Samstag, 5. August 2000
Über dem Fjord von Narvik lag eine Wolkenbank. Das sah von der Straße aus
recht merkwürdig aus. Als wir die E6 erreichten schien die Sonne. Leider hatten
wir nur ab und zu Aussicht auf einen Fjord. Es war nämlich so klar, dass sich fotografieren
gelohnt hätte. Seit einigen Tagen versuchten wir, unser Brauchwasser
aufzufüllen. Da wir keine Campingplätze anfahren, sind wir immer auf Quellen
oder Bäche aus den Bergen angewiesen. In Schweden kam man nicht an die kleinen
Bäche heran und hier in Norwegen gibt es zwar viele Wasserfälle, aber sie sind von
der E6 aus unerreichbar. An dem ersten größeren Rinnsal, das sich auf der
rechten Seite die Felsen herunter ergoss, hielten wir am Straßenrand an.
Besondere Parkmöglichkeiten gibt es für solche Unternehmungen nicht.
Glücklicherweise war der Straßenverkehr nicht sehr dicht.
Wir entschlossen uns, die E6 zu verlassen und die Rv 87 entlang zu fahren.
Hier sollten mehrere Wasserfälle sein (lt. Karte). Der erste war fest in
kommerzieller Hand. Wir fuhren vorbei in ein Gebiet, wo eine große Lawine
abgegangen war. Ein Haus war ziemlich beschädigt, andere hatten Glück gehabt. Birken, dicke Fichten, Telefonmasten und Straßenschilder, alle waren
umgeknickt. Die Folgen einer Naturkatastrophe so direkt präsentiert zu bekommen
war wirklich beeindruckend. Dunkle Wolken zogen auf. Wir sahen unseren ersten
Gletscher von der Straße aus. Kurz, bevor die Rv 87 wieder in die E6 mündet,
fanden wir einen tollen Stellplatz am Fluss. Obwohl es wie Bindfäden regnete,
es war einfach zu toll um weiterzufahren. Zwei Wasserfälle mündeten in "unseren"
Fluss. Ab und
zu war die Sonne hinter den Wolken zu erkennen.
Natürlich blieben wir dort, da es bis Tromsø, dessen Besuch wir uns kurzfristig
überlegt hatten, nur noch rund 80 km waren. Außerdem befanden wir uns auf Höhe
der Schneegrenze. Ein paar 100 m weiter lag noch Altschnee.
Sonntag, 6. August 2000
Morgens schien die Sonne bereits um 2 Uhr morgens. Man merkt, ich hatte
Probleme, bei der Helligkeit zu schlafen. Die Berggipfel wurden
angeleuchtet. Diesen herrlichen
Stellplatz aufzugeben fiel uns beiden schwer. Wir füllten noch mal den
Brauchwassertank auf und fuhren nach Tromsø. Dort sahen wir uns zunächst die
Eismeerkirche an. Die hat werktags von 10 Uhr bis 20 Uhr geöffnet und sonntags
von 13 Uhr bis 20 Uhr. Die Kirche besitzt mit einer Höhe von 23 m und einer
Fläche von 140 m² das größte Glasmosaik Europas. An Eintritt sollen 20 nok
pro Person berappt werden. Das ist die erste aktive Kirche die wir kennen, in
der man Eintritt bezahlen muss. Wir fuhren über die 1016 m lange Brücke in die
nördlichste Universitätsstadt Tromsø. Sie liegt auf einer Insel. Man kann
sowohl die Straßen benutzen wie auch die Tunnel, die einen schneller von einer
Seite zur anderen bringen. Unser Ziel war aber erst einmal das Polaria. Das
Ausstellungsgebäude ist leicht an den 5 simulierten Eisschollen zu erkennen.
Eintritt für Erwachsene: 70 nok, Kinder 40 nok. Zunächst kommt man in ein
Theater, in dem ein Film über Spitzbergen gezeigt wird. Der Film wird nicht
kommentiert, ist daher eine reine Darstellung der Natur. Gezeigt wird er auf 5
nebeneinander liegenden Leinwänden über 5 einzelne Projektoren. So entsteht
ein Panoramakino, das den Film wesentlich plastischer erscheinen lässt. Nach 18
Minuten Film gingen wir durch eine Tür, die uns direkt in die Polarnacht
führte. Schneeflocken fielen auf uns herab und wir betrachteten einen
künstlichen Eisbären in seiner Höhle. Dann gelangten wir in das Aquarium. Das
war sehr schön angelegt. Robben schwammen über unseren Köpfen hin und her, da
die Gänge unter dem Aquarium angelegt waren. In einem Bassin gab es Fische zum
Anfassen. Manche reagierten auch auf "Hand im Wasser" usw. Viele
Unterwassertiere aus dem Polarbereich waren in unterschiedlichen Aquarien zu
sehen. Bislang wusste ich auch nicht, dass das Wasser an den Polen schwerer ist
als anderswo. Das wurde durch einen Strudel anschaulich erklärt.
Die anderen Museumsformen kannten wir schon aus Schweden bzw. aus Oslo,
deshalb wollten wir nur noch das Nordlichtplanetarium ansehen. Leider war die
deutsche Vorführung bereits um 12 Uhr. Die anderen Sprachen bringen uns nicht
so viel. In Englisch verstehen wir auch nur 60 %. Daher beschlossen wir, Tromsø
nach einer Fahrt durch die Tunnel zu verlassen. Wir wollten auf unserem Weg nach
Norden einen großen Umweg
sparen und mit zwei Fähren Olderdalen erreichen. Gerechnet haben wir mit
ca. 280 nok, wie es in dem neuesten Reiseführer stand. Bereits für die
kürzere Strecke sollten wir 152 nok bezahlen. Das war uns eindeutig zu viel.
Auf der Fähre waren die Preise angeschlagen. Für ein Fahrzeug bis zu 6 m
einschließlich bezahlt wesentlich weniger, als man uns abgeknöpft hatte. Nach
dem Anlegen ging Jörgen mit dem Fahrzeugschein des MAN zu der Kassiererin und
bekam tatsächlich die Differenz zurückgezahlt. Immerhin 74 nok. Für die 2.
Fähre hatte ich das Geld bereits passend parat. Auch hier half der
Fahrzeugschein. Statt 210 nok (für Fahrzeuge ab 6,01 m) bezahlten wir nur 107
nok. Soviel macht ein Zentimeter aus. Gespart hatten wir durch die Fähren eine
Distanz von ca. 120 km.
Von Olderdalen aus fuhren wir immer nur am Fjord entlang. Auf einem Feldweg
gelangten wir in die Nähe des Wassers. Leider hatten wir keine gute Aussicht.
Aber so einen schönen Stellplatz wie gestern kann man nicht immer verlangen.
Montag, 7. August 2000
Auf der Fahrt nach Alta überquerten wir mehrmals die Baumgrenze. Sie liegt
hier bei ca. 360 m. An den Straßenrändern liegt Altschnee zum Anfassen. Die
letzten 60 km vor Alta erinnerten an kleine Straßen in Griechenland oder
Ex-Jugoslawien. Die Kurvenfahrerei war aufregend. Ein Rentier kam die Böschung
herunter und der spanische Bus hinter uns musste richtig in die Eisen gehen.
Einmal unterschätzte Jörgen eine Kurve und wir landeten fast im Felsen. Ist
aber noch mal gutgegangen. In Alta besuchten wir zuerst die Touristeninfo. Dort
erhielten wir Infos über das Alta Museum und die Anfahrt zum Sautso-Canyon. Wir
fuhren zunächst zum Museum und bezahlten 60 nok Eintritt pro Person. Dafür erhielten
wir eine deutsche Info über das Museum selbst und eine ausführliche
Broschüre über die Felszeichnungen. Das war im Preis enthalten. Dann konnten
wir uns auf dem Gelände frei bewegen. Die 6200- 2500 Jahre alten
Felszeichnungen erreicht man auf dem Freigelände. Es wurden extra Gehwege durch
das sumpfige Gebiet angelegt. Die Felszeichnungen waren zum besseren Erkennen
mit roter Farbe ausgemalt worden. Es wird angenommen, dass das auch früher so war. Im
Vergleich zu den Felsgravuren im Wadi Mathendous in Libyen wirkten diese
Zeichnungen eher wie "Strichmännchen". Aber sie beweisen die
Besiedelung dieser Region bereits vor 6000 Jahren. Auch Reste von Handwerkszeug
und Utensilien aus dem Haushalt wurden gefunden. Auf dem Rundgang sollte man
sich vor den Mücken in acht nehmen. Im Museumsgebäude selbst wurden Dinge rund um Alta
ausgestellt und auch Teile aus den Kriegen.
Dann fuhren wir eine kleine Straße entlang in Richtung Sautso-Canyon. Die
Gegend war fantastisch. Es begegneten uns keine Touristen. An einem Wasserfall
in einem Schieferabbau-Gebiet konnten wir einfach nicht vorbeifahren. Es war
herrlich, bei dem schönen Wetter dort herumzuklettern. Kurz danach befuhren wir
einen Privatweg, der vom 1. Juni bis 30. September für den normalen Autoverkehr
freigegeben ist. Nach einem in Fels gehauenen Straßenabschnitt erreichten wir
einen Sperrebom, eine Straßensperre. Hier ging es nicht mehr weiter, jedenfalls
für uns nicht. Wir beobachteten mehrere Personen in Fahrzeugen, die einen
Schlüssel für die Sperre besaßen. Wenige der ankommenden Personen wanderten
die Straße weiter entlang. Die meisten Fahrzeuge drehten, als sie den Sperrbaum
erreichten. Es wurde diesiger, aber der Stellplatz war sehr schön. Direkt an
einem See. Nur Abendsonne hat man dort nicht.
Dienstag, 8. August 2000
Morgens war der Himmel bedeckt. Es regnete sich richtig ein. Aber
so gegen 11 Uhr, als wir uns für die Wanderung zum Sautso-Canyon, dem größten
in Nordeuropa, bereit machten, hörte es fast auf. Von der gesperrten Straße
aus sollten es 4 Kilometer bis zum Canyon sein. So wurde es uns jedenfalls in
dem Touristenbüro erzählt. Dann marschierten wir los. Wir zogen unsere
Regenjacken über, denn es nieselte noch und der Wind war sehr kalt. Jörgen
scherzte und sang, mir war eigentlich nicht danach zu Mute. Nach einer Kreuzung,
wo wir uns für den rechten Weg entschieden, ging die Straße sehr steil bergab.
Ein Radfahrer, der uns inzwischen forsch überholt hatte, kam uns hier wieder entgegen und schob
sein Rad den Berg hinauf. Wir folgten der sehr abschüssigen Straße bis zu
einem schönen Blick in den Canyon und weiter bis zu einem Kraftwerk. Dort
endete die Straße und es ging auf einem unbefestigten Weg weiter steil bergab.
Mir grauste bereits vor dem Rückweg. Jörgen hatte sich inzwischen bereits
einen Hacken bepflastert. Jetzt konnte er wieder gut laufen. Er ging den Weg
weiter um noch Aufnahmen zu machen, ich machte mich bereits wieder auf den
Rückweg. Jörgens Weg endete an mehreren Fahrzeugen und einem Motorboot.
Außerdem piesackten ihn die Mücken. Deshalb drehte auch er um. Die steile
Straße hinaufzugehen war mächtig anstrengend. Die Füße begannen weh zu tun.
Nachdem wir die Abzweigung passiert hatten, kam ein VW-Bus und bog links ab. Wir
dachten, dass dort auch noch etwas sein könnte und gingen ebenfalls in die
Richtung. Plötzlich konnte Jörgen nicht mehr weiter, sein linkes Bein knackte
bei jedem Schritt und er meinte, dass er nicht mehr lange gehen könnte. So
drehte er um und ich ging noch ein Stück weiter. Als ich sah, dass die Straße
genau so steil bergab ging wie die andere, drehte ich wieder um. Dort wäre ich
mit meinen, inzwischen auch schon sehr lädierten Beinen, nicht wieder
hinaufgekommen. So folgte ich Jörgen. Inzwischen schien auch die Sonne und es
war angenehm zu wandern, wenn man gesunde Füße hatte. Wir hingegen schleppten
uns Schritt für Schritt vorwärts. Das Gehen fiel verdammt schwer und tat auch
noch so weh. Einmal wollte ich schneller vorwärts gehen, nahm die
Autoschlüssel und marschierte los. Nach 200 Metern brannten die Füße wie
Feuer. Dann lieber doch langsam und gemächlich. Am MAN angekommen, kamen wir
kaum in unser Haus. 1 ½ Stunden brauchten wir, um uns einigermaßen zu
regenerieren. Dann nahmen wir schweren Herzens Abschied von unserem Stellplatz,
aber wir mussten ja mal weiter.
Die Fahrt ging über eine baumlose Hochebene weiter. Hier hatten die Sami
Zäune aufgestellt, um die Rentiere beisammen zu halten. Über eine Schlucht
führte eine lange Hängebrücke. Dafür musste man jedoch einen Abhang
herunterklettern. Jörgen weigerte sich. Ich überlegte noch, aber dann siegte
doch die Vernunft. Schließlich konnte ich kaum geradeaus gehen. Klettern wäre
tödlich. An der E69, der Straße zum Nordkap, fanden wir einen Rastplatz am
Meer. Etwas abseits auf den Felsen konnten wir den MAN hervorragend parken und die Enten
im Meer beobachten, die sicherlich mindestens eine Minute unter Wasser tauchen können.
Mittwoch, 9. August 2000
Es regnete. Trotzdem fuhren wir guten Mutes Richtung Nordkap. Teilweise
führte die Straße durch Tunnel. Wohnmobile und Busse kamen uns entgegen. Schon
bald befanden wir uns in dichtem Nebel. Fähren verkehren nicht mehr zur Insel
Magerøya. Ein kleines Schild, dass kurz nach dem Tunnel eine Zahlstation folgt,
weist auf die Kostenpflicht bei der Benutzung des Tunnels hin. Es werden keine
Preise aufgeführt. Der Nordkapp-Tunnelen trägt den Namen "Fatima"
und ist der größte Unterwasser-Straßentunnel der Welt. Er verbindet auf einer
Länge von 6870 m das norwegische Festland mit der Insel Magerøya und führt
unter dem 3,5 km breiten Magerøysundet hindurch, wobei er eine maximale Tiefe
von 212 m erreicht. In der Röhre beträgt das Gefälle bzw. die Steigung bis
ungefähr 10 %. Auch Radfahrer dürfen den Tunnel nutzen. Wie angekündigt ist
die Zahlstelle am Tunnelausgang in Richtung Nordkap eingerichtet. Trotz der
ungenauen Angabe auf dem Schild (Autos bis 6 m 125 nok, Wohnmobile 6-12 m 400
nok) kommen wir mit unserem Fahrzeugschein (Länge genau 6 Meter) diesmal nicht
weiter. Wir berappen also 440 nok und fahren im Nebel weiter bergauf und bergab,
bis wir plötzlich an einem Häuschen stehen. Dort berappen wir weitere 175 nok
pro Person und dürfen auf den Nordkap-Parkplatz fahren. Der Eintrittspreis gilt
für 2 Tage. Enthalten ist die freie Benutzung der Nordkaphalle (mit Kino,
Ausstellung usw.). Im Nebel tasteten wir uns auf dem Parkplatz weiter. Sehen
konnte man so gut wie nichts. An einem Zaun, der die Klippen gleich dahinter
erahnen ließ, stand der MAN ziemlich gerade, was auf dem Parkplatzgelände gar
nicht einfach ist. Wir erkundeten zunächst die Halle. Es gab einen Film über
das Nordkap, der dem im Polaria in Tromsø sehr ähnelt. Er stammt auch vom
gleichen Regisseur. Nebel, nichts als Nebel auf dem Nordkap. Am späten
Nachmittag konnte man ab und zu mal das Wasser sehen. Aber nie lange. Wir
hofften auf den nächsten Tag, obwohl es einfach viel zu trübe war, um
irgendwelche Hoffnungen auf besseres Wetter zu haben.
71°10‘21‘‘! Das sind die Koordinaten des "nördlichsten
Aussichtspunktes Europas". Sie stehen auf fast jeder Ansichtskarte, die im
gut besuchten Souvenirladen zu erwerben sind. Doch westlich des Nordkaps liegt
Knivskjelodden, dessen Landzunge mit 71°11‘48‘‘ der nördlichste Punkt
des europäischen Festlandes darstellt. Aber die Felsen fallen dort nicht so
spektakulär ab wie am Nordkap. Man kann den Felsen "Knivskjelodden"
erwandern. Eine Straße dorthin existiert nicht. Ich habe mit der Bezeichnung
"nördlichster Punkt des europäischen Festlandes" so meine
Schwierigkeiten. Magerøya ist doch eigentlich eine Insel. Durch den Tunnel kann
auch eine Insel nicht zum Festland werden. Und es gibt nördlichere europäische
Inseln, z. B. Spitzbergen. Meiner Ansicht nach ist dieses Nordkap reine
Touristenindustrie. Der erste Tourist, der das Nordkap besuchte, soll der
Italiener Francesco Negri sein, der bereits im Jahr 1664 an dieser Stelle stand
und die unberührte Landschaft betrachtete. Jörgen fotografierte immer, wenn
sich der Nebel ein wenig lichtete. Wer weiß, wie es morgen hier aussieht. Es
kommen immer mehr Wohnmobile, meistens Italiener. Gegen Abend kommen auch viele
Busse an. Die Nordkaphalle hat um diese Jahreszeit von 9 Uhr bis 24 Uhr
geöffnet.
Auf dem Nordkap-Felsen befindet sich das Denkmal "Kinder der Erde",
das gemeinsam von sieben Kindern aus allen Erdteilen gestaltet wurde. Die
Reliefs symbolisieren Hoffnung, Freude und Zusammenarbeit über alle Grenzen
hinweg. Seit der Einrichtung 1989 bilden die Skulpturen mit der Nordkaphalle den
Rahmen für die jährliche Verleihung des "Kinder und Erde-Preises",
der in Form eines größeren Geldbetrages an eine Organisation oder an ein
Projekt zur Verbesserung der Lebensbedingungen von Kindern vergeben wird. Um 24
Uhr war es noch taghell, aber es wehte ein stürmischer, sehr kalter Wind.
Donnerstag, 10. August 2000
Morgens um 3 Uhr wachte ich auf und sah, dass die Rollos an den Fenstern hell
erleuchtet waren. Obwohl ich überhaupt keine Lust hatte, aufzustehen, siegte die
Neugier. Die Sonne schien und sie stand schon sehr hoch. Sonnenaufgang musste
daher so um 1:30 Uhr oder 2:00 Uhr gewesen sein. Ich weckte Jörgen. Wir zogen
uns beide warm an, denn der Wind war immer noch sehr kühl. Nur wenige Menschen
waren wach und spazierten auf den Felsen umher. Wir machten einige, hoffentlich
sehr schöne Fotos und verkrochen uns wieder ins Bett. Um 9 Uhr waren bereits
einige Touristenbusse da. Es war wolkig, aber ab und zu kam die Sonne hervor.
Außerdem war es kaum windig. Gegen gestern war das Wetter einfach wundervoll.
Da wir jedoch bereits alles gesehen hatten und der Trubel hier oben immer mehr
zunahm, fuhren wir gegen Mittag wieder ab. Uns begegneten noch einige
Wohnmobile. Die meisten Busse kommen meist erst später. Jetzt ging es also in
Richtung Finnland. Es war bewölkt, ab und zu regnete es. Ein Wegweiser wies auf
eine Sehenswürdigkeit hin –Trollholmsund-. Wir fuhren die 5 km bis zum
Parkplatz. Da Jörgen immer noch nicht gut laufen konnte, ging ich alleine zu
den Felsformationen. Sie sollen Trolle sein, die von der Morgensonne überrascht
wurden und so zu Stein wurden. Die ganze Bucht bestand aus Kalkstein und es war
sehr hübsch dort. Auf dem Rückweg wollte mir eine Samenfrau Souvenirs
verkaufen. Als ich verneinte, ließ sie mich in Ruhe. Diese Souvenirstände
findet man auf dem Weg zum Nordkap häufig an Parkplätzen. Mit uns waren
Franzosen auf dem Parkplatz am Trollholmsund. Der Mann hatte ein Rentiergeweih
bei der Samin gekauft. Es war zu drollig, mit anzusehen, wie er einen geeigneten
Platz dafür in und auf seinem Fahrzeug suchte. Er fand einfach keinen Platz, an
dem er das Geweih befestigen konnte. Auf der Strecke von Lakselv nach Finnland war es
gar nicht einfach, einen schönen Übernachtungsplatz zu finden. Wir durchfuhren
wieder viel Sumpfgebiet oder es war einfach zu felsig. Schließlich folgten wir
einem wenig befahrenem Weg und landeten an einem See. Es war sehr schön dort,
nur das Wetter war durchwachsen.
Freitag, 11. August 2000
Wir fuhren sehr spät weiter. Der Platz war einfach zu schön. Die
Touristeninfo in Karasjok befindet sich im Samelandsenteret. Auf über 1000 m²
sind Hotel, Café, Gasthaus und Samenhütten aufgebaut. Durch die ausgestellten
Hütten kann man kostenlos spazieren. Auch Rentiere sind zu besichtigen.
Originell aufgebaut und eingerichtet ist das Gammen-Gasthaus. Es orientiert sich
an einer Samenhütte. Ein italienisches Filmteam machte gerade
Aufnahmen. Von diesem Center fuhren wir zum Assebakti Kultur- und
Naturerlebnispfad, der 16 km außerhalb des Orts liegt. Dort sollten über 100
Artefakte der samischen Kultur zu sehen sein. Wir rieben uns gut mit
Mückenmittel ein und los ging es auf den Pfad. Es waren Tafeln angebracht mit
norwegischen Erläuterungen zu Pflanzen und Tieren. Schließlich erreichten wir
den Kulturpfad. Es waren Steinansammlungen zu sehen, die einmal Feuerstellen von
Häusern sein sollten. Außerdem sahen wir viele ehemalige Fanggruben für
Rentiere und andere wilde Tiere. Es war merkwürdig still im Wald. Keine Vögel
und keine Tiere waren zu hören und zu sehen. Jörgen wollte noch bis zum Wasserfall.
Auf dem Weg dorthin wichen wir häufiger vom "normalen" Weg ab. Einmal
mussten wir einen Fluss überqueren. Gott sei Dank gab es dort Steine. Dann standen wir vor einem
Sumpfwasserlauf. Zuerst suchten wir einen anderen Weg. Vergeblich! Dann
entdeckte Jörgen, dass man genau in der Mitte einigermaßen trockenen Fußes
durch das Wasser waten konnte. Am Wasserfall angekommen machten wir erst einmal
Rast und begaben uns dann auf den Rückweg. Insgesamt sind wir sicherlich 6
Kilometer gewandert. Auf dem Rückweg entdeckten wir dann auch Tiere, aber
verhältnismäßig wenig. Eigentlich sollten dort auch Rentiere und Elche zu Hause sein.
Gesehen haben wir leider keine.
Am Parkplatz angekommen, hatte sich gerade jemand etwas gegrillt. Die
Grillplätze waren offiziell angelegt. Das war die beste Gelegenheit, auch noch ein paar
Würstchen aufzulegen. Es fing ein wenig an zu regnen. In Karasjok besichtigten
wir noch die alte Holzkirche von 1807. Sie war eine Kreuzkirche, echt schön und
einfach gehalten. Jörgen stieg auf die Empore, wo ein kaputtes altes Harmonium
stand. Er hatte dort oben kaum Kopffreiheit. Die Kirche soll die älteste
Holzkirche der Finnmark sein. An der finnischen Grenze konnten wir bei grünem
Licht durchfahren. Keine Kontrollen. In Inari tankte Jörgen. Wie sich später
herausstellte, wurde der Spritpreis 'gen Süden immer billiger. Unser nächster
Anlaufpunkt war das sogenannte Bärennest. Unsere Hoffnung, dass man dort eventuell gut
übernachten könnte, zerschlug sich, nachdem wir den Touristenrummel dort
sahen. Wir drehten um, denn von der Straße aus hatten wir etwas besseres
entdeckt.
weiter gehts mit der 3. Etappe -
Finnland
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