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Reisetagebuch
1994
von Rita Terjung und Jörgen
Hohenstein mit einem Hanomag AL 28
Sonntag, 20. März 1994
In der Gegend um Uelzen herum lag Schnee. Nach relativ kurzer
Fahrt brach die Tachowelle. Die KM-Anzeige funktionierte damit auch nicht mehr.
An der Raststätte Göttingen hat Jörgen dann noch Hanomag-Teile verkauft. Bei
der Raststätte Hasselberg haben wir übernachtet.
Montag, 21. März 1994
Morgens um 7.45 Uhr schien wider Erwarten die Sonne.
Allerdings fing es dann kurz hinter Frankfurt an zu regnen und hörte auch nicht
mehr auf. Um 12.50 Uhr entdeckte Jörgen plötzlich das rote Licht am
Armaturenbrett. Die Ladekontrolllampe der Batterie!! Die Wassertemperatur war
auch schon gefährlich hoch. Jörgen vermutete zunächst einen Riss des
Keilriemens und fuhr langsam auf dem Seitenstreifen weiter. Zufällig lagen
rechts von der Autobahn Kfz-Werkstätten. Zufällig führte auch eine
"Durchfahrt verboten" - Abfahrt direkt zu diesen Werkstätten.
Zufällig gab es hier auch eine Mercedes-Werkstatt (unser Hano hat ja einen
Mercedes-Motor). Und zufällig gab es in dieser Werkstatt einen Mechaniker, der
selbst mal einen Hano hatte. Die Lichtmaschine war hinüber und eine neue mußte
erst besorgt werden. Es regnete und regnete. So richtig das gleiche Wetter, wie
wir es bislang in diesem Jahr kannten. Im Feierabendverkehr von Karlsruhe holten
wir mit Hilfe des Mechanikers auch noch eine Tachowelle. Dann fuhren wir bei
diesem Schmuddelwetter weiter Richtung Freiburg. Und welch eine Überraschung!
Kurz vor Freiburg hörte es auf zu regnen! Dabei wurde es aber schon um 19.00
Uhr stockfinster. Unsere Stammtankstelle in dieser Gegend in Eimeldingen hatte
schon geschlossen und so gingen wir in einer nahegelegenen Gaststätte essen.
Nachdem uns die Suppe serviert wurde, lief zunächst erst mal gar nichts.
Schließlich stellte die Bedienung fest, dass der Koch unsere Rahmschnitzel mit
Spätzle vergessen hatte. Und dabei waren wir doch so hungrig. Vielleicht war
das auch nur ein Trick, um die Getränkerechnung in die Höhe zu treiben?
Dienstag, 22. März 1994
Nachdem es nachts etwas regnete, fand ich das Wetter morgens
nach einem verschlafenen Blick nach draußen gar nicht mal schlecht. Jörgen
schlüpfte in seinen "Blaumann" und verkroch sich unter den Hano. Er
setzte die neue Tachowelle ein.
Nachdem der Hano randvoll betankt war, ging es weiter zur
Grenze. Hier mussten wir noch die Schwerlastabgabe entrichten und tuckerten bei
Sonnenschein zu "unserem" Parkplatz hinter dem Gotthard-Tunnel. Wir
schlugen uns den Magen voll, und weiter ging es nach Italien.
Auch dieses Land empfing uns mit schönem Wetter. Auf der
Strecke, besonders bei Milano, beobachteten wir neben der Autobahn viele
Bauruinen. Die Temperatur betrug lt. Autobahnanzeige 20-21° C. Zum ersten Mal
in diesem Jahr konnten wir im T-Shirt rausgehen. Wir hielten Ausschau nach einem
Parkplatz ohne Rasthaus, auf dem wir eventuell ungestört übernachten können.
Leider waren die einzigen akzeptablen Parkplätze nur auf der Autobahn Richtung
Bologna zu finden. Danach gab es keine mehr. Also suchten wir uns einen ruhigen
großen Service-Parkplatz. Diesen fanden wir kurz vor Cesene. Hinter dem
Rasthaus konnte man weit ab von der Autobahn sehr ruhig stehen.
Mittwoch, 23. März 1994
Morgen Abend fährt die Fähre aus Ancona ab. Wir haben also
noch einen Tag Zeit. Den wollen wir für einen zweiten Besuch von San Marino
nutzen. Das erste Mal waren wir vor zehn Jahren dort. Mal sehen, ob alles beim
Alten ist. Aber zunächst hatten wir Nebel (Nebbia, wie die Italiener sagen, vor
dem ständig auf den Autobahnschildern gewarnt wird). Aber schon um 9.00 Uhr
schien die Sonne und eine Stunde später waren es lt. Autothermometer bereits
18° C. Wir wollten San Marino über San Leo besuchen, das fast auf dem Weg
liegt. San Leo, einst Montefeltro genannt, liegt auf einem gewaltigen,
unzugänglichen Felsmassiv und ist nur über eine einzige, in den Felsen
gehauene Straße erreichbar.
Auf dem höchsten Felsvorsprung im Stammsitz der Grafschaft
Montefeltro befindet sich eine uneinnehmbare Festung. Sie diente der Inquisition
als Kerker. Gut vier Jahre schmachtete in den Verliesen der Graf von Cagliostro
(1743-1795), als Alchimist und Hochstapler eine schillernde Figur an den
europäischen Höfen, bis ihn ein Schlaganfall erlöste. Er hat seine
"schwarze Magie", die ihm die Kirche vorwarf, nie bereut. Schon der
Weg nach San Leo war aufregend. Über kleinen kurvigen Nebenstraßen, auf denen
mal gerade der Hano Platz hatte, fuhren wir zur Festung hinauf. Auch der Ort
selbst hatte kleine schmale Gassen und wirkte sehr einladend. Das Wetter war
einfach toll. Wir kletterten zur Burg hinauf.
Leider hatte das Museum gerade Mittagspause. So genossen wir
bei Sonnenschein die herrliche Aussicht, spazierten durch den mittelalterlichen
Ort und verabschiedeten uns in Richtung San Marino.
Dort fuhren wir bis zum letzten Parkplatz vor der Festung
hoch. Da man nicht auf so breite Fahrzeuge wie den Hano eingerichtet war, wurden
kurzerhand die Begrenzungspfosten abgebaut, damit wir auf den Parkplatz konnten.
Jörgen meinte, wir hätten vor 10 Jahren mit dem alten VW-Bus auf dem gleichen
Parkplatz gestanden. Na ja, es kann ja sein, aber ich konnte mich überhaupt
nicht erinnern.
San Marino ist die kleinste Republik der Welt (61 km²). Und
sie zieht Touristen magisch an (kein Wunder, denn Rimini ist ja nur einen
Katzensprung entfernt). Und so reihen sich an die Wege zur Festung dicht an
dicht Souvenir- und Getränkeläden. Daran kann ich mich noch erinnern, es war
vor zehn Jahren nicht anders. Aber da war er doch, der Unterschied von vor 10
Jahren: Die Kanonen, die wir zu der Zeit noch besteigen konnten, waren 1989 in
ein Schaufenster gesperrt worden.
Die kleinste und älteste Republik der Welt verdankt ihren
Namen einem Steinmetz namens Marino. Es wurde behauptet, er könne Wunder
vollbringen. Der steile Felsen diente ihm im 4. Jahrhundert als Zufluchtsort vor
der Polizei Diokletians, der ihn, wie viele andere Christen verfolgen ließ. Der
Besitzer der Gegend schenkte ihm als Belohnung für die Genesung seines Sohnes
den Berg.
Im Mittelalter entstand, wie in vielen italienischen
Städten, eine Republik. Der Status der Unabhängigkeit blieb hier jedoch über
die Jahrhunderte in Kraft. San Marino lebt von der Landwirtschaft, von einigen
Textilfabriken und vom Verkauf der "Spezialitäten" an Touristen. Auch
wir erstanden eine Spezialität, nämlich eine Flasche Amaretto. Der Staat
vertreibt seit mehr als 100 Jahren seine eigenen Briefmarken. Währung ist seit
dem 20. Jahrhundert die Lira. Wir suchten in San Marino einen normalen Laden, um
die Steuerfreiheit auszunutzen. Aber wir fanden einfach keinen. Auf unserem Weg
in Richtung Urbino entdeckten wir den Supermarkt San Marinos, der aber leider
geschlossen hatte. Dem Schild über Öffnungszeiten nach hatte dieser Laden nur
an bestimmten Tagen geöffnet. Da kann man eben nichts machen. Wir hatten uns
auf der Karte die Gegend um den Monte Leo für die Stellplatzsuche ausgeguckt.
Auf einer nicht leicht zu findenden Piste ging es dann in die Berge. Zunächst
war jede Stellplatz-Möglichkeit bereits durch Einheimische bebaut. Aber
schließlich fanden wir auf einer Bergkuppe einen herrlichen Platz mit Blick
über die Hügellandschaft. Hier konnten wir den Sonnenuntergang genießen.
Endlich stellte sich dieses Freiheitsgefühl ein, weswegen wir doch mit dem Hano
unterwegs sind. Einfach toll.
Donnerstag, 24. März 1994
Es war faszinierend, wieder mal von der Sonne geweckt zu
werden. Aber es war sehr windig. Wir relaxen und lesen Zeitschriften. So holten
wir uns unseren ersten Sonnenbrand in diesem Jahr. Kurz nach Mittag ging es dann
über Fano nach Ancona. Die gesamte Strecke Fano-Ancona ist an der
Küstenstraße bebaut. Irgendwie wirkt das wie eine riesige lange Ortschaft. Im
Hafen von Ancona haben wir unser griechisches Schiff, die Daedalus, gleich
gefunden.
Es war sehr warm, jedoch der Wind war nicht zu
unterschätzen. Um 17.00 Uhr öffnete das Hafenbüro zum Einchecken. Erst um
18.00 Uhr öffnete die Polizei zur Passkontrolle. Dort warteten bereits viele
Leute als ich mich zu der Schlange gesellte. Es ist immer wieder erstaunlich,
wie viele Lkws und Pkws in so einem Schiffsbauch Platz haben.
Unsere Kabine war sehr sauber und dem Drang, unter die Dusche
zu gehen, konnten wir nicht lange widerstehen. Bei unserer Erkundung der
Daedalus wurden wir auf die Schiffsbrücke eingeladen. So groß hatte ich mit
diesen Raum eigentlich gar nicht vorgestellt. Es war sehr interessant.
Anschließend aßen und tranken wir im Self-Service: 1x Nudelauflauf,
1xMoussaka, Salat und 1 Flasche Rotwein = 3825 Dr. = 27,18 DM. Außerdem
erstanden wir im Duty Free Shop noch einige Sachen.
Freitag, 25. März 1994
ir hatten schönes Wetter; allerdings ab und zu mal dichten
Seenebel. Unseren Sonnenbrand pflegten wir weiter. Lesen, den Aufbau des IFA
konstruieren und essen, waren die Hauptaufgaben an diesem Tag. Jörgen zog sich
wieder mal eine Moussaka rein und ein Gericht mit Schweinefleisch, ich dagegen
Ravioli, die sehr gut schmeckten (3120 Dr. = 22,15 DM). Abends ging es
problemlos von Bord. Das war auch alles. Bei der Ausfahrt aus dem relativ
kleinen Hafen herrschte in Igoumenitsa (H g o u m e n i t s a
) ein leichtes Chaos, da gleichzeitig Schiffe beladen
wurden. Anschließend muckte der Hano und wollte nicht mehr. Ich hatte den 10er
Schlüssel schon in der Hand; Jörgen dagegen meinte, das dürfe, im Gegensatz
zu unseren früheren Reisen, nicht mehr vorkommen. Es blieb ihm schließlich
jedoch nichts anderes übrig, als Sprit zu pumpen. Und der Hano sprang daraufhin
auch wieder an. Gleich vom Hafen aus rechts fanden wir nach ein paar hundert
Metern einen ruhigen Parkplatz und beobachteten die Fähren beim Ein- und
Auslaufen.
Samstag, 26. März 1994
Und wieder weckte uns die Sonne. Um 10.00 Uhr hatten wir
bereits 19° C. im Schatten. Wir fuhren abseits der Hauptstrecke Richtung
Ioannina (I w a n n i n a
). Schon die erste Brücke auf dieser Strecke war eine Kuriosität. Die Bohlen
waren zum Teil gebrochen oder lagen lose auf. Auch die relativ neue Straße war
an einigen Stellen weggeschwemmt worden.
Bei unserer Frühstückspause am Straßenrand lugte
plötzlich ein Kopf über den Abhang hervor. Der erste Schäfer, den wir bei
diesem Besuch in Griechenland begegneten. Bereitwillig ließ er sich
fotografieren und führte eine angeregte Unterhaltung mit uns in griechisch. Dass
wir ihn nicht verstanden, schien ihn nicht sonderlich zu stören. Nach dem
Frühstück fuhren wir weiter. Bald darauf hörte die neue Straße einfach auf
und wir befanden uns auf einer guten Piste. Schwierigkeiten bereitete mir die
Navigation, da die Hinweisschilder und Ortsschilder in dieser schönen Gegend
nur aus griechischen Buchstaben bestanden. Vor Hinweisschildern mussten wir
daher häufig halten, damit ich Buchstabe für Buchstabe vergleichen konnte.
Kurz vor Kalpaki (K a l h a k i ) fuhren wir sogar ein
Stück in die falsche Richtung, da ich durch die vorangegangene Kurverei völlig
die Orientierung verloren hatte. Unser Autokompaß zeigte auch nicht richtig an.
Aber schon bald entdeckten wir unseren Fehler und drehten. Die Aussicht auf der
kleinen Straße zum Vikou-Aoou Nationalpark war berauschend: Die Berge mit ihren
"Sahnehäuptchen" und die Blicke auf die kleinen Orte. Zudem waren
hier nur griechische Touristen unterwegs. In diesem Park sollen angeblich noch
Bären, Wölfe und Luchse leben. Da die Schluchten zum Teil wirklich
unzugänglich sind, ist das auch möglich. Aber hier, wo so viele Leute
unterwegs sind, trifft man garantiert keines dieser scheuen Tiere an.
Über steile Serpentinen fuhren wir hoch zum kleinen,
hübschen Dorf Papigo. Hier war dann
Sackgasse für Autos und die Parkplätze sind knapp. Hinter einem Reisebus mit
griechischen Wanderern konnten wir gut parken. Jörgen sicherte den Hano noch
mit einem Keil, da es doch ziemlich steil bergab ging. Das Dörfchen liegt am
Fuß der schneebedeckten, über 2400 m hohen Gipfel des Pindos-Gebirges. Bei dem
schönen Wetter, der Ruhe, die hier herrschte und der einfach phantastischen
Aussicht machte es Spaß, in der Gegend herumzuklettern und durch den Ort zu
spazieren. Mit der Weste über meinem T-Shirt kam ich teilweise ganz schön ins
Schwitzen. Aber ich hatte Angst, mich durch den Wind zu erkälten.
Auf halber Strecke zurück wies ein Schild auf einen
Aussichtspunkt hin, den wir besuchten. Uns bot sich eine irre Aussicht über die
Schlucht. Die Sicherung dieses "Aussichtspunktes" war einmalig. Wir
standen also auf einem Felsen über dieser Schlucht und ein dünnes Drahtband in
Knöchelhöhe wies darauf hin, daß man wohl besser daran tat, nicht
weiterzugehen. Auf dem weiteren Weg sprang Jörgen noch ein paarmal aus dem Hano
um zum Fotografieren am Abhang zu verschwinden. Wie er mir später erzählte,
wäre er beim Felsenspringen beinahe abgestürzt. Irgendwann wird das bei diesem
Leichtsinn wohl auch passieren. Wir bogen von der kleinen Straße auf eine Piste
ab und fanden schließlich einen schönen Stellplatz auf einer Wiese.
Rückblickend empfanden wir diesen Tag als äußerst angenehm. Abends saßen wir
noch gemütlich draußen, bis uns die Kälte in den Hano vertrieb. Wir befanden
uns schließlich oben auf einem Berg.
Sonntag, 27. März 1994
Es war bedeckt, die Sonne kam nicht richtig durch und es war
merklich kälter. Dies hielt uns jedoch nicht davon ab, draußen zu
frühstücken. Dann ging es auf direktem Weg nach Ioannina. Dort standen wegen
der Außenministerkonferenz an jeder Straßenecke Polizisten. Wir kamen sogar an
der Werkstatt vorbei, bei der wir während unseres dritten gemeinsamen
Griechenlandbesuches mit dem zweiten VW-Bus notgedrungen ein Wochenende
verbrachten. Eine kleine, kurvenreiche Straße brachte uns zum
Ausgrabungsgelände von Dodona. Hier, in einem
schmalen, fast fünf Kilometer langen Tal, war einst der Sitz eines dem Zeus
geweihten Orakels, das älteste Orakel Griechenlands.
Die frühesten Funde der Grabungsstätte deuten auf eine
erste Besiedlung des Tales im zweiten Jahrtausend vor Christus hin. Die Priester
verkündeten ihre Orakelsprüche unter einer großen Eiche, in deren rauschenden
Blättern sie die Stimme Gottes zu hören vermeinten. Er offenbarte sich ihnen
auch durch das Gurren der auf der Eiche sitzenden schwarzen Tauben, dem Murmeln
einer heiligen Quelle und durch das Dröhnen von angeschlagenen Bronzekesseln.
Die Bezeichnung der hiesigen Priester "Helloi" soll ganz Griechenland
seinen Namen (Hellas) gegeben haben. Später wurde bei der Eiche eine erste
Tempelanlage errichtet. Zu unserer Überraschung war sonntags der Eintritt frei.
So ein Zufall. Zu besichtigen gibt es heute die Fundamente diverser
Tempelanlagen und die Überreste einer Basilika aus dem 5. Jahrhundert.
Glanzstück der Anlage ist jedoch das imposante Theater, das ehemals für 18000
Menschen Platz bot und damit genauso groß war wie das weitaus bekanntere
Amphitheater in Epidauros. Gebaut wurde es im dritten Jahrhundert vor Christus
unter König Phyrgos. Im Sommer werden klassische Dramen und Musikstücke
aufgeführt.
Wir entschlossen uns, über die kleinen Straßen weiter
Richtung Arta zu fahren, zumal es nach unserer Karte (immerhin ein Maßstab von
1:300.000) eine Nordzufahrt zur geplanten Route über den Teh. Limni Kremaston
(ein großer See in Zentralgriechenland) nicht zu geben scheint. Und da wir nur
knapp zwei Wochen Zeit haben, bevor unsere Fähre aus Patras ablegt, erübrigen
sich Versuche, einen Weg über die Berge zu finden. So ging es also zunächst
auf einer guten Straße, später dann auf einer Piste, langsam Richtung Arta.
Das Wetter verschlechterte sich zunehmend. Also, die auf der Karte
eingezeichnete Straßenführung kann irgendwie nicht stimmen. Oder sind wir
völlig falsch? Wir haben es nicht herausgefunden, denn schließlich landeten
wir doch dort, wo wir hinwollten. Aber die schmalen Wege am Berg entlang, die
engen Serpentinen, Einsamkeit und die grandiose Aussicht, die sich uns immer
wieder bot, waren einfach toll. Da konnte man sogar das trübe Wetter
verschmerzen. Was würde diese Strecke bei Sonnenschein bieten? Bei den
Ortsdurchfahrten hatte ich manchmal das Gefühl, wir kommen niemals da durch,
das wird viel zu eng. Aber Jörgen schaffte es immer wieder, ohne Balkone u.ä.
zu beschädigen. Die Stellplatzsuche erwies sich, als es Zeit wurde, hier als
äußerst schwierig. Kurz vor Filpiada und der Hauptstraße
fuhren wir auf eine Piste ab. Da fing es auch schon an zu regnen und die Gegend
war ziemlich lehmig. In einer kleinen Einbuchtung, in der wir ziemlich gerade
standen, haben wir schließlich auch die Suche aufgegeben. Es regnete sich
richtig ein. Wie gemütlich ist es doch in solchen Augenblicken im Hano, wenn
der Regen auf die Dachfenster prasselt, es drinnen angenehm warm ist, und wir
viel Platz haben.
Montag, 28. März 1994
Wir fuhren nach Arta, um Brot zu kaufen und
Geld zu wechseln. Da das Zentrum nicht ausgeschildert war, verirrten wir uns in
die sehr schmalen Straßen der Altstadt. Der Hano zwängte sich durch enge
Gassen, die man gerade so breit waren wie er. Ich musste über die Straße
hängende Stromkabel hochheben und die Antennen umklappen, damit wir zumindest
weiterkamen. Zurückfahren war schier unmöglich, zumal wir wegen der Enge die
Außenspiegel abklappen mussten. Es ist immer ein seltsames Gefühl, wenn man
nicht weiß, ob man durch die nächste Gasse überhaupt durchkommt. Auf jeden
Fall hatte Jörgen viel zu rangieren. Eine ältere Frau betätigte sich
zusätzlich als Einweiserin. Endlich erreichten wir eine etwas breitere Straße
und standen prompt im Stau. Alle Fahrzeuge mussten wegen einer Baustelle durch
eine einzige Straße. Da ich gerade eine Bank entdeckt hatte, stieg ich aus. Wir
machten einen Treffpunkt aus, da Parken hier einfach nicht möglich war. Der
Umtausch von italienischen Lira in griechische Drachmen erwies sich schließlich
als langwierige Aktion. Während mir beim Eintritt hilfsbereit der entsprechende
Schalter gezeigt wurde, war nur eine Kasse für derartige besondere Auszahlungen
zuständig. Obwohl die Lira bereits am Schalter einbehalten wurden und ich nur
mit dem Auszahlungsbeleg bewaffnet vor der Kasse stand. Aber dort wurde gerade
eine größere Geldtransaktion getätigt. Bei der Menge an Geld, die dem Mann
vor der Kasse ausgezahlt wurde, hätte man bei uns alles in einem extra Raum
abgewickelt. Hier fand alles öffentlich statt. Der Rest des Personals
beschäftigte sich mit dem defekten Geldautomaten und den Kunden, die angeblich
kein Geld daraus erhalten hatten. Schließlich war ich doch noch dran und hatte
innerhalb von einer Minute mein Geld. War es das schöne Wetter, mein Amüsement
über die Bank, oder die Menschen, die mir entgegen kamen? Jedenfalls gefiel mir
Arta ausgesprochen gut. Trotz der Hektik durch die motorisierten Fahrzeuge
ließen sich die Menschen einfach nicht aus ihrer Ruhe bringen. Es war
wundervoll, sich diesem Müßiggang anzuschließen. Mit innerer Zufriedenheit
klapperte ich die Geschäfte nach Tomaten und Brot ab. Da wir zu dieser
Jahreszeit in den kleineren Orten keine geöffnete Taverne fanden, bzw. Mittags
durch unser spätes Frühstück noch keinen Appetit hatten, wollten wir
wenigstens griechischen Salat essen. An der Hauptstraße hielt ich Ausschau nach
Jörgen und dem Hano. Zufällig kam er gerade die Straße entlang. In einem
Supermarkt erstanden wir noch Feta, Oliven, Marmelade und Retsina. Dann ging es
weiter über eine ziemlich gute, aber wenig befahrene Straße Richtung See.
Spätestens hier auf dieser Strecke wurde uns das große Problem der Griechen
wieder bewusst. Müll!! Der Müll und der Sperrmüll wurde einfach die Abhänge
heruntergeschüttet. Dieses Problem besteht mehr oder weniger in allen Regionen
Griechenlands. Da wir auf "Nichttouristenstraßen" unterwegs sind,
fiel uns dieser unangenehme Umstand ganz besonders auf. Allerdings wissen wir
auch zu wenig über die Abfallwirtschaft in Griechenland. Zumindest erhält man
für jedes kleine Stück, das man im Laden einkauft, eine eigene Plastiktüte,
egal ob man die wünscht oder nicht. Und wenn man sich die "Straßen"
anschaut, die ein Müllfahrzeug evtl. nehmen müsste um den nächsten Ort zu
erreichen, wird diese Art der Müllbeseitigung, wenn auch widerstrebend,
verständlich.
Wir fuhren einen Berg hinauf, der uns eine phantastische
Aussicht über die riesige Bucht "Amviakikos Kolpos" bot. In dieser
Gegend wurde noch Holzkohle hergestellt. Wir beobachteten mehrere
Köhlerhütten. Auf dem Weg nach Triklino befanden wir uns
plötzlich mal wieder auf einer Piste. Aus Mangel an Hinweisschildern richteten
wir uns nach der Himmelsrichtung. Aber verfahren konnten wir uns hier kaum, da
bis Triklino lediglich eine mitunter abenteuerliche Piste am Berg entlangführte.
In diesem enorm schmutzigen Ort mussten wir dann an einer Kreuzung zwischen
mehreren Pisten wählen. Wir nahmen die, die am meisten ausgefahren war. Nach
wenigen hundert Metern erschien mir recht unwahrscheinlich, dass dieser
"Weg" zu einer Brücke führen sollte, die an einer Enge über den See
führt. Wir sahen ja noch nicht einmal den See. Mir war nicht einmal klar, ob
auf dieser Piste in letzter Zeit jemand gefahren war. Aber Jörgen schwor, dass
erst heute ein Fahrzeug entlanggefahren sein musste. Und so schaukelten wir
weiter. Plötzlich war er da, der See. Aber wo führte diese Piste hin? Der
Ausblick über diesen See war toll. Mir fehlen mittlerweile bereits die Worte
über die einmaligen Panoramen, die die griechische Bergwelt uns darbot.
Aber ich glaubte immer noch nicht an eine Brücke. Wo denn? -
und bei dieser Piste? Wir fuhren Kurve um Kurve die Schotterpiste
entlang. Wieder eine Kurve um den Berg und - ich glaubte meinen Augen kaum - da
war sie tatsächlich!! Eine große Brücke, auf der sogar, im Gegensatz zur
Piste, zwei Fahrzeuge nebeneinander Platz haben. Wir hielten, um zu
fotografieren. Mitten auf der Brücke erregte ein roter kleiner Stein meine
Aufmerksamkeit. Da ist doch irgend etwas. Als ich näher kam, stellte sich
heraus, dass ein riesiges Loch durch diesen kleinen roten Stein
"gesichert" wurde. Wir kennen so etwas ja aus Algerien, wo man mit
mächtigen Schlaglöchern rechnen muss, aber hier wäre der ganze Reifen in dem
Loch verschwunden. Und das Unwahrscheinlichste kam ja noch! Der Weg ging gleich
hinter der Brücke wie bisher als Piste weiter. Einfach irre!!
Jörgen entdeckte in Fragista, einem Ort mit sehr
schmalen Gassen und steilen Serpentinen kurz vor der Hauptstraße, einen Hanomag
Kurier. Er wollte unbedingt ein Originalemblem haben, aber wir waren, als er es
mir mitteilte, bereits vorbei. Da ich für derartige "Marotten"
sowieso kein Verständnis habe, hatte ich in seiner Enttäuschung auch mal
wieder die Schuld, dass wir nicht angehalten hatten. Zurück wollte er aber auch
nicht mehr. Wäre auch nicht so einfach gewesen. Weiter ging es auf
kurvenreicher, aber wunderschöner "Hauptstraße" nach Karpenissi. Hauptstraße in Anführungszeichen deshalb, weil 1. die Straße rot auf
unserer Karte eingezeichnet war aber 2. die Ortsdurchfahrten zum Teil sehr eng
waren und 3. uns nur sehr wenig Fahrzeuge begegneten. Ein Radfahrer-Tourist kam
uns entgegen. Na, viel Spaß bei d e n Steigungen! In Karpenissi stellte ich
fest, dass das griechische Alphabet nicht mit dem lateinischen identisch ist und
dass schon die lateinische Übersetzung von LAMIA unterschiedliche Schreibweisen aufwies. So verließen wir uns schließlich auf
die griechische Schreibweise und kurvten ohne Probleme durch den Skiurlaubsort.
Hinter Karpenissi ging es noch weiter hinauf bis auf die
Schneegrenze. Jörgen wollte unbedingt eine Schneeballschlacht anfangen. Da er
aber jedesmal auf mich, und damit auf die Kamera zielte, war es eine sehr
einseitige "Schlacht". Schließlich fuhren wir auf den Pass mit 1360 m
Höhe und befanden uns in den Wolken. Das war nicht sehr angenehm auf dieser
sehr kurvigen Strecke. Ich konnte recht wenig sehen und es war auch schon
ziemlich spät geworden. Wir brauchten unbedingt einen Stellplatz. Eine, in der
Karte eingezeichnete Abzweigung, fanden wir nicht. Also fuhren wir bei Makrakomi
rechts ab über den Fluss
in die Berge. Die Zeit drängte sehr und es war schon ziemlich dämmerig. Neben
der Straße nach Mesohori haben wir auf einem
Feldweg einen Stellplatz gefunden. Leider war es sehr lehmig, aber wir standen
wenigstens gerade. Der Himmel war bedeckt und wir hatten nur 7° C.
Dienstag, 29. März 1994
Planung hin, Planung her, manchmal kommt es eben anders als
man plant. Aber nun von Anfang an. Morgens war es bewölkt und nicht unbedingt
warm. Sobald wir die Straße erreicht hatten, nach gerade mal ungefähr 50
Metern, blieb der Hano erst einmal wieder stehen. 10er Schlüssel, pumpen und
weiter geht’s nach Mesohori. Über kleine Straßen oder Pisten wollten wir bei
Bralos wieder die Hauptstraße
erreichen. Nach den engen Gassen Mesohoris fuhren wir auf der gut ausgebauten
Strecke weiter. Aber zunächst fanden wir eine sehr ergiebige Quelle und nutzten
diese Gelegenheit, die Wasservorräte zu ergänzen und unsere Schuhe vom Lehm zu
befreien.
Plötzlich befanden wir uns auf einer sehr schmalen Piste.
Auch die wenigen Ortsschilder, denen wir begegneten, konnten wir nur mit viel
Phantasie den Namen auf der Karte zuordnen. Das regnerische Wetter trug auch
nicht gerade zur Hebung unserer Stimmung bei. In einem nichtidentifizierten Ort
fuhren wir schließlich irgendwie im Kreis. Eine sehr matschige, leider sehr,
sehr schmale Piste führte zumindest zurück auf die etwas breitere Strecke, auf
der wir hergekommen waren. Es war äußerst knapp, aber Jörgen schaffte es, von
diesem steilen, matschigen "Weg", der nicht mal so breit war wie der
Hano, auf die ursprüngliche Piste zurückzufahren. Es sah aber, milde
ausgedrückt, nicht gerade ungefährlich aus, da sich auf einer Seite ein
Steilabhang befand. Wir entdeckten beim besten Willen keinen anderen Weg und
fuhren wir schließlich wieder zurück. Und das sollte nicht das letzte Mal in
diesem Urlaub gewesen sein! So jedoch holte ich in einem kleinen Bergdorf erst
einmal frisches Weißbrot und über den Ort Loutra Ipatis fuhren wir auf die
"Hauptstraße" Lamia-Amfissia. Das Wort Hauptstraße wieder mal in Anführungszeichen, da die Straße
so gut wie gar nicht befahren wird. Aber in dieser Gegend liegt das
wahrscheinlich an der ein paar Kilometer entfernten, fast parallel laufenden
Autobahn, die einfacher zu befahren ist als diese Serpentinen, Serpentinen,
Serpentinen. Die Aussicht auf die Lamia-Ebene war berauschend. Wir konnten
überall auf der Strecke anhalten; es kam kein Auto.
Oben auf dem Pass konnte man über eine
provisorische Querverbindung auf die andere, gut ausgebaute Straße fahren. Die
Gelegenheit nutzten wir, da unser nächstes Ziel, der Parnassos-Nationalpark, in
der Nähe von Delfi war. Durch diesen Gebirgs-Nationalpark führte wider
Erwarten eine gute Straße. Auf halben Wege wurde uns auch klar warum: Hier
befand sich ein Skizentrum. Und prompt fing es in 1000 m Höhe an zu schneien.
Die Bäume sahen aus wie mit Puderzucker berieselt. Außerdem fanden wir uns mal
wieder in den Wolken wieder. Oben befand sich eine große Hochebene. Als wir den
Paß überquerten, der nach Delfi hinabführt, offenbarte sich uns eine
phantastische, irre Aussicht, die bis zum Meer reichte. Leider war dieser
Eindruck nicht im Foto festzuhalten (wie sich erst nach der Entwicklung
herausstellte). Delfi empfing uns mit Sonne, allerdings war der Wind sehr kalt. Über Itea
und Kirra fuhren wir den Steilhang am Meer in vielen Serpentinen hoch, aber diese
Straße war entspannend breit. Langsam fingen wir an, einen Stellplatz zu
suchen. So fuhren wir wieder einen Berg hinunter ans Meer nach Antikira, einen völlig auf
Tourismus eingestellten Ort, der zur Zeit jedoch ziemlich brach lag. Ein
geeigneter Stellplatz fand sich hier jedoch nicht. Außerdem stiegen unsere
Ansprüche an einen schönen Übernachtungsplatz ständig. Zumindest musste er
so gut sein wie der vorherige. Also auf der anderen Seite wieder den Berg
hinauf. Wir kamen dem Kloster Osios Loukas immer näher und so suchten wir
hinter dem Ort Stiri gezielt die Pisten ab, die aber immer zu Olivenhainen führten, die für unser
Fahrzeug nicht zugänglich waren (die Bäume sind einfach zu niedrig). Die
anderen geeigneten Plätze waren äußerst uneben. Durch Steine ausgleichen
dürfte sehr schwer werden. Die einigermaßen geraden Plätze erwiesen sich
entweder als sehr sumpfig oder direkt an einer Müllhalde. Mit beiden
Alternativen konnten wir uns nicht anfreunden. Der Wind war eisig kalt. Als wir
bei Osios Loukas wieder drehten, fiel uns ein steiler Weg auf, der einen Hügel
hinaufführte. Ich habe mir den Platz angesehen und für gut befunden. Lediglich
Geradestehen dürfte schwierig werden. Aber das war nach einigem Probieren mit
Steinen auszugleichen. Die Aussicht über die Berge war gut. Die Nacht war sehr,
sehr ruhig. Nur der starke Wind, den man evtl. schon als Sturm bezeichnen
konnte, schüttelte den Hano manchmal ganz schön durch. Außerdem regnete es
etwas.
Mittwoch, 30. März 1994
Morgens hatten wir zunächst gar keine Lust, aufzustehen.
Vielleicht lag es auch an der Kälte, die sich sogar im Hano bemerkbar machte.
Aber nachdem die Heizung richtig anlief, legten wir erst einmal einen Badetag
ein. Es war wie immer toll, in der Nasszelle ausgiebig zu duschen. Ab und zu
blinzelte die Sonne durch die Regenwolken. Wir fuhren zum Kloster Osios Loukas.
Der Wind war sehr kalt. Im Jahr 946 nach Christus ließ sich der Mönch Osios
Loukas an jener Stelle nieder, an der heute das Kloster steht. Es besteht aus
zwei großen Kirchen, einer Krypta, dem Refektorium, einem Glockenturm und
etlichen Zimmern für die Mönche. Der frühere Eingang befand sich in der
nordöstlichen Ecke des Hofes, heute begaben wir uns durch den Torbogen im
Süden des Anwesens. Die Hauptkirche wirkt bereits von außen beeindruckend. Sie
ist trotz ihres hohen Alters (800 Jahre) noch recht gut erhalten. In der
Literatur wird sie als wichtigstes Beispiel des byzantinischen Kreuzkuppelbaus
aufgeführt. Inmitten des Klosters findet sich ein großer Platz mit einem
großen, schattenspendenden Baum, der im Sommer sicherlich reichlich Zuspruch
findet. Ansonsten fanden wir die Ansichtskarten, die hier vertrieben wurden,
ziemlich dürftig. Unsere Fotos werden ja schon besser werden. Bevor die
Menschenmassen eintrudelten, verabschiedeten wir uns von diesem Ort.
Auf dem Weg nach Kiriaki haben wir eine Rast eingelegt und die Postkarten geschrieben. Im Ort selbst
bin ich diese Karten genau zum Feierabend (14.00 Uhr) der Post losgeworden.
Unsere geplante Route führte uns dann wieder auf eine Piste. Aber zunächst
versperrte uns ein LKW, der beladen wurde, den Weg. Erst nach diversen
Hup-Zeichen gab er uns den Weg frei. Es folgte eine wunderschöne Strecke durch
ein Hochland, auf der wir ständig einmalige Stellplätze entdeckten. Leider war
es noch viel zu früh, einen Übernachtungsplatz zu suchen. So fuhren wir weiter
nach Elikonas und von dort auf einer
unwahrscheinlich engen Serpentinenstraße mit wundervoller Aussicht hinab nach
Livadia. Jetzt folgte eine
langweilige große Straße und eine langweilige Gegend bis Theben (F h b a ). Auf unserer Suche nach
der Strecke Richtung Euböa fuhren wir erst einmal mangels ausreichender
Beschilderung verkehrt herum durch eine Einbahnstraße. Als wir darauf
aufmerksam gemacht wurden, waren wir auch schon durch. Übrigens, die Sonne
scheint wieder, keine Wolken am Himmel. Unser angestrebter nächster Ort
präsentierte sich auf den Hinweisschildern gleich in vier Ausführungen (Halkida,
Halkis, Chalkida, Chalkis) Ätsch man, wir fanden den Weg trotzdem! Über die Drehbrücke, die in einem
sehr schlechten Zustand ist, fuhren wir auf die Insel Euböa. Dort wandten wir
uns nach Süden, denn im Norden waren wir bei unserem letzten Besuch. Die
zweitgrößte Insel Griechenlands ist 175 Kilometer lang. Aber bei Halkida ist
sie nur 40 Meter vom Festland entfernt. Die Drehbrücke überspannt die
Meerenge. Außerdem gibt es inzwischen eine neue Brücke, die südlich der
Meerenge gebaut wurde. Ihrer ganzen Länge nach wird Euböa von Gebirgsketten
durchzogen. Der höchste Gipfel ist 1743 m hoch. Das nördliche Euböa ist sehr
fruchtbar. Hier wachsen Getreide, Nüsse, Oliven, Wein und Obst. Nach Süden
wird der Boden immer trockener. Euböa ist landschaftlich eine sehr
abwechslungsreiche, schöne Insel. Hier hat man unter anderem auch Ruhe, denn
Tourismus gibt es auf Euböa kaum. Und schon gar nicht um diese Jahreszeit.
Halkida, Halkis, Chalkida oder Chalkis, egal wie man diesen Ort nennt, er war
bereits im achten vorchristlichen Jahrhundert eine blühende Handelsstadt. Alle
Schiffe, die den 40 Meter breiten Euripos-Kanal durchfuhren, mussten Maut
zahlen. Diese Meerenge hat eine Eigenschaft, die bis heute nicht erklärt ist:
Bis zu zwölfmal täglich ändert sich die Strömungsrichtung. Der griechische
Philosoph Aristoteles starb 322 vor Christus in Halkida. Die Halkider behaupten
stolz, er habe sich im Kanal ertränkt, weil er nicht hinter das Geheimnis der
Strömungen kam. Das ist allerdings sehr fraglich. Aber nun erst einmal zurück
zu unserer Reise. Eine kurvenreiche Straße führte an der Küste entlang. Sogar
ein Unfall war gerade passiert. Aber die Strecke ist eben sehr unübersichtlich.
Aus diesem Grund ist die Fahrweise der Griechen hier schwer zu verstehen. Unsere
Stellplatzsuche führte uns hinter Koskina. Leider war die angestrebte Strecke durch das Militär abgesperrt. Die Zeit
drängte jedoch sehr und so fanden wir in einem schmalen Seitental einen
Stellplatz. Jörgen stellte fest, dass der linke Hinterreifen wahrscheinlich
Luft verliert. Nach eingehender Betrachtung schloss ich mich der Meinung an.
Jörgen will ihn morgen früh noch mal begutachten. Draußen stürmte es
gewaltig. Der Wind war sehr kalt.
Donnerstag, 31. März 1994
Die Sonne schien, aber der Wind war kalt und stürmisch. Der
rechte Hinterreifen verliert tatsächlich Luft. Wir beschlossen, zum nächsten
größeren Ort zurückzufahren was sich später als ausgesprochen gute
Entscheidung erwies, denn auf der weiteren Fahrt auf Euböa haben wir keine
derartige Werkstatt entdeckt. Gleich am Ortseingang von Aliveri fanden wir den Pirelli-Reifenspezialisten für Lkw-Reifen. Er zog den Reifen
ab, reparierte Schlauch und Mantel. Kostete 3000 Dr. + 2 Bier (DM 21,30). In
Aliveri kauften wir noch Brot und ab ging es in die Berge. Unsere
Frühstückspause legten wir bei zwei Rundtürmen ein. Jörgen meinte, auch im
Hinblick auf tollen Blick über die Bucht, dass wir es hier wohl mit
mittelalterlichen Zolltürmen zu tun hatten. Zumal innen eine Treppe am
Mauerwerk emporführte. Jedenfalls gefiel mir der Gedanke und er war von der
Sache und der Lage der Türme her auch sehr logisch. Außerdem wollten wir die
Fähren auskundschaften, die uns wieder auf das Festland zurückbringen sollten.
So sparen wir viel Weg und Zeit auf unserer Route nach Patras. Die Fähre
jedenfalls, die bei Almiropotamos in der Karte eingezeichnet war, fuhr um diese Jahreszeit nicht. Also weiter
nach Nea Stira. Jörgen unterhielt sich mit einem Mann über die Abfahrtszeiten,
die wir anschließend notierten. Die Strecke von Stira nach Marmari war phantastisch. Sie
war wenig befahren und bot immer wieder tolle Ausblicke über das Meer. Aus
Marmari fährt auch eine Fähre ab. Zwar je nach Wochentag anders, aber auf
jeden Fall um 16.00 Uhr. Mit den Informationen bestückt, suchten wir die auf
der Karte eingezeichnete Piste nach Karistos. Aber es führten viele Wege aus
Marmari raus. Den richtigen fanden wir nicht. Allerdings hielt uns eine Frau an
fragte uns auf deutsch, ob wir länger hierbleiben würden? Als wir dies
verneinten, erzählte sie, dass sie mit ihrer Familie bereits 14 Tage in Marmari
sei und noch keine Deutschen gesehen hatte. Sie hatten sich halt vorgestellt,
mit dem Bus die Insel zu erkunden; leider erwies sich die Busverbindung nicht
als vorteilhaft. Wir jedenfalls fuhren den Berg wieder hinauf Richtung
Windmühlen, weg aus Marmari. Eine neue Route erregte unsere Aufmerksamkeit und
so fuhren wir zunächst Asphaltstraße und dann Piste Richtung Südostküste
Euböas. In dem einen Ort, den wir durchfuhren, war ein über die schmale
Straße überhängender Balkon durch große Fahrzeuge bereits mehrfach
beschädigt worden. Aber Jörgen schaffte es problemlos, nicht mal in die Nähe
zu kommen. Die Piste führte ca. 100 Meter über dem Meer am Berg entlang. Wir
hatten immer noch herrlichen Sonnenschein, nur der sehr kalte Wind störte
etwas. Zumindest bot sich diese Piste mit dem Blick in der Abendsonne über das
Meer als Stellplatz an. Außerdem war es hier nicht uneben und bis um 5.00 Uhr
am folgenden Morgen ausgesprochen ruhig.
Karfreitag, 1. April 1994
Die Sonne weckte uns. In der Zeit zwischen 5.00 Uhr und 7.30
Uhr fuhren mehrere Fahrzeuge auf der Piste entlang, die ihre Fahrer zur Arbeit
brachten. Bis auf ein Moped, dem offensichtlich der Auspuff fehlte, störte uns
das nicht. Unsere geplante Route war folgende: von hier aus weiter über
Straße/Piste, je nachdem wie wir sie vorfanden, weiter bis an die Südostspitze
nach S c I x a l h und über Z a c a r i a
zurück nach Karistos und Marmari.
Aber zunächst fuhren wir, auf immer schlechter und schmaler
werdender Piste, bis wir feststellten, dass der Weg dort einfach nicht
weitergeht. Allein vor den Felsüberhängen über der Piste mussten wir
kapitulieren. Und so ging es auf der modderigen "Piste", denn diese musste
man schon in Anführungszeichen setzen, zurück bis zur nächsten Abzweigung.
Ein vorbeikommender Mann gab Jörgen die Auskunft, "daß
der Berg die Straße verschüttet habe. Wir müssten wieder den Weg (der ganze
Bogen wurde gestenreich formuliert) zurück und von dort aus zu den Orten, deren
Übersetzung uns bis heute fehlt." Aber nach wenigen hundert Metern führte
eine schöne breite (m.E. auch befahrene Piste) ab in die gewünschte Richtung.
Vielleicht waren wir ja verkehrt gefahren; Hinweisschilder gab es hier nicht.
Also war ich auch für den Versuch (Jörgen sowieso), über eine andere Strecke
die oben erwähnten Orte zu erreichen. Auch in der Karte war eine
Alternativstrecke verzeichnet. Also befuhren wir guten Mutes unsere neue
Strecke. Aber schon bald hatte ich das Gefühl, wir durchfahren ein Flussbett
oder so etwas ähnliches. Nach einigen Bachdurchfahrten kam es mir auch sehr
real vor. Zumindest würde ich ein normales Auto, wie zum Beispiel meinen kleinen Peugoet 106, der in Griechenland ziemlich häufig
vorkommt, nicht auf diese Strecke schicken. Aber da wohnten auch Leute, was mich
wieder etwas mehr zuversichtlich stimmte (Jörgen, als unverbesserlichen
Optimisten, sowieso). Und die Piste wurde zwar schmaler, aber mit der Zeit auch
besser, und so kletterten wir die Serpentinen am Berg empor. Zum Teil wurde mir
bei dem Geschaukel, wenn es mal wieder besonders eng wurde, ganz merkwürdig.
Bei einer kleinen Aussichtspause erreichte uns ein Hirte auf
einem Moped, der sein Kommen bereits Kilometer vorher durch die übersichtlichen
Serpentinen und die Schallübertragung notgedrungen ankündigte. Er redete
wiederum auf Jörgen ein: Die Strecke ist verschüttet, sehr uneben, große
Steine, gerade mal ein Moped kann da entlang! So jedenfalls hatte ich es
verstanden und wurde skeptisch. Jörgen glaubte das natürlich nicht und fragte
nach, ob man wenigstens bis auf die Bergkuppe fahren kann. Das wurde bejaht. Und
diesen darauffolgenden Gesichtsausdruck kannte ich nur zu gut! Er besagte so
ziemlich folgendes: Na also, so schlimm kann das doch für ein Geländefahrzeug
wie den Hano nicht sein. Trotzdem fragte Jörgen mich nach meiner Meinung, die
mir hier sehr überflüssig vorkam. Auf jeden Fall reagierte ich sehr skeptisch
und kündigte meine Umkehr an, wenn es wirklich nicht weitergeht. Das war das
Zeichen zum Aufbruch. Die Piste bis zur Kuppe war tatsächlich, wenn auch nicht
ganz einfach, zu bewältigen. Auf der anderen Seite kamen wir schließlich an
einen Berg aus Steinen, der mit der erforderlichen Vorsicht für den Hano
wahrscheinlich kein Hindernis darstellen würde. Aber nach den Warnungen
reagierte ich sehr vorsichtig. So wollte ich zunächst das nächste Stück der
Piste inspizieren. Und schon bald stieß ich an ein weggerutschtes Stück Piste.
Dort wurde es eventuell schon sehr schwierig, weil der Hano in eine große
Schräglage kommen würde. In Anbetracht unserer kurzen Zeit zeigte ich Jörgen
diese Stelle und wurde schon sehr böse, als er Pläne machte, wie er die Weiterfahrt
meistern könnte. Ich trat in den Streik. Das konnte doch nicht wahr sein. Als
Gegenargument brachte Jörgen: " Was soll das erst auf unserer Weltreise
werden, wenn wir wegen solcher Kleinigkeiten aufgeben?" Kleinigkeiten, ha,
ha.
Als mir nach einiger Überlegung wirklich Zweifel kamen, ob
es sich bei diesem Erdrutsch um eine sogenannte "Kleinigkeit"
handelte, machte ich mich auf den Weg, die Piste abzugehen. Wenn wirklich nur
ein Moped weiterkam, musste dort noch irgend etwas anderes sein. Also schnappte
ich mir meinen Hut (wegen der Sonne) und machte mich auf den Weg. Die
Unebenheiten und die riesigen Steine, die an ein unberührtes Flussbett
erinnerten, machten meinem kaputten Knie ziemlich zu schaffen. Und hier will
Jörgen mit dem Hano langfahren? Armer Hano! Aber trotzdem musste da noch was
anderes sein?! Und dann, nach wenigen Serpentinen sah ich es! Diese Enge war
höchstens, und das sehr gut gemessen, einen Meter breit. Der Hanomag hatte an
Spurbreite mindestens 1,90 Meter. Und die Länge war auch nicht durch Sandbleche
auszugleichen. Wer da durch will, muss einen Teil des Berges abtragen, was sehr
viel Zeit und Kraft bedeuten würde. Die Passagen danach sind meiner Ansicht
nach mit der erforderlichen Vorsicht zu überwinden. Allerdings kann nach der
nächsten Kurve, die ich nicht mehr inspizierte, wieder ein Hindernis folgen.
Mit reichte aber schon die vorhin erwähnte Enge und ich meinte, damit auch den
Skeptiker "Jörgen" zu überzeugen. Ich konnte es einfach nicht
glauben, als er sich die Stelle ansah und ernsthaft daran dachte, den Berg
abzutragen. Das war einfach zu viel.
Schließlich gab Jörgen nach und wir fuhren zurück. Ich
hätte liebend gerne dort oben übernachtet, aber wir hatten keine Abendsonne.
Und so fuhren wir zurück. Die Stellplatzsuche erwies sich aber wegen des
ständigen Gefälles als äußerst schwierig.
Auf einer kleine Anhöhe neben der Piste, aber mit einer
phantastischen Aussicht, kamen wir sogar ziemlich gerade zu stehen. Jörgen
hatte wohl noch nicht vom Abenteuer genug und kletterte auf einen Baum, der an
einem Abhang stand. Warum wohl? Natürlich, um wieder mal, um unseren tollen
Stellplatz zu fotografieren. Leider sind die Fotos der Minox vom dem
"Baumziegenbock" wegen Überbelichtung nichts geworden. Wäre doch zu
schön gewesen. Als krönender Abschluss folgte diesem Tag jedoch ein kleines
Lagerfeuer (trockenes Holz gab es genug), und wir grillten. Beim wärmenden
Lagerfeuer betrachteten wir schließlich die unwahrscheinliche Sternenwelt des
südlichen Sternenhimmels. Einfach wunderschöne Wild-West-Romantik, die sich
hier wieder mal auftat.
Samstag, 2. April 1994
Morgens wurden wir wieder durch die Sonne geweckt. Das ist
Urlaub! Keine einzige Wolke am Himmel. Was zunächst fehlte, war dieses
ständige Gebimmel der kleinen Glöckchen, die die Ziegen um den Hals tragen. Es
war richtig ruhig. Lediglich das Knattern eines Mopeds war in der Ferne zu
vernehmen. Ein richtig merkwürdiges Gefühl, so ohne Ziegen in Nähe. Aber es
dauerte nicht sehr lange, da hörten wir es wieder. Bim, bimbim! Wir fuhren die
ganze Strecke zurück nach Marmari. Dort fuhr die Fähre erst, wie Jörgen
bereits erkundet hatte, um 16.00 Uhr hinüber nach Rafani, in der Nähe von
Athen. Marmari ist noch ein relativ kleiner Urlaubsort mit wenigen Hotels.
Dementsprechend ruhig ging es dort auch zu. Ich hatte völlig
vergessen, mit welch innerer Ruhe man bei wunderschönem Wetter durch die Gassen
eines mediterranen Ortes spazieren kann. Zunächst aßen wir in einer Taverne zu
Mittag. Natürlich draußen, denn wann wird es in Deutschland so tolles Wetter
geben? Das schrie förmlich nach ausnutzen! 2x Bohnengemüse, 1 x Kalamari, 1 x
Spaghetti, ½ l Retsina, dazu Brot und Wasser = 3.500 Dr. (24,85 DM). Gemütlich
ließen wir es uns schmecken, in dieser entspannten Atmosphäre und mit diesem
Blick über das Meer. Außerdem kauften wir natürlich noch Brot und Gemüse
usw. ein. In einem Supermarkt kam der Verkäufer/Besitzer? gleich mit zwei
SEVEN-UP-Dosen und Strohalmen auf uns zu. Das wäre für uns. Dabei hatten wir
noch gar nichts gekauft! Aber er wurde zumindest um einen Putzschwamm und
Schuhcreme erleichtert. Mit Zeitschriften bewaffnet lümmelten wir uns
anschließend auf eine Parkbank und warteten auf die Fähre aus Rafina. Beim
Eintreffen derselben herrschte mal wieder leichtes bis mittleres Chaos. Die
Überfahrt war ruhig. Von Rafina aus fuhren wir nach Athen, denn wer aus dieser Richtung nach Peleponnes will, kommt an Athen nicht
vorbei. Obwohl auf der Karte mehrere Orte eingezeichnet waren, hielten wir das
ganze für einen Vorort von Athen. Haus reihte sich an Haus neben der breiten
Straße. Und obwohl die Ausschilderung wirklich saumäßig war, fuhr Jörgen mit
einer traumhaften Sicherheit gefühlsmäßig die richtige Strecke. Die Zeit war
schon sehr fortgeschritten und es wurde ab Dafni dringend erforderlich, einen
Stellplatz zu finden. Vor der in der Karte eingezeichneten Mautstelle verließen
wir die Autobahn auf die parallel laufende Straße. In einem Supermarkt
erstanden wir noch günstig große Flaschen Retsina. In einem ruhigen Gebiet
fanden wir, zwar in Nähe der Straße, aber von dort aus nicht zu sehen, einen geraden
Stellplatz. Suppe, griechischen Salat, Brot und Retsina verspeisten wir mit Genuß. Außerdem
pflegten wir unseren Sonnenbrand. Im Verhältnis zu den Bergen aus denen wir
kommen, ist es hier sehr warm. Um 21.30 Uhr hatten wir noch 15° C. Da im Hano
durchschnittlich 5° mehr sind, kam es mir sogar sehr warm vor.
Ostersonntag, 3. April 1994
Zunächst verspeisten wir die gekochten Hühnereier, die wir
gestern Abend bunt, na ja, mehr beklebt als bemalt hatten. Leider erwiesen sich
die von mir gekauften Färbestäbchen als völlig unbrauchbar. So musste der
Kugelschreiber mal wieder ran und die Abziehbildchen. Hier in Griechenland muss
nicht unbedingt Ostern sein. Die Lage der Osterfeiertage kann sehr voneinander
abweichen. Da alles wie gehabt ablief und auch gearbeitet wurde, nahmen wir an,
dass kein Ostern war. Es war bedeckt, aber teilweise lugte die Sonne hervor. Wir
unternahmen zunächst den Versuch, auf der Strecke, die bis Megara eingezeichnet war,
weiterzufahren und landeten prompt in einer Sackgasse oben am Berg, wo Militär
(Amerikaner?) eine riesige Antennenanlage überwachte. Der nächste Versuch, auf
einer nahegelegenen Piste weiterzukommen, scheiterte wiederum kläglich an einer
Straßenbauraupe, die am Ende der Piste den Weg versperrte. Na denn eben nicht!
Zurück auf der Autobahn, die wie wir feststellten, zur Zeit nicht mautpflichtig
war (wohl wegen der vielen Baustellen), ging es nach Korinth. Aber zunächst
überquerten wir den Kanal. Und er fasziniert doch immer wieder. Jetzt haben wir
ihn bereits zweimal von oben betrachtet und zweimal auf der Egitto Express
durchquert, aber er ist und bleibt beeindruckend. Der 6,3 Kilometer lange, 21
Meter breite und 8 Meter tiefe, künstliche Kanal trennt den Peleponnes vom
griechischen Festland. Zu erkennen ist er an den Unmengen von Touristen, die
sich auch zu dieser Jahreszeit auf der hohen Autobrücke versammeln, um den
Kanal vor die Linse zu nehmen. Dazu gehörte auch Jörgen. Er konnte, zumal
gerade ein Schiff durch den Kanal geschleppt wurde, der Versuchung nicht
widerstehen. Bezüglich der Geschichte verweisen wir auf unserer
Ägypten-Fotobuch, es wäre einfach zu einschläfernd, die ganze Story hier zu
wiederholen. Ich suchte die Souvenirläden nach brauchbarem Kartenmaterial ab.
Aber hier waren nur Touristenführer oder Karten mit einem Maßstab von
1:700.000 zu bekommen. Da lobe ich mir doch den relativ genauen Atlas vom
RV Verlag mit seinem Maßstab von 1:300.000. Das Wetter wurde besser. Es wurde
sogar ziemlich warm. Unser Ziel, das Ausgrabungsgelände von Isthmia, liegt am
Rande des Dorfes Kyravrysi, das auf keiner Karte verzeichnet ist, inmitten einer
trostlosen Industrielandschaft. Hier erwartete? uns ein mürrischer Wächter,
der wahrscheinlich lieber Mittagspause gemacht hätte. So durften wir auch nur
in das Museum und nicht auf das Gelände. Der Typ klapperte ständig mit den
Schlüsseln - so nach dem Motto: Ihr seit hier unerwünscht. In Isthmia haben
seit 582 vor Christus alle zwei Jahre die Ishtmischen Spiele stattgefunden.
Dieser panhellenische Wettkampf galt nach Olympia und Delphi als der
berühmteste des antiken Griechenlands. Vor allem wegen der verkehrsgünstigen
Lage, in der Nähe von Korinth, zog Isthmia besonders
viele Zuschauer an. Das (gute) Museum erklärte uns auch das besondere Relikt
von Isthmia, eine sehr gut erhaltene Startanlage. Die Startanlage sieht so aus:
Von einem Loch gehen lange, gerade Ritzen aus. In dem Loch saß der Starter. Er
hielt sechzehn Schnüre in der Hand. Zwischen Pfosten gab es eine Querlatte, die
mit Hilfe der Fäden heruntergeklappt werden konnte. So war ein Start, der für
alle 16 Läufer gleiche Bedingungen schuf, möglich. Wir versuchten, die Reste
dieser Startanlage, eine dreieckige Steinplatte, zu lokalisieren. Sie sollte in
der Nähe des Einganges liegen. Und wir fanden sie. Leider war von draußen
nicht so sehr viel zu sehen. Und wie bereits gesagt,
auf das Gelände durften wir nicht mehr. Auch das Museum schloss der Wärter
eilig, gleich nachdem wir es verlassen hatten, ab. Auf der breiten Hauptstraße
fuhren wir weiter nach Epidauros und von da aus weiter zur Halbinsel Methana. Über viele
Serpentinen führte die kleine Straße, mit wiedermal phantastischen Ausblicken
auf das Meer, durch Zitronen- und Orangenhainen hindurch auf dieses kleine
Landstück. Die Zitronen- und Apfelsinenbäume mit ihren üppigen Früchten
haben mich sehr interessiert. Zumal ich vorher noch nie bewusst gesehen habe, dass
so viele Früchte auf einem Baum reifen können. Und zweitens, dass dieses Obst
um diese Jahreszeit reif ist.
Kurz bevor wir auf der Halbinsel Methana die Stadt Methana
erreichten, bot sich uns ein toller Ausblick, aber auch ein einmaliger Gestank
nach verfaulten Eiern. Die schwefeligen Quellen am Ortseingang sorgten für
diesen stechenden Geruch. Die Heilquellen mit ihrem warmen, salzigen Wasser und
dem hohen Schwefelgehalt wurden bereits im Altertum gegen allerlei Krankheiten
benutzt. Methana (Halbinsel) ist nur durch eine schmale Landbrücke mit dem
peleponnesischen Festland verbunden. Geologisch gehört das wuchtige, weithin
sichtbare Bergmassiv mit einer höchsten Erhebung von 743m zu den Saronischen
Inseln. Die Halbinsel ist vulkanischen Ursprungs, aber darauf kommen wir noch
zurück. Der Ort Methana jedenfalls machte auf uns einen hübschen, ruhigen
Eindruck. Auch von dem Gestank war im Ort selbst nichts zu bemerken. Wir wollten
auf dem in der Karte eingezeichneten Weg über die Ostseite Methanas nach
Kaimeni Chora kommen, von wo aus der
Vulkan zu besteigen ist. Aber schließlich landeten wir auf einem Berg, der eine
Sackgasse darstellte. Ein hilfsbereiter Grieche (wie fast alle, die uns
begegneten) erklärte mir, dass wir die ganze Strecke zurück müßten, um über
Methana (Ort) westwärts den Krater zu erreichen. Langsam wird das Verlassen auf
die Karte und dagegen die Realität etwas frustrierend. Wir also wieder einen
Teil der Strecke zurück. Leider brauchten wir langsam einen Stellplatz für die
Nacht. Also fuhren wir auf eine Straße ab, die in Richtung Strand führte. Nach
einigem Suchen fand ich, durch vorheriges Auskundschaften, einen annehmbaren
Stellplatz zwischen großen Steinen, direkt am Meer. Für normale Fahrzeuge
nicht zugänglich. Es war sehr schön dort, aber ich sicherte
den Hano nach allen Seiten noch durch zusätzliche Steine vor dem Wegrollen.
Sonst hätte ich nachts keine Ruhe. Jetzt konnte mich nur ein richtiger Sturm
noch verunsichern. Ein Blick in die Runde zeigte es: Hier lag sehr viel
trockenes Strandgut herum, das sich hervorragend zum Verfeuern eignet. Also
suchten wir viel, viel Holz. Wir grillten wieder und freuten uns, dass der Wind
nachließ. So konnten wir gemütlich draußen sitzen und den Abend (Blick über
das Meer, Lagerfeuerromantik, keine Ziegen aber Wellenrauschen) so richtig
genießen.
Ostermontag, 4. April 1994
Es war leicht bedeckt, aber windstill. Wir fuhren also
zurück nach Methana und von dort aus nach Kaimeni Chora. Auf dieser Seite der
Halbinsel ging es nicht so steil zu, wie im Osten. Wir durchquerten sogar eine
Hochebene. Zunächst fuhren wir in das winzige Dorf hinein, stellten aber sofort
fest, dass es nicht weiterging. Also, wo finden wir den Vulkan? Wir fanden ihn
sehr schnell, denn die ganze Gegend war voll erstarrter Lava. Die Bewohner
dieses Dorfes haben Viehunterkünfte hineingegraben. Aber wo war bloß der
Aufstieg? In der Nähe des Dorfes verlief eine Piste am Berg entlang. Gleich zu
Beginn war ein größerer Platz, der sich auch hervorragend als Stellplatz
eignen würde. Ich ging diese Piste ein ganzes Stück ab. Sie war seit langer
Zeit nicht mehr befahren worden und wandte sich nach einiger Zeit auch vom
Vulkan ab und führte in die falsche Richtung. Das war wohl nichts. Jörgen
hatte unterdessen eine Schildkröte am Wegesrand entdeckt, die er auf die andere
Seite setzte, wo sie offensichtlich den Berg hinauf wollte.
In der Nähe der Piste war ein Haus. Ein Mann wies uns den
Weg: Durch das Dorf hindurch, links halten, dann würden wir Markierungen
finden. Also begaben wir uns auf den Weg. Im Ort nahmen wir zunächst den
falschen Weg und landeten auf einem Hof. Ein freundliches "Kalimera",
und schon bekamen wir den richtigen Weg gewiesen. Obwohl die Sonne nicht direkt
durchkam, schwitzten wir beim 30-minütigen Aufstieg ganz gut. Schließlich war
es windstill und fast 23° C warm. Aber das Ergebnis entschädigte uns vielfach.
Der Krater war ja leicht zu finden. Aber die Markierungen gingen weiter: wohin
wohl? Schließlich entdeckten wir ihn, den Schlund! Die glatten Wände, einfach
umwerfend. Auch in der Gegend herumzuklettern war beeindruckend. Gut zwei
Stunden haben wir für den Auf- und Abstieg nebst "Mindestaufenthalt"
gebraucht. Mit einem zufriedenen "Jassas"
(es war schließlich schon Nachmittag) verabschiedeten wir uns von Kaimeni Chora.
Auf diesem Platz auf der Piste hätten wir auch hervorragend übernachten
können. Diese himmlische Ruhe hier oben vermittelte ein unwahrscheinliches
Gelassenheitsgefühl. Die Zeit war hier stehen geblieben. Aber leider hatten wir
bis zur Abfahrt der Fähre nicht mehr soviel Zeit und so war es für einen
Stellplatz noch zu früh. Jörgen bastelte noch ein wenig am Hano, er stellte
die Bremsen ein, die ein wenig einseitig zogen.
Auf der Rückfahrt nach Methana, nun schon zum drittenmal,
sah ich noch eine große Schildkröte am Straßenrand. Methana, die Insel der
Schildkröten! Auf dem Weg nach Nafplion besuchten wir bei Didyma die schon weithin
sichtbare riesige Doline. Ein riesiges Loch in einer Felswand. Auf dem Weg
dorthin kamen wir noch an einer anderen Doline vorbei. Was die nun genau sind,
ist nirgends erklärt. Wir nehmen aber an, dass es sich hier ursprünglich um
natürliche Höhlen handelte, die irgendwann mal einstürzten. In die kleinere
Doline, ein rotbrauner Trichter, der normal gar nicht zu erkennen ist, führt
ein unterirdischer Gang. In die Wand sind eine weißgetünchte Kapelle und noch
ein Gebäude gebaut. Irgendwie interessant.
Jörgen fuhr angesichts der fortgeschrittenen Zeit in
Hano-Rallye-Manier die kleine kurvige, unübersichtliche Straße entlang
Richtung Nafplion. Stellplätze waren hier rar, es war einfach zu uneben und
nachher am Meer zu "offen". Campingverbotsschilder gab es auch. Wir
zankten uns: wir hätten doch da, oder da..... Aber es half alles nichts. Kurz
bevor es dunkel wurde, fanden wir bei dem kleinen (verlassenen?) Bergdörflein M a r a q e a
auf einer Piste einen ziemlich geraden Platz. Keine Lichter in dem unter uns
liegenden Dorf waren zu erkennen. Aber eine Kerze brannte auf dem Friedhof.
Dienstag, 5. April 1994
Gegen morgen fing es an zu regnen. Die Wolkendecke war sehr
dicht. Es wollte und wollte nicht aufhören. Über Nafplion fuhren wir zu der
mykenischen Burg Tiryns. Der steinernde Klotz, mit seinen riesigen grauen
Felsblöcken fällt erst auf, wenn man unmittelbar davor steht. Die Errichtung
der massiven, tonnenschweren Befestigungsmauer schrieb man in der Antike den
Kyklopen zu. Sie hätten diese mit ihren übernatürlichen Kräften im Auftrag
des Proitos, König von Tiryns, erbaut. Die in ihrer heutigen Form 1200 vor
Christus entstandene Burg hat gewaltige Ausmaße. Zählt man alle Mauern
zusammen, ergibt sich eine Gesamtlänge von 725 km, die Mauerstärke schwankt
zwischen 4,5 und 17 Metern. Leider konnten wir nur einen kleinen Teil der Anlage
besichtigen. Zudem benötigt man hier schon eine Menge Phantasie, um mit Hilfe
des Reiseführers die Räume zu identifizieren. Dazu
noch dieses, nicht gerade einladende Wetter. Auf jeden Fall fanden wir diese
Ausgrabungsstätte bei weitem nicht so interessant, wie sie in dem Führer
beschrieben wurde.
Etwas enttäuscht fuhren wir zurück nach Nafplion. Unser Vorhaben, die Burg zu besuchen, ließen wir angesichts des Regens und
dem Dunst bleiben. Nächstes Mal vielleicht. Nafplion war irrsinnig schmutzig.
Aber das kann auch am Dauerregen und dem daraus resultierenden Matsch liegen.
Eine Bank wollte meinen Euroscheck nicht nehmen. Wahrscheinlich hatte sie dafür
keine Lizenz. Eine Dame verwies mich an die Post. In Mili, kurz bevor wir nach Tripoli
abbogen, entdeckten wir
eine Taverne, in der gegrillt wurde. Endlich! Wir zogen uns 14 Souflaki mit
Brot, 1 x Retsina, und 2 x griechischen Salat mit Schafskäse rein (3455 Dr.=
24,53 DM). Anschließend fuhren wir weiter nach Kalavrita. Es regnete und regnete. Die Straße war zuletzt mit Schlaglöchern übersät.
Aber das ist bei uns zur Zeit durch den Frost genauso. Beim Kloster Agia Lavra
hörte es langsam auf; die Sonne lugte sogar hervor. Das über tausend Jahre
alte Kloster liegt 6 km südlich von Kalavrita und gehört zu den berühmtesten
des Peleponnes. Das 961 von Athos-Mönchen gegründete Kloster ist heute für
viele Griechen eine Art politischer Wallfahrtsort, denn unter der großen
Platane vor dem neuen Kloster sollen sich am 25. März 1821 die
Freiheitskämpfer unter Leitung des Bischofs von Patras, Germanos versammelt
haben. Das Kloster als Zentrum der Aufständischen
büßte dafür. 1826 ließ es Ibrahim Pascha von seinen türkischen Truppen
zerstören. Das historische Datum von 1821 wird durch ein großes Denkmal auf
einem 3 km entfernten Berg in Erinnerung gerufen. Wir besuchten zunächst das
Denkmal und überlegten, ob sich diese Gegend nicht als Stellplatz eignen
würde. Aber vielleicht ist es ja in der Nähe des Klosters schöner. Also ab
auf die Straße. Wir fanden sofort einen Platz, der sich als Stellplatz
hervorragend geeignet hätte. Leider lag dort auch viel Unrat von gedankenlosen
Touristen herum. Zunächst jedoch besuchten wir das Kloster. Ein Raum in einer
Kapelle zeigte die Schädel der verstorbenen Mönche. Irgendwie grauslich, aber
der kleine Friedhof hatte nur Platz für 4-5 Tote, so dass die Verstorbenen
ausgegraben und die Schädel in dem Raum aufgereiht werden.
Auf dem Rückweg erkundeten wir einen möglichen Stellplatz
auf einer Anhöhe. Das war toll dort oben, aber ich bezweifelte, dass der Hano
die Steigung schafft. Im Endeffekt war das fast banal. Es sah vorher viel
schlimmer aus. Völlig ohne Probleme fuhr Jörgen die Piste hinauf.
Dort brauchten wir einige Zeit, damit der Wagen ausgerichtet
war. Aber die Mühe lohnte sich. Ein völlig unberührtes Stück Natur breitete
sich vor uns aus. Die Sonne, die plötzlich hervorkam, animierte dazu, die
Stühle herauszuholen und draußen zu lesen. Aber es zogen plötzlich
tiefschwarze, riesige Wolken auf, die bei dem Rest Sonnenschein einfach irre
aussahen. Wir packten schnell zusammen und verkrochen uns dann in den Hano. Eine
große Ziegen- und Schafherde, in deren normalen Weg wir wohl standen, umringte
den Hano. Aber schon nach einiger Zeit ließen die Tiere sich sich nicht mehr
von unserer Anwesenheit stören. Das Gewitter war mäßig, aber es fing wieder
an zu regnen.
Mittwoch, 6. April 1994
Regen, Hagel, Sturm und Gewitter, das alles bot uns dieser
Tag. Wir beschlossen, hier zu bleiben und bekamen den Tag auch mit Spielen,
Aufbau des IFA planen und Lesen über die Runden. Wie gut, dass die Heizung
problemlos funktionierte, es war doch empfindlich kalt, da wir uns wieder mal in
großer Höhe befanden. Also ein richtig schöner Gammeltag.
Donnerstag, 7. April 1994
Es schneit, regnet und gewittert. Ein undankbares Wetter. Wir
hielten uns auch daher auf dem Weg nach Patras nicht mehr woanders auf. In einem riesigen Euro-SPAR-Markt kauften wir noch
äußerst günstig Retsina, Feta usw. Dann gesellten wir uns im Hafen zu einigen
anderen Campmobilen, die bereits warteten. Unsere Fähre, die Erotokristos, war
schon da. Es regnete immer noch. Jörgen begab sich in das Hafenbüro (es liegt
außerhalb des Hafens) und besorgte die erforderlichen Unterlagen. Er brachte
uns etwas zu essen mit. Souflaki, Bifteki, dicke Bohnen und Brot. Schmeckte auch
sehr gut, obwohl das Fleisch nicht auf dem Holzkohlegrill gebacken war. Die
Polizei kontrollierte die Pässe ab 16.15 Uhr und um 17.00 Uhr begann die
Verladung der Campingfahrzeuge. Leider mit etwas Verspätung, da die
Polizei-Kontrolle nicht da war. Wir hatten Glück und waren das 1. Fahrzeug. So
bekamen wir einen fast geraden Platz (was nicht so einfach ist) an der Seite mit
Panoramafenster. Bei dieser Überfahrt handelte es sich um "Camping an
Bord". Wir übernachteten im Hano in einer riesigen offenen Garage. Duschen
und Toiletten befinden sich auf dem gleichen Deck. Sie waren sehr sauber, da die
zuständigen Mitarbeiter des Schiffes sie laufend reinigten. Ich war kaum aus
der Dusche oder der Toilette, da huschten sie auch schon mit Scheuerlappen usw.
bewaffnet hinein und putzten. Ein Stromanschluß für die Wohnmobile sind
ebenfalls vorhanden. Gegessen haben wir im gutbesuchten Self-Service. Jörgen
hat auch wieder Moussaka bekommen. An Bord sind Koch und Heizgase aus
Sicherheitsgründen verboten. Wir haben ja aber Spiritus zum Kochen und eine
Dieselheizung. Nachts schaukelte das Schiff ganz gut; ich war ein wenig
Seekrank.
Freitag, 8. April 1994
Das Wetter sah aus unserem Panoramafenster gar nicht gut aus.
Dem folgte gegen Mittag ein leichter Sturm. Wir brauchten tatsächlich unsere
Heizung. Dann klarte das Wetter für ungefähr drei Stunden auf. Alle stürmten
auf das Sonnendeck und wandten sich mit dem Gesicht zur Sonne. Dann zog wieder
eine dichte Wolkenwand auf und die Wellen wurden höher. Irgendwie kamen wir
auch nicht rechtzeitig in Ancona an. Mir wurde langsam übel. Mist Seekrankheit!
Vor dem Ausschiffen mussten wir in den Self-Service. Dort nahmen wir in
Selbstbedienung die Police-Karten, bekamen einen Stempel darauf und durften mit
unseren Fahrzeugen von Bord. Wider Erwarten ging dann alles relativ schnell.
Aber die Police-Karten haben wir heute noch. Niemand kontrollierte uns.
Es regnete in Ancona. Wir hielten nach den Parkplätzen, die
kein Rasthaus hatten, Ausschau. Auf der PKW-Seite des Rastplatzes bei Reggio
Emilia blieben wir, denn es war schon reichlich spät. Trotz
"Schrägstehen" haben wir gut und ruhig übernachtet.
Samstag, 9. April 1994
Es war trocken, die Sonne ging auf. Kurz vor der Schweiz war
ein Stau. Es fand eine sehr genaue LKW-Kontrolle statt. Die Lkws mussten alle
von der Autobahn runter. Vielleicht war auch Streik, keine Ahnung. Kurz vor dem
Gotthard-Tunnel standen wir dann, bedingt durch eine hirnverbrannte
Ampelführung, wieder mal für längere Zeit im Stau. Es fing an zu schneien.
Mein Alptraum, im Stau durch den irre langen Gotthard-Tunnel zu müssen,
bewahrheitete sich Gott sei Dank nicht. Am Abend wurden wir an
"unserer" Tankstelle in Eimeldingen mit Hallo begrüßt. In der Gegend
um Freiburg ist gut bürgerlich essen wohl etwas teurer. Wir waren extra von der
Autobahn abgefahren, um ein nettes, preiswertes Essen
zu uns zu nehmen. Es war wie verhext. Selbst als wir hinter Karlsruhe, leider
wieder im Regen, wieder abfuhren, war kein Lokal mit deutscher Küche zu
entdecken. Erst als wir wieder kurz vor der Autobahn waren, und alles bereits
aufgegeben hatten, fanden wir eine Gaststätte. Sie war zwar nicht gerade die
günstigste (hier hatten wir aber keine Preiswertere entdeckt) aber sehr hübsch
eingerichtet. Nachts um 1.00 Uhr übernachteten wir (bei Schnee und Kälte) auf
einem Parkplatz hinter dem Kirchheimer Dreieck.
Sonntag, 10. April 1994
Schnee! Aber schon in Kassel war das vorbei. Teilweise war
das Wetter gar nicht mal schlecht und ich muss gestehen, dass ich mangels
entsprechender Aufzeichnungen nicht mehr weiß, wie das Wetter bei unserer
Ankunft in Lüneburg war. Jörgen meinte, es war trocken und ansonsten wie bei
unserer Abfahrt. So hat sich also der Kreis, auch wettermäßig, geschlossen.
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