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3. Etappe - Finnland -
die 1.
Etappe - Schweden - finden Sie
hier
die 2. Etappe - Norwegen - finden Sie
hier
Samstag, 12. August 2000
Vor dem Bärennest, als "Bärenhöhle" angekündigt,
stand ein künstlicher Weihnachtsmann und sang Lieder. Finnland ist das
offizielle Weihnachtsmannland, deshalb trifft man überall auf diese Figur. Wir
erklommen auf dem Weg zum Bärennest 315 Stufen. Die letzten 152 waren die
steilsten. Dann standen wir vor einem kleinen Loch in einem Felsen. Das war der
Eingang zum Bärennest. Der Felsen war ausgehöhlt. Es ist eine ehemalige
Gletschermühle, ein Felsen, der von kleineren, vom Gletscher mitgeführten
Felsbrocken im Laufe der Jahre ausgehöhlt wurde. Durch die Eiszeit wurde diese
Gletschermühle auf den Hügel transportiert, wo sie auf dem Kopf, mit dem
Hohlraum nach unten, liegen blieb. Die Legende berichtet, dass hier während
eines Unwetters ein Bär und ein Mensch friedlich zusammen übernachtet haben.
Auf dem Weg nach Süden entdeckte Jörgen ein Schild mit
"Goldwäsche" oder so ähnlich. Das konnte noch nicht der Goldort
Tankavaara sein. Wir folgten der holprigen Piste und landeten an einem z.Z.
nicht betriebenen Camp. Das Ufer des kleinen Flüsschens war oft aufgegraben.
Vier unerschrockene Goldgräber waren gerade dabei, ihren ausgegrabenen Sand zu
waschen. Selbst die vielen Mücken schreckten sie nicht ab. Sie hatten sich ein
großes Zelt aufgebaut, waren also schon länger am schürfen.
Ein paar Kilometer weiter erreichten wir den Goldgräberort
Tankavaara. Dieser Ort ist jetzt ein reines Touristenzentrum. Man kann alte Häuser
und das Goldmuseum besuchen. Für einen Aufpreis kann man sogar nach Gold schürfen.
Etliche der faszinierendsten Abschnitte in der Geschichte
Lapplands haben mit dem Gold zu tun. Woher das in Lapplands Flüssen gefundene
Gold kommt, ist bis heute nicht geklärt – die Suche nach der
"Urader" dauert an. Die meisten Untersuchungen weisen jedenfalls
darauf hin, dass es in Lappland noch reichlich Gold gibt. Das Goldfieber ist
wieder am Steigen. Besonders der Lemmenjoko und die südlichen Zuflüsse des Ivalojoki sind goldhaltig. Einer der ersten, die das entdeckten, war der Chef
der damaligen Münzwerkstatt des Großfürstentums. Er fand im Jahre 1868 in nur
2 Tagen 200 mg Gold. In den darauffolgenden Jahrzehnten kamen bis zu 600
Goldsucher an den Ivalojoki und seine Nebenflüsse und schürften lt. Statistik
bis zu 57 kg Gold im Jahr. Man brachte sogar Dampfmaschinen in die Wildnis. Mit
ihrer Hilfe wurde der Sand des Flussgrundes hoch gepumpt und gesiebt. Im Sommer
kommen rund 200 Unverbesserliche und hoffen, den großen Fund zu machen - wie
1935, wo ein Nugget von 400g gefunden wurde. Das Goldmuseum war ursprünglich am
Lemmenjoki eingerichtet, wo auch geschürft wurde. Dann bemerkte man, dass der
Tourismus sich mehr auf der E75 zum und vom Nordkap bewegt. So packte man das
Goldmuseum ein und baute es in Tankavaara an der Hauptreisestrecke wieder auf.
Nun heißt es Golden World. Es zeigt neben der finnischen Goldgräbergeschichte
Gerätschaften und Bauwerke aus allen Teilen der Welt. Außerdem kann man eine
große Mineraliensammlung ansehen.
In Sodankylä, wo wir uns noch die älteste Holzkirche
Lapplands ansehen wollten, wurde uns schmerzlich die kurze Öffnungszeit von
Sehenswürdigkeiten in Finnland bewusst. Erst einmal ist es hier schon eine
Stunde später und zweitens sind die Objekte in der Regel nur von 9 bis 18
Uhr zu besichtigen. Wir trafen um 18.10 Uhr an der Kirche ein. Sie war natürlich
verschlossen. Die Holzkirche wurde im Jahr 1689 gebaut. Der Glockenturm wurde
1859 zur neuen Kirche transportiert. Nach dem Bau der neuen Kirche wurde die
alte Holzkirche nicht mehr benutzt und verfiel zunehmend. Erst im Jahr 1926
wurde die inzwischen ziemlich verwitterte Kirche restauriert. 1995 erhielt sie
ein Dach im Stil des 18. Jahrhunderts.
Wir verließen die E75 und bogen auf die östlichere E63.
Ab hier sahen wir in 1 ½ Stunden Fahrt nur ein Fahrzeug, dagegen aber einige
Rentiere, die am Straßenrand ästen. Überall sah man Rauch aufsteigen und roch
es auch - die Saunen wurden angeheizt. Kurz vor der nördlichsten Stadt
Finnlands, Kemijärvi, fanden wir einen versteckten Stellplatz in Straßennähe.
Sonntag, 13. August 2000
Das Wetter war herrlich, die Sonne schien. Eigentlich viel
zu schade zum Fahren. Aber wir mussten weiter, sonst schaffen wir unser Programm
nicht. Auf dieser Straße war gar keine Markierung, als wir den Polarkreis überschritten.
In Schweden war an diesem Punkt ein großer Aufwand getrieben worden. Finnland
ist landschaftlich ähnlich wie Schweden. Aber es ist in dieser Region nicht
ganz so zersiedelt. Auch hier, wie bereits in Nord-Schweden und Norwegen trugen
die Leute vorwiegend Nylon-Trainingsanzüge. Wir nehmen an, dass die Mücken
diese schlecht durchstechen können. In Ruka fiel uns eine riesige, von der Straße
gut sichtbare Skisprungschanze auf. Dann fuhren wir an einem Feld voller
Vogelscheuchen vorbei. So hatte ich das gesehen. Jörgen wollte das genauer
wissen und es stellte sich als Kunstwerk heraus. Es war am 9.9.1994 von Reijo
Kela geschaffen worden und nennt sich Hiljainen Kansa – Stilles Volk -. Es
waren viele, viele Holzpfähle mit Kleidung und Torfgras als Haare. Am Parkplatz
war eine Hütte, in der man sicherlich auch kostenfrei übernachten kann. Sie
ist mit Heu ausgelegt. Außerdem ist dort ein Lagerfeuerplatz angelegt. Gegen
Abend sah Jörgen in der Nähe der Straße einen tollen Stellplatz am See. Wir
grillten und saßen noch lange am Lagerfeuer. Schließlich wurde es aber doch
sehr kalt und wir zogen uns in den MAN zurück.
Montag, 14. August 2000
Leider war es nicht mehr so schön wie gestern. Wir fuhren
immer unter einer grauen Wolkendecke. In Kajaani sahen wir uns den Teerkanal und
die Burgruine an. Der Teerkanal ist der einzige auf der Welt. Er wurde 1846
gebaut und 1984 erneut in Betrieb genommen. Durch diese Schleuse wurden die
Boote mit den Teerfässern geleitet. Wir rochen das Teer, als wir davor standen.
Die Burgruine stand auf einer Insel im Fluss. Im 16. Jahrhundert wurden zwischen
den Bewohnern der Flussufer und den Russen mehrere Grenzkriege ausgefochten. Auf
Befehl des schwedischen Königs Karl IX wurde schließlich im Jahre 1604
begonnen, zum Schutz der Siedlung auf einer Insel im Fluss eine Burg zu
errichten. Dort wehrte sie nach ihrer Fertigstellung im Jahre 1666 fünfzig
Jahre lang den Ansturm der Russen ab, bis sie sich nach einer fünfwöchigen
Belagerung ergab. Im Jahr 1716 wurde sie von den Russen gesprengt. Schon vor
dieser Zeit, im Jahre 1651, hatte der Freiherr Graf Per Brahe der um die Burg
emporgewachsenen Ansiedlung die Stadtrechte verliehen. Die Stadt Kajaani war
geboren. Die Finnen haben die Burgruinen als Fundamente benutzt und eine Brücke
über den Fluss gebaut. Jetzt führt die Brücke mitten über die Burgruine.
Anschließend besuchten wir die Specksteinindustrie in
Nunnanlahti. Das Museum war noch geöffnet. Als der Specksteinabbau in diesem
Ort kurzfristig bankrott ging, hatte ein Mann Gerätschaften und kunstvoll
verzierte Steine gerettet und dieses Museum zusammengestellt. Es ist in einem
relativ kleinem Gebäude untergebracht und frei zu besichtigen. Zu meinem
Erstaunen war es auch noch nach 18 Uhr geöffnet. Es wurde eindrucksvoll
dargestellt, mit welchen Maschinen man früher den Speckstein schnitt und
weiterbearbeitete. Dann wurden wir auf ein finnisches Schild aufmerksam, das uns
irgendwo hinleiten wollte. Wir landeten auf der Baustelle, wo der Speckstein
abgebaut wurde. Die tiefe Grube war beeindruckend. Das herablaufende Wasser nahm
in der Grube eine grüne Färbung an. Schließlich sahen wir uns auch noch die
Specksteinöfen-Ausstellung an. Ein Mann erklärte uns auf Englisch einige Öfen
und warum diese in Finnland so begehrt sind. In Finnland sind die Winter lang
und sehr kalt. Viele Menschen haben aber eine Hütte, z. B. an einem See. Dort
gibt es keine Elektrizität. Hier wird mit den Specksteinöfen gebacken und
gekocht. Einmal angeheizt, soll die Wärme 24 Stunden lang anhalten. Es gab in
der Ausstellung viele schöne Kaminöfen – wir nahmen uns gleich einen
Prospekt mit. Es ist schon witzig, bei 21°C Außentemperatur interessieren wir
uns für Kaminöfen. In der Ausstellung befindet sich auch ein Restaurant. Eine
im Speckofen gebackene Pizza kostet 40 FM (ca. 13 DM). Weiter ging es zur
Halbinsel Koli. Die Ausschilderung der Straßen war nicht so gut. Jörgen
meinte, wir müssten einen Berg hinauffahren, von wo aus man die schöne
Aussicht genießen kann. Er meint sich zu erinnern, dass dort auch ein Hotel
stand. Wo es genau lang geht, weiß er aber nicht, schließlich ist das ganze
auch schon 40 Jahre her. Schließlich gaben wir für diesen Tag auf und suchten
uns einen versteckten Stellplatz.
Dienstag, 15. August 2000
Der 347 m hohe Aussichtsberg Kola liegt am anderen Ende
der Halbinsel. Hier fuhren wir auch ziemlich bergan. Vom Parkplatz aus kann man
zu Fuß über eine Treppe oder über einen Lift das auf dem Berg liegende Hotel
erreichen. Wir entschieden und zunächst für den Lift. Vom Hotel aus musste der
Aussichtspunkt über steile Treppen erklommen werden. Aber oben angekommen war
die Aussicht über den See Pielinen mit seinen vielen Inseln einfach überwältigend.
Wir blieben ungefähr eine halbe Stunde oben. Von unten war lediglich eine
Kettensäge zu hören. Vermutlich kam das Geräusch von einer der Inseln. Als
wir uns an den Abstieg machten, kamen immer mehr Touristen. Mit der Ruhe war es
also dort oben vorbei.
Auf dem Weg nach Outokumpu schien plötzlich wieder die
Sonne.
Die alte Erzmine von Outokumpu ist seit 1989 stillgelegt
und kann ohne Führer besichtigt werden. Man bekommt an der Information eine
Broschüre in deutsch ausgehändigt, die wieder zurückgegeben werden soll. Den
Weg hatte der Herr aus der Information uns in einen Lageplan eingezeichnet. Die
Bergwerkbesichtigung beginnt mit dem Eintritt in den Stollen. Dort kann man sich
ansehen, wie sich die Gerätschaften usw. seit Inbetriebnahme des Bergwerkes im
Jahre 1913 weiterentwickelt haben. Begonnen hat das Unternehmen mit 24
Mitarbeitern. 1920 wurden die finanziellen Probleme so groß, dass die Grube an
ein norwegisches Unternehmen verpachtet wurde. Aber 1926 fiel der Besitz an die
Gemeinde Outokumpu zurück. Man vermutete auch Gold unter einem Hügel. Dieser
wurde ganz abgetragen. Gefunden hat man nichts. Den höchsten Personalbestand
hatte das Unternehmen 1945 mit 1704 Mitarbeitern. 1989 wurde die Grube
stillgelegt. Die Erläuterungen in der Broschüre sind gut. Am Ende des Stollens
erreichten wir eine Mineralienausstellung und das Bergwerksmuseum. Von dort aus
erklommen wir über eine steile Straße den Hügel, auf dem der Bergwerksturm
steht. Weitere 183 Stufen brachten uns auf die Aussichtsplattform. Leider war
das Wetter nicht gut genug zum Fotografieren. Für den Eintrittspreis von 40 FM
kann man sich das gesamte Gelände inkl. der Gebäude ansehen, sofern sie geöffnet
sind. Jetzt werden auf dem Gelände auch Theateraufführungen, Opernarien und
internationale Rockfestivals veranstaltet. Es fanden bis jetzt auch 2 Premieren
statt, ein Musical und ein Kriminalstück.
Im Supermarkt in Outokumpu ergänzten wir unsere Vorräte.
Die Preise sind ähnlich wie in Deutschland. Es fing wieder an zu regnen. Über
eine unbefestigte Straße ging es weiter. Nur Achterbahnfahren ist schöner. Es
war eine Berg- und Talfahrt, die Spaß machte. Mit dem Ort Savonranta erreichten
wir die Finnische Seenplatte. Wir fuhren über einige Brücken. Die letzte war
eine Drehbrücke für hohe Schiffe. An diesem See fanden wir einen
hervorragenden Stellplatz. Ein Schiff fuhr direkt an uns vorbei auf die Drehbrücke
zu. Morgens fuhr wieder eines zurück.
Mittwoch, 16. August 2000
Die Kirche in Kerimäki ist die größte christliche
Holzkirche der Welt. Sie stellt gleichzeitig auch den größten Kirchenraum
Finnlands dar: 45 Meter lang, 42 Meter breit und 27 Meter hoch. Die maximale
Innenhöhe beträgt 37 Meter bis zum Firstkreuz. Insgesamt gibt es ca. 1670
Meter Kirchenbänke mit über 3000 Sitzplätzen. Es können sogar 5000 Menschen
in der Kirche Platz finden.
Warum hat man die Kirche eigentlich so groß gebaut? In
den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts vertrat Pfarrer Fredrik Neovius die
Ansicht, dass die Hälfte der Gemeindemitglieder zur gleichen Zeit die Möglichkeit
haben sollte, das Wort Gottes zu hören. Als man über die Größe der Kirche
entschied, hatte man auch an die Feier- und Markttage gedacht. Die hohen Feste
gehörten zum alltäglichen Leben der Menschen und die Beteiligung am
Gottesdienst war ein natürlicher Teil der Märkte. Die ursprüngliche Idee war
es, dass sämtliche Marktbesucher den Gottesdienst gleichzeitig besuchen könnten.
Alle Gemeindemitglieder waren verpflichtet, an den Bauarbeiten teilzunehmen,
jeder nach seiner Steuerklasse. Jeder Mann zwischen 15 und 60 musste mit Hand
anlegen. Nach nur drei Jahren Bauzeit stand die Kirche am 25. September 1847
fertig da. Die Kirche von Kerimäki ist ein Wunder der damaligen Zeit. Sie ist
ein Meisterstück der Zimmerarbeit, mit ihren Bänken, Pfählen, Emporen,
Verbindungsbalken, Rundbogen, Kuppeln und Dachlaternen. Von der Form her ist sie
eine Doppelkreuzkirche. Das Altarbild wurde 1890 angefertigt. Die Orgel mit 20
Registern wurde 1894 in Betrieb genommen. Der Kerzenleuchter am Altar wurde 1880
in Deutschland gefertigt; die anderen kamen 1911 hinzu. Die Kirche wurde ursprünglich
von 4 großen Öfen beheizt. Diese Öfen sind inzwischen nicht mehr in Betrieb.
Deshalb dient sie heute nur noch als Sommerkirche. Neben der großen Kirche
steht die kleine Winterkirche von 1953, wo die Gottesdienste in der kalten
Jahreszeit stattfinden. Lediglich am frühen Morgen des 1. Weihnachtstages
versammelt sich die Gemeinde in der unbeheizten Kirche, die mit Hunderten von
Kerzen beleuchtet wird und eine warme Stimmung ausstrahlt.
Von der Kirche aus suchten wir die Stelle, wo Jörgen vor
fast 40 Jahren in 3 aufeinanderfolgenden Jahren mit einer Jugendgruppe gecampt
hatte. Er erinnerte sich an den Sprungturm im See, das sogenannte Freibad. Der
Turm war tatsächlich noch da. Auch die Stelle des Camps fanden wir annähernd.
Es hatte sich inzwischen viel verändert. Weiter ging es nach Savonlinna. Dort
steht im Wasser die mächtige Burg Olavinlinna. Jörgen wollte über eine Brücke
fahren, die er von früher her kennt. Dort fuhren Eisenbahn und Autos über die
gleiche Spur. Diese Brücke sahen wir uns später an. Sie ist heute nur noch für
Fußgänger freigeben, wird aber ausgiebig von Radfahrern benutzt.
Die Burg Olavinlinna wurde 1475 vom dänischen Ritter Erik
Axelsson Tott gegründet. Er ließ die mittelalterliche Festung erbauen um die
Verteidigungsbereitschaft zu verbessern und die Interessen vom ehemaligen
Schweden-Finnland im östlichen Grenzgebiet zu sichern. Der Standort der Burg im
Wasser wurde so gewählt, dass die Strömung um sie herum immer stark war und
das Wasser auch im Winter nie zufror. Die ursprüngliche alte Burg hatte 3 Türme,
wobei der dritte schwach war und den Angriffen der Russen nicht standgehalten
hat. Bei späteren Restaurationen fand man hier Silbermünzen. Später wurde die
Burg erweitert und zwei weitere Türme wurden hinzugefügt. Unter dem einen Turm
befand sich der Pulverraum, der unplanmäßig explodierte und den Turm einstürzen
ließ. Die mächtige Burg wurde mehrmals von den Russen angegriffen. Im Jahre
1714 musste Olavinlinna nach einer heftigen Belagerung kapitulieren. In der
ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde jedoch wiederholt um die Burg gekämpft.
Wechselseitig, je nach Eroberung, wurde die Burg von den Russen und
Schwedisch-Finnland verwaltet. 1743 wurde Olavinlinna den Russen zugesprochen
und die Festung erlebte einen bedeutenden Aufschwung, d.h. die Russen begannen
die Burg zu renovieren und auszubauen. Als die Burg nicht mehr im Grenzbereich
stand, also strategisch uninteressant wurde, wurde sie der Kommune Savonlinna übergeben.
Beim Abzug nahmen die Russen jedoch alles mit, was nicht niet- und nagelfest war
- Kronleuchter, Kanonen und alle Einrichtungsgegenstände. Nur eine Salut-Kanone
wurde übersehen. Zwei Feuersbrünste auf der unbewohnten Burg haben auch die
Holzkonstruktionen weitgehend zerstört und die Burg fing an zu verfallen. Die
Bewohner von Savonlinna wussten Ende des 19. Jahrhunderts nicht so genau, was
sie mit der Burg anfangen sollten und wollten sie zerlegen. Dann wurde jedoch
beschlossen, sie zu restaurieren und Besuchern zugänglich zu machen. So
besuchen bereits über 100 Jahre Touristen die Burg Olavinlinna.
Früher konnte man die Burg nur mit dem Boot erreichen,
heute führt eine Pontonbrücke hinüber, die für die Durchfahrt von Schiffen
zur Seite geschwenkt werden kann. Die Innenräume kann man nur mit einem Führer
besuchen. Die Führungen werden in verschiedenen Sprachen angeboten. Im großen
Saal steht eine Statue des heiligen Olav, der der Burg seinen Namen gab. Diese
Statue wurde extra für die Weltausstellung 1912 in Paris angefertigt. Ferner
gibt es einen großen Königssaal aus nordischem Schiefer, der weiß übergetüncht
war. Nach schwedisch-finnischer Vorschrift mussten alle Burgen zur damaligen
Zeit einen Raum für den König vorhalten, den er im Falle eines Besuches in
Anspruch nehmen kann. Olavinlinna wurde nur ein einziges Mal von einem König
besucht und zwar von Gustav Aadolf, der auf dem Rückweg aus Russland hier 1622
Zwischenstation machte.
Ab dem Jahr 1912 veranstaltete eine Opernsängerin jährlich
ein Opernfestival, das mit Kriegsbeginn eingestellt wurde. Seit 1967 findet
dieses Opernfestival wieder jährlich im Burghof statt. Es dauert einen Monat.
Dafür wird jedes Jahr eine Überdachung aufgebaut, die mit Schiffen an die Burg
herantransportiert wird, da die Durchgänge in der Burg für die mächtige
Konstruktion zu klein sind. Seit einiger Zeit wird dieses Regendach auch für
andere kulturelle Veranstaltungen genutzt. So fand in diesem Jahr dort bereits
ein Filmfestival statt. Z. Z. wurde die Bühne gerade für das Theaterfestival
umgebaut, das im Herbst stattfindet.
Im Museum von Savonlinna liegt das alte
Passagierdampfschiff "Savonlinna", mit dem Jörgen früher noch von
Mikkeli nach Savonlinna gefahren ist. Das Schiff wurde mit Holzscheiten
gefeuert. Es wurde 1904 gebaut und 1982 nach dem Konkurs der Schifffahrtsgesellschaft an die Stadt Savonlinna verkauft.
Von Savonlinna aus fuhren wir nach Punkaharju. Ein 6
Kilometer langer Moränengürtel, gerade so breit wie eine Straße trennt dort
zwei Seen voneinander. Wir fuhren also auf einem natürlichen Damm. Dieser Moränengürtel
gilt als Sehenswürdigkeit ersten Ranges. Der Damm wird von hohen Birken und
Kiefern gesäumt. Freie Aussicht auf die Seen gibt es nur selten. Die Halbinsel
Koli hat mir besser gefallen. An dem Saimaa-Kanal, der die finnische Seenplatte
mit dem Meer verbindet, übernachteten wir. Der Kanal führt in die südkarelische
Hafenstadt Vyborg, die 1944 von der Sowjetunion annektiert wurde. Da wir uns in
Stadtnähe befanden, hörten wir ständig die Geräusche von Autos, Eisenbahn
und manchmal auch Schiffen.
Donnerstag, 17. August 2000
Morgens schauten wir uns bei Sonnenschein eine der
Schleusen, Mälkia, des Saimaa-Kanals an. Die Schleuse überwindet einen Höhenunterschied
von 8 Metern. Der alte Saimaa-Kanal wurde 1845-1856 gebaut. Er musste an der
Stelle 4 Schleusenstufen überwinden. In einem großen Granitblock wurde der
Verlauf des alten und des neuen Kanals eingemeißelt. Der neue Kanal wurde 1927
bis 1933 gebaut. Eine Erweiterung für Küstenmotorschiffe fand 1965 bis 1968
statt. Morgens hatten bereits zwei große Schiffe unseren Standort passiert. Wir
warteten lange, bis endlich ein kleines Passagierschiff den Kanal in Richtung
Vyborg passierte. Von Lappeenranta kann man visafrei einen Tagesausflug in die
russische Stadt unternehmen. Am Nachmittag suchten wir uns einen Platz am Strand
der Ostsee. Das schöne Wetter lud richtig zum Grillen ein. Nach Sonnenuntergang
verzogen wir uns in den MAN, da es doch ziemlich kühl wurde. Ein Fischer kam
auf seinem Moped, paddelte zu einer Insel und baute dort den Außenbordmotor an,
der dort lagerte. Dann schipperte er an die Spitze der Insel und legte seine
Netze aus. Morgens um 6:30 Uhr kam er wieder um seinen Fang einzuholen.
Freitag, 18. August 2000
Das erste Mal auf dieser Fahrt frühstückten wir bei schönem
Wetter im Freien. Erst Mittags verließen wir unseren schönen Stellplatz am
Meer. Kaum waren wir ein paar Kilometer gefahren, war die Sonne wieder weg. Auf
den Spuren von Kungsvägen (Königsstraße) bewegten wir uns in Richtung
Helsinki. Im 14. Jahrhundert reisten Kuriere mit Pferdekutschen zwischen den
Burgen Turku und Viburg. Das war die Königsstraße. Wir folgten dem Schild für
eine Sehenswürdigkeit und landeten in Ruuki. Das älteste Eisenhüttenwerk in
ganz Finnland. Der Ort heißt eigentlich Ruotsinpyhtää, und ist ein
schwedisch-finnischer Grenzort zu Russland gewesen. Man kann dort Museen ansehen
oder zwischen den rotgetünchten Häusern spazieren gehen. Während unseres
Aufenthaltes zog gerade ein Gewitter auf und wir verzogen uns in den MAN. Der
Regen ließ bis Porvoo nicht nach. Porvoo soll 1346 gegründet worden sein. Ein
exaktes Datum gibt es nicht. Sie ist aber mit Sicherheit die zweitälteste Stadt
Finnlands. Porvoo hat mehr als 44.000 Einwohner, von denen 63% finnisch, 35%
schwedisch und 2% andere Sprachen sprechen. Die Altstadt wurde nach einem
mittelalterlichen Stadtplan errichtet und ist ein unversehrt gebliebener
Stadtteil. Wir spazierten mit Regenschirm durch Alt-Porvoo und sahen uns die
Domkirche an. Porvoo ist eher was für Kunstverständige. Es gibt Galerien,
einige Museen u.ä. Uns zog es weiter, aber kurz, bevor wir den Ort verließen
kamen wir an der Museumsbahn vorbei. Die Dampflok wird mit Holz geheizt. Auch
andere altertümliche Schienenfahrzeuge und Motoren konnte man dort sehen.
Dann begann der schwierigste Teil dieses Tages – einen
Stellplatz in der Umgebung von Helsinki zu finden. Wir kurvten auf größeren
und kleinen Straßen durch die Landschaft. Hier war alles zersiedelt. Nach einer
etwa einstündigen Suche sah ich auf einem Hügel einen befestigten Weg. Dorthin
gelangte man über eine Fahrspur in einem Getreidefeld. Nach kurzem Zögern fuhr
Jörgen in das Feld hinein. Es war ziemlich modderig. Kurz vor Erreichen des mit
Schotter bedeckten Weges schlingerte der MAN auf einer Berganfahrt und stellte
sich fast quer. Mit letzter Energie rettete Jörgen den MAN auf den mit Schotter
bedeckten Weg. Jörgen stieg aus, um sich die Situation anzusehen und versackte
im Lehm. Der Untergrund erwies sich als trügerisch, da der Schotter lediglich
oberflächlich aufgetragen war. Lehm, Lehm, nichts als durch den Regen mächtig
aufgeweichter Lehm. Wir beschlossen, die Fahrt hier nicht fortzusetzen. Der MAN
musste jedoch gedreht werden – und das auf einem abschüssigen, glitschigen
Lehmboden. Sofort kam die Erinnerung an Algerien, als der Hanomag das machte,
was Jörgen nicht wollte und wir in eine extreme Schräglage gerieten. Ich war
verzweifelt, warum musste das ausgerechnet am Abend vor Abfahrt der Fähre
passieren? Wie
kommen wir hier wieder heraus? Jörgen legte die Untersetzung ein und wendete
den MAN vorsichtig. Das war geschafft. Nun lag diese rutschige Abwärtsfahrt vor
uns. Jörgen gab Gas und wir schlingerten in Richtung Getreidefeld. Dort waren
sichtbare Beweise dafür, dass bereits andere Fahrzeuge hier vom Weg abgekommen
waren. Der MAN bewies seine hohe Geländegängigkeit und manövrierte uns, auch
dank des grobstolligen Reifenprofils sicher auf die Straße zurück. Wir ließen
eine lange Lehmspur zurück. Gar nicht so sehr weit entfernt fanden wir
schließlich doch noch einen adäquaten, ruhigen Stellplatz.
Samstag, 19. August 2000
Wir hatten herrliches Wetter. Es war fast zu warm im MAN.
In Helsinki angekommen landeten wir zunächst im Frachthafen. Die
ausgeschilderte Zufahrt zum Hansaterminal war gesperrt. Wir mussten wieder zurück
und einen anderen Weg nehmen. Um 11:30 Uhr wurde der Check-in geöffnet. Dann
durften wir zur Passkontrolle und wurden schließlich wieder auf einen anderen Platz
verwiesen. Um 12:30 Uhr begann das Beladen des Schiffes. Die Art der Beladung
konnten wir nicht verstehen. Für uns war das ganze planlos. Zuerst durften 4
Wohnmobile auf die Finnclipper fahren, dann tat sich eine ganze Weile gar
nichts. 3 Pkw folgten, dann tat sich wieder mal gar nichts. Als wir ca. um 13:40
Uhr auf das Autodeck fuhren, waren erst ganz wenig Autos verladen. So sollte das
mal in Genua gehen, gar nicht auszudenken. Wir hatten
einen Ablaufplan mitbekommen, der in der Zeit von 13 – 15:30 Uhr eine
Nachmittagssuppe vorsah. Deshalb hatten wir unseren Plan, im Hafen noch zu
Mittag zu essen, verworfen. Die Erbsensuppe, Brot und Käse standen auf dem
Buffet. Auf diesem Schiff gilt Selbstbedienung. Unsere Plätze im Restaurant behielten
wir für die gesamte Reise. Alkoholfreie Getränke (Wasser, Orangensaft,
Apfelsaft, Milch, Kaffee und Tee) waren frei. Während wir aßen kam die
Durchsage, dass das Schiff voraussichtlich zwei Stunden später ablegen wird, da
sehr viele Fahrzeuge mitfuhren. An Deck fanden wir einen windgeschützten
Sonnenplatz. Dieses schöne Wetter musste man einfach nutzen. Um 16:20 Uhr legte
die Finnclipper in Helsinki ab. Die Ausfahrt führte durch eine schmale
Hafeneinfahrt, die mit einer Festung und Kanonen geschützt war. Von nun an war es
mit dem Sonnenbaden vorbei. Auf dem Sonnendeck wehte ein starker, kalter Wind.
Nur ein paar dick eingepackte Unentwegte hielten es dort aus.
Sonntag, 20. August 2000
Irgendwie kam man aus dem Essen nicht heraus. Kaum hatten
wir das Frühstück hinter uns, gab es auch schon Mittagessen. Zwischen den
Essen schob
Jörgen noch einen Besuch auf der Brücke ein. Es war eine angenehme Überfahrt
nach Travemünde. Spät abends lief die Finnclipper in den Hafen ein. Auf der
Fahrt von Hamburg nach Lüneburg erwischte Jörgen einmal in Hamburg die falsche
Abfahrt und einmal befanden wir uns wieder auf dem Weg nach Lübeck – sonst
war aber alles normal.
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