Cliffs of Moher, Irland

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Irland 1989

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Irland Flagge Fahne Irland

 


Reisetagebuch Irland 1989

vom 20. März bis 3. April

von Rita Terjung und Jörgen Hohenstein mit einem VW-Bus

Man kann dem irischen Schriftsteller Bernhard Shaw ruhig glauben, wenn er sagt: "Irland ist in erster Linie ein Klima."

Die 84421 qkm große Insel (davon entfallen 14139 qkm auf Nordirland) "leidet" unter gemäßigtem ozeanischem Klima (Golfstrom) und ist aufgrund des vielen Regens, den wir auch reichlich genossen haben, sehr feucht. Im Süden und Osten sumpfig und grün, im Westen und Norden durch die Torfmoore sumpfig und braun. In das Grün im Süden und Osten gesellt sich im März das Gelb der vielen blühenden Stechginstersträucher. Bedingt durch den Golfstrom findet man auch vor vielen Häusern, vor allem im Südwesten, Stechpalmen. Auch eine scheinbar trockene Landschaft findet man in Irland. Zwischen Galway und Limerick durchquert man Burren Country, eine Karstlandschaft, in der alles Wasser verschwunden zu sein scheint. Aber das ist ein Irrtum. Denn Seen und Flüsse haben sich unter die riesigen grauen Kalksteinplatten in die Erde zurückgezogen. Aber wehe, man kommt vom Weg ab; schon sitzt man im schönsten Sumpf.

Autofahren in Irland ist sowieso ein Kapitel für sich. An den Linksverkehr kann man sich ja noch gewöhnen, aber da sind zunächst die Straßenhinweisschilder. Sie weisen nicht nur auf größere Städte hin, sondern alle kleinen Orte sind auch aufgeführt. Und nicht nur ein Schild in eine Richtung, nein, für fast jeden Ort ein eigenes Schild an einem Pfahl in sämtliche Himmelsrichtungen. Außerdem sind alle Orte in Englisch und Gälisch aufgeführt; die Entfernung entweder in km oder in Meilen. Häufig bleibt einem nichts anderes übrig, als vor dem Schild anzuhalten und sich zu orientieren. Im Westen findet man auch Hinweisschilder nur mit gälischen Schriftzeichen. (Irrland?)

Ach ja und die Straßen. Es gibt gute, ausgebaute Straßen, die die großen Städte miteinander verbinden. Die übrigen sind der Landschaftsform angepasst, also schmal, hügelig, kurvenreich und häufig von meterhohen Sträuchern gesäumt, so dass eine Einsicht in eine Kurve unmöglich ist. Eine Farce ist auch der teilweise gezogene Mittelstrich, da die Straße nur einem Fahrzeug Platz bietet. Außerdem haben die Iren die Angewohnheit, genau hinter einer Hügelkuppe mit dem Traktor stehen zu bleiben und sich mit Nachbarn zu unterhalten. Auch Schafe und Kühe tauchen plötzlich aus heiterem Himmel mitten auf der Straße auf. Bei dem Fahrstil der Iren ist es daher nicht verwunderlich, dass so viele verbeulte Pkw's mit abgefahrenen Außenspiegeln unterwegs sind und an allen Ecken (Vorgärten, sogar in Naturschutzgebieten) Autowracks zu finden sind.

Die Iren leben überwiegend von der Landwirtschaft, wobei bedingt durch das sumpfige Gebiet die Viehzucht überwiegt. Die Wiesen werden durch Steindämme vor dem sehr starken Wind geschützt. Im Westen liegt ständig der eigenartige Geruch von verbranntem Torf in der Luft. Die Leute bauen den Torf als Brennmaterial zum Beheizen ihrer Cottages ab. Obwohl Irland relativ dünn besiedelt ist, findet man im Osten, Süden und Südwesten alle paar hundert Meter eine Cottage. Kleinere Wege führen häufig nur zu einem Anwesen. Erst in der Connemara , im Westen Irlands, findet man die unendliche Weite. Aber auch dort wird die Stellplatzsuche durch die Torfmoorlandschaft erheblich erschwert.

In Irland gibt es sehr viele Kirchen und Klöster. Die meisten, vor allem die Klöster, sind nur noch als Ruinen zu besichtigen. Auf unserer Fahrt haben wir den Schwerpunkt auf die Landschaft gelegt und uns nur ab und zu den kulturellen Sehenswürdigkeiten gewidmet. Außer den antiken Ruinen sieht man in Irland viele verlassene und verfallene Häuser und Cottages. Durch die wirtschaftliche Not zieht es viele Menschen vom Land in die Stadt oder ins Ausland. Auch zeugen manche Ruinen von wirtschaftlichen Fehlinvestitionen. Aber einige Gemäuer, die wie unbewohnt und verfallen aussehen, werden in einem Seitentrakt noch bewohnt.

Da Irland viele Seen und Flüsse zu bieten hat, ist es ein Paradies für Angler. Der irische Lachs ist sehr berühmt. Außer Lachs kann man vor allem auch Forellen, Hechte und Barsche fangen. Noch ein Wort zu den Iren. Obwohl in Irland Lebensmittel und Getränke sehr teuer sind, lassen es sich die Iren nicht nehmen, ihren Pub zu besuchen. Wir haben unterschiedliche Ausstattungen dieser irischen Kneipen kennen gelernt. Einen sogar mit Kamin, aber alle mit gedämpftem Licht und kaum von außen einsehbar. Hier unterhalten sich die Iren nach Feierabend bei einem Stout (Guinness) oder Whiskey (mit "ey"). Auch das Bild "des Iren", im Fernsehen als vierkantig und rothaarig dargestellt, wurde bestätigt. Es gibt in Irland verhältnismäßig viele rothaarige Menschen.

Abschließend und subjektiv betrachtet ist Irland sehr feucht, grün, braun und sumpfig; ein Land der Autowracks. Und über allem liegt der Dunst von verbranntem Torf, der zunächst unangenehm ist; mit der Zeit wird man jedoch richtig süchtig danach und wir haben ihn bereits am Ende unserer Tour an der Ostküste Irlands sehr vermisst.

 

Tagebuch

 

Mo. 20.3.

Wir verlassen Lüneburg bei schönem Wetter. Die Autobahn war frei. Zeitweise hat es kurz geregnet, ansonsten verlief alles problemlos.

 

Di. 21.3.

Jörgen hat in Belgien die Autobahn nach Brüssel erwischt. Nach der ADAC-Karte mussten wir die Abfahrt 28 nehmen und dann Richtung Süden fahren. Aber irgendwie stimmte die Karte nicht; wir bewegten uns im Kreis. Zuletzt hat uns der Kompass weitergeholfen und wir landeten wieder auf der Autobahn Richtung Paris. Wenn man durch Belgien fährt, hat man das Gefühl, die Leute wollen ihr Land hell erleuchten. Nicht nur die Autobahnen werden durch diese scheußlichen gelben Laternen angestrahlt, sondern auch alle größeren Straßen (auch in den Orten). In Frankreich ist die Autobahn ab Chambrai gebührenpflichtig. Wir haben die Route über Amiens nach Le Havre genommen. Unterwegs war Diesel verhältnismäßig günstig, in Le Havre dann natürlich teuer.

Da wir bereits um 11.00 Uhr angekommen waren, haben wir erst einmal am Hafen gefrühstückt und uns umgezogen. Dann sind wir auf der Suche nach einer günstigen Tankstelle durch Le Havre gedüst. Die billigste hatte leider geschlossen. Dann fing es an zu regnen. Sprühregen, der durch und durch ging. Wir warteten vor dem geschlossenen Tor bei Irish Ferries. Um 14.00 Uhr begann die Prüfung der Billets. Ab 17.00 Uhr wurde eingeschifft. Wir mussten wegen der Höhe des Busses bis zuletzt warten. Erst kurz vor 18.00 Uhr waren wir an Bord der MS "Saint Killian II". Der Kahn ist alt und dreckig. Unsere vorgesehene Kabine haben wir nicht bekommen; wir waren umquartiert worden. Mit uns reisten einige Jugendgruppen. Nachdem wir unsere Uhren erst einmal eine Stunde zurückgestellt hatten, gingen wir auf Entdeckunqsreise. Abends haben wir an der Bar ein Guinness zu 1,05 ir.£ ( DM 2,84) getrunken. Dann hat Jörgen im Duty Free Shop Whiskey gekauft, je 1 Liter für 8 und 8,75 ir.£ (DM 21,60 und DM 23,63). Im Restaurant labten wir uns schließlich am Büffet. Der Preis erschien uns mit 12,45 ir.£ (DM 33,62) pro Person sehr hoch, dafür war das Essen aber auch sehr gut. An der Bar noch schnell ein Guinness und dann ab in die Heia. Das Schiff schaukelte stärker.

 

Mi. 22.3.

Morgens um 7.30 Uhr begann einer der fürchterlichsten Tage in Rita's Leben. Nach dem Haarewaschen fing es an. Durch den Sturm und die hohen Wellen schaukelte und rollte das Schiff ganz gewaltig. Rita wurde seekrank und mit ihr eine Menge anderer Leute. Tüten lagen genug rum. Jörgen gefiel dieses Schaukeln sehr gut; er lief überall im Schiff umher und freute sich, dass es nicht so eintönig war. Rita starrte die ganze Fahrt über auf das Meer, nur so war die Übelkeit zu ertragen. Durch den hohen Seegang brauchte das Schiff fast 3 Stunden länger als normal. Rosslare empfing uns mit Schneeregen und Sonne. Wir begaben uns auf die Suche nach einem Stellplatz für die Nacht. Nachdem wir zur Eingewöhnung an die Ausschilderung dreimal falsch abgebogen waren, fuhren wir in Richtung Süden. Aber geeignete Plätze sind in Irland Mangelware. Jörgen dachte bei jedem entgegenkommenden Fahrzeug, wir fahren auf der falschen Seite. An den Linksverkehr muss man sich erst gewöhnen. In Cullenstown Beach fanden wir dann doch noch am Meer einen schönen Platz an einer Flussmündung. Es war durch den Wind ziemlich kalt.

 

Do. 23.3.

Morgens schien die Sonne, aber durch den Wind war es sehr kalt. In der Nähe unseres Schlafplatzes stand ein Haus, das über und über mit Muscheln bedeckt war. Jörgen hat noch Fotos gemacht. Über Wellington ging's dann nach Arthurstown, wo wir plötzlich vor einer Fähre standen. Um einen großen Umweg zu sparen, nahmen wir die gerade anlegende Fähre und zahlten für die 10-minütige Überfahrt 3,50 ir.£ ( DM 9,45). Auf der Fähre hat Jörgen im linken Hinterreifen einen Nagel entdeckt. Beim Herausziehen entwich die Luft. Also war wieder mal ein Reifenwechsel erforderlich. Aber erst haben wir gefrühstückt. In Waterfort war es dann bedeckt und ab Cork fing es an zu regnen. In Cork-West haben wir in einem Supermarkt eingekauft und smoked bacon dopple Cheeseburger gegessen, die sehr gut geschmeckt haben. (1,45 ir.£ pro Person = DM 3,92 und pommes frites für -,75 ir.£ = DM 2,03). Dann sind wir weiter durch eine ziemlich langweilige Landschaft zum alten Fischerhafen Baltimore gefahren, wo wir mit Mühe einen Stellplatz am Südzipfel gefunden haben. Unterwegs sind wir an vielen ulkigen Pub's vorbeigekommen. Es war immer noch regnerisch, daher hatten wir auch keine Lust, unsere Umgebung zu erkunden und haben Ansichtskarten geschrieben. Unser Abendessen bestand aus smoked salmon (geräuchertem Lachs) mit Meerrettichsoße. Nachts war es sehr stürmisch.

 

Fr. 24.3.

Um 10.30 Uhr lugte die Sonne durch die Wolken. Jörgen hat sich beim Dieselnachfüllen die Hose versaut. Auf der engen Straße fuhren wir zurück nach Skibbereen. Die aus der Bucht ragenden kleinen Felseninseln sahen bei Ebbe echt urig aus. Total verschlammt, aber irgendwie hübsch. Um die Bantry Bucht herum ging's nach Glengariff (zerrissenes Tal). In diesem schönen, durch den Golfstrom erwärmten Sommer- und Winter-Urlaubsort gedeihen Palmen, Bambus, Fuchsien, kriechendes Heidekraut und andere subtropische Pflanzen. Haselnuss, Stechginster, Eiben und Rhododendron wachsen bis dicht ans Wasser hin. Von hier aus nahmen wir den kleinen Rundkurs über die Halbinsel Beara. An dem ersten kleinen Bach haben wir Jörgens Sachen vom Diesel befreit. Auf einer schmalen Straße fuhren wir dann in Serpentinen an dunklen Felsen und hellem Gras vorbei auf den Tim-Healy-Pass. Von dort soll man eine schöne Aussicht auf die Berge von Kerry haben. Das erste, was uns auffiel war der kleine Sturm, der dort oben herrschte. Jörgen war zum Fotografieren auf einen Berg gestiegen und auf dem Hintern wieder herabgerutscht (2. Jeans hin).

Über sehr schmale Straßen fuhren wir über Kenmare nach Moll's Gap (260m hoch). Von hier aus sieht man zum ersten Mal den kleinen oberen See und das wilde Black Valley vom Naturschutzpark Killarney. Auf unserer Route besuchten wir noch den Torc-Wasserfall (18 m hoch), der aber nichts Besonderes darstellt. Killarney selbst ist einer der bekanntesten und ältesten Urlaubsorte Irlands. Durch die Waldgebiete ringsherum und die hübschen Seen ist das auch nicht verwunderlich. Dementsprechend war es auch sehr überlaufen. Wir sind nur endlich unseren Abfall losgeworden und zunächst Richtung Gap of Dunloe (Dunloe Schlucht) gefahren. Ab Kate Kearney's Cottage kann man jedoch nur noch mit Ponys oder Geländewagen weiter. Dafür war es leider zu spät. An dem Lough Yganavan (See), in dessen Nähe der Ring of Kerry beginnt, haben wir nach längerem Suchen einen Stellplatz gefunden. Er lag auf einer Neubau-Zufahrt hoch über dem See und wir hatten eine grandiose Aussicht. Wenn man in dieser Gegend von den kleinen Wegen abweicht, landet man unweigerlich im Moor. Die kleinen vorhandenen Wälder sind alle eingezäunt.

 

Sa. 25.3.

Heute stand eine der bekanntesten landschaftlichen Sehenswürdigkeiten Irlands auf unserem Programm. Den Ring of Kerry wird sich kein Irland-Urlauber entgehen lassen. Wir befuhren den King entgegen dem Uhrzeigersinn. Leider regnete es ziemlich stark, so dass Fotos sich nicht lohnten. Zunächst fuhren wir auf einer guten Straße am Berghang entlang der Dingle Bay. Im Westen nahmen wir eine kleine Nebenstraße, die die äußerste Westspitze der Halbinsel Iveragh durchzieht. Diese kleine kurvenreiche Straße führte uns nach St. Finan's Bay, einer Bucht mit grünen und roten Felsen sowie einem hübschen Sandstrand. Es goss in Strömen. Hier findet man Straßenhinweisschilder nur in gälischer Schrift, was die Orientierung etwas erschwert. Zurück auf dem Ring of Kerry hielten wir auf dem Coomakesta Pass, der eine großartige Aussicht auf die Bucht von Ballinskelligs und die Skelligs-Inseln bietet. Es hatte aufgehört zu regnen, sogar die Sonne lugte ab und zu durch die Wolken. So hatte Jörgen Zeit, sich mit einem Schäfer zu unterhalten. Leider war es ziemlich windig und dadurch auch unangenehm kalt. In Castlecove führt links eine kleine unübersichtliche Straße zum Staigue Stone Fort ab. Diese prähistorische Steinfestung gehört zu den besterhaltenen Irlands. Am Ende der Straße landeten wir an einem Tor. Ein Schild "bat" uns, einen bestimmten Betrag an Eintrittsgebühr in den darunter angebrachten Kasten zu werfen. Öffnen kann man das Tor aber auch so. Das runde Monument liegt mitten auf einer sumpfigen Wiese. Wie gut, dass wir Gummistiefel mitgenommen hatten. Der Durchmesser des von einem fünf Meter hohen Wall umgebenen Rundforts beträgt ca. 30 Meter. Die mörtellosen Mauern sind bis zu vier Meter dick. Bewundern kann man noch zwei kleine Kammern und eine Treppe. Über Kenmare und Killarney, wo Rita an einer Tankstelle rückwärts gegen eine Mauer gefahren ist, ging's weiter Richtung Limerick. Auf der gesamten Strecke war kein Schlafplatz zu finden. Also fuhren wir durch Limerick durch nach Bunratty. Und dort ist es dann passiert. Es war schon ziemlich dunkel. Auf einer befestigten Wiesenzufahrt, die unser Stellplatz sein sollte, gerieten wir mit dem linken Hinterreifen auf den Rand und rutschten in den Matsch. Durch die Befreiungsversuche gruben wir uns immer tiefer ein. Wir stapften gummistiefelhoch im Sumpf, aber mit Sandblechen, Wagenheber und Steinen hatten wir den Bus nach zwei Stunden wieder flott. Dabei hat der Wagenheber so ziemlich seinen Geist aufgegeben und Jörgen hat ihn in allen Ehren im Sumpf begraben. Es fing wieder an zu regnen.

 

Ostern, So. 26.3.

Es regnet. Jörgen hat die hartgekochten Eier bemalt. Bevor wir losgefahren sind, hat er doch noch den Wagenheber wieder aus dem Dreck geholt.

Bunratty ist ein kleines Dorf mit einem großen Schloss, dem Bunratty Castle. Im 15. Jahrhundert am Ufer eines Flusses errichtet, war es bis zum Jahre 1645 die Hochburg der Familie O'Brien. Während des ganzen Jahres finden hier mittelalterliche Bankette statt. Wir haben zuerst die dreigeschossige Burg besichtigt. Sie war sehr eindruckvoll, aber noch hübscher war der hinter dem Schloss liegende Folk Park, ein Freilichtmuseum in der Art eines alten Dorfes, in dem man die typischen irischen Bauernhäuser und Katen mit den herkömmlichen Einrichtungsgegenständen findet. Die Cottages werden mit Torf beheizt, so dass über dem ganzen Dorf der Geruch von verbranntem Torf liegt.

Hier sieht man das riedgedeckte Haus eines Fischers von Loop Head in West Cläre sowie das eines Lachsfischers vom Cashen River an der Shannon-Mündung. Außerdem ist hier ein kleiner Bauernhof aus dem Hochland von Kerry und das besonders schöne große Wohnhaus eines Farmers aus dem fruchtbaren Golden Vale zu sehen, gleich neben dem winzigen Einzimmerhaus eines armen Pächters. Auch eine Schmiede aus Athy und das Shannon Farmhaus, ein Bauernhaus aus dem Shannon-Gebiet findet man dort. Nicht zuletzt noch eine alte Schule, ein Arzthaus, Geschäfte und ein Herrenhaus. Überall sind die Leute gerne bereit, weitere Auskünfte über die Lebensgewohnheiten der Einwohner zu geben. Der Mann bei der Getreidemühle (8. Jahrhundert) hat Jörgen viel erzählt. Leider regnete es während unseres Spazierganges ununterbrochen. Auf unserer Fahrt wollten wir auch noch das Cragganowen Projekt besuchen, wo sich nachgebildete Pfahlbauten in einem See befinden. Leider wird dort erst im Juni geöffnet.

Also fuhren wir weiter zu den Cliffs of Moher. Diese, bis zu 250 Meter hohen Klippen sind vielleicht die eindrucksvollsten in ganz Irland. Ihre dunklen Wände fallen senkrecht in die atlantische Brandung ab. Mit ihren unzähligen ausgewaschenen Höhlen) und Nischen bieten sie ideale Nistplätze für ganze Kolonien von Seevögeln. Die Klippen sind rund 8 Kilometer lang. Ihre höchste Erhebung ist der O'Brien's Tower, den wir über einen Pfad erreichten. Auch hier war es mal wieder sumpfig und rutschig. Jörgen hat sich zum Fotografieren direkt an den Abgrund gestellt und Rita war schon echt sauer, weil das so gefährlich war. Wenigstens hatte es aufgehört zu regnen.

Bei Ballyvaughan sind wir noch zu einer Tropfsteinhöhle gefahren. Da wir aber auf unseren Reisen schon sehr viele derartige Höhlen besucht hatten, sparten wir uns das Eintrittsgeld. Wir befanden uns im Burren. Dort dringt das Wasser durch den Kalkstein und sammelt sich unterirdisch. Eindrucksvoll sind die schwarzen, öden felsigen Berge.

Über eine überflutete Straße fuhren wir weiter Richtung Galway bis Caheradrine. Dort genehmigten wir uns in einem Pub erst einmal ein pint of Guinness (je 1,42 ir.£ = DM 3,83). Hinter Galway beginnt die Connemara, die so gepriesene unendliche Weite. Wir hofften, dort ohne Schwierigkeiten einen Stellplatz zu finden. Aber die Küstenstraße war dicht bebaut. Zu guter Letzt haben wir uns auf einen ziemlich versifften Parkplatz am Strand gestellt. Aber es war schön ruhig, nur ein alter, umgebauter Bus stand noch dort. Außerdem fing es wieder an zu regnen und es wurde dunkel.

 

Ostern, Mo. 27.3.

Es war ziemlich kühl. Unser Ziel waren zunächst die kleinen, durch enge Brücken verbundenen Inseln im Süden der Connemara. Auch hier war alles ziemlich dicht besiedelt und die Straßen an Schlaglöchern reich. Jörgen wollte unbedingt bis zu einem bestimmten Turm fahren, aber ein Weg war schließlich nicht auszumachen. Also kehrten wir um und fuhren zurück bis zur Hauptstraße, dort noch ein wenig in die falsche Richtung, weil Rita die Orientierung verloren hatte und landeten schließlich auf einer kleinen Straße Richtung Nord-Ost. Dort begann die Connemara, so wie wir sie uns vorgestellt hatten. Wenige Schafe, wenige Häuser, ab und zu Wald und Aufforstungsbemühungen. Und neben der Straße die unendlichen, braunen Torfmoore, aber auch Seen. Der Torf wird hier zum Beheizen der Cottages privat gestochen. Da unsere Wasserpumpe im Bus nicht funktionierte, haben wir uns an einem Fluss mit dem sehr kalten Wasser die Haare gewaschen. Von der Kälte tat der Kopf fürchterlich weh.

Eine Fahrt durch die Connemara ist ein "Muss" für jeden Irlandbesucher. Da wir uns abseits der größeren Straßen aufgehalten haben, konnte man die Weite und Ruhe schön auskosten. Sobald man jedoch nur ein wenig von der Straße abkommt, sitzt man unweigerlich im Moor. Die Gegend kann noch so trocken aussehen.

Unser nächstes Ziel war die Halbinsel Rinvyle, die eine der schönsten Gegenden Connemaras sein soll. Außerdem wird behauptet, dass man auf Rinvyle die reinste Luft der Britischen Inseln atmet. Wir wollten zu dem in der Karte ausgedruckten Aussichtspunkt, kamen aber nur bis zur Ruine des Rinvyle Castle. Auf der reizvollen Küstenstraße im Norden verließen wir die Halbinsel Richtung Westport.

Aufgrund der Beschreibung im Reiseführer entschlossen wir uns, noch die Ferieninsel Achill Island zu besuchen. Die Hauptstraße nach Westport und weiter über Newport nach Mulrany war kaum befahren. In Mulrany sind wir links auf die Küstenstraße abgebogen, die sehr schön am Hang über dem Meer entlang führte. An einer einsamen Stelle haben wir uns hoch über dem Meer auf einen Rastplatz gestellt mit schönem Blick auf Cläre Island. Wie wir an den Klippen festgestellt haben, wird leider auch hier in Irland der Müll ins Meer gekippt.

Plötzlich lugte die Sonne durch die Wolken und Land und Meer waren kurze Zeit in ein herrliches Abendrot getaucht.

 

Di. 28.3.

Wir haben gut geschlafen, außerdem schien die Sonne. Auf unserem Parkplatz hielt ein Deutscher, der schon seit zehn Jahren regelmäßig zum Lachs-Fischen nach Irland fährt. Wir verließen die Halbinsel Corraun Peninsula und fuhren über einen Steindamm auf die Insel Achill. Achill Island ist eines der beliebtesten Reiseziele Irlands. Sie ist mit ihren 15 km Breite und 20 km Länge die größte der Westirischen Inseln. Die von der Regierung unterstützten Inselbewohner leben immer noch in den weißgetünchten Häusern ihrer Vorfahren. Sie leben von Viehzucht, etwas Ackerbau und jetzt vor allem vom Tourismus. Die schaumumwogten Klippen der Westküste, auf die man vom Atlantic Drive einen herrlichen Blick hat, die weißen Sandstrände und das türkisblaue Wasser konnten an diesem Sonnentag auch den südländischen Ferienprospekten entsprungen sein. Ein ideales Ferienparadies der Deutschen, wenn das Wetter und die Wassertemperatur mitspielen würden. Eine Rundfahrt über Achill Island mit etwas mehr Zeit ist sehr lohnenswert. Die Teerdecken der Straßen können die Wasser-Quellen nicht stoppen, die sich auch durch den Asphalt hindurch ihren Weg suchen. Zurück Richtung Newport und von dort aus durch ein einsames Tormoor und Aufforstungsgebiet ging's nach Ballina. Nach einem Besuch im Supermarkt schlenderten wir durch das Centrum, aßen bei . Mr. Chips und tranken in einem hübschen Pub mit Kamin ein Guinness. Dort wäre am Abend auch eine irische Folkloregruppe aufgetreten, aber wir hatten noch keinen Stellplatz. Und an diesem Abend hatten wir auch wieder viel Schwierigkeiten, einen geeigneten Platz zu finden. Alle Wege führten nur zu den Feldern der Bauern. Einmal saß der Bus wieder mal im Matsch kurz fest. Den einzigen Platz zum Stehen hatten bereits Engländer besetzt, und wir folgten einem kleinen Weg bis auf einen Privathof am Meer. Schließlich lohnte sich die Suche doch noch. Auf einer kleinen "Straße" fanden wir versteckt am Meer eine Mole, einen kleinen verlassenen Hafen. Auf dieser Mole konnte der Wagen gut stehen. Allerdings hörten sich die Wellen, die gegen die Mauer klatschten, ziemlich furchterregend an. Man konnte meinen, der Bus wäre schon umspült. Daher verlief die Nacht ziemlich unruhig. Außerdem regnete es wieder mal.

 

Mi. 29.3.

Morgens regnete es immer noch; dazu kam ein kalter Wind aus östlicher Richtung. In Sligo sollte nach der ADAC-Info in der Woche nach Ostern ein großes Fest stattfinden. Als wir dort ankamen, war es nur diesig, regnerisch und von einem Fest war weit und breit keine Spur. Wir sind deshalb zum Glencar See gefahren, um die "sich von den Hügeln herabstürzenden, ruhelosen Wasser" zu betrachten. Aber auch diese Wasserfälle waren nicht das Gelbe vom Ei. Nur der berühmte "Stream against the Height", der "rückwärts fließende Wasserfall" verfehlte seine Wirkung nicht. Durch den an diesem Tag herrschenden Wind hatte man wirklich den Eindruck, als würde er zu seiner Quelle hin aufsteigen. Leider kommt man nicht nahe genug heran.

Zurück in Sligo haben wir uns entschlossen, bereits heute nach Dublin zu fahren. Nun begann der langweiligste Trip durch Irland. In Boyle haben wir uns von der Monotonie erholt und Boyles Abbey, die Ruinen des 1161 errichteten Klosters, von außen betrachtet. Bei diesem Regenwetter machte es einfach keinen Spaß, sich längere Zeit im Freien aufzuhalten.

In Longeford versuchte Jörgen am Bahnhof eine Eisenbahner-Mütze zu ergattern. Es dauerte nur ca. 1/2 Stunde, da hat er sich bereits mit einer Flasche Weißwein und drei Bier dafür bedankt.

In Dublin, der Hauptstadt Irlands, haben wir auf Anhieb die Guinness-Brauerei entdeckt. Aber das ist auch kein Wunder, der Komplex ist sehr groß. Für Besucher wurde ein extra Museum eingerichtet, nur das kann man besichtigen. Jörgen erfuhr vom Pförtner, dass Besichtigungen ab 10.00 Uhr vormittags durchgeführt werden. Also suchten wir uns im Phönix-Park einen schönen Stellplatz und fuhren dann in die Innenstadt. Das erste, was uns auffiel waren die Auto-Alarmanlagen, die ziemlich häufig heulten. Nach zwei Pub-Besuchen spazierten wir, vorbei an weiteren heulenden Alarmanlagen (Geschäfte), zu unserem Bus. Zufälligerweise hatte Jörgen den Wagen direkt neben einem bewachten Parkplatz abgestellt. Es war nichts passiert. Von unserem Stellplatz im Phönix-Park hatten wir ein tolles Panorama auf die Lichter von Dublin. Aber schon nach einer halben Stunde klopfte es an unsere Tür. Polizei! Es wäre sehr gefährlich hier stehen zu bleiben. Es wimmelt im Park von Mördern und Räubern. Wir sollten ihnen besser folgen. So landeten wir schließlich am Polizeipräsidium im Park. Dort standen wir sicher, zumal die Wache noch angewiesen wurde auf uns zu achten.

 

Do. 30.3.

Morgens wollten wir rechtzeitig um 10.00 Uhr bei der Guinness-Brauerei sein. Aber der Bus sprang nicht an. Nachdem Jörgen den Kofferraum ausgeräumt und einen Blick auf die Sprit-Leitung geworfen hatte, waren wir der Meinung, dass kein Diesel mehr im Tank war. Zumal wir gestern mit den letzten Tropfen gefahren waren. Also ist Jörgen mit einem Kanister zur nächsten Tankstelle gezogen. Ab und zu kam die Sonne durch. Jörgen musste den Stahlkanister mit dem Diesel (19 1) ziemlich weit schleppen und war groggy, als er wieder ankam. Rita hatte inzwischen den Kofferraum wieder eingeräumt. Diesel eingefüllt, aber der Bus sprang nicht an. Kofferraum wieder ausgeräumt. Den Defekt, eine durchgebrannte Sicherung, hatte Jörgen schnell gefunden und mit einem Draht überbrückt. Bus sprang an, Kofferraum wieder eingeräumt, Bus sprang nicht an, Kofferraum wieder ausgeräumt. Der Draht war durchgeschmort. Nach zwei Probestarts haben wir den Kofferraum wieder eingeräumt und endlich ging's los zu Guinness.

Die Brauerei wurde 1759 von Arthur Guinness gegründet und gehört heute zu den größten Brauereien der Welt. Die Jahresproduktion liegt, wie uns in einem Film eindrucksvoll gezeigt wurde, bei mehr als fünf Millionen Hektolitern. Das dunkle Bier, Stout genannt, erhält seinen spezifischen Geschmack in erster Linie durch den Zusatz von gedarrter Gerste. Wir bewunderten die alten Gärbottiche, Maschinen und Transportmittel. Am Ende des Rundganges genossen wir jeder zwei Guinness, mit denen man uns verabschiedete. Da wir pleite waren, war unser nächstes Ziel die Bank of Ireland in der Innenstadt. Die Sonne schien, es war schön warm. Das eindrucksvolle, fensterlose Gebäude, in dem seit 1804 die Bank von Irland untergebracht ist, war im 18. Jahrhundert Sitz des Irischen Parlaments. Hier wurden die großen -verbalen- Schlachten für die Unabhängigkeit des irischen Parlaments geschlagen. 1798 wurde Irland mit England zum "Vereinigten Königreich von Großbritannien und Irland" verbunden. Das Parlament wurde aufgelöst, der Gebäudekomplex 1804 an die Bank von Irland verkauft, die umfangreiche Innenausbauten vornahm, um dieses Haus für ihre Zwecke nutzen zu können. Bereits im Vorraum brannte ein Kamin. Ein netter Mann zeigte uns das Lordzimmer mit einem 1788 aus mehr als 1200 Teilen hergestellten Kronleuchter. Außerdem befinden sich dort zwei "hugenottische" Wandteppiche, der Silberhammer des Unterhauses und ein schöner Kamin. Im Parlamentssaal ist heute die Schalterhalle untergebracht;

Unser Weg führte weiter durch die überfüllte Innenstadt. Nach zwei Kaufhausbesuchen fuhren wir Richtung Enniskerry, um den Powerscourt-Wasserfall anzusehen. Dieser ist mit 120 m Höhe der höchste Wasserfall Irlands. Aber so doll war das auch nicht. Weiter ging's zum ehemaligen Mönchsdorf Glendalough. Dort haben wir uns nur kurz aufgehalten. Es wurde trübe und die ersten Regentropfen fielen. Über die Wicklow-Mountains und Arklow, wo es eine große Stinkefabrik gibt, fuhren wir auf der Suche nach einem Stellplatz die Coast-Road entlang. Bereits das zweite Schild weis uns den Weg zu einem schönen, einsamen Stellplatz direkt über dem Meer.

 

Fr. 31.3.

 

Wir hatten gut geschlafen. Nach einem Spaziergang im Centrum von Wexford und einem Pub-Besuch fuhren wir über Rosslare nach Rosslare-Harbour. Dort haben wir im Wartesaal noch Guinness getrunken. Um 21.30 Uhr begann die Einschiffung. Unsere Kabine war besser als bei der Hinfahrt. Wir hatten zu zweit eine 4-Bett-Kabine, also viel Platz. Die See war ruhig.

 

Sa. 1.4.

Morgens haben wir im Bus gefrühstückt. Wir hätten auch im Bus übernachten können, keiner hat uns kontrolliert. Anschließend haben wir gespielt, gegessen und gespielt. Den Rest des Geldes setzten wir in Guinness um. Es war eine ruhige Fahrt. Cherbourgh in Frankreich empfing uns mit Sonne und Nebel. Zwischen der Autoschnellstraße und der Küste haben wir einen Stellplatz gefunden.

 

So. 2.4.

Morgens schien die Sonne. Weiter über Rouen Richtung Belgien. Hinter Rouen ist der linke Hinterreifen geplatzt. Da musste unser defekter Wagenheber noch mal ran, den wir bereits wegwerfen wollten. Jörgen wechselte den Reifen, während die Autos auf der schnurgeraden Straße dicht an ihm vorbeirasten. In Belgien war es regnerisch und nebelig. Wir wollten uns noch ein hübsches Lokal suchen, aber Belgien schien so etwas nicht zu haben. Daher haben wir an einer Autobahnraststätte noch viel gegessen. So wurde es sehr spät, als wir in Aachen-Oberforstbach landeten. Nach kurzem Suchen hatten wir die Fa. Heuten gefunden und stellten uns auf das unbebaute Nebengrundstück.

 

Mo. 3.4.

 

Rita hatte gut, Jörgen schlecht geschlafen. Es war sehr kalt. Nur 5° C im Bus. So kalt war es in Irland nie. Die niedrigsten Temperaturen bewegten sich bei 8° - 9° C. Jörgen kaufte bei der Fa. Heuten Teile für seinen TR6. Über Aachen und Bremen erreichten wir um 19.55 Uhr Lüneburg.