beeindruckt. Nur der Ein- und Ausstieg ist für sie etwas problematisch. Um 15 Uhr schließt der Burgwächter die Burg und öffnet erst wieder am nächsten Tag um 9 Uhr. Wir können uns einen Stellplatz aussuchen. Momentan ist allerdings noch viel Trubel. Um 16.30 Uhr wird es ruhiger. Jörgen unterhält sich noch mit Besuchern (eine englische Frau, die mit einem Syrier verheiratet ist, mit Tochter und Teenies, die im Militärfahrzeug angekommen sind und nicht mit dem Fahrzeug fotografiert werden wollen). Als alle weg sind, stellt Jörgen den MAN unter die Bäume. Ab und zu kommt ein großer LKW, aber nur um zu wenden. Jörgen isst Tomaten, die noch nicht richtig reif sind (unsere Reste von Zuhause) und bekommt prompt die Quittung. Nachts geht es ihm richtig schlecht.

 

Sonntag, 24.10.

 

Um 9 Uhr kommt der Mann mit dem Schlüssel auf einem Motorrad. Wir gehen kurz hinter ihm die 141 Stufen empor, bis zum Eingang der Saladin-Burg. Pro Person kostet die Besichtigung 150 SP. Mit einem internationalen Studentenausweis nur 10 SP. Leider werden nationale Studentenausweise nicht anerkannt. Es ist erstaunlich, wie gut die Oberburg erhalten ist. Wehrtürme, deren Zinnen man über Treppen erreichen kann, eine restaurierte Basilika, ein Hamam, eine Schule und eine Moschee. In einer Zisterne ist noch Wasser. Die Burg wird zurzeit restauriert. Wir verlassen die Burg Richtung Osten - wir wollen nach Hama. Die Orientierung gestaltet sich mangels Hinweisschilder wieder mal schwierig. An einer Einmündung in eine Straße wissen wir nicht, ob links oder rechts. Ein Mann in einem Kleinlaster gibt uns den Hinweis. Kurvenreich geht es einen Pass hinauf. Oben haben wir einen fantastischen Ausblick in die Ebene. Was allerdings dann kommt, trotzt jeglicher Beschreibung. Auf 8 Kilometer Länge geht es über 1000m bergab. Haarnadelkurven, die wir gerade mal packen. Kein Wunder, dass die Straße kaum befahren wird. Die Bremsen laufen heiß. Aber wir kommen wider Erwarten heil unten an. In der Ebene folgen wir dem GPS-Kurs der Strecke nach Hama. Erst ein paar Kilometer vor Hama gibt es wieder Hinweisschilder. Die Fahrt durch die Ortschaften verläuft wie immer in Syrien abenteuerlich. Einmal kommt der Verkehr so zum Erliegen, dass keiner vorwärts kommt. In Hama, das ein großer Baumwollumschlagplatz ist, angekommen, orientieren wir uns am Fluss, da wir uns vorgenommen haben, die berühmten Wasserräder (Norias) zu besichtigen. Seit vorislamischer Zeit versorgen diese die Stadt durch ihr Schöpfwerk mit Wasser. Wir erreichen auf einem Umweg das größte Wasserrad, genannt Mohamediya. Das 20m hohe Wasserrad knarrt in unterschiedlichen Tonlagen und hieft das Wasser hoch. Dann fahren wir nach einem kurzen Verfahrer zu den 4 Norias. 2 sind in Betrieb. Jörgen kommt aber zu diesem Zeitpunkt nicht ganz nah heran. Anschließend fahren wir hinaus Richtung Qasr ibn Wadan. Es wird schon etwas dämmerig. Die Straße ist aber gut, so dass wir zügig weiter kommen. Auf der Strecke gibt es so gut wie keine Hinweisschilder zum Qasr. Als wir schließlich die Mauern erreichen, ist es bereits dunkel. Und als wir den MAN hinter dem Gemäuer jenseits der Straße parken, ist es stockdunkel. Bis auf den ziemlich langen Ruf des Imam ist es schön ruhig.

 

Montag, 25.10.

 

Wir stehen im Schatten der Mauern von Qasr Ibn Wadan und es ist sehr kühl im Auto. Zum ersten Mal seit längerer Zeit habe ich kalte Füße beim Schreiben. Wir verzichten auf eine Innenbesichtigung; dafür ist das, war wir bereits von außen durch die Gittertüren sehen, einfach zu uninteressant. Auf dem Rückweg fotografiert Jörgen noch die "Bienenwaben"-Häuser?-, die Kegel aus Lehm, die zz. noch heute als Vorratsräume dienen. In Hama suchen wir vergeblich nach den 5 großen Norias. Die Stadtkarte, mehrmaliges Fragen, alles nutzt nichts. Wir landen immer wieder bei den 4 Norias. Heute sind allerdings Restaurierungsarbeiten in Gange. Dadurch kommen wir ganz nahe an eine große Noria heran. Anschließend suchen wir uns einen Weg durch die Stadt nach Westen und fahren auf kleinen Straßen, meist nach Kompass, Richtung Südwest. Nach einiger Zeit wird es wieder sehr bergig. Einen Stellplatz finden wir hoch oben auf einem Berg mit Blick zu drei Seiten ins Tal. 2 Wölfe kreuzen unseren Weg und verschwinden nach kurzer Zeit im hohen Gras. Ein Mann fragt uns, ob wir hier schlafen wollen. Jörgen bejaht die Frage. Später kommen noch mal 2 in einem Kleintransporter. Wollen nur mal nachsehen, ob alles in Ordnung ist, da sie uns auf der Fahrt von ihren Feldern gesehen haben. Ob wir etwas brauchten. Alles in Ordnung, erwidert Jörgen. Von da an hören wir nur noch den Wind und genießen die grandiose Aussicht auf das Tal und die Burg Hosn (Krak des Chevaliers).

 

Dienstag, 26.10.

 

Nach einem kleinen Verfahrer gelangen wir zum Kloster St. Georges. Es ist von unserer Anfahrt kaum auszumachen. Auf dem Parkplatz können wir Wasser aus einem Wasserhahn entnehmen und so unser Brauchwasser wieder auffüllen. Anschließend gehen wir kurz in das Kloster und die Kirche hinein. Weiter geht es zum Krak des Chevaliers, das nach unseren Reisebüchern eigentlich dienstags geschlossen sein sollte. Die Auffahrt ist, im Gegensatz zu den Beschreibungen im Reiseführer, sehr gut. Außerdem hat das Castle geöffnet. Es ist sehr groß und beeindruckend gut erhalten. Aber ob die laufenden Restaurierungsarbeiten originalgetreu sind, wagen wir zu bezweifeln. Diese Burg ist touristisch gut besucht. Es finden sich immer mehr Busse ein. Einen Guide gibt es auch. Als Bezahlung bekommt er von uns eine Schachtel Zigaretten und einen kleinen Aufkleber vom Treffen. Er freute sich sehr. Hatte nur noch ein Bein. Wir fahren zunächst auf die Autobahn Richtung Homs, dann nach Damascus. Um Homs herum war der Verkehr chaotisch. Ein LKW fährt einfach auf die "Autobahn" auf und bleibt stehen. Wir fahren fast auf, da die Überholspur nicht zu nutzen ist. Dann folgt eine langweilige Wüstenlandschaft. In Dayr Atyah folgen wir einer Pistenbeschreibung nach Dair Mar Musa. Die Beschreibung ist sehr ungenau (zumindest nach jetzigen Bauverhältnissen). Wir folgen einer Piste, die aber nur zu einem landwirtschaftlich genutzten Komplex führt und von dort aus folgen wir einem Flussbett. Das ist auch nicht das Wahre und so fährt Jörgen einen sehr steilen Berg hinauf, aber durch den Fotoapparat sieht das mal wieder völlig unspektakulär aus. Oben angekommen, fahren wir durch ein Kalkwerk zu Häusern hinauf. Die Arbeiter gucken verdutzt und freuen sich. Von oben entdecken wir eine Asphaltstraße, die direkt nach Osten geht. Der folgen wir. Plötzlich weist uns ein Wegweiser den Weg nach Dayr Mar Musa. 1,2 km nach links. Es gibt einen Parkplatz, der genau so schief ist wie das übrige Gelände. Schließlich schaffen wir es nach viel Probieren und mit Steinen, den MAN einigermaßen gerade zu stellen. Das Kloster hängt geradezu in einem Bergausschnitt und ist schwer auszumachen.

 

Mittwoch, 27.10.

 

Die Nacht ist sehr ruhig. Wir träumen viel Blödsinn. Gegen 8:30 Uhr gehen wir zum Kloster Dair Mar Musa hoch. Zunächst auf Asphalt, dann auf gepflasterter Straße und dann Treppe. Nach 342 Stufen haben wir den Aufstieg geschafft und werden von Albert empfangen. Uns wird Wasser angeboten und eine Einladung zum Frühstück bekommen wir auch. Das Kloster besteht aus drei Komplexen. Rechts der Komplex für die Mönche, links für die Nonnen und in der Mitte der Bewirtschaftungskomplex und die Schlafräume für Gäste. Der Komplex für die Nonnen wird zurzeit noch restauriert. Den Bewirtschaftungskomplex betritt man durch eine Schlupftür (eine sehr niedrige Tür) und kommt in einen Vorraum mit Wasserpumpe. Dann folgt eine große Terrasse. Im Zugang zur Terrasse liegt links die Kirche mit Fresken aus dem 12.Jahrhundert. Den Komplex für die Nonnen erreicht man nur über den Bewirtschaftungskomplex. Das heißt dann noch einmal 125 Stufen steigen (die Stufen im Kloster nicht mit gerechnet). In diesem Komplex ist bereits ein großer Saal fertig gestellt, der auch als Vorführraum genutzt wird. Auch für die Bauarbeiter gibt es Unterkünfte, Küche usw. Vom Kloster haben wir einen fantastischen Blick in die Ebene. Unser MAN wirkt ganz klein und verlassen auf dem Parkplatz. Albert drückte mir noch Hefte "Letter to the Friends of the Monastery" in die Hand. Unten angekommen fängt es an zu regnen. Ein paar Tropfen, dann ist es wieder vorbei. Wir fahren die Asphaltstraße zurück nach An Nabk (Nabak). Eigentlich wollen wir noch Geld tauschen, finden bei der Durchfahrt aber keine Bank. Wir verlassen An Nabk nach Südwest und queren die Autobahn. Rechts ab nach Yabroud - in Yabroud links nach Maaloula. In Maaloula fängt es zunächst richtig an zu regnen. Jörgen ist zu diesem Zeitpunkt gerade mit der Kamera unterwegs. In Maaloula sind die Häuser an den Felsen empor gebaut. Es gibt zwei Klöster - das Kloster der heiligen Thekla und das Mönchskloster Mar Sargis. Aber das Gesamtbild von Maaloula wird auch immer mehr von Betonneubauten geprägt. Das Besondere an Maaloula ist die Sprache. Hier wird noch aramäisch gesprochen. Die Sprache Jesu und seiner Jünger. Eigentlich ist die Sprache längst ausgestorben. Am Mönchskloster vorbei finden wir schnell den Eingang in die Schlucht der heiligen Thekla. Schon wieder will uns ein fliegender Händler Feigen und Nüsse verkaufen. Wir durchwandern die Schlucht, die früher als Pfad zwischen dem Mönchs- und dem Nonnenkloster diente. Schade, dass die Wände so beschmiert sind. Aber der Ort wird auch viel von den Einwohnern Damaskus besucht, vor allem Freitags, dem „Sonntag“ der Moslems. Am Ende der Schlucht kommen wir zum Kloster der heiligen Thekla. Etwas weiter hat man einen tollen Blick über den Ort. Wir wandern zurück durch die Schlucht, wo am Ende der MAN auf uns wartet. Weiter geht es nach Saydnaya (Saidnaya). Auf einer großen Straße erreichen wir den Ort. Vor der ersten Kreuzung geht rechts eine "beleuchtete" Straße auf den Berg Cherubin ab. Wir fahren hinauf auf die 1920 m. Dort steht, weithin sichtbar, ein großes Kreuz und eine kleine Kirche, die gerade renoviert wird. Außerdem steht dort ein großer Neubau, teils Rohbau, teils fertig gestellt, in dem die Mönche wohnen. Es fängt wieder etwas an zu regnen. Zudem ist es kalt und windig. Ein Mann spricht mich auf deutsch an. Ein Syrier mit einem deutschen Pass. Er war erstaunt, dass wir mit dem Auto hier sind. Ganz stolz ist er auf seinen deutschen Pass. Nun braucht er, wie alle Ausländer, auch ein Einreisevisum nach Syrien. Er ist aramänischer Christ und besucht den Berg Cherubin mit seiner Familie. Unterhalb des Komplexes ist ein geteerter Bereich. Jörgen fragt den Mönch Frame, ob wir dort mit dem MAN übernachen dürfen. No Problem und die allgemeine Fragen folgen. Wir finden einen geraden Bereich und sind froh, dass wir nicht ganz oben stehen, da der gesamt Komplex über Nacht hell beleuchtet ist. Außerdem ist der Parkbereich einfach zu schräg. Die Straße ist allerdings trotz der vielen vorhandenen Laternen nicht beleuchtet. Es folgt eine sehr ruhige Nacht.

 

Donnerstag, 28.10.

 

Morgens scheint wieder die Sonne. Jörgen und ich suchen den Mönch, um uns zu verabschieden. Es ist aber weit und breit niemand zu sehen. So fahren wir ohne Abschied ab zum Kloster Saydnaya. Dort sind Nonnen untergebracht und es herrscht ein reger Trubel. Auch ein Bus mit Besuchern ist schon da. Dann geht es weiter nach Damaskus. Irgendwie haben wir die Autobahn verpasst und sind mitten drin in der Stadt. Es folgt eine wilde Fahrerei mit einigen Verfahrern. Trotz der für Syrien gute Ausschilderung müssen wir ein paar Mal drehen um weiter Richtung Airport zu fahren. Und wie immer fahren die Syrier chaotisch. Aber irgendwann sind wir auf einer großen Straße zum Flughafen. Da sehe ich ein kleines Schild. "Sweida" steht drauf. Jörgen fährt rechts ab, aber es ist nicht die richtige Straße. Ich bin nun auch nicht mehr sicher, ob "Sweida" mit "Al Swayda" aus der Karte identisch ist. Jörgen kurvt im Vorort von Damaskus herum und findet eine größere Straße nach Südosten. Die fahren wir. Ich entdecke ein Wechselstube und wechsle 50 € = 3300 SP. Ein wesentlich besserer Kurs als an der Grenze. Dann nehme ich vom nächsten Bäcker noch 1 kg Baguette mit und es geht weiter. Wir sind tatsächlich auf der richtigen Straße. Hinweisschilder wie "Assweida", "Swaydaa" und "Sweida" zeigen uns das. Es handelt sich immer um den Ort "Al Swayda". Draußen sind 28° C. Wir durchfahren eine platte Wüste und ein großes Militärgebiet. Eine sehr langweilige Landschaft. Als links einige Hügel in Sicht kommen, fahren wir ab. Hier wollen wir noch die in der Karte eingezeichneten Ruinen ansehen. Im ersten Ort (im nachhinein Qanawat) folgen wir dem Schild "Ruins" und stehen vor Straßenbauarbeiten, die die Durchfahrt verhindern. Also rechts ab - wir landen durch Obst + Gemüseanbaugebiete auf einer kleinen Straße. Eine Pause wird notwendig, die Fahrerei bisher ist mächtig anstrengend. Danach versuchen wir anhand der Beschreibungen erneut unser Glück. Von Atil aus landen wir wieder in einem Ort und sind frustriert. Noch ein Versuch. Eine neue Abfahrt aus Atil. Wir fragen und sind angeblich auf der richtigen Straße nach Qanawat. Dann landen wir wieder in dem Ort, den wir bereits dreimal angefahren hatten, entdecken den Löwenkreisel und umfahren die Straßenbauarbeiten nach links. Trotzdem verpassen wir die Ruinen. Nochmal Fragen, drehen und wir stehen vor den Basaltruinen. Ein Serail mitten im Ort. Weiter geht es nach Sia. Aber von den Ruinen dort ist nicht viel zu sehen. Sie sind wohl zum Teil Fundamente der neueren Häuser. Jörgen fährt auf einen Berg hinauf. In dieser Gegend wird alles für die Landwirtschaft genutzt. Auch Kriechwein wird angebaut. Wir kommen an einem Neubau vorbei. Neben dem Haus liegt der gesamte Hausrat. "Was machen die, wenn es anfängt zu regnen?" "Hier regnet es nicht so schnell", das ist Jörgens Antwort. "Aber 100 km nördlich hat es auch geregnet." "100 km ist irre weit weg." Am Abend fängt es an zu regnen! Wir haben einen wunderbaren Stellplatz auf dem Berg erwischt, auf einem Feld, das nicht landwirtschaftlich genutzt wird.

 

Freitag, 29.10.

 

Der Stellplatz ist sehr ruhig, kein Auto, Trecker oder Moped kommt vorbei. Jörgen kriecht noch in alten Steinen herum und rutscht aus. Ist aber nicht so schlimm. Er findet einen zerbrochenen Tonkrug und einen Teil einer Säule. Wir fahren weiter nach Sweida und von dort aus nach Kompass Richtung West/Südwest. Überall wird das Land konsequent genutzt. Obst und Gemüse oder sonstwie bestellt.

In Mittel- und Südsyrien sowie in Jordanien gibt es unheimlich viele Straßenschwellen. Wir sind über einige "hinübergeflogen". Oft ist kein Hinweis auf die Schwellen auszumachen. Irgendwann erreichen wir die Straße zum Grenzort Der'a. Wir durchfahren Der'a (die Beschilderung war wider Erwarten gut) und stehen plötzlich vor der Grenze. Das bedeutet umdrehen, wir müssen doch noch tanken. In Der'a gibt es nur Sprit aus Fässern. Das wollen wir nicht. So fahren wir 10 km zurück. Es wird immer dunkler. An der Tankstelle in Saida hat uns der Tankwart um 100 SP betrogen. Nach längerer Diskussion gibt er uns 30 SP zurück und wir geben auf. Beweisen können wir das sowieso nicht mehr, da inzwischen bereits andere getankt haben. In Der'a geht es eigentlich sehr gemütlich zu. Das animierte Jörgen, noch einige Fotos zu machen. Plötzlich wollen alle fotografiert werden. Aber das geht nicht. Als wir gegen Mittag an der Grenze ankommen, zieht ein Gewitter auf. Zudem ist es sehr kalt (14° C). Der erste Posten winkt uns durch. Dann folgt die Kontrolle des Carnet und der Dieselsteuer. Anschließend verschwindet Jörgen in einem Gebäude und kommt zurück. Ein Grenzer hat Jörgen auf deutsch nach Shampoo gefragt. Deutsch hat er von den Mitarbeitern von Philipp Holzberg gelernt. Wir suchen und finden nur was für Haut und Haar. Auf dem Rückweg sollen wir unbedingt bei ihm vorbeikommen. Ein nächster Posten trägt das Fahrzeug aus Jörgens Pass aus. Da gießt es schon in Strömen, wir müssen mit Licht fahren. Das Gewitter ist in vollem Gange. Ein letzter Posten winkt uns durch. Nach 5 Kilometern kommen wir dann an der jordanischen Grenze an. Hier ist alles äußerst undurchsichtig. Die PKW-Fahrer packen alles aus. Dann warten sie auf einen Grenzer. Der schreibt alles in eine weiße Karte, dann geht’s weiter. Für uns wird nur eine weiße Karte ausgefüllt, auspacken müssen wir nichts. Dann geht es auf einen großen Platz, wo alle durcheinander parken. Jörgen geht mit den Fahrzeugpapieren und dem Carnet zum linken Gebäudekomplex. Im letzten Büro ist die Versicherung untergebracht. Nach geraumer Zeit kommt er wieder und meint, wir haben für alles 73,50 JD zu bezahlen. Er hat auch einen Zettel dabei. Jetzt müssen wir zur Bank, die im rechten Gebäudekomplex untergebracht ist. Die Kurse sind sogar angeschlagen. Ich zeige auf den Verkaufskurs, aber der Bankbeamte amüsiert sich und lässt sich nicht darauf ein. Der Kurs ist 1€ = 0,890 JD. Der Bankbeamte besteht darauf, dass ich alles nachrechne, da ich einen Taschenrechner dabei habe. Es war alles korrekt, nicht mal eine Gebühr. Wieder bei der Versicherung, eröffnet der uns, dass wir nicht nur 60 JD sonder 88 JD zahlen müssen, weil wir ja länger als eine Woche bleiben wollen. Insgesamt wären das 100 JD. Wir gehen in ein Büro daneben. Dort herrscht das absolute Chaos. Mehrere PC's laufen und lauter Belege werden ausgeschrieben. Das Wetter ist immer noch nicht besser. Plötzlich soll Jörgen noch 80 JD Dieselsteuer bezahlen. Die wird bei einem LKW fällig. Jörgen beharrt darauf, dass wir einen Camper haben und keinen LKW. Ein weiterer Mann wird hinzugezogen. Nach vielem hin und her wird der Camper anerkannt und wir bezahlen noch die ausstehenden 11 JD und gehen zur Police. Dort geht allles sehr schnell.  Mit unseren Visa dürfen wir zwei Wochen im Land bleiben und müssen uns auch während der zwei Wochen bei einer Polizeistation melden. In der Zwischenzeit kommt ein Mann, reißt Jörgen zwei Belege aus der Hand und verlässt mit dem Hinweis "Diesel" das Police-Office. Jörgen geht wieder zum linken Gebäudekomplex. Er will wissen, was nun wieder los ist. Die Tür ist versperrt. Als jemand herauskommt, schlüpft er hinein. Dort erkärt man ihm, das alles nur ein Versehen ist und gibt ihm die Belege zurück. Inzwischen hat es aufgehört zu regnen. Wir fahren zur ersten Kontrolle. Die behalten die weiße Karte mit den roten Balken ein und wir können weiter. Die nächste Kontrolle prüft die Pässe und kann nicht glauben, dass wir mit nur zwei Personen in so einem großen Fahrzeug unterwegs sind. Ein Blick in den Aufbau, dann ist alles erledigt. Wir verlassen nach insgesamt 2 1/2 Stunden die Grenze. Auf den Straßen haben sich riesige Wasserlachen gebildet. Wir fahren Richtung Irbid. Jörgen will nicht nach Umm Qais, das groß ausgeschildert war, aber dann will er doch wieder. Also drehen, durch das Verkehrschaos fahren und die Abfahrt suchen. Es geht noch eine Weile durch Irbid bis es ruhiger wird. Die Strecke ist im Gegensatz zu Syrien gut ausgeschildert. In Umm Qais angekommen stellen wir uns auf den Parkplatz. Einige Kinder spielen Fußball. Jörgen möchte noch einen Blick auf die Golanhöhen und den See Genezareth werfen und kriecht in den Ruinen herum. Über Lautsprecher wird rund eine Stunde lang ein Gottesdienst übertragen, dann wird es ruhiger, finde ich jedenfalls und schlafe ein. Jörgen behauptete später, dass in etwas Entfernung noch bis 23 Uhr mit Musik gefeiert wurde.

 

Samstag, 30. Oktober

 

Die Sonne scheint, aber es ist etwas diesig. Am Ticket-Schalter lässt sich bis um 8 Uhr keiner blicken. Aber um 8.15 Uhr geht’s los. Wir bezahlen als Studenten 0,50 JD pro Person. Besonders das Westtheater ist beeindruckend, da es ganz aus Basalt gebaut ist. Die noch fast vollständigen Läden unterhalb der Basilika sowie die Säulen der Basilika sind ebenfalls sehenswert. Wir klettern ca. 2 Stunden in den Ruinen herum. Am Ausgang kommt uns dann ein Touristenstrom entgegen. Auf dem Parkplatz stehen inzwischen mehrere Busse. Wir fahren an der israelischen Grenze entlang Richtung Jordantal und entdecken viele Kontrollposten. Der große Regen von gestern hat seine Spuren hinterlassen. Überschwemmte Straßen (mit "Autobahn" ausgeschildert) und es ist sehr schwül. Nach Pella (angekündigt als Ausgrabungsgebiet) geht es einen Berg hinauf. Oben gibt es dann den Ort Pella wo zunächst nur ein eingezäuntes Ausgrabungsgebiet mit 3 kleinen Säulen zu sehen ist. Jörgen geht auf Entdeckungstour. Ich bleibe im Wagen. Nach einiger Zeit versammeln sich immer mehr Kinder, die mit ihrer Bettelei nach "One Dinar" zu nerven anfingen. Sie drohen schließlich, mit Steinen zu werfen; ich drohe zurück, das hilft. Zudem versuchen sie, "Antikes" zu verkaufen. Ob die Dinge wirklich antik sind, weiß wahrscheinlich nur ein Wissenschaftler. Gegenüber der Ausgrabungsstätte liegt ein weiteres eingezäuntes Gebiet. Hinter einer Hügelkuppe liegt ein weiteres Ausgrabungsgelände, das schon viel sehenswerter ist. Wir fahren ein Stück aus dem Dorf heraus und gehen durch ein anderes Tor hinab zu den Ruinen. Ein Gewitter zieht auf. So beeilen wir uns, weiter zu kommen. Aber auf dem Weg über die Berge ist kein Stellplatz in Sicht. Vieles war auch vermüllt. Hinter einer Bauruine finden wir schließlich einen akzeptabeln Platz. Das Gewitter hat sich allerdings inzwischen verzogen.

 

Sonntag, 31. Oktober

 

Morgens sind es nur 16°C. Wir fahren weiter über die Berge, bis wir ein Hinweisschild "Ajlun" finden. Dem folgen wir dann. In Ajlun angekommen, ist die von uns angestrebte Burg nicht zu übersehen. Jörgen kauft noch ein großes Fladenbrot für 100 Fils dann fahren wir zur Burg hinauf. Auch hier haben unsere normalen Studentenausweise Wirkung und wir zahlen nur den halben Preis. Die Burg ist anders als die trutzigen Kreuzritterburgen, etwas freundlicher. Die Restaurierungsarbeiten sind in vollem Gange. Mit einem Esel wird im Inneren das Baumaterial über die verschiedenen Stockwerke transportiert. Ein Museum ist auch untergebracht (Eintritt frei). Auf dem Parkplatz vor der Burg frühstücken wir noch ausgiebig. Dann fahren wir weiter nach Jerash. Das Ausgrabungsgelände ist riesig. Es beinhaltet sogar ein Hippodrom. Mit dem MAN fahren wir einmal um das Gelände. Für eine Besichtigung dieses riesigen Ruinenfeldes ist es inzwischen einfach zu heiß. Eine detaillierte Straßenkarte von Jordanien gibt es auch in diesem Visitors-Center nicht. Die soll es nur in Amman geben. Wir verlassen Jerash Richtung Süden. An der Autobahnbrücke über den Zarqa, dem biblischen "Jabbok" (1.Mos.32/23 und 28/29) fahren wir am Flusslauf entlang in Richtung King Talal Dam. An einer Schranke ist Schluss. Hier treffen wir auf Allah. So verstehen wir den Namen jedenfalls. Allah spricht kein Wort Englisch, aber er läd uns zum Tee ein, obwohl er selbst wegen des Ramadan nichts trinken darf. Das abgesperrte Gelände ist eine staatliche Landwirtschaft. Durch die Olivenbäume hindurch führt uns Allah zum Stausee. Zum Abschied erhalten wir noch einige Blätter, die gut für den Magen und die Verdauung sind sowie ca. 1/2 Liter Olivenöl. Nach 17 Uhr sollen wir nochmal wiederkommen, da er dann auch Essen und Trinken darf, aber wir lehnen höflich ab. Er ist traurig, aber wenn wir erst einmal da bleiben, kommen wir so schnell nicht mehr weg. Weiter geht es über die Berge - soweit möglich Richtung Südwest. Auf einem Berggrat folgen wir einer Piste und finden einen tollen Platz mit weitem Blick über die Berge. Zunächst ist es noch sehr warm, aber dann kommt starker Wind auf. Nachts haben wir ca. 18°C.

 

Montag, 1. November

 

Wir fahren weiter die kleinen Straßen entlang nach Westen. Vor der Abfahrt in das Jordantal bieten sich zum Teil fantastische Ausblicke. Auf abenteuerlicher Straße geht es bergab. Wir fahren im Wadi Zarqa über kleine Brücken in das Jordantal. Es wird wärmer und schwül. Einen Abstecher zur Prince Muhamad Brücke, das wollen wir versuchen. Die Landschaft ist bizzar. Eine Mondlandschaft mit tiefen Furchen. Am Checkpoint müssen wir wieder umdrehen. Es ist kein Blick auf den Jordan zu erhaschen. Das Gleiche passiert uns an der King Hussein Brücke. Da ist die Anfahrt aber sehr viel langweiliger. Also wieder drehen und zurück Richtung Totes Meer. Dort werden wir zu Beginn von Hotels und einer öffentlichen Bademöglichkeit empfangen. Wir fahren weiter. Wasserleitungen werden verlegt. Bademöglichkeiten sind rar. Das überall gegenwärtige Militär hat die besten Plätze eingenommen. Steilküste links und rechts der Straße. Keine Wege oder Pisten führen die braunroten Felsen hinauf. Erst beim Wadi Mujib werden die Felsen zum Meer hin flacher - und sind wieder mal vom Militär besetzt. Etwas weiter südlich finden wir eine Abfahrt. Das Bad im Toten Meer ist schon witzig. Schwimmen geht gar nicht. Einzig allein auf dem Rücken liegen und die Richtung ab und zu mit den Armen korrigieren ist möglich. Wir haben ständig Besuch vom Militär, die von der Steilküste herab auf uns herunter sehen. Wir denken, das ein Bad im Toten Meer zu solch einer Reise dazu gehört. Aber einmal reicht auch. Wir haben 36°C Lufttemperatur, deshalb schnell duschen und wieder zurück. Kein noch so kleiner Windzug ist zu spüren. Wieder an der Einmündung des Wadi Mujib angekommen, wo der Fluss einen tiefen Canyon gegraben hat, wollen wir uns dieses Phänomen ansehen. Aber der Canyon ist geschlossen - Winterzeit und damit zu gefährlich. Kaum zu glauben bei 36°C. So können wir nur ein kleines Stück dem Canyon auf einer Brücke folgen. Na dann bleibt uns nichts weiter übrig, als weiter zu fahren. Wir entdecken ein Rohr, aus dem warmes Quellwasser sprudelt. Hiermit füllen wir unser Brauchwasser auf, das durch das Duschen nach dem Bad im Toten Meer schon ziemlich reduziert ist. Zwei Männer kommen in einem LKW angefahren. Sie steigen aus und duschen. Jörgen gibt ihnen noch etwas Shampoo. Es soll hier auch noch heiße Quellen geben. Aber da ist ein Restaurant und es finden darüber hinaus auch umfangreiche Bauarbeiten statt. Bei der Hitze haben wir deshalb keine Lust auf eine Erkundung. An der Abzweigung nach Madaba (Medeba) biegen wir auf eine staubige Straße ab, die uns durch ein langweiliges Abbaugebiet führt. Schließlich erreichen wir die Straße zum Mont Nebo, die uns steil den Berg hinauf führt. Eine Stellplatzmöglichkeit ergibt sich aber irgendwie nicht. Entweder treffen wir auf Militär oder auf Hirten mit Zelten. Erst oben auf dem Berg führt eine Piste zu einem einsamen Haus. Dort können wir gut übernachten und sitzen bei der milden Temperatur noch draußen, bis die Mücken kommen. Nachts wird es sehr stürmisch. Ich werde im Bett hin- und hergeschüttelt wie auf einem Kamel. Daher schlafe ich nicht sehr gut, obwohl es ansonsten sehr ruhig ist.

 

Dienstag, 2. November

 

Morgens lassen wir uns viel Zeit. Frühstücken noch in aller Ruhe. Dann entdecke ich den ersten Touristenbus, der den Berg hinaufgekrochen kommt. Wir fahren zum Parkplatz des Mont Nebo. Die Touristenströme sind bereits da. 1/2 Dinar für den Service und wir waren an dem Ort wo Moses zum ersten Mal das gelobte Land erblickte und auch gestorben sein soll. In der überdachten Kirche sind Mosaiken ausgestellt. Der Ausblick über das Tote Meer und das Jordantal ist beeindruckend. Weiter geht es nach Madaba. Dort biegen wir im Verkehrsgewühl zunächst vor der St. Georgskirche nach rechts ab, weil wir einen Parkplatz suchen müssen. Leider erfolglos - im Bogen kriechen wir in den engen Straßen zurück und biegen diesmal links ab. Dort ist gar nicht weit entfernt ein großer Parkplatz. Die St. Georgskirche ist auch gut von Touristen besucht. Auf dem Fußboden befindet sich eine Landkarte aus Mosaiken, die das Tote Meer, den Jordan, Jericho, Bethlehem, Jerusalem und Ägypten zeigt. Es ist heiß in Madaba und so fahren wir bald weiter gen Süden. In Dhiban biegen wir links ab und irren (nach mehrmaligem Fragen) nach Umm ar Rasas. Das ist eine antike Stadt, in der bislang 15 Kirchen freigelegt wurden. Kirche an Kirche quasi. Wir klettern auf den Steinen herum und versuchen, uns die Stadt vorzustellen. Aber es sind einfach noch zu viele Trümmer. Zuletzt besuchen wir die beeindruckenden Mosaiken der Stephanskirche (756-785 (letzte Mosaike)). Diese Mosaiken sind noch viel hübscher als die auf dem Mont Nebo. Die Ausgrabung ist in einem überdachten Gebäude  untergebracht. Der Wärter schließt das Gebäude extra für uns auf. Wieder zurück in Dhiban fahren wir hinab in Wadi Mujib. Kurz nach Beginn des Abstiegs ist eine Aussichtsplattform. Dort stehen bereits kleine Busse und Amerikaner oder Australier vergnügen sich mit "very nice, isn't?". Eine Gruppe hat auch einen Polizisten dabei. Aber der Ausblick von dieser Plattform ist wirklich umwerfend. Leider hat man die Brücke im Wadi-Tal durch den Mujib-Dam ersetzt und nun einen Stausee erzeugt. Früher sollten dort schöne Stellplätze zu finden gewesen sein. Auf der anderen Seite des Tals kriechen wir wieder den Hang hinauf und sind (eigentlich gar nicht) überrascht. Wir finden die gleiche öde und platte Landschaft mit ihren braunen Lehmfeldern vor, wie vor dem Abstieg. Keine Chance auf einen Stellplatz. Zudem durchfahren wir in einem Abstand von 3-5 Kilometern immer wieder Neuansiedlungen. Es ist frustrierend. Sollte dies doch laut Reiseführer die schönste Landschaft Jordaniens sein. Vielleicht haben wir an der Burg von Kerak mehr Glück. So fahren wir in Kerak den Berg zur Burg hinauf. Dort ist aber auch mega viel los (erstaunlich, wo doch Winterzeit ist). Also weiter nach Süden. Die Landschaft ändert sich leider nicht und um 17 Uhr ist es dunkel. 18 km hinter Kerak gibt es einen Abzweig nach Dhat Ras, in dem es Reste von 2 Tempeln geben soll. Dort fahren wir in unserer Verzweiflung hin und finden gegen 17 Uhr ein ruhiges Plätzchen auf einem Feld unterhalb der Gärten. Es ist sehr ruhig; da es schon dunkel ist, sind alle Leute in den Häusern. Es hat sicherlich was mit dem Essen nach Sonnenuntergang wegen des Ramadans zu tun.

 

Mittwoch, 3.11.

 

Wir besichtigen die Ruinen in dem kleinen Ort Dhat Ras (That Ras). Es sind nabatäische Überreste. Dabei sind natürlich auch wieder Kinder. Zwei Männer stellen Dünger her. Der eine Mann erklärt Jörgen, dass da noch viel mehr Ruinen im Ort sind und weist ihm den Weg dorthin. Diese Überreste (wahrscheinlich eine Kirche) sind eingezäunt. Ein Mann lässt Jörgen hinein. Ich habe mal wieder keine Lust auf alte Steine. Anschließend geht es hinab ins Wadi al Hasa. Dieser Ausblick ist nicht ganz so spektakulär wie der Ausblick auf das Wadi al Mujib, aber schön. Bei der Auffahrt an der südlichen Seite geht rechts eine kleine Straße ab. Auf einem Berg finden wir einen herrlichen Pausenplatz mit einem wunderbaren Panorama. Kurz vor At Tafila geht links eine Straße ab (Richtung Amman). An dieser Straße soll das in der Karte eingezeichnete Qasr as Bashr sein. Wir suchen und suchen, auf kleinen Straßen fahrend, diese Burg. Erst als wir von Osten zurück fahren, erkennen wir Ruinen auf einem Hügel. Die steuern wir an. Einige Bereiche nutzen die neben der Burg wohnenden Menschen und Tiere. Es sind aber auch nur wenige Reste vorhanden. Eigentlich wieder nur alte Steine. Dann fahren wir direkt nach Petra. Auf dem Parkplatz treffen wir zwei Busfahrer wieder, die wir bereits auf der Aussichtsplattform vom Wadi Mujib kennen gelernt haben. Ruhig ist es hier nicht, denn die Motoren der Busse laufen, um die Klimaanlagen zu speisen.

 

Donnerstag, 4.11.

 

Um 6.45 Uhr stehen wir im Visitor-Center von Petra. Niemand ist zu sehen. Komisch, wo doch schon ab 6.30 Uhr Einlass ist. Ein Mann, der Euro-Münzen in Dinar tauschen wollte, zeigt uns den draußen liegenden Ticket-Schalter. Jörgen redet auf den Verkäufer ein und zeigt ihm beiläufig unsere Studenten-Ausweise. Der Mann zeigt sich beeindruckt und wir bezahlen für zwei Tage nur 7,250 JD (die Hälfte des Normalpreises). Wir wandern herunter zum Siq. Allein der Durchgang durch die Felsschlucht mit ihren braunroten und rosaroten Steilfelsen ist beeindruckend. Richtig eng wird es zum Schluss, kurz bevor das Schatzhaus zu sehen ist. So früh am Morgen liegt es noch völlig im Schatten. Aber wir müssen hier ja auch wieder raus. Deshalb besuchen wir das Theater und steigen anschließend ca. 700 Stufen hinauf auf einen Berg, der uns oben mit zwei Obelisken empfängt. Auch ein Opferaltar ist dort zu bewundern. Von einem Steilabhang aus haben wir einen tollen Blick auf Petra. Der Abstieg auf der anderen Seite beschert uns bunte Felsen, die schon alleine den Besuch wert sind, und Gräber. Auch an einem Löwenrelief kommen wir vorbei. Wir überlegen, ob wir nun die Häuser oder das Kloster ansehen wollen. Es ist erst 12 Uhr. Ich warne Jörgen: Er hat mir irgendwann vorgelesen, dass es bis zum Kloster 800 Stufen bergan gehen soll. Natürlich glaubt er mir nicht. Wir kämpfen uns Schritt für Schritt den Berg hinauf. Viele Touris lassen sich auf Eseln hochbringen. Sitzen zum Teil drauf, wie der Affe auf dem Schleifstein. Den ganzen Weg über bieten Einheimische auf kleinen Souvenirständen ihre Kostbarkeiten an. Gebettelt wird nicht. Die Hitze macht uns zunehmend zu schaffen. Schließlich oben angekommen, hat Jörgen 870 Stufen gezählt. Erschöpft schleppen wir uns in die „Bar“-Grotte. Eine ¾ Stunde entspannen wir bei mehreren großen Gläsern Tee für 1 JD pro Glas. Ein paar Österreicherinnen fragen einen Einheimischen nach Toiletten. „Natur“ ist die Antwort. Aber sie sollen dabei beachten, dass der Wind von Norden kommt. Endlich sind wir soweit, dass wir noch einen kleinen Anstieg zum Aussichtspunkt wagen können. Von einem Felsen aus soll man Aarons Grab sehen können. In der Teestube erstehen wir noch eine 1,5 Liter-Flasche kaltes Wasser für 1,5 JD und machen uns an den Abstieg. Der Weg zurück, durch den Siq bis zum Visitor-Center ist eine einzige Qual. Irgendwie haben wir uns übernommen.  Um 16.45 Uhr erreichen wir endlich den MAN. Erschöpft fallen wir in unsere Sitzbank. Nachts nerven 7 Mücken. Allein deshalb schlafen wir relativ schlecht.

 

Freitag, 5.11.

 

Unsere Füße sind noch ziemlich strapaziert, deshalb machen wir uns erst um 9.30 Uhr auf den Weg. Heute sind wir mit vielen Touris unterwegs. Kleine Abschnitte des Siq liegen in der Sonne. Beim Schatzhaus herrscht der erwartete Trubel. Für heute haben wir uns die Königsgräber vorgenommen. Hinter dem letzten Grab führt eine Treppe einen Berg hinauf. Nicht schon wieder Stufen! Aber es ist wohl nicht anders möglich, zumindest reizt uns der Aufstieg, denn wir wissen nicht, was dort oben ist. Die Kletterei fällt uns sehr schwer. Dafür ist es einsam. Oben angekommen, haben wir einen schönen Blick, Reste von irgendwelchen Bauten und völlige Ruhe, bis auf den Imam, der in der Ferne seinen Gottesdienst über Lautsprecher überträgt. Es ist sehr warm. Deshalb machen wir uns auch bald wieder auf den 650 Stufen-Rückweg in das Tal. Faszinierend an Petra sind auch die bunten Felsbrocken, als wenn ein Künstler tätig gewesen wäre. Wir gehen zum Parkplatz zurück. „Taxi?!“ Dieser Ruf begleitet uns. Esel, Pferd, Kamel oder Kutsche werden uns angeboten. Mit der Kutsche kann man vom Museum bis zum Eingang fahren. Das ist besonders für den Rückweg empfehlenswert, da es immer leicht bergan geht. In aller Ruhe haben wir Postkarten geschrieben.

 

Eintrittspreise Petra:      1 Tag    11,000 JD         Student:           6,000 JD

                                         2 Tage  13,500 JD                                 7,250 JD

                                         3 Tage  16,000 JD                                 8,500 JD

 

Samstag, 6.11.

 

Wir fahren relativ zeitig aus Petra ab. Nachts waren viele Busse gekommen, die Touristen vom Flugplatz abgeholt hatten. Vor allem die begleitende Polizei machte viel Krach. Wir fahren zunächst nach Little Petra. Dort hin gelangt man über Beda (vom Parkplatz Petra aus 9 km). Der Eintritt ist frei, aber auch hier sind am Eingang Souvenirstände aufgebaut. In einem kleinen Ort wollen wir bei der Polizei den Sichtstempel holen und die Visa verlängern lassen. Aber der Polizeiposten ist zu klein. Vom Highway fahren wir ab nach Ras-an-Najab. Der Ort ist nicht ausgeschildert, ist aber die erste Abfahrt links vom Highway. Hank Compulsory Tankfahrzeuge fahren den Berg hinauf. Von oben hat man eine gute Aussicht in ein Wadi, das in das Wadi Rum übergeht. Mit dem Sand und den dunklen Felsen erhalten wir einen ersten Eindruck von dieser ganz anderen Landschaft. Weiter in Richtung Aqaba machen wir uns auf den 20-km-Abstecher zum Haupteingang von Wadi Rum, um eine Karte zu bekommen. Die Karte gibt es kostenfrei. Wir wollen zunächst nach Aqaba und von dort aus auf einer Piste zum Wadi Rum. Deshalb sind wir ein wenig enttäuscht, dass die Piste auf der Karte nicht vermerkt ist. Auf dem Rückweg herrscht durch sehr starken Wind ein leichter Sandsturm. Immer wieder bilden sich Wirbel und der Sand weht hoch über die Straße. In Aqaba angekommen, versucht Jörgen, einem Polizeiwagen zu folgen. Er schafft es wirklich bis zur Polizeistelle. Aber dort ist bereits Feierabend. Wir sollen morgen wieder kommen. Jordanien hat ca. 20 km Strand am Roten Meer. Angesiedelt sind dort Tauchclubs und Camps. Das größte ist vermutlich wohl das „Marine Beach Camp“. Wir fahren zunächst bis an die Saudi-Arabische Grenze und dann wieder zurück. Unsere Suche nach einem ruhigen Stellplatz bleibt ohne Erfolg, da direkt hinter dem Strand die Durchgangsstraße verläuft. Es ist sehr schwül. In einem Camp haben wir die Möglichkeit, Wasser aufzutanken. In dem Camp gibt es auch Toiletten und Duschen. Die Duschen werden von einem Ägypter gepflegt, der hier wohnt und eine kleine Anpflanzung unterhält. Hier treffen wir auch Anneke und Ton aus den Niederlanden wieder, die auf die Überfahrt nach Ägypten warten. Mit ihrem Wohnmobil haben sie in Petra direkt neben uns geparkt. Abends kommen LKW-Fahrer zum Duschen.

 

Sonntag, 7.11.

 

Nachts ist es sehr warm, es ist völlig windstill. Die Hitze hält auch vormittags noch an. Gegen Mittag gehen wir schnorcheln. Gleich neben diesem „Badestrand“ mit Kieseln liegen etliche Korallenriffe, so dass wir endlich mal wieder viele Fische und bunte Korallen sehen können. Außerdem ist dieser Platz ideal für die große Wäsche. Gegen Abend ebbt der Wind wieder völlig ab und dreht in verschiedene Richtungen. Aber es ist nicht ganz so warm wie gestern.

 

Montag, 8.11.

 

Das Meer ist etwas trüb und aufgewühlt. Es lässt sich aber immer noch ganz gut schnorcheln. Unsere holländischen Bekannten wollen mit einem Begleitfahrzeug, einem DAF, das Mittelmeer umrunden. Sie sind schon seit dem 1.9.2004 unterwegs. In Aqaba soll es eine eigene Visum-Stelle geben, mal sehen. Morgen fahren wir erst einmal zur Polizei. Wie bereits in den Tagen davor ebbt der Wind abends wieder ab.

 

Dienstag 9.11.

 

Wir schnorcheln noch mal im Roten Meer. Leider pieksen irgendwelche Nesseln. Das ist nicht besonders angenehm. Anschließend fahren wir zur Polizei nach Aqaba. Aber irgendwie waren wir da nicht richtig. Wir sollen zu einer anderen Polizeistation (altes Gebäude) gegenüber der Bus-Station fahren und dann zu einem Visa-Büro gehen. Eine Polizistin erklärte uns, dass wir die Wahl haben, das Visum kostenfrei auf 3 Monate zu verlängern oder bei der Ausreise 1,5 JD pro Person für jeden überzogenen Tag zu zahlen. Wir entschließen uns zur Visa-Verlängerung. Das Visabüro liegt im 3. Stock eines Gebäudes an einem Kreisel mit Ampeln. Es stehen viele Leute an und uns ist eigentlich nicht klar, wer wann dran ist. Jedenfalls bekommen wir unsere Visa-Verlängerung recht problemlos.

Wir suchen den Einstieg zur Piste nach Wadi Rum. Sie liegt an der LKW-Umgehungsstraße Richtung „Port“. Ca. 3 km nach der Abzweigung befindet sich links eine Militärkontrolle, das ist der Beginn der Piste. Da wir kein detailliertes Kartenmaterial haben, fahren wir immer der Piste nach und landen in einem Ort. Wir waren zu weit nach Osten gefahren und biegen hier Richtung Norden ab. Plötzlich steckten wir im roten Sand fest. Ein passierender Fahrer eines Geländefahrzeuges fragt, ob wir Hilfe brauchen. Aber solche Situationen kennen wir reichlich und kommen alleine zurecht. Jörgen lässt die Luft auf 2 bar ab und wir wühlen uns problemlos durch den Sand. Die große Felsenbrücke im Wadi Rum ist nicht so leicht zu finden. Auch nicht mit Koordinaten. Wir folgen einigen Touristen, und dann haben wir die Piste gefunden. Abends ist es sehr ruhig und nur unser Kühlschrank ist zu hören.

 

Mittwoch, 10.11.

 

Jörgen erklettert die Felsenbrücke, was gar nicht so einfach ist, weil es keinen richtigen Zugang gibt. Schlimmer als das Hinaufklettern ist die Fragen, wie man wieder runter kommt. Aber im Free-Climbing schaffte er es. Sich nach der Wadi-Rum-Karte zu richten, ist gar nicht so einfach und vielleicht auch so gewollt. Dann haben die Führer jedenfalls ihr Einkommen. Wir kurven im Sand zwischen den Felsen umher bis wir einen Punkt auf der Karte entdecken. Am Khazali kommt ein „Ranger“ und will unsere Tickets sehen. Jörgen erklärt ihm, dass wir von Aqaba kommen. Daraufhin beschreibt uns der Ranger den Weg zum Visitor Center, wo wir die Tickets erwerben können. Jörgen besucht den Canyon von Khazali. Anschließend suchen wir Felszeichnungen, deren Koordinaten wir von Bekannten erhalten haben. Leider können wir überhaupt nichts finden. So fahren wir schließlich nach der Wadi-Rum-Karte zu den aufgeführten Zeichnungen. Unterwegs treffen wir auf eine ruhende Touristengruppe. Dabei war der Mann, der uns gestern fragte, ob er uns helfen könnte, als der MAN im Sand steckte. Jörgen trinkt Tee und fotografiert. So bekommen wir den direkten Weg zu den Zeichnungen erklärt. Der Felsen mit den Zeichnungen ist bei weitem nicht so spektakulär wie in Libyen oder Algerien, aber es sind alte Zeichnungen. Danach fahren wir durch eine Felsspalte hindurch auf die Nordseite von Wadi-Rum, wo wir einen hübschen Stellplatz vor einer hohen Felswand finden. Es ist sehr ruhig. Um 5.45 Uhr fährt ein Zug. Das Geräusch hallt von der Felswand zurück.

 

Donnerstag, 11.11.

 

Es ist bewölkt und nicht so warm. Wir fahren über eine ältere Sebhka nach Diseh (Disa). Hier erreichen wir die Straße zum Desert Highway. Wir müssen tanken. Da wir auf dem Desert Highway keine Tankstelle finden können, biegen wir in Ma’an ab und tanken im Ort. Zunächst fahren wir Richtung Saudi-Arabischer Grenze. Aber sobald wir die Straße Nr. 5 erreichen, drehen wir ab nach Nordost Richtung Al Azraq. Mit uns fahren viele LKW’s, während in Gegenrichtung nur wenige Fahzeuge unterwegs sind. Abgelassenes ÖL und viele ausgebrannte LKW’s begleiten uns nach Norden. Plötzlich wird das Umfeld hellweiß. Wir sind in der Gegend von Ak Jafr. Dann wird es wieder schwarz. Endlich tauchen auch mal wieder ein paar z.B. kegelförmige Erhebungen auf. Welch eine Abwechslung in der tristen Ebene. Wir wollen zum Qasr at Tuba  und haben die Koordinaten der Karte entnommen. Leider ist die Karte nicht so genau, wie wir denken und unternehmen einige Abstecher, die aber nie ganz richtig sind. Auch das Fragen von Einheimischen bringt nicht viel, da die Entfernungen immer nicht stimmen. Nach mehreren Irrfahrten erreichen wir zumindest annähernd unsere Koordinaten. Jörgen fragt einen Hirten, der ihm schließlich die richtige Richtung weist. Auf einer steinigen Piste Richtung Norden erreichen wir endlich das Qasr Tuba östlich an einem Wadi-Rand. Am Qasr angekommen, sind wir ganz alleine. Es ist toll, nur das Wetter ist nicht unbedingt fotografierfreundlich. Endlich haben wir mal wieder eine kühle Nacht. Wir erleben in Jordanien eine echte Wüstenübernachtung.

 

Freitag, 12.11.

 

Morgens ist es ganze 11°C kühl. Erst als die Sonne schon ziemlich hoch steht, haben wir unsere angenehmen Temperaturen. Vom Qasr Tuba fahren wir auf einer Piste direkt zum Qasr Kharana. Die Piste ist gut zu erkennen, aber kaum befahren. Die Entdeckerlaune hat uns wieder mal gepackt und so wollen wir das in der Karte eingezeichnete Qasr al Jilat besuchen. Die Koordinaten entnehmen wir wieder einmal der Karte. Wir folgen einigen steinigen Pisten in Richtung der Koordinaten, finden ein totes Kamel und erreichen schließlich eine große geschobene Piste Richtung Westen. Es ist weit und breit nichts zu sehen. Eine Beschreibung des Qasr haben wir nicht. Wir fahren auf zwei Wasserfahrzeuge zu und Jörgen fragt. Ein Mann scheint das Qasr zu kennen. Wir sollen seinem Fahrzeug folgen. Es geht kreuz und quer durch die steinige Wüste. Bei einem alten Staudamm hält er an. Er erklärt uns, dass hier früher mal eine Mühle gestanden hat. Eine Aufmerksamkeit, dass er uns hierher geführt hat, will der junge Mann nicht. Eine Flasche Wasser nimmt er dagegen gerne an. Ich habe so meine Zweifel, dass wir wirklich vor dem Qasr stehen. Die Überbleibsel waren aber schon interessant. Wir suchen noch mit dem Fernglas die Gegend ab und finden eine wunderschöne Piste auf einer Hügelkette, die immer am Wadi entlang führt. Unsere Suche wIrd auch durch die vielen Erdaushebungen sehr erschwert. Nach erfolgloser Suche wenden wir uns wieder unserem nächsten Ziel, dem Qasr Kharana zu. Wir treffen auf eine geschobene Piste Richtung Norden. Leider ist diese nicht mehr so gut zu befahren. Sie ist durch LKW’s ziemlich ausgefahren, aber nicht zu verfehlen. Hier verlieren wir auch den Lehmziegel, den wir vom Qasr Tuba mitgenommen haben, da sich durch das Gerüttle eine Klappe im MAN geöffnet hat. Von einem „Hügel“ aus kann man das Qasr schon in der Ferne liegen sehen. Das ziemlich quadratische Qasr ist noch gut erhalten und kostet keinen Eintritt. Es ist schon Nachmittag und wir sputen uns zum Qasr Amra. Es ist ein kleines Schloss mit vielen Wandmalereien im Inneren. Es gibt dort auch ein Visitor-Center vom 30.09.1999, in dem die Funktion des Schlosses mit Badehaus aufgezeigt wird. Der Eintritt beträgt 1 JD pro Person. Eigentlich hat das Qasr schon geschlossen, wie uns der Wärter mitteilt. Wir bedanken uns herzlich, dass wir trotzdem noch eine Besichtigung durchführen können. Jetzt wird es schnell dunkel. In Richtung Al Azraq biegen wir nach Süden ab, folgen dann einer Straße zum Wild Life Reservat und finden hinter einer Erdaushebung in letzter Minute einen Stellplatz. Es ist sehr ruhig, aber der Wind pfeift durch alle Ritzen.

 

Samstag, 13.11.

 

Morgens kommt ein deutsches Pärchen vorbei, die mit ihrem Mercedes G im Wild-Life-Camp übernachtet haben und eine 1 ½ Jahre Tour vom Nordkap nach Kapstadt durchführen. ½ Jahr sind sie schon unterwegs. Wir suchen das Qasr Uwaynit. Durch das Fernglas entdecke ich Mauerreste auf einem Felsvorsprung im Norden. Wir folgen einer sehr schlechten Piste, die teilweise durch ein Wadi führt. Jedenfalls ist nicht viel zu sehen und Jörgen ist auch nicht davon zu überzeugen, dass wir vor dem Qasr stehen. Er fährt zurück zur Straße und dann in Richtung Süden. Auch dort ist nichts auszumachen. Zurück beim Reservat deutet ein Mann auf die Mauerreste, die wir bereits besucht haben. Wir verzichten auf einen weiteren Besuch und fahren nach Al Azraq. Hier sehen wir uns die Burg an, in der Lawrence von Arabien gelagert haben soll. In Asraq ersteht Jörgen 1 kg Tomaten für 500 Fils und 1 Pizza sowie 4 Fladenbrote für 800 Fils. Unser nächstes Ziel ist das Qasr Usaykhim. Als ich das Qasr auf einem Berg entdecke, steht auch schon ein braunes Schild am Straßenrand. Wir biegen ab auf eine holprige Basaltpiste. Wir können sogar zur Burg hinauffahren, was ich zunächst bezweifelte. An einer Stelle steht der MAN auf einem Bergsattel sogar gerade. Aber für einen Stellplatz ist es leider noch zu früh. Das Panorama ist genau das richtige für die leckere Pizza. Die Ruinen des schwarzen Qasr zeigen eine saubere Verarbeitung, nicht so wie im Qasr Azraq. 2 Rundbögen und Räume sind noch zu erkennen. Der umgebende Burgwall ist besonders gut erhalten. In unserer Karte ist ein weiteres Qasr verzeichnet. Dafür biegen wir wieder mal auf eine Piste ab. Diesmal handelt es sich um eine Pipeline-Piste. Wir fahren etwa 10 Kilometer auf der Schüttelpiste. Auf einem Hügel links machen wir Mauerreste aus, fahren in die Richtung, zweifelnd wieder zurück um dann doch wieder zu den Resten zu fahren. Von diesem Qasr ist aber so gut wie gar nichts mehr erhalten. Nur noch alte aufeinandergeschichtete Steine. Wir beschließen, hier zu übernachten und morgen nach Syrien einzureisen. Abends wird es wieder ziemlich kühl.

 

Sonntag, 14.11.

 

Wir fahren auf der Piste weiter, bis wir die Straße erreichen. Hügel rauf, Hügel runter – eine richtige Achterbahnstraße. In den Orten ist nicht viel los. Die paar Menschen, die wir sehen, sind hübsch angezogen. Heute hat nämlich der König Geburtstag und es ist Feiertag. In Mafrq fahren wir durch die Innenstadt. Bis auf ein paar Lebensmittelläden sind alle Geschäfte und Restaurants geschlossen. Da wir noch viel Geld haben, tanken wir die Tanks voll. Dann geht es ab auf die Autobahn in Richtung Grenze. Jörgen erledigt die Formalitäten auf jordanischer Seite. An der syrischen Grenze füllen wir die Einreisekarten aus und stehen an. Es herrscht viel Betrieb bei der Polizei. Als wir endlich fertig sind, sind auch kaum noch Leute da. Im nächsten Gebäude befindet sich die Versicherung (die wir noch haben) und die Abwicklung des Carnets. Aber zunächst muss draußen ein Mann einen Beleg ausstellen. Da wir einen Diesel haben, müssen wir bei der Bank anstehen und 100 U$ Dieselsteuer bezahlen. Auch hier ist heute ein Feiertag, wegen Ende des Ramadan. Jörgen macht dem Beamten klar, dass Euro mehr wert sind als der U$. Wir denken, er hat das auch verstanden, aber am Ende sind wir doch unsere 100 € los und bekommen nichts zurück. Angeblich ein Teil für die Dieselsteuer und der Rest für die Bearbeitung des Carnets. Wir fahren weiter nach Bosra. In Bosra steht das beeindruckende Amphitheater, das sehr gut erhalten ist. Da später eine Burg drumherum gebaut worden war, nenne ich es Burgtheater. Auch die Altstadt soll sehr sehenswert sein. Da wir aber schon genug derartige Ruinen gesehen haben, fahren wir weiter nach Mallah. Dort angekommen sehen wir den in der Karte als „Highlight“ eingezeichneten Wehrturm rechts liegen. Er war ebenso wie die ehemalige Burg voll in Wohnhäuser integriert worden. Ein Mann zeigt uns den Wehrturm. Dabei nimmt er ein Bild von der Wand und öffnet eine Holztür. Dahinter befindet sich eine Steintür. Der Mann klettert mit Jörgen hindurch. Auf den Resten einer Zwischendecke klettern sie auf die gegenüberliegende Seite. Für die Besichtigung sollen wir nichts bezahlen. Es wird dunkel und wir suchen uns auf einem Feld einen Übernachtungsplatz neben einem Basalthaufen. Die großen Basaltsteine waren beiseite geräumt worden, um Getreide, Obstbäume, Oliven usw. anbauen zu können. Es folgt eine sehr ruhige, kühle Nacht.

 

Montag, 15.11.

 

Wir befinden uns in ca. 1400 m Höhe und haben eine Außentemperatur von 7,5°C. Im nächsten Ort stellt sich Jörgen beim Bäcker an. Frauen und Männer stehen getrennt an. Wir wollen 4 Fladenbrote. Aber er kommt mit 4 kg für 39 SP zurück. Wir wollen mal wieder Piste fahren und so fragt Jörgen im nächsten Ort an einer Abzweigung nach Az Zalaf. Wir stehen natürlich davor. Es folgen 2 Kilometer gute Asphaltstraße und dann ruckelige 30 Kilometer überteerte Basaltsteine. Anschließend folgt noch eine schlaglochreiche Asphaltstraße, die nach 20 Kilometern an einem Staudamm endet. Wir biegen auf eine Piste ab. Den Ort Az Zalaf haben wir bis dahin nicht gesehen. Ich weiß nicht, ob wir richtig sind und biegen ab zu einer Pumpstation. Dort steigt ein junger Mann zu, der uns den Weg nach Sab Abar zeigen will. An einer weiteren Pumpstation steigt er aus, erzählt uns, das wäre Az Zalaf und zeigt uns die weitere Richtung. Zunächst an der Wasserleitung entlang und dann nach NordOst. Wir fahren los und kurven kurze Zeit später in einem ausgetrockneten Salzsee herum. Die Spuren, die zunächst nach NordOst verlaufen, drehen bald nach NordWest. Solange es Norden ist, ist es noch o.k. Am Rand des Salzsees fahren wir auf eine Beduinensiedlung zu. Ein älterer Mann weist uns den weiteren Weg. Immer am See entlang durch die Hammada. Wir ruckeln langsam weiter. Mal kurz im Salzsee, dann wieder auf Basalt. Ein kurzes Stück begleitet uns eine geschobene Piste. Aber die Spuren weichen immer wieder auf den wunderbar zu befahrenden Sand-/Lehmboden aus. Wir rauschen gerade mal wieder auf diesem Untergrund um eine Felsenecke und stehen verblüfft vor dem Beginn einer Asphaltstraße. Naja, wir waren auf dem Basalt nur ausgesprochen langsam voran gekommen, deshalb kann uns gar nichts besseres passieren. Die Straße führt lange Zeit Richtung 350°, nur zuletzt mehr nach Westen. Sie ist kaum befahren. Schätzungsweise 20 Fahrzeuge am Tag – und trotzdem hat sich eine ca. 1,20 m lange Schlange mitten auf der Straße erwischen lassen. Die Wolken reißen nicht so richtig auf. Die Hauptstraße erreichen wir kurz nach der Abfahrt nach Palmyra. An der Abzweigung steht ein großes Rallye-Schild. Es ist um 14 Uhr schon so dämmerig, dass wir an die Abenddämmerung glaubten. Wir finden einen schönen Stellplatz auf einem Berg abseits der Straße. Es sind noch 40 Kilometer nach Palmyra. Wir wollen zur Morgensonne dort sein. Nachts regnet es.

 

Dienstag, 16.11.

 

Die Wolken sind immer noch da. Es ist trüb, aber nicht so kalt. Um 6 Uhr haben wir draußen 15,6°C. Wir verlassen unseren schönen Stellplatz und fahren nach Palmyra. Dort besuchen wir zunächst das Tal der Gräber und den bekanntesten Grabturm „Grab des Elahel“ von 103 n.C. Leider ist um 8 Uhr noch geschlossen. Es regnet ab und zu. Wir fahren weiter am Ruinenfeld vorbei hinauf zur Burg. Auch hier ist heute geschlossen. Der Eintritt beträgt normalerweise 75 SP pro Person. Der fantastische Ausblick auf Palmyra ist leider durch den regnerischen Tag etwas getrübt. Wir suchen einen Bäcker auf, der gleich nach unserem Einkauf den Laden schließt (wahrscheinlich sind wir zu spät). Wir fahren wieder in das Tal der Gräber. Angesichts der Touristenscharen, die kaum alle in das Grab hinein können, verzichten wir auf den erneuten Besuch. Es ist inzwischen 9.30 Uhr. Na, dann fahren wir jetzt zum Tempel des Baal. Nach dem Frühstück gehen wir hinein (150 SP pro Person). Es ist ein Tempel von beeindruckender Größe. Immer am 6. April, dem Neujahr der Palmyraner, fand dort ein großes Opferfest statt. Die Tiere wurden durch ein besonderes Tor in das Innere des Tempels geführt. Die Menschen mussten durch das Haupttor. Dann wurden die Tiere ein paar Mal am Altar herumgeführt und anschließend über einem Loch in einer Steinplatte geschlachtet. Das Blut lief durch einen Schacht aus dem Tempel heraus. Geopfert wurden Felle, Knochen und Innereien. Zum Fleischessen wurden besonders ausgewählte Bürger von Palmyra eingeladen (in der Regel die reichsten), die als Gegenleistung Geschenke (Geld o.ä.) mitzubringen hatten. Je mehr sie mitbrachten, umso angesehener waren sie im nächsten Jahr. Die Einladung zum Fest ging den Auserwählten einen Monat vorher zu.

Als wir den Tempel verlassen, wartet schon Werner, ein Motorradfahrer aus Pfullendorf, auf uns. Er war bereits 5 Monate unterwegs und hat sich als nächstes Fernziel Tansania vorgenommen. Insgesamt will er 2 bis 2 ½ Jahre unterwegs sein. Werner erzählt uns, dass er am Euphrat einen unverschuldeten Unfall hatte, der ihn 6 Tage für die Reparatur gekostet hat. Die Traffic-Polizei hatte ihm sehr bei der Abwicklung geholfen. Völlig überrascht sind wir, als wir einen Nussverkäufer treffen, der uns schon in Maaloula Nüsse verkaufen wollte. Ein AMR-Aufkleber ziert nun sein Fahrzeug ebenso wie die Motorradkisten von Werner. Auch ein geschäftstüchtiger Junge, der nie locker ließ, ergattert einen Aufkleber. Das Wetter ist immer noch durchwachsen. Wir fahren weiter Richtung Dair az Zor und biegen in Sukline (Az Shoukna) auf eine Asphaltstraße mit zahlreichen Schlaglöchern ab. In Ta Tabeh fahren wir rechts ab auf eine gute Straße nach Qasr al-Hair ash-Sharqi (östlliches Wildgehegeschloss). Kaum sind wir dort angekommen, braust auch schon ein junger Mann auf seinem Motorrad herbei und verkauft uns Tickets für 75 SP pro Person. Er hat den Schlüssel zum „Palast“. Im Inneren ist allerdings nicht viel zu sehen. Jörgen findet eine schöne bemalte Scherbe. Wir beschließen, hier zu bleiben und suchen noch das „Wildgehege“ nach alten Fundsachen ab. Kurz bevor es dunkel wird, kommt nochmal der junge Mann auf dem Motorrad und warnt uns vor Füchsen und Wölfen (und/oder Dingos (wilde Hunde). Nachts höre ich eine Zeitlang ein Jaulen oder Heulen von mehreren Tieren. Ich tendiere eher zu Wölfen. Ansonsten ist es sehr ruhig.

 

Mittwoch, 17.11.

 

Es ist weiterhin regnerisch. Wir fahren auf guter Straße weiter nach Rusafa. Rusafa war ein christliches Pilgerzentrum aus dem 5. Jahrhundert. In den Stadtmauern gab es viele Türme, Kathedrale und eine Bischofskirche. Jörgen erwischt zum Fotografieren kurz eine regenfreie Zeit. Aber dann regnet es sich so richtig ein. Von Rusafa aus geht es an den Euphrat und auf die Hauptverkehrsstraße nach Dair az Zor. Auf einer Strecke von 20 Kilometern begegnen uns 6 Büssing Lkw’s aus den 50iger Jahren mit 3-Achs-Anhängern. Sie transportieren Baumwolle. Später begegnet uns noch einer. Wir folgen einer kleinen Straße zur Burg Halabiayh. Sie liegt direkt am Euphrat. Hier kommt doch noch die Sonne ein wenig durch. Jörgen fährt über die Ponton-Brücke mit den Holzbohlen. Wieder zurück bei der Burg wartet schon ein Motorradfahrer und will uns Tickets für 75 SP pro Person verkaufen. Wir haben aber keine Lust, uns die Ruine anzusehen und fahren weiter. Jörgen fotografiert noch eine brotbackende Frau bei einem Beduinenzelt. Es ist 15 Uhr und schon wieder dämmerig. Wir suchen ein Stellplatz, aber am Euphrat ist alles dicht besiedelt. So bleibt uns nichts anderes übrig, als in Dair az Zor in Richtung Palmyra zu fahren und uns seitlich in die Hügel zu schlagen. Es regnet immer noch. Gerade rechtzeitig haben wir einen adäquaten Übernachtungsplatz gefunden, denn um 16.30 Uhr ist es finster.

 

Donnerstag, 18.11.

 

Morgens ist es sehr windig, aber es regnet nicht mehr. Die Sonne scheint sogar.  Wir fahren nach Dair az Zor zu den Suqs. Es ist wohl noch zu früh, denn einige haben ihre Rollläden noch unten. Aber innerhalb von 20 Minuten ist richtig was los. Es wuselt von Menschen. Bis auf den Fleischsuq finde ich das toll. Im Fleischsuq riecht es nach Blut und die Tierköpfe liegen vor den Läden. Gewürze werden nur ab und zu angeboten, dafür gibt es keinen eigenen Suqbereich. Wir fahren zur französischen Hängebrücke. Dann geht es auf der nördlichen Euphratseite wieder Richtung Raqqa. Hier ist alles noch ländlicher und ursprünglicher als auf der Südseite. Das Holz von den Baumwollfeldern wird mit Sicheln geerntet und vor den Häusern aufgeschichtet oder für die Ställe der Tiere verwandt. Auch sehen wir einen „Superman Turbo“, einen bunten mit Troddeln behangenen Bus. Wie die Fahrer noch was sehen, ist uns schleierhaft. Immer wieder begegnen uns auch umherziehende Beduinen mit Lkw und dem gesamten Hausstand sowie einem Wasserwagen für die Tiere. Die Schafe werden wohl mit einem extra Lkw zum neuen Standort gebracht. Wir biegen ab zu den Burgruinen von Zenobia. Von dort oben haben wir einen tollen Blick über den Euphrat und zur Zwillingsburg Halabiayh. Über Raqqa erreichen wir um 14.45 Uhr die Burg Qaalat Jabar. Auf der Seeseite finden wir einen schönen Stellplatz mit Blick auf den Stausee. Es ist angenehm windstill und die Sonne scheint. Nach Sonnenuntergang kommt noch ein Lkw mit Leuten, die angeln und grillen. Um 0.30 fahren sie wieder ab.

 

Freitag, 19.11.

 

Die Luft ist feucht. Wir fahren sehr früh vom Stausee ab über den Staudamm. Von dieser Seite aus hat man keine Passkontrolle. Weiter geht es bei schönem Wetter nach Aleppo. Alle Reiseführer nutzen nichts, in Aleppo muss man sich schon nach der Beschilderung richten. Mit dem Parkplatz vor der Zitadelle haben wir fast noch freie Auswahl. Es ist auch erst 10 Uhr. Die Zitadelle ist eine sehr große Burg, die auf einem Hügel angelegt wurde. Sie beinhaltet mehrere Moscheen und wird wie fast alle Burgen in Syrien zurzeit restauriert. Dann gehen wir in den Suq und sind sehr enttäuscht, dass am Freitag bis auf ganz wenige Läden alle geschlossen haben. Nach harten Verhandlungen ersteht Jörgen 2 Seidentücher für zusammen 400 SP. Auch in die Moscheen kommen wir nicht rein. Also dann lieber ½ Hähnchen mit Pommes und Salat. Dabei überlegen wir, dass wir doch Tischdecken für den Reiseraum im Keller brauchen und gehen zurück in den Suq. Ergebnis: 2 Tischdecken für insgesamt 500 SP. Dann fahren wir in Richtung NordWest durch z.T. schlaglochreiche Straßen. In Syrien gibt es viele Straßenschwellen, die im Gegensatz zu Jordanien fast nie angekündigt werden. Wir erreichen die Schnellstraße und kurz darauf die Abzweigung nach Nordwest (Azaz Gizaz) die türkische Grenze im Norden. Dieser Straße folgen wir, erwischen aber mangels Beschilderung die falsche Abfahrt zum Simonskloster. Die Straße endet nach einiger Irrfahrt in einem Bergdorf. Jörgen fragt an einer Tankstelle. Wir sind 3 Kilometer zu weit gefahren. Also wieder zurück Richtung Aleppo. Hier steht auch ein Schild „Qalaat Saman“, aber nur aus dieser Richtung. Bald darauf erreichen wir einige sehr gut erhaltene Ruinen. Es sind die Ruinen von Shams (Shamas). Wir überlegen erst, ob wir hier bleiben, da die Sonne bereits untergeht. Aber da picknickt eine ganze Familie und grillt. Wir sind noch von gestern geschädigt und fahren weiter. Leider ist bis zum Simonskloster keine Piste in Sicht. Das Simonskloster ist hell erleuchtet und oben auf dem Berg liegt eine gut besuchte Cafeteria. Das ist nichts für uns. Jörgen entdeckt eine Piste auf der gegenüberliegenden Seite. Die ist sehr steil. Oben angekommen, finden wir uns in einem Ruinenfeld wieder. So haben wir in letzter Minute, bevor es ganz finster wird, einen schönen Stellplatz mit Blick auf das Simonskloster ergattert. Es war ein anstrengender Tag.

 

Samstag, 20.11.

 

Die Nacht ist sehr ruhig. Morgens um 6.30 Uhr haben wir 10,6° C. Wir besichtigen das Simonskloster, an dessen Stelle Simon 42 Jahre in Askese auf einer Säule verbracht haben soll. Bereits zur Öffnungszeit stehen einige Busse auf dem Parkplatz, was ansich zu der Zeit selten vorkommt. Die Ruine ist sehr interessant. In der Umgebung können wir weitere Ruinenstätten erkennen, die der Legende von den Pilgern einen Hauch Wahrheit verleihen. An der Grenze drehen wir vor der Polizeistation, um noch zu tanken. Ich registriere einen Tankwart, der unser Kennzeichen notiert. Noch denke ich mir nichts dabei. Der Polizeicheck verläuft reibungslos. Dann kommt jedoch die Merkwürdigkeit. Angeblich darf man aus Syrien nur 150 Liter Diesel ausführen und von der Tankstelle ist verpetzt worden, dass wir 350 Liter getankt haben. Die Vorschrift ist uns völlig unbekannt. Alle Diskussionen helfen nicht, man will uns zurückschicken. Wir sollen unbedingt 100 U$ nachzahlen. Da wir aber nur 60 € haben, gibt der hartnäckige Abzocker sich schließlich zufrieden und lässt und ziehen. Vor der Grenze Bab al Hawa können wir daher nur warnen. Auf türkischer Seite ist die Polizeiabfertiung völlig unproblematisch. Dann bezahlen wir 12 Mio TL für unser Fahrzeug, da es keiner identifizieren kann. Ein junger Mann bietet seine Hilfe angeblich kostenlos an. Dann müssen wir aber doch noch 15 Mio. TL für ein „Triptik“ bezahlen. Wir waren also mehr Geld los, als wir dachten und sind ziemlich angenervt als wir in die Türkei einreisen. Es wird immer noch Baumwolle gepflückt. Ein Stückchen hat Jörgen mir organisiert. Bald haben wir die Straße nach Iskenderun und damit die Autobahn erreicht. Jetzt heißt es dringend einen Stellplatz zu finden. Noch vor Ceyhan biegen wir von der Autobahn ab. Zunächst begegnet und viel Schwerlastverkehr mit Kohle und Öltransporten. Aber dann wird es ruhiger. Leider führen keine Wege in die Felder und zum Überfluss fängt es auch noch an zu regnen. An einer Wasserleitung führt eine Piste ab, die uns zu einem wirklich akzeptablen Stellplatz führt. Ein Gewitter zieht auf. Es blitzt, donnert aber selten. Nachts regnet es, ach was, es schüttet. Dazu sind wir mitten im Gewitter. Immer wenn ich denke, jetzt ist das Gewitter weiter gezogen, kommt es zurück. Dann fängt Jörgen auch noch an, sich Kaffee zu machen. Mitten in der Nacht! Irrtum, es ist 6 Uhr und es regnet ununterbrochen weiter. Wir haben 15°C. Mal sehen, ob es überhaupt heller wird. Um 6.30 Uhr ist es etwas heller, aber das Dauergewitter fängt an zu nerven.

 

Sonntag, 21.11.

 

In Ceyhan finden wir gleich einen Bäcker. So können wir mit frischem Brot gleich auf die Autobahn fahren. Am Ende der Autobahn ist ein Ort mit einer großen Karawanserei (Ökuz Mehmet Pasa). Hier merken wir zum ersten Mal, dass es draußen furchtbar kalt ist. Aber wir befinden uns in 1450 m Höhe. Lust, uns die Karawanserei anzusehen, haben wir bei diesem feuchtkalten Wetter nicht. Auf dem Weg nach Konya biegen wir in Eregli nach Irviz ab. In dem kleinen Ort befindet sich an einem Felsen ein großes Relief aus dem 8. Jahrhundert vor Christus. Es ist sehr beeindruckend. Weiter geht es in Richtung Konya. Es fängt an zu schneien. Der heftige Wind sorgt für ein Schneetreiben. Bei Kraterseen finden wir einen schönen Stellplatz im Ringkrater Meke Gölu.

Es schneit weiter. Wir scheuchen mit dem MAN 2 Pelikane auf, die hier beheimatet sind. Jörgen aktiviert zum ersten Mal seit dem San Bernadino die Heizung. So beobachten wir bei kuscheliger Wärme das Schneetreiben draußen.

 

Montag, 22.11.

 

Unsere Tür ist eingefroren. Wir haben –1,5°C, aber es schneit nicht mehr. Es ist alles weiß, aber wir haben klare Sicht. Zudem ist es sehr windig. Wir fahren noch zu einem anderen Kratersee. Allerdings ist das kein Ringkrater und wir vermeiden bei dem Wetter die steile Abfahrt in den Krater. Wieder auf der Straße fegt der Wind den Schnee von Nord nach Süd. Teilweise ist nicht besonders viel zu sehen. Es liegen LKWs, Busse, PKWs und Kleinlaster im Graben (auf einer kurzen Strecke von 25 km so ca. 30 Stück). Die Abschleppdienste sind schon länger mit der Bergung beschäftigt. Auf der Straße hat sich eine Eisschicht gebildet. Jörgen kann trotz Allrad nur maximal 40 km/h fahren. In Konya ist es zunächst besser. Ich tausche in einer Bank 50 €, die wir anschließend im Supermarkt wieder ausgeben. Im Supermarkt läuft auch ein Fernseher mit Nachrichten. Thema ist nur der plötzliche Wintereinbruch und die daraus resultierenden vielen Unfälle. In Richtung Afyon stecken wir wieder im Schneesturm. Der ist noch schlimmer als vormittags. Wie gut, dass wir so viel Zeit haben. Schließlich wird es doch besser und wir fahren zügig bis hinter Afyon. Jörgen folgt einer Piste in die Berge. Dort finden wir einen geschützten Stellplatz. Es schneit nicht mehr, aber es wird sehr kalt.

 

Dienstag, 23.11.

 

Morgens um 7.45 Uhr haben wir –8,2°C. Erst nach Usak liegt nicht mehr soviel Schnee. Wir folgen einem braunen Schild (Sehenswürdigkeit), aber nach den angegebenen Kilometern ist nichts besonderes zu finden. Da wir auch nicht wissen, was das für eine Sehenswürdigkeit sein soll, geben wir auf. In Sardes besuchen wir den Artemis Tempel. Eintritt 2.000.000 TL pro Person. Die Sonne scheint den ganzen Tag. Aber die Stellplatzsuche erweist sich als ziemlich schwierig. Allein in die Berggruppe hineinzufahren ist fast unmöglich. Schließlich finden wir doch noch ein Sträßlein in die Berge. Tiefe Schluchten und Pisten, die nach 20 Metern enden – es ist zum Verzweifeln. Aber dann finden wir doch noch ein Plätzchen. Mir geht es schlecht. Kolikartige Magenschmerzen machen mir zu schaffen. Die Wärmflasche macht alles nur noch schlimmer. Es ist eine Wohltat, dass der Stellplatz sehr ruhig ist.

 

Mittwoch, 24.11.

 

Zurück auf der Straße suchen wir das Felsenrelief „Karabel“. Wir finden den Karabel-Picknick-Yeri, der allerdings geschlossen hat. Einen Aufstieg zum Relief, wie er im Buch beschrieben ist, finden wir zunächst nicht. Es fängt an zu regnen. Auf der Rückfahrt sehen wir doch noch Stufen, aber kein Hinweisschild. Nach einem kleinen Fußmarsch erreichen wir das Relief. Leider hat man schon darauf geschossen und es beschädigt. Wir fahren weiter nach Cesme. Das Wetter ist durchwachsen. In Cesme angekommen suchen wir zunächst einen Stellplatz und erkunden dann den Ort. Es ist nichts los. Alles ist sowieso auf Tourismus eingestellt. Nachmittags kommt dann doch noch die Sonne durch und es wird warm. Um so schöner ist dann auch unser Übernachtungsplatz direkt am Meer.

 

Donnerstag, 25.11.

 

Wir kaufen noch Brot, dann schiffen wir ein. Die Reca-Agentur liegt im Ort, nicht direkt am Hafen. Wir füllen Boarding-Cards aus und fahren durch den Zoll. Anschließend warten wir auf die Polizei und die Triptik-Prüfung. Nach ca. 45 Minuten fahren wir an Bord. Diesmal haben wir die Kabine 5200, ganz vorne. Mal sehen, wie das wird. Zunächst ist alles noch in Ordnung. Aber ab ca. 15 Uhr fängt das Schiff dermaßen an zu rollen, dass ich sofort seekrank werde. Es ist furchtbar. Da der Sturm immer noch zunimmt, gehe ich ins Bett und schlafe auch bald. Jörgen erzählt mir später, dass der Sturm sehr heftig war.

 

Freitag, 26.11.

 

Morgens schaukelt das Schiff bei unruhiger See. Einige der Passagiere haben ihre Arme in Gips. Scheint doch einiges passiert zu sein in der letzten Nacht. Wir sichern uns ein windgeschütztes Plätzchen auf Deck und lesen mal wieder. Die Sonne wärmt schön. Gott sei Dank beruhigt sich die See auch zunehmend. Nachts ist es sehr ruhig.

 

Samstag, 27.11.

 

Bei sehr ruhiger See schippern wir Richtung Ancona. Die Pässe werden erst in Ancona ausgegeben. Also kommt die Polizei an Bord. Beim Einschiffen sind die Pässe in Tüten verpackt worden. Als Nachweis bekamen wir eine Nummer. Nach dem Anlegen stelle ich mich in der Colombo Bar an. Es ist wichtig, dass wir die Stempel schnell erhalten, denn der MAN steht ganz vorne. Klappt auch sehr gut, um 18 Uhr sind wir vom Schiff runter und fahren auf die Autobahn. Da es Samstag ist, sind zum Glück auch kaum LKWs unterwegs. Einige Anzeigefelder erregen meine Aufmerksamkeit. Baustellen in Piazente Sud und Milano Sud. Na ja, ist ja nicht so viel los. In Piazente ist die Autobahn plötzlich voll gesperrt. Wir fahren runter, bezahlten die Gebühr und sind plötzlich auf uns gestellt. Kein Hinweis darauf, wie es weiter geht. Eine Planung haben wir auf die Schnelle nicht. Genauso überrascht sind die LKW-Fahrer. Jörgen fährt Richtung Genua; das ist gar nicht gut, da unsere Richtung eigentlich eher Nord ist. Also wieder zurück. Kurz vor der Mautstelle biegen wir in die Stadt ab und folgen den blauen Schildern "Milano“. Zwei Versuche, wieder auf die Autobahn zu gelangen, schlagen fehl. Erst in der Auffahrt zur Autobahn sind die Sperrungen zu erkennen. Mit uns drehen auch wieder LKW-Fahrer. Wir folgen weiter der Nebenstraße nach Milano. Es wird zunehmend nebliger. Teilweise können wir gar nichts mehr erkennen. Einmal ist sogar die Straßenmarkierung nicht mehr zu sehen. Wir sind hilflos, denn wir stehen vor einer grauen Nebelwand. Erst als von rechts Fahrzeuge einbiegen haben wir wieder eine Orientierung. Kurz vor Milano biegen wir links ab Richtung Autostrada. Und siehe da, im Nebel tauchen grüne Leuchten auf. 90 Cent bezahlen und rauf auf die Autobahn. Erst im letzten Moment sehen wir durch den dicken Nebel die Hinweisschilder und die Fahrbahnhinweise. Aber wir erwischen die richtige Tangenziale ovest und endlich verläuft wieder alles normal. Das Ganze hat uns sicherlich eine Stunde gekostet. Auf einem Rastplatz der schweizer A13 in Richtung San Bernadino übernachten wir dann. Es hat mal wieder geschneit in der Nacht. Aber das ist ja nichts neues mehr.

 

Sonntag, 28.11. und Montag 29.11.

 

In Ulm treffen wir noch Jan au München und gehen zusammen schön essen. Bei der Weiterfahrt fängt es an zu regnen. Dieser Regen begleitet uns bis nach Hause.

 

© bei Rita Terjung und Jörgen Hohenstein 2004