Die 84421 qkm
große Insel (davon entfallen 14139 qkm auf Nordirland) "leidet" unter
gemäßigtem ozeanischem Klima (Golfstrom) und ist aufgrund des vielen Regens,
den wir auch reichlich genossen haben, sehr feucht. Im Süden und Osten sumpfig
und grün, im Westen und Norden durch die Torfmoore sumpfig und braun. In das
Grün im Süden und Osten gesellt sich im März das Gelb der vielen blühenden
Stechginstersträucher. Bedingt durch den Golfstrom findet man auch vor vielen
Häusern, vor allem im Südwesten, Stechpalmen. Auch eine scheinbar trockene
Landschaft findet man in Irland. Zwischen Galway und Limerick durchquert man
Burren Country, eine Karstlandschaft, in der alles Wasser verschwunden zu sein
scheint. Aber das ist ein Irrtum. Denn Seen und Flüsse haben sich unter die
riesigen grauen Kalksteinplatten in die Erde zurückgezogen. Aber wehe, man
kommt vom Weg ab; schon sitzt man im schönsten Sumpf.
Autofahren in
Irland ist sowieso ein Kapitel für sich. An den Linksverkehr kann man sich ja
noch gewöhnen, aber da sind zunächst die Straßenhinweisschilder. Sie weisen
nicht nur auf größere Städte hin, sondern alle kleinen Orte sind auch
aufgeführt. Und nicht nur ein Schild in eine Richtung, nein, für fast jeden
Ort ein eigenes Schild an einem Pfahl in sämtliche Himmelsrichtungen. Außerdem
sind alle Orte in Englisch und Gälisch aufgeführt; die Entfernung entweder in
km oder in Meilen. Häufig bleibt einem nichts anderes übrig, als vor dem
Schild anzuhalten und sich zu orientieren. Im Westen findet man auch
Hinweisschilder nur mit gälischen Schriftzeichen. (Irrland?)
Ach ja und die
Straßen. Es gibt gute, ausgebaute Straßen, die die großen Städte miteinander
verbinden. Die übrigen sind der Landschaftsform angepasst, also schmal,
hügelig, kurvenreich und häufig von meterhohen Sträuchern gesäumt, so dass
eine Einsicht in eine Kurve unmöglich ist. Eine Farce ist auch der teilweise
gezogene Mittelstrich, da die Straße nur einem Fahrzeug Platz bietet. Außerdem
haben die Iren die Angewohnheit, genau hinter einer Hügelkuppe mit dem Traktor
stehen zu bleiben und sich mit Nachbarn zu unterhalten. Auch Schafe und Kühe
tauchen plötzlich aus heiterem Himmel mitten auf der Straße auf. Bei dem
Fahrstil der Iren ist es daher nicht verwunderlich, dass so viele verbeulte
Pkw's mit abgefahrenen Außenspiegeln unterwegs sind und an allen Ecken
(Vorgärten, sogar in Naturschutzgebieten) Autowracks zu finden sind.
Die Iren leben
überwiegend von der Landwirtschaft, wobei bedingt durch das sumpfige Gebiet die
Viehzucht überwiegt. Die Wiesen werden durch Steindämme vor dem sehr starken
Wind geschützt. Im Westen liegt ständig der eigenartige Geruch von verbranntem
Torf in der Luft. Die Leute bauen den Torf als Brennmaterial zum Beheizen ihrer
Cottages ab. Obwohl Irland relativ dünn besiedelt ist, findet man im Osten,
Süden und Südwesten alle paar hundert Meter eine Cottage. Kleinere Wege
führen häufig nur zu einem Anwesen. Erst in der Connemara , im Westen Irlands,
findet man die unendliche Weite. Aber auch dort wird die Stellplatzsuche durch
die Torfmoorlandschaft erheblich erschwert.
In Irland gibt
es sehr viele Kirchen und Klöster. Die meisten, vor allem die Klöster, sind
nur noch als Ruinen zu besichtigen. Auf unserer Fahrt haben wir den Schwerpunkt
auf die Landschaft gelegt und uns nur ab und zu den kulturellen
Sehenswürdigkeiten gewidmet. Außer den antiken Ruinen sieht man in Irland
viele verlassene und verfallene Häuser und Cottages. Durch die wirtschaftliche
Not zieht es viele Menschen vom Land in die Stadt oder ins Ausland. Auch zeugen
manche Ruinen von wirtschaftlichen Fehlinvestitionen. Aber einige Gemäuer, die
wie unbewohnt und verfallen aussehen, werden in einem Seitentrakt noch bewohnt.
Da Irland viele
Seen und Flüsse zu bieten hat, ist es ein Paradies für Angler. Der irische
Lachs ist sehr berühmt. Außer Lachs kann man vor allem auch Forellen, Hechte
und Barsche fangen. Noch ein Wort zu den Iren. Obwohl in Irland Lebensmittel und
Getränke sehr teuer sind, lassen es sich die Iren nicht nehmen, ihren Pub zu
besuchen. Wir haben unterschiedliche Ausstattungen dieser irischen Kneipen
kennen gelernt. Einen sogar mit Kamin, aber alle mit gedämpftem Licht und kaum
von außen einsehbar. Hier unterhalten sich die Iren nach Feierabend bei einem
Stout (Guinness) oder Whiskey (mit "ey"). Auch das Bild "des
Iren", im Fernsehen als vierkantig und rothaarig dargestellt, wurde
bestätigt. Es gibt in Irland verhältnismäßig viele rothaarige Menschen.
Abschließend
und subjektiv betrachtet ist Irland sehr feucht, grün, braun und sumpfig; ein
Land der Autowracks. Und über allem liegt der Dunst von verbranntem Torf, der
zunächst unangenehm ist; mit der Zeit wird man jedoch richtig süchtig danach
und wir haben ihn bereits am Ende unserer Tour an der Ostküste Irlands sehr
vermisst.
Wir verlassen
Lüneburg bei schönem Wetter. Die Autobahn war frei. Zeitweise hat es kurz
geregnet, ansonsten verlief alles problemlos.
Di. 21.3.
Jörgen hat in
Belgien die Autobahn nach Brüssel erwischt. Nach der ADAC-Karte mussten wir die
Abfahrt 28 nehmen und dann Richtung Süden fahren. Aber irgendwie stimmte die
Karte nicht; wir bewegten uns im Kreis. Zuletzt hat uns der Kompass
weitergeholfen und wir landeten wieder auf der Autobahn Richtung Paris. Wenn man
durch Belgien fährt, hat man das Gefühl, die Leute wollen ihr Land hell
erleuchten. Nicht nur die Autobahnen werden durch diese scheußlichen gelben
Laternen angestrahlt, sondern auch alle größeren Straßen (auch in den Orten).
In Frankreich ist die Autobahn ab Chambrai gebührenpflichtig. Wir haben die
Route über Amiens nach Le Havre genommen. Unterwegs war Diesel
verhältnismäßig günstig, in Le Havre dann natürlich teuer.
Da wir bereits
um 11.00 Uhr angekommen waren, haben wir erst einmal am Hafen gefrühstückt und
uns umgezogen. Dann sind wir auf der Suche nach einer günstigen Tankstelle
durch Le Havre gedüst. Die billigste hatte leider geschlossen. Dann fing es an
zu regnen. Sprühregen, der durch und durch ging. Wir warteten vor dem
geschlossenen Tor bei Irish Ferries. Um 14.00 Uhr begann die Prüfung der
Billets. Ab 17.00 Uhr wurde eingeschifft. Wir mussten wegen der Höhe des Busses
bis zuletzt warten. Erst kurz vor 18.00 Uhr waren wir an Bord der MS "Saint
Killian II". Der Kahn ist alt und dreckig. Unsere vorgesehene Kabine haben
wir nicht bekommen; wir waren umquartiert worden. Mit uns reisten einige
Jugendgruppen. Nachdem wir unsere Uhren erst einmal eine Stunde zurückgestellt
hatten, gingen wir auf Entdeckunqsreise. Abends haben wir an der Bar ein
Guinness zu 1,05 ir.£ ( DM 2,84) getrunken. Dann hat Jörgen im Duty Free Shop
Whiskey gekauft, je 1 Liter für 8 und 8,75 ir.£ (DM 21,60 und DM 23,63). Im
Restaurant labten wir uns schließlich am Büffet. Der Preis erschien uns mit
12,45 ir.£ (DM 33,62) pro Person sehr hoch, dafür war das Essen aber auch sehr
gut. An der Bar noch schnell ein Guinness und dann ab in die Heia. Das Schiff
schaukelte stärker.
Mi. 22.3.
Morgens um 7.30
Uhr begann einer der fürchterlichsten Tage in Rita's Leben. Nach dem
Haarewaschen fing es an. Durch den Sturm und die hohen Wellen schaukelte und
rollte das Schiff ganz gewaltig. Rita wurde seekrank und mit ihr eine Menge
anderer Leute. Tüten lagen genug rum. Jörgen gefiel dieses Schaukeln sehr gut;
er lief überall im Schiff umher und freute sich, dass es nicht so eintönig
war. Rita starrte die ganze Fahrt über auf das Meer, nur so war die Übelkeit
zu ertragen. Durch den hohen Seegang brauchte das Schiff fast 3 Stunden länger
als normal. Rosslare empfing uns mit Schneeregen und Sonne. Wir begaben uns auf
die Suche nach einem Stellplatz für die Nacht. Nachdem wir zur Eingewöhnung an
die Ausschilderung dreimal falsch abgebogen waren, fuhren wir in Richtung
Süden. Aber geeignete Plätze sind in Irland Mangelware. Jörgen dachte bei
jedem entgegenkommenden Fahrzeug, wir fahren auf der falschen Seite. An den
Linksverkehr muss man sich erst gewöhnen. In Cullenstown Beach fanden wir dann
doch noch am Meer einen schönen Platz an einer Flussmündung. Es war durch den
Wind ziemlich kalt.
Do. 23.3.
Morgens schien
die Sonne, aber durch den Wind war es sehr kalt. In der Nähe unseres
Schlafplatzes stand ein Haus, das über und über mit Muscheln bedeckt war.
Jörgen hat noch Fotos gemacht. Über Wellington ging's dann nach Arthurstown,
wo wir plötzlich vor einer Fähre standen. Um einen großen Umweg zu sparen,
nahmen wir die gerade anlegende Fähre und zahlten für die 10-minütige
Überfahrt 3,50 ir.£ ( DM 9,45). Auf der Fähre hat Jörgen im linken
Hinterreifen einen Nagel entdeckt. Beim Herausziehen entwich die Luft. Also war
wieder mal ein Reifenwechsel erforderlich. Aber erst haben wir gefrühstückt.
In Waterfort war es dann bedeckt und ab Cork fing es an zu regnen. In Cork-West
haben wir in einem Supermarkt eingekauft und smoked bacon dopple Cheeseburger
gegessen, die sehr gut geschmeckt haben. (1,45 ir.£ pro Person = DM 3,92 und
pommes frites für -,75 ir.£ = DM 2,03). Dann sind wir weiter durch eine
ziemlich langweilige Landschaft zum alten Fischerhafen Baltimore gefahren, wo
wir mit Mühe einen Stellplatz am Südzipfel gefunden haben. Unterwegs sind wir
an vielen ulkigen Pub's vorbeigekommen. Es war immer noch regnerisch, daher
hatten wir auch keine Lust, unsere Umgebung zu erkunden und haben Ansichtskarten
geschrieben. Unser Abendessen bestand aus smoked salmon (geräuchertem Lachs)
mit Meerrettichsoße. Nachts war es sehr stürmisch.
Fr. 24.3.
Um 10.30 Uhr
lugte die Sonne durch die Wolken. Jörgen hat sich beim Dieselnachfüllen die
Hose versaut. Auf der engen Straße fuhren wir zurück nach Skibbereen. Die aus
der Bucht ragenden kleinen Felseninseln sahen bei Ebbe echt urig aus. Total
verschlammt, aber irgendwie hübsch. Um die Bantry Bucht herum ging's nach
Glengariff (zerrissenes Tal). In diesem schönen, durch den Golfstrom erwärmten
Sommer- und Winter-Urlaubsort gedeihen Palmen, Bambus, Fuchsien, kriechendes
Heidekraut und andere subtropische Pflanzen. Haselnuss, Stechginster, Eiben und
Rhododendron wachsen bis dicht ans Wasser hin. Von hier aus nahmen wir den
kleinen Rundkurs über die Halbinsel Beara. An dem ersten kleinen Bach haben wir
Jörgens Sachen vom Diesel befreit. Auf einer schmalen Straße fuhren wir dann
in Serpentinen an dunklen Felsen und hellem Gras vorbei auf den Tim-Healy-Pass.
Von dort soll man eine schöne Aussicht auf die Berge von Kerry haben. Das
erste, was uns auffiel war der kleine Sturm, der dort oben herrschte. Jörgen
war zum Fotografieren auf einen Berg gestiegen und auf dem Hintern wieder
herabgerutscht (2. Jeans hin).
Über sehr
schmale Straßen fuhren wir über Kenmare nach Moll's Gap (260m hoch). Von hier
aus sieht man zum ersten Mal den kleinen oberen See und das wilde Black Valley
vom Naturschutzpark Killarney. Auf unserer Route besuchten wir noch den
Torc-Wasserfall (18 m hoch), der aber nichts Besonderes darstellt. Killarney
selbst ist einer der bekanntesten und ältesten Urlaubsorte Irlands. Durch die
Waldgebiete ringsherum und die hübschen Seen ist das auch nicht verwunderlich.
Dementsprechend war es auch sehr überlaufen. Wir sind nur endlich unseren
Abfall losgeworden und zunächst Richtung Gap of Dunloe (Dunloe Schlucht)
gefahren. Ab Kate Kearney's Cottage kann man jedoch nur noch mit Ponys oder
Geländewagen weiter. Dafür war es leider zu spät. An dem Lough Yganavan
(See), in dessen Nähe der Ring of Kerry beginnt, haben wir nach längerem
Suchen einen Stellplatz gefunden. Er lag auf einer Neubau-Zufahrt hoch über dem
See und wir hatten eine grandiose Aussicht. Wenn man in dieser Gegend von den
kleinen Wegen abweicht, landet man unweigerlich im Moor. Die kleinen vorhandenen
Wälder sind alle eingezäunt.
Sa. 25.3.
Heute stand
eine der bekanntesten landschaftlichen Sehenswürdigkeiten Irlands auf unserem
Programm. Den Ring of Kerry wird sich kein Irland-Urlauber entgehen lassen. Wir
befuhren den King entgegen dem Uhrzeigersinn. Leider regnete es ziemlich stark,
so dass Fotos sich nicht lohnten. Zunächst fuhren wir auf einer guten Straße
am Berghang entlang der Dingle Bay. Im Westen nahmen wir eine kleine
Nebenstraße, die die äußerste Westspitze der Halbinsel Iveragh durchzieht.
Diese kleine kurvenreiche Straße führte uns nach St. Finan's Bay, einer Bucht
mit grünen und roten Felsen sowie einem hübschen Sandstrand. Es goss in
Strömen. Hier findet man Straßenhinweisschilder nur in gälischer Schrift, was
die Orientierung etwas erschwert. Zurück auf dem Ring of Kerry hielten wir auf
dem Coomakesta Pass, der eine großartige Aussicht auf die Bucht von
Ballinskelligs und die Skelligs-Inseln bietet. Es hatte aufgehört zu regnen,
sogar die Sonne lugte ab und zu durch die Wolken. So hatte Jörgen Zeit, sich
mit einem Schäfer zu unterhalten. Leider war es ziemlich windig und dadurch
auch unangenehm kalt. In Castlecove führt links eine kleine unübersichtliche
Straße zum Staigue Stone Fort ab. Diese prähistorische Steinfestung gehört zu
den besterhaltenen Irlands. Am Ende der Straße landeten wir an einem Tor. Ein
Schild "bat" uns, einen bestimmten Betrag an Eintrittsgebühr in den
darunter angebrachten Kasten zu werfen. Öffnen kann man das Tor aber auch so.
Das runde Monument liegt mitten auf einer sumpfigen Wiese. Wie gut, dass wir
Gummistiefel mitgenommen hatten. Der Durchmesser des von einem fünf Meter hohen
Wall umgebenen Rundforts beträgt ca. 30 Meter. Die mörtellosen Mauern sind bis
zu vier Meter dick. Bewundern kann man noch zwei kleine Kammern und eine Treppe.
Über Kenmare und Killarney, wo Rita an einer Tankstelle rückwärts gegen eine
Mauer gefahren ist, ging's weiter Richtung Limerick. Auf der gesamten Strecke
war kein Schlafplatz zu finden. Also fuhren wir durch Limerick durch nach
Bunratty. Und dort ist es dann passiert. Es war schon ziemlich dunkel. Auf einer
befestigten Wiesenzufahrt, die unser Stellplatz sein sollte, gerieten wir mit
dem linken Hinterreifen auf den Rand und rutschten in den Matsch. Durch die
Befreiungsversuche gruben wir uns immer tiefer ein. Wir stapften
gummistiefelhoch im Sumpf, aber mit Sandblechen, Wagenheber und Steinen hatten
wir den Bus nach zwei Stunden wieder flott. Dabei hat der Wagenheber so ziemlich
seinen Geist aufgegeben und Jörgen hat ihn in allen Ehren im Sumpf begraben. Es
fing wieder an zu regnen.
Ostern, So.
26.3.
Es regnet.
Jörgen hat die hartgekochten Eier bemalt. Bevor wir losgefahren sind, hat er
doch noch den Wagenheber wieder aus dem Dreck geholt.
Bunratty ist
ein kleines Dorf mit einem großen Schloss, dem Bunratty Castle. Im 15.
Jahrhundert am Ufer eines Flusses errichtet, war es bis zum Jahre 1645 die
Hochburg der Familie O'Brien. Während des ganzen Jahres finden hier
mittelalterliche Bankette statt. Wir haben zuerst die dreigeschossige Burg
besichtigt. Sie war sehr eindruckvoll, aber noch hübscher war der hinter dem
Schloss liegende Folk Park, ein Freilichtmuseum in der Art eines alten Dorfes,
in dem man die typischen irischen Bauernhäuser und Katen mit den herkömmlichen
Einrichtungsgegenständen findet. Die Cottages werden mit Torf beheizt, so dass
über dem ganzen Dorf der Geruch von verbranntem Torf liegt.
Hier sieht man
das riedgedeckte Haus eines Fischers von Loop Head in West Cläre sowie das
eines Lachsfischers vom Cashen River an der Shannon-Mündung. Außerdem ist hier
ein kleiner Bauernhof aus dem Hochland von Kerry und das besonders schöne
große Wohnhaus eines Farmers aus dem fruchtbaren Golden Vale zu sehen, gleich
neben dem winzigen Einzimmerhaus eines armen Pächters. Auch eine Schmiede aus
Athy und das Shannon Farmhaus, ein Bauernhaus aus dem Shannon-Gebiet findet man
dort. Nicht zuletzt noch eine alte Schule, ein Arzthaus, Geschäfte und ein
Herrenhaus. Überall sind die Leute gerne bereit, weitere Auskünfte über die
Lebensgewohnheiten der Einwohner zu geben. Der Mann bei der Getreidemühle (8.
Jahrhundert) hat Jörgen viel erzählt. Leider regnete es während unseres
Spazierganges ununterbrochen. Auf unserer Fahrt wollten wir auch noch das
Cragganowen Projekt besuchen, wo sich nachgebildete Pfahlbauten in einem See
befinden. Leider wird dort erst im Juni geöffnet.
Also fuhren wir
weiter zu den Cliffs of Moher. Diese, bis zu 250 Meter hohen Klippen sind
vielleicht die eindrucksvollsten in ganz Irland. Ihre dunklen Wände fallen
senkrecht in die atlantische Brandung ab. Mit ihren unzähligen ausgewaschenen
Höhlen) und Nischen bieten sie ideale Nistplätze für ganze Kolonien von
Seevögeln. Die Klippen sind rund 8 Kilometer lang. Ihre höchste Erhebung ist
der O'Brien's Tower, den wir über einen Pfad erreichten. Auch hier war es mal
wieder sumpfig und rutschig. Jörgen hat sich zum Fotografieren direkt an den
Abgrund gestellt und Rita war schon echt sauer, weil das so gefährlich war.
Wenigstens hatte es aufgehört zu regnen.
Bei
Ballyvaughan sind wir noch zu einer Tropfsteinhöhle gefahren. Da wir aber auf
unseren Reisen schon sehr viele derartige Höhlen besucht hatten, sparten wir
uns das Eintrittsgeld. Wir befanden uns im Burren. Dort dringt das Wasser durch
den Kalkstein und sammelt sich unterirdisch. Eindrucksvoll sind die schwarzen,
öden felsigen Berge.
Über eine
überflutete Straße fuhren wir weiter Richtung Galway bis Caheradrine. Dort
genehmigten wir uns in einem Pub erst einmal ein pint of Guinness (je 1,42 ir.£
= DM 3,83). Hinter Galway beginnt die Connemara, die so gepriesene unendliche
Weite. Wir hofften, dort ohne Schwierigkeiten einen Stellplatz zu finden. Aber
die Küstenstraße war dicht bebaut. Zu guter Letzt haben wir uns auf einen
ziemlich versifften Parkplatz am Strand gestellt. Aber es war schön ruhig, nur
ein alter, umgebauter Bus stand noch dort. Außerdem fing es wieder an zu regnen
und es wurde dunkel.
Ostern, Mo.
27.3.
Es war ziemlich
kühl. Unser Ziel waren zunächst die kleinen, durch enge Brücken verbundenen
Inseln im Süden der Connemara. Auch hier war alles ziemlich dicht besiedelt und
die Straßen an Schlaglöchern reich. Jörgen wollte unbedingt bis zu einem
bestimmten Turm fahren, aber ein Weg war schließlich nicht auszumachen. Also
kehrten wir um und fuhren zurück bis zur Hauptstraße, dort noch ein wenig in
die falsche Richtung, weil Rita die Orientierung verloren hatte und landeten
schließlich auf einer kleinen Straße Richtung Nord-Ost. Dort begann die
Connemara, so wie wir sie uns vorgestellt hatten. Wenige Schafe, wenige Häuser,
ab und zu Wald und Aufforstungsbemühungen. Und neben der Straße die
unendlichen, braunen Torfmoore, aber auch Seen. Der Torf wird hier zum Beheizen
der Cottages privat gestochen. Da unsere Wasserpumpe im Bus nicht funktionierte,
haben wir uns an einem Fluss mit dem sehr kalten Wasser die Haare gewaschen. Von
der Kälte tat der Kopf fürchterlich weh.
Eine Fahrt
durch die Connemara ist ein "Muss" für jeden Irlandbesucher. Da wir
uns abseits der größeren Straßen aufgehalten haben, konnte man die Weite und
Ruhe schön auskosten. Sobald man jedoch nur ein wenig von der Straße abkommt,
sitzt man unweigerlich im Moor. Die Gegend kann noch so trocken aussehen.
Unser nächstes
Ziel war die Halbinsel Rinvyle, die eine der schönsten Gegenden Connemaras sein
soll. Außerdem wird behauptet, dass man auf Rinvyle die reinste Luft der
Britischen Inseln atmet. Wir wollten zu dem in der Karte ausgedruckten
Aussichtspunkt, kamen aber nur bis zur Ruine des Rinvyle Castle. Auf der
reizvollen Küstenstraße im Norden verließen wir die Halbinsel Richtung
Westport.
Aufgrund der
Beschreibung im Reiseführer entschlossen wir uns, noch die Ferieninsel Achill
Island zu besuchen. Die Hauptstraße nach Westport und weiter über Newport nach
Mulrany war kaum befahren. In Mulrany sind wir links auf die Küstenstraße
abgebogen, die sehr schön am Hang über dem Meer entlang führte. An einer
einsamen Stelle haben wir uns hoch über dem Meer auf einen Rastplatz gestellt
mit schönem Blick auf Cläre Island. Wie wir an den Klippen festgestellt haben,
wird leider auch hier in Irland der Müll ins Meer gekippt.
Plötzlich
lugte die Sonne durch die Wolken und Land und Meer waren kurze Zeit in ein
herrliches Abendrot getaucht.
Di. 28.3.
Wir haben gut
geschlafen, außerdem schien die Sonne. Auf unserem Parkplatz hielt ein
Deutscher, der schon seit zehn Jahren regelmäßig zum Lachs-Fischen nach Irland
fährt. Wir verließen die Halbinsel Corraun Peninsula und fuhren über einen
Steindamm auf die Insel Achill. Achill Island ist eines der beliebtesten
Reiseziele Irlands. Sie ist mit ihren 15 km Breite und 20 km Länge die größte
der Westirischen Inseln. Die von der Regierung unterstützten Inselbewohner
leben immer noch in den weißgetünchten Häusern ihrer Vorfahren. Sie leben von
Viehzucht, etwas Ackerbau und jetzt vor allem vom Tourismus. Die schaumumwogten
Klippen der Westküste, auf die man vom Atlantic Drive einen herrlichen Blick
hat, die weißen Sandstrände und das türkisblaue Wasser konnten an diesem
Sonnentag auch den südländischen Ferienprospekten entsprungen sein. Ein
ideales Ferienparadies der Deutschen, wenn das Wetter und die Wassertemperatur
mitspielen würden. Eine Rundfahrt über Achill Island mit etwas mehr Zeit ist
sehr lohnenswert. Die Teerdecken der Straßen können die Wasser-Quellen nicht
stoppen, die sich auch durch den Asphalt hindurch ihren Weg suchen. Zurück
Richtung Newport und von dort aus durch ein einsames Tormoor und
Aufforstungsgebiet ging's nach Ballina. Nach einem Besuch im Supermarkt
schlenderten wir durch das Centrum, aßen bei . Mr. Chips und tranken in einem
hübschen Pub mit Kamin ein Guinness. Dort wäre am Abend auch eine irische
Folkloregruppe aufgetreten, aber wir hatten noch keinen Stellplatz. Und an
diesem Abend hatten wir auch wieder viel Schwierigkeiten, einen geeigneten Platz
zu finden. Alle Wege führten nur zu den Feldern der Bauern. Einmal saß der Bus
wieder mal im Matsch kurz fest. Den einzigen Platz zum Stehen hatten bereits
Engländer besetzt, und wir folgten einem kleinen Weg bis auf einen Privathof am
Meer. Schließlich lohnte sich die Suche doch noch. Auf einer kleinen
"Straße" fanden wir versteckt am Meer eine Mole, einen kleinen
verlassenen Hafen. Auf dieser Mole konnte der Wagen gut stehen. Allerdings
hörten sich die Wellen, die gegen die Mauer klatschten, ziemlich furchterregend
an. Man konnte meinen, der Bus wäre schon umspült. Daher verlief die Nacht
ziemlich unruhig. Außerdem regnete es wieder mal.
Mi. 29.3.
Morgens regnete
es immer noch; dazu kam ein kalter Wind aus östlicher Richtung. In Sligo sollte
nach der ADAC-Info in der Woche nach Ostern ein großes Fest stattfinden. Als
wir dort ankamen, war es nur diesig, regnerisch und von einem Fest war weit und
breit keine Spur. Wir sind deshalb zum Glencar See gefahren, um die "sich
von den Hügeln herabstürzenden, ruhelosen Wasser" zu betrachten. Aber
auch diese Wasserfälle waren nicht das Gelbe vom Ei. Nur der berühmte "Stream
against the Height", der "rückwärts fließende Wasserfall"
verfehlte seine Wirkung nicht. Durch den an diesem Tag herrschenden Wind hatte
man wirklich den Eindruck, als würde er zu seiner Quelle hin aufsteigen. Leider
kommt man nicht nahe genug heran.
Zurück in
Sligo haben wir uns entschlossen, bereits heute nach Dublin zu fahren. Nun
begann der langweiligste Trip durch Irland. In Boyle haben wir uns von der
Monotonie erholt und Boyles Abbey, die Ruinen des 1161 errichteten Klosters, von
außen betrachtet. Bei diesem Regenwetter machte es einfach keinen Spaß, sich
längere Zeit im Freien aufzuhalten.
In Longeford
versuchte Jörgen am Bahnhof eine Eisenbahner-Mütze zu ergattern. Es dauerte
nur ca. 1/2 Stunde, da hat er sich bereits mit einer Flasche Weißwein und drei
Bier dafür bedankt.
In Dublin, der
Hauptstadt Irlands, haben wir auf Anhieb die Guinness-Brauerei entdeckt. Aber
das ist auch kein Wunder, der Komplex ist sehr groß. Für Besucher wurde ein
extra Museum eingerichtet, nur das kann man besichtigen. Jörgen erfuhr vom
Pförtner, dass Besichtigungen ab 10.00 Uhr vormittags durchgeführt werden.
Also suchten wir uns im Phönix-Park einen schönen Stellplatz und fuhren dann
in die Innenstadt. Das erste, was uns auffiel waren die Auto-Alarmanlagen, die
ziemlich häufig heulten. Nach zwei Pub-Besuchen spazierten wir, vorbei an
weiteren heulenden Alarmanlagen (Geschäfte), zu unserem Bus. Zufälligerweise
hatte Jörgen den Wagen direkt neben einem bewachten Parkplatz abgestellt. Es
war nichts passiert. Von unserem Stellplatz im Phönix-Park hatten wir ein
tolles Panorama auf die Lichter von Dublin. Aber schon nach einer halben Stunde
klopfte es an unsere Tür. Polizei! Es wäre sehr gefährlich hier stehen zu
bleiben. Es wimmelt im Park von Mördern und Räubern. Wir sollten ihnen besser
folgen. So landeten wir schließlich am Polizeipräsidium im Park. Dort standen
wir sicher, zumal die Wache noch angewiesen wurde auf uns zu achten.
Do. 30.3.
Morgens wollten
wir rechtzeitig um 10.00 Uhr bei der Guinness-Brauerei sein. Aber der Bus sprang
nicht an. Nachdem Jörgen den Kofferraum ausgeräumt und einen Blick auf die
Sprit-Leitung geworfen hatte, waren wir der Meinung, dass kein Diesel mehr im
Tank war. Zumal wir gestern mit den letzten Tropfen gefahren waren. Also ist
Jörgen mit einem Kanister zur nächsten Tankstelle gezogen. Ab und zu kam die
Sonne durch. Jörgen musste den Stahlkanister mit dem Diesel (19 1) ziemlich
weit schleppen und war groggy, als er wieder ankam. Rita hatte inzwischen den
Kofferraum wieder eingeräumt. Diesel eingefüllt, aber der Bus sprang nicht an.
Kofferraum wieder ausgeräumt. Den Defekt, eine durchgebrannte Sicherung, hatte
Jörgen schnell gefunden und mit einem Draht überbrückt. Bus sprang an,
Kofferraum wieder eingeräumt, Bus sprang nicht an, Kofferraum wieder
ausgeräumt. Der Draht war durchgeschmort. Nach zwei Probestarts haben wir den
Kofferraum wieder eingeräumt und endlich ging's los zu Guinness.
Die Brauerei
wurde 1759 von Arthur Guinness gegründet und gehört heute zu den größten
Brauereien der Welt. Die Jahresproduktion liegt, wie uns in einem Film
eindrucksvoll gezeigt wurde, bei mehr als fünf Millionen Hektolitern. Das
dunkle Bier, Stout genannt, erhält seinen spezifischen Geschmack in erster
Linie durch den Zusatz von gedarrter Gerste. Wir bewunderten die alten
Gärbottiche, Maschinen und Transportmittel. Am Ende des Rundganges genossen wir
jeder zwei Guinness, mit denen man uns verabschiedete. Da wir pleite waren, war
unser nächstes Ziel die Bank of Ireland in der Innenstadt. Die Sonne schien, es
war schön warm. Das eindrucksvolle, fensterlose Gebäude, in dem seit 1804 die
Bank von Irland untergebracht ist, war im 18. Jahrhundert Sitz des Irischen
Parlaments. Hier wurden die großen -verbalen- Schlachten für die
Unabhängigkeit des irischen Parlaments geschlagen. 1798 wurde Irland mit
England zum "Vereinigten Königreich von Großbritannien und Irland"
verbunden. Das Parlament wurde aufgelöst, der Gebäudekomplex 1804 an die Bank
von Irland verkauft, die umfangreiche Innenausbauten vornahm, um dieses Haus
für ihre Zwecke nutzen zu können. Bereits im Vorraum brannte ein Kamin. Ein
netter Mann zeigte uns das Lordzimmer mit einem 1788 aus mehr als 1200 Teilen
hergestellten Kronleuchter. Außerdem befinden sich dort zwei
"hugenottische" Wandteppiche, der Silberhammer des Unterhauses und ein
schöner Kamin. Im Parlamentssaal ist heute die Schalterhalle untergebracht;
Unser Weg
führte weiter durch die überfüllte Innenstadt. Nach zwei Kaufhausbesuchen
fuhren wir Richtung Enniskerry, um den Powerscourt-Wasserfall anzusehen. Dieser
ist mit 120 m Höhe der höchste Wasserfall Irlands. Aber so doll war das auch
nicht. Weiter ging's zum ehemaligen Mönchsdorf Glendalough. Dort haben wir uns
nur kurz aufgehalten. Es wurde trübe und die ersten Regentropfen fielen. Über
die Wicklow-Mountains und Arklow, wo es eine große Stinkefabrik gibt, fuhren
wir auf der Suche nach einem Stellplatz die Coast-Road entlang. Bereits das
zweite Schild weis uns den Weg zu einem schönen, einsamen Stellplatz direkt
über dem Meer.
Fr. 31.3.
Wir hatten gut
geschlafen. Nach einem Spaziergang im Centrum von Wexford und einem Pub-Besuch
fuhren wir über Rosslare nach Rosslare-Harbour. Dort haben wir im Wartesaal
noch Guinness getrunken. Um 21.30 Uhr begann die Einschiffung. Unsere Kabine war
besser als bei der Hinfahrt. Wir hatten zu zweit eine 4-Bett-Kabine, also viel
Platz. Die See war ruhig.
Sa. 1.4.
Morgens haben
wir im Bus gefrühstückt. Wir hätten auch im Bus übernachten können, keiner
hat uns kontrolliert. Anschließend haben wir gespielt, gegessen und gespielt.
Den Rest des Geldes setzten wir in Guinness um. Es war eine ruhige Fahrt.
Cherbourgh in Frankreich empfing uns mit Sonne und Nebel. Zwischen der
Autoschnellstraße und der Küste haben wir einen Stellplatz gefunden.
So. 2.4.
Morgens schien
die Sonne. Weiter über Rouen Richtung Belgien. Hinter Rouen ist der linke
Hinterreifen geplatzt. Da musste unser defekter Wagenheber noch mal ran, den wir
bereits wegwerfen wollten. Jörgen wechselte den Reifen, während die Autos auf
der schnurgeraden Straße dicht an ihm vorbeirasten. In Belgien war es
regnerisch und nebelig. Wir wollten uns noch ein hübsches Lokal suchen, aber
Belgien schien so etwas nicht zu haben. Daher haben wir an einer
Autobahnraststätte noch viel gegessen. So wurde es sehr spät, als wir in
Aachen-Oberforstbach landeten. Nach kurzem Suchen hatten wir die Fa. Heuten
gefunden und stellten uns auf das unbebaute Nebengrundstück.
Mo. 3.4.
Rita hatte gut,
Jörgen schlecht geschlafen. Es war sehr kalt. Nur 5° C im Bus. So kalt war es
in Irland nie. Die niedrigsten Temperaturen bewegten sich bei 8° - 9° C.
Jörgen kaufte bei der Fa. Heuten Teile für seinen TR6. Über Aachen und Bremen
erreichten wir um 19.55 Uhr Lüneburg.